Christian Kracht · 2025

Воздух

Air · двуязычный ридер · 3109/3152 предложений

DE

Глава 1 paul

Das Leben war voller Sorgen, aber auch nicht wirklich. Es war eine Zeit, in der viele Dinge schnell erworben und dann wieder vergessen wurden. Es war ein großes, ruhiges Zimmer in einem kleinen Haus am Wasser, in der Hafenstadt Stromness, im frühen Herbst. Draußen, vor dem Fenster, schwebte ein Himmel ohne bestimmte Farbe über den schottischen Orkney Inseln, der mit hoch aufragenden Kumuluswolken zugedrängt war. Bald würden die oszillierenden Vorhänge aus grünem Licht am Himmel zu sehen sein, wenn die Wolken zur Nacht wegzogen. Stromness war ein weit im Norden an einem grauen Meer gelegener Ort, kalt und steinern und sauber.

Ein silbergrauer Laptop stand auf dem hell gebeizten Holztisch. Das Magazin Kūki lag am anderen Ende gestapelt, die Ecken der Hefte ordentlich im rechten Winkel zur Tischkante arrangiert. Das Magazin war auf Recyclingpapier gedruckt, das sich mit der Zeit durch die Luftfeuchtigkeit – denn das Haus in Stromness stand direkt an der Hafenbucht – leicht gewellt hatte.

Auf dem Umschlag des Magazins war, vom Glimmen des Laptops erhellt, eine irdene, umbrafarbene Schale zu sehen, in der drei Walnüsse und einige kleine, fast durchsichtige Muschelschalen ruhten. Auf einem Teller lag ein angebissenes Croissant. Unter dem Tisch standen ein paar dunkelgrüne, hochschaftige Gummistiefel. Die Wand dahinter, an der ein altes Schweizer Militärfahrrad lehnte, war aus hellgrauem Stein, dessen Unebenheiten, Rillen, Scharten und Pocken die Ruhe des Raumes unterstrichen, anstatt sie zu stören.

Über dem Fahrrad hing ein gerahmtes Ölgemälde an der Wand. Es zeigte den Zauberer Merlin und den Ritter Lancelot, gemalt vom Schotten James Archer am Ende des neunzehnten Jahrhunderts. Archers Name stand in schwarzen Lettern auf dem unteren Teil des mit goldener Farbe angestrichenen Holzrahmens.

Es war weder ein besonders eindrucksvolles Bild, noch war es von Archer besonders gut gemalt worden. Der Zauberer Merlin war in eine lange helle Kutte gekleidet, und eine weiße Kapuze bedeckte seinen Hinterkopf und verbarg auch sein Gesicht. Am Himmel waren die verglühende Abendsonne zu sehen und ein paar hingehuschte Wolken. Merlin schritt, Sandalen an den Füßen, selbstbewußt und emphatisch dem Ritter Lancelot auf dem Pfad voraus. Lancelot, der seltsam müde, phlegmatisch und versunken im Sattel eines ebenso müden schwarzen Pferdes saß und sich von Merlin den Weg hinüber ins Schattenreich weisen ließ, ritt dem Zauberer nach, links aus dem Bild hinaus.

Die spitz zitternden Schatten eines Bündels Schilfgräser, das drüben auf der Fensterbank aus einem Krug ragte, huschten unmerklich über die Gummistiefel, dann über ein weiteres paar Schuhe. Es waren an der Hacke aus- und heruntergetretene, einstmals hellbraune katalanische Sandalen, deren Sohlen sich im Zustand der endgültigen Auflösung befanden. Lederkrümel aus den Sandalen lagen bereits einige Zentimeter neben ihnen, auf dem nur teilweise glänzend polierten Betonfußboden.

Auf diesem lag, ebenfalls rechtwinklig zum Tisch ausgerichtet, ein schmutzig-weißer Schafwollteppich, der nicht gleichmäßig gebleicht, sondern an mehreren Stellen graubraun belassen worden war. In dessen Mitte saß eine einäugige Katze und sah zum Fenster hin. Die Krallen ihrer Pfoten hatten sich im Wollteppich verhakt. Die Katze zog abwechselnd die linke und rechte Pfote hoch, dadurch entstand ein leise reißendes Geräusch.

In der Ecke des Raumes, neben dem über den kleinen Hafen hinaussehenden Fenster im Haus in Stromness, lag Paul auf einem zerschlissenen Sofa, das mit Segeltuch bezogen war, und schlief. Es fühlte sich für ihn an, als befände er sich auf dem Kamm einer langen glatten grauen Welle in einem öden schieferfarbenen Südmeer, über das er dahinglitt. Die Antarktis, die Ross-Insel und ihre verbotenen vulkanischen Gipfel waren nicht weit, sie leuchteten unwirtlich am Horizont, zu dem die Welle ihn trug. Es war fast ein angenehmes Gefühl, aber nicht ganz.

Eines jener alten orangeroten, englischen Penguin-Taschenbücher war ihm im Schlaf aus der Hand gefallen und lag nun auf dem Teppich neben dem Sofa. Es war ein Buch aus dem Zweiten Weltkrieg über Flugzeugerkennung. Im Buch wurde erklärt, wie man die Heinkels, Messerschmitts, Hurricanes und Spitfires beim Überflug rasch identifizieren konnte, indem auf die Unterschiede ihrer Umrisse hingewiesen wurde. Auch der Klang der einzelnen Maschinen war unterscheidbar. Sogar am Schatten des jeweiligen Flugzeugs, der über die Landschaft strich, konnte erkannt werden, ob es eine Focke-Wulff oder eine Beaufort war. Regen war ein gutes Omen. Den Kranken wurde Wasser aus den sieben Quellen zu trinken gegeben. Regenwasser oder das Wasser des Lebens, wie es in Rußland hieß, heilte Wunden, ließ verstümmelte Körperteile wieder wachsen, verjüngte die Alten und erweckte Tote zum Leben.

Dort am Horizont waren sie jetzt zu sehen, am Ende der Wellenkämme: die weißbedeckten, sich hoch auftürmenden Vulkanberge Mount Erebus und Mount Terror. Schneefahnen wehten von ihren furchterregenden Spitzen seitlich weg. Und ganz plötzlich wurde der Traum schrecklich. Paul wachte mit einem Angstruck auf. Sein Hemd war oben, unter der Kehle an den Schlüsselbeinen, naß geworden, klebrig und unappetitlich. Den ganzen Tag verschlafen und verdummt aufgewacht, dachte er. Es war nun sehr spät am Abend, und draußen war es dunkel, obwohl es nie ganz dunkel wurde, im Sommer und im Herbst.

Paul stand verwirrt und viel zu langsam auf, suchte seine Brille, ging zum Tisch und berührte sachte den Laptop mit der Spitze des Zeigefingers. Das Gerät und der Schirm und auch der Raum erhellten sich. Er sah hinaus zu den grün wabernden Vorhängen des Polarlichts, vor dem Fenster über dem Hafen am Himmel, die ihm anfangs, als er hierher auf die Orkney Inseln gezogen war, noch wie ein Wunder erschienen waren. Stundenlang hatte er sie angestarrt, diese Spektakel des Sonnenwinds, Ionenaufladungen in der Atmosphäre, Photonenstürme. Und nun, nach so langer Zeit in Stromness, als sie beinahe jede Nacht am Himmel erschienen waren, blieben sie ihm lediglich Dekoration und akzeptierter, fader Teil der Natur, deren Magie für ihn erloschen war.

Er machte das Licht an, hielt sich die Hand vor den Mund, um zu gähnen, und trocknete sich den Schweiß des Alptraums mit einem Küchentuch ab, das er faltete und wieder über den Ofen hing. Dann ging er zum Kühlschrank, öffnete ihn, nahm den Hüttenkäse heraus, leerte ihn auf die Untertasse mit den Croissantresten und stellte diese vor die Katze auf den weißen Teppich. Er mochte keine Katzen. Diese hier war ihm zugelaufen. Er hatte eines Morgens die Haustür geöffnet, und sie war erschienen und an seinen Füßen vorbei ins Haus spaziert, als wohne sie nun da bei ihm.

Paul setzte sich vor seinen Laptop an den Tisch. Er hatte zwei Mails bekommen, sonst nur den üblichen Junk aus Nigeria. Das eine schien ihm wichtig und machbar, und deshalb hatte er es heute morgen schon dreimal gelesen, und nun nach dem Abendschlaf las er es noch mal. Das zweite Mail bat ihn in recht ungelenkem Englisch um eine ganz vorsichtige Renovierung des Hauses von Ingmar Bergman auf der Insel Fårö in Schweden. Es waren nur wenige kleine Handgriffe, die man von ihm wollte, hier, wo Faulschwamm in den Wänden erschienen war, etwas frische Farbe, dort ein paar Stuhllehnen austauschen, die wurmstichig geworden waren. Sie konnten nicht viel zahlen. Und die Anreise auch nicht. Er atmete hörbar aus. Sollten sie doch, wenn sie etwas von ihm wollten, bitte anständiges Englisch schreiben, nicht so einen Charles-Dickens-Unsinn: Please, kind sir, und: most obediently, stand da. Er schob mit einer Fingerspitze das Mail links hinunter in den Ordner für Unerledigtes.

In dem ersten Mail wollte man, daß er für die Zeitschrift Kūki das perfekte Weiß fand. Eine immense dunkle Halle sollte weiß angestrichen werden, in Norwegen, mit Hektolitern Farbe. Er solle sich doch bitte zur Besprechung im Büro in Stavanger einfinden, Flugticket anbei, Business. Viel Geld sei im Spiel, vielleicht hundertfünfzigtausend.

Das perfekte Weiß, dachte er. Ja, ja, da war er der Richtige. Einmal Weiß, natürlich, bitte sehr. Nicht zu beige, nicht zu eierschalenfarben, nicht zu blaukalt wie Schneeweiß. Keine Eisfarbe. Menschenskind. Kūki. Super. Wie sie nur gerade auf ihn gekommen waren. Er freute sich außerordentlich. Was für eine tolle Ehre. Seit vielen Jahren schon hatte er die auf rauhem, hellbraunem Recyclingpapier gedruckte Zeitschrift abonniert, ihren subtilen Wandel vom modernistischen, asketischen Intelligenzblatt hin zum leicht spleenigen, sich selbst absichtlich irrelevant machenden Dekorationsmagazin mitverfolgt.

Jede Ausgabe, die im Briefkasten in Stromness landete (denn es gab keine Onlineausgaben) wurde von Paul genauestens studiert. Kūki. Er stapelte die letzten sechs Ausgaben stets auf seinem großen Tisch, die anderen in der Ecke seines Schlafzimmers, wo sie über die Jahre einen beachtlichen Turm gebildet hatten.

Früher, ganz am Anfang, war Kūki zum Beispiel zu Besuch bei einem der letzten japanischen Bürstenbinder gewesen, der im Hida-Gebirge auf Honshu in einer Holzhütte seine Hanfbürsten noch von Hand knüpfte. Es war in diesem Magazin immer um Exklusion gegangen. Der letzte dies, der einzige das. In den ersten Jahren des Magazins hatte Kūki die modernistische, skandinavisch-japanische Reduktion noch als notwendig angesehen, darauf folgten dann im Laufe der Jahre die Nachhaltigkeit und die strenge Wiederverwertung und der asketische Verzicht, und heute schließlich plädierten die Fotostrecken und Artikel für eine sanfte, leicht verschrobene, antikapitalistische Metaphysik.

Paul erinnerte sich, daß er vor ein paar Jahren, als die Orkney Sourdough Bakery im Kūki Magazin in einem recht kleinen Artikel (aber mit Foto) lobend erwähnt worden war, sich so sehr gefreut hatte, hier schon zu wohnen. Seine kleine Bäckerei im großen Kūki. Er legte Wert darauf, die Bäckerei jede Woche zu besuchen, um Brot zu kaufen, obwohl sie außer den drei Sauerteigbroten und wenigen Zimtschnecken nicht viel im Angebot hatten. Es war ja auch nur eine Person, die dort arbeitete. Und plus war die Nachfrage nicht groß, da die Menschen auf Orkney lieber weißes vorgeschnittenes Toastbrot aßen, vom Supermarkt.

Letztens hatte er also das grüne Schweizer Militärvelo durch die Haustür geschoben, sich auf den unkomfortablen Ledersattel gesetzt und war losgefahren, das Kopfsteinpflaster die Alfred Street hinauf. Stromness bestand im Grunde nur aus ein paar Straßen und grauen Gassen, so war er rasch außerhalb der Stadt und auf dem Holperweg hinauf zur Bäckerei. Er trug prinzipiell keinen Fahrradhelm, da er diese stromlinienförmigen, bunten Monstrositäten rigoros ablehnte. Warum aber hatte er nur kein Mountainbike gekauft, das blöde Schweizer Ding war so furchtbar schwer, und es hatte keine Gangschaltung, das machte doch gar keinen Sinn. Es war wie keine praktischen Fleecepullover tragen auf den vom eiskalten Wind umwehten Orkney Inseln, sondern stur und dämlich auf Schafwolle zu bestehen. Es war schrecklich anstrengend gewesen, da es nun ganz allmählich, aber doch ernsthaft bergauf gegangen war. Paul schwitzte und fluchte. So super gut war das Sauerteigbrot nun auch wieder nicht. Aber wenn er beim Pedale treten nach links und rechts schaute, lächelte er, weil er dann wußte, warum er hier lebte. Nichts als grüngraue kleine Hügel, Schafe und steinerne, hüfthohe Mauern, die sich in der Weite der Landschaft verloren. Keine Menschenseele, und immer das Meer, zu allen Seiten, schiefergrau und wunderbar abweisend. Daß der Weg zur Orkney Sourdough Bakery tatsächlich so weit war, das konnte er nicht erinnern. Eine Stunde radelte er durch den Sprühregen.

Dort war schon das steinerne, weiß getünchte Haus mit dem Grasdach, die alte rote Telefonzelle daneben, die zur Gratisbuchhandlung umfunktioniert worden war – man nahm sich ein Buch, und wenn man Zeit hatte, stellte man ein anderes wieder hinein. Es war meistens nur Schund, dennoch hatte er neulich Die Brüder Löwenherz von Astrid Lindgren gefunden, eine schöne englische Erstausgabe, und sie mitgenommen, aber kein neues wieder nachgefüllt, und er fühlte deshalb eine unbestimmte Schuld.

In der Bäckerei angekommen, stand er eine Weile unschlüssig umher, weil die Bäckerin noch Pilze sammeln war, so stand es auf einem handgeschriebenen Schild neben den Bastkörben. Man solle sich einfach die gewünschten Brotlaibe herausnehmen, in eine Packpapiertüte tun und dann mit der App das Geld überweisen, auf Vertrauensbasis.

Wieder draußen, das Brot in der Hand, öffnete er rasch die Tür der Telefonzelle, überflog das Buchangebot, an dem sich seit neulich nichts verändert hatte. Doch, Moment, dort lag doch etwas Neues, eine Broschüre zum Herstellen einer Keramikwaffe mittels 3D-Drucker. Interessant, dachte er. Er schaute sich um, ob ihn jemand beobachtete, und schob sich das Büchlein hinter den Gürtel. Beim nächsten Besuch würde er ganz sicher zwei Bücher aus seinem Haus mitnehmen und in die Telefonzelle legen.

Hätte er doch nur beim Militärvelo ein Bastkörbchen an die Lenkstange montiert. Oder eine Tragetasche mitgebracht. So aber mußte er sich das Sauerteigbrot unter den Arm klemmen, und einmal fiel es hinab auf den Weg, die Papiertüte platzte, und er hielt an, um es wieder aufzuheben. Er pustete den Straßenschmutz vom Brotlaib und wischte mit dem Ärmel seines durchnäßten Pullovers darüber. Ärgerlich. Aber der Weg zurück war wenigstens viel leichter, er nahm sogar die Füße von den Pedalen, streckte sie nach links und rechts aus und freute sich darüber, daß er schnell und mühelos wieder hinab nach Stromness sauste.

Zu Hause angekommen, nahm er das Brot aus der braunen Tüte, legte es in der Küche auf den Holzblock und schnitt sich mit dem extrascharfen Riffelmesser aus Kyoto eine Scheibe ab. Er war ziemlich erschöpft, und es hatte sich eigentlich gar nicht gelohnt, mit dem Fahrrad dorthin zu fahren, dennoch schmierte er sich etwas Sauerrahmbutter auf die Brotfläche und holte aus dem Schrank das Blackthorn Salt, aus der Salzplantage im westschottischen Ayrshire.

Das Blackthorn Salz wurde durch einen sogenannten Dornenturm gefiltert. Junge Leute hatten eine alte Salzgewinnungsanlage gekauft, die schon nach dem Zweiten Weltkrieg niemand mehr hatte betreiben wollen, sie hatten beruhigende Fotos gemacht von Kelpsträngen, die auf flache Steine drapiert worden waren, und diese auf Instagram hochgeladen. Dann Schlehdornbüsche in das hohe hölzerne Bauwerk hineingehängt und das Gradierwerk wieder in Betrieb genommen. Das Salz, das aus dem Dornenturm unten herausrieselte, wurde in ansprechende schwarze Papierpackungen gefüllt und in alle Welt verschickt.

Nach Norwegen also. Er wußte gar nicht, daß die Redaktion von Kūki in Norwegen saß. Stavanger war ja nicht weit von ihm, von den Orkney Inseln, entfernt, es war hier oben soundso alles einstmals norwegisch, selbst die Flagge von Orkney war dieselbe wie die norwegische. Und früher sprach man hier das inzwischen ausgestorbene Norn, eine altnordische Sprache. Norn, Norn, sagte er laut. Norn. Das könne er gerne machen, nach Stavanger kommen, und er freue sich, vielen Dank, schrieb er rasch zurück, und drückte die Taste zum Absenden.

Глава 2 ildr

Früh, noch vor Sonnenaufgang, stand Ildr hinter einem Baum und hob langsam und vorsichtig den Bogen. Sie war fast noch ein Kind. Sie fühlte die Rinde der Esche an ihrer Schläfe, an ihrer Wange. Wie still es war. Die zitternde Welt erwachte. Der Wald lag sicher und ruhig hinter ihr. Sie hatte schlecht geschlafen, es war ein Traum gewesen, der niemals enden wollte, in dem sie verfolgt wurde von bösen Wesen, und sie war froh, früh aufgestanden zu sein.

Der Morgennebel reichte ihr bis zu den Knien hinauf und machte ihre Füße unsichtbar. Sie war ohne Schuhe, sie war ein einfaches Mädchen, sie störte die Armut nicht, sie kannte nichts anderes. Da war das Gefühl des Grases und des Taus unter ihren nackten Füßen. Ildr schob sich die kurzen Haare vorne aus der Stirn, spannte die Sehne zwischen Zeige- und Mittelfinger, hob die rechte Hand zum Auge und wartete.

Stundenlang konnte sie so ausharren, still sein und auf ein Reh warten. Ab und zu bewegte sie den Kopf ganz leicht nach links oder nach rechts, kniff die Augen zu und hörte auf das leise, kaum wahrnehmbare Rauschen des Bluts in ihren Ohren. Obwohl sie es noch nie gesehen hatte, stellte sie sich das ferne Eismeer so vor, wie ein niemals endender, grau-gelber, leiser Ton.

Als ein Vogel geräuschvoll aufflatterte, bewegte sich das Reh im Gebüsch ganz leicht. Es war vorher nur eine hellbraune, glimmernde, stille Fläche gewesen. Nun sah sie es in Bewegung, darauf hatte sie gewartet. Sie atmete aus, so ruhig wie sie konnte, und als sie ganz ohne Atem und ihr Herzschlag fast woanders war, ließ sie die Sehne los, und der Pfeil surrte in das grüne Dickicht hinein und verschwand.

Hundert, vielleicht neunzig Schritte vor ihr in den Büschen hatte sie das Reh getroffen. Sie hörte ein leises Stöhnen, und das Tier sank hinab in den Bodennebel. Ildr schob sich die vom Tau naß gewordene Kapuze ihres Umhangs in den Nacken, schulterte den Köcher und lief behutsam vorwärts, erst im Zickzack, dann von der linken Seite heran. Man sollte nie geradeaus auf ein Ziel zulaufen.

Sie hatte es nicht tödlich getroffen, ganz sicher nicht. Vielleicht würde es versuchen, verwundet zu entkommen. Sie zog ihr Langmesser heraus und hielt es vor sich her. An der Stelle, an der der Pfeil im Gebüsch verschwunden war, schob sie sachte die knackenden Äste beiseite.

Dort lag ein Mann auf dem Rücken. Ildrs Pfeil steckte ihm in der Brust, unterhalb der rechten Schulter.

Ildr kniete sich nieder ins Gras. Sie schob das Messer wieder in den Gürtel. Die Sonne war nun ganz aufgegangen und erhellte das sich erwärmende Tal, und der Bodennebel verflüchtigte sich.

Der Mann trug eine weiße, sich an der Brust langsam rot verfärbende Tunika, darüber eine ebenso weiße Kutte, die vorne am Hals mit einer einfachen Spange verschlossen war, und Sandalen. Seine Augen flackerten, waren halb geschlossen. Er trug ein sonderbares, rundes, metallenes Gestell auf der Nase, das kleine Kreise aus Glas umfaßte und an seinen Ohren befestigt war. Er krümmte sich vor Schmerzen, und sie zog ihren feuchten Umhang aus und legte ihn als Kissen unter den Kopf des Mannes.

Sie versuchte, ihn behutsam aufzurichten, und der Mann begann laut zu stöhnen. Ildr legte ihn wieder hin, ganz vorsichtig, und strich ihm mit der Hand über die Wange. Sie sah sich um. Niemand. Was nur mit ihm machen? Sie konnte ihn hier nicht einfach liegen lassen. Sie mußte ihn nach Hause bringen, zu sich nach Hause.

Sie ging ein paar Schritte, bückte sich, sammelte einige dicke Äste auf und legte sie neben den verletzten Mann im Rechteck auf den Boden. Rasch begann sie, mit ihrem Langmesser eine Kordel, die sie immer bei sich trug, in gleich kurze Teile zu schneiden und die vier Äste miteinander zu verbinden. Nun öffnete sie die Kutte des Mannes an der Spange, zog sie ihm vorsichtig aus und spannte diese über das Gerüst der Äste, bohrte mit der Spitze des Messers an den Rändern einige Löcher in den Stoff hinein und band nun alles mit den Resten der Kordel an den Ästen fest. Ein Vogel schrie, und sie hielt inne, um zu lauschen.

Jetzt versuchte sie, die Trage unter den Körper des Mannes zu schieben, aber es gelang ihr nicht. Ildr sah, wie er die Augen aufschlug. Er verzog sein Gesicht zu einem schwachen Lächeln. Etwas Blut rann ihm dabei aus dem Mund.

– Kommt der Pfeil hinten wieder heraus?

– Bitte verzeih mir, Herr.

– Du mußt Dich nicht entschuldigen. Am Rücken. Sieh nach. Steckt der Pfeil ganz durch?

– Warte.

Sie schob ihre Hände unter die Achseln des Mannes und hob ihn an. Der Mann stöhnte und pustete Luft aus, fast war es ein Wimmern. Erst erschienen weiße Spuckebläschen an seinen Lippen, dann wurden sie rot vom Blut und platzten. Ja, sie konnte jetzt sehen, wie die Spitze des Pfeils ein ganzes Stück weit aus dem Rücken herausragte. Ihr war ganz mulmig zumute.

– Da ist sie, die Spitze, ja.

– Brich ihn ab.

– Wo, vorne?

– Ja. Leg mich wieder hin und brich den Pfeil ab.

– Mach ich.

– Vorsichtig.

– Ja.

– Ich werde wahrscheinlich ohnmächtig. Wenn Du ihn vorne abgebrochen hast, dann ziehst Du den Rest des Pfeils hinten aus meinem Rücken heraus.

– Ja.

– Aber Du mußt es schnell machen. In einer einzigen Bewegung.

Der Mann lag nun wieder auf dem Rücken, und Ildr legte die linke Hand auf die Wunde, so daß der Schaft des Pfeils zwischen ihrem Daumen und Zeigefinger herausragte. Blut quoll ihr über die Finger, sehr viel davon. Mit der anderen Hand griff sie den Pfeil etwas weiter oben, um ihn abzubrechen.

– Warte, Fremder.

– Nein. Ich kann nicht warten. Mach es schon.

– Augenblick, bitte.

Ildr ließ ihn los, hob ein Stück eines Asts auf und klemmte es dem Mann zwischen die Zähne. Er biß drauf, und sie sah, daß er Angst hatte. Dann griff sie wieder mit beiden Händen den Schaft des Pfeils.

– Verzeih mir.

– Nun mach schon, Mädchen.

Ildr ruckelte ganz leicht daran, und der Mann schrie, das Holz fiel ihm aus dem Mund, und er bog sich vor Schmerzen. Als er sich wieder entkrampft hatte, brach Ildr mit einem lauten Knacken den Pfeil ab. Der Fremde verlor das Bewußtsein, und sein Kopf sackte nach hinten weg. Rasch drehte sie ihn halb auf die Seite und zog die noch im Körper steckende Hälfte des vom Blut schleimigen Pfeils hinten aus dem Rücken heraus und warf ihn neben sich ins Gebüsch.

Sie riß einen Fetzen aus dem unteren Teil ihres Hemdes heraus, legte ihn als Verband auf die Wunde hinten und vorne und band ihn mit dem Rest der Kordel fest, indem sie sie zwischen Hals und der Achsel festzurrte. Dann hob sie den Mann vorsichtig hoch und zog ihn auf die Trage. Er war doch nicht allzu schwer. Das gläserne Gestell schob sie in den kleinen Beutel des Fremden, und diesen legte sie ihm vorne auf die Brust. Sie griff sich die hölzerne Konstruktion und schleifte sie langsam über die Wiese hinter sich her. Sie hoffte, daß niemand sie beobachtete.

Die Sonne stand jetzt um einiges höher oben am Himmel, und es wurde sehr warm. Wenn Ildr anhielt und die Trage auf den Boden sinken ließ, um etwas zu trinken, wimmerte der Verwundete leise. Ein Wind kam auf und trocknete Ildr den Schweiß auf der Stirn. Sie hatte Hunger, und zu Hause hatte sie nichts außer ein paar Knoblauchzehen und einen Sack Bohnen. Vielleicht waren noch Kartoffeln oder Aschdanne da.

Sie würde den Fremden zu sich bringen und dann weitersehen. Sie hatte ihn angeschossen, und nun, als ihr Herz ruhiger schlug, begann sie, sich fürchterlich zu schämen. Es war schrecklich, was sie getan hatte. Sie würde es wiedergutmachen.

Nach einer Stunde erreichten sie die Hütte am Rand der Wiese, die in den Wald überging. Sie legte die Trage vor ihrer Behausung ab, atmete aus und stieß die Tür auf. Alles war genau so, wie sie es heute ganz in der Früh noch bei Dunkelheit verlassen hatte. Die Bettstatt neben der Feuerstelle, der grob gezimmerte Tisch in der Mitte der Stube, die beiden Stühle, die tönernen Krüge auf dem Regal an der Wand, das kleine Faß, in dem eine Axt, die Schaufel und der Besen aufbewahrt wurden, und die vom Ruß des Feuers mit der Zeit dunkel gewordenen Wände. Eines Tages würde sie hier alles ganz sicher wieder weiß kalken. War es ihre Mutter, die ihr einen Sinn für Ordnung hinterlassen hatte? Oder waren alle Mütter so und gaben es ihren Töchtern weiter?

Sie zog den Fremden hinein, legte ihm ein sauberes Tuch auf die Wunde und hob ihn mit einiger Mühe auf die Bettstatt. Jetzt schien er schwerer als vorher. Es roch ganz leicht nach Blumen in der Hütte und nach Lehm. Staub bedeckte den Eßtisch. Eine Fliege summte umher. Nachdem sie die beiden Fensterläden aufgemacht und frische Luft hereingelassen hatte, untersuchte sie ihn. Er war sehr bleich, und sein Atem ging flach und unregelmäßig, wie bei einem Fisch, der sterbend auf dem Sand eines Flußufers liegt. Seine Haut am Unterarm gab gelblich nach, wenn Ildr ihn dort sachte kniff, was ein schlechtes Zeichen war. Das Tuch und das Hemd waren durchtränkt von seinem dunkelroten Blut.

Sie zog den Stoff vorsichtig von der leicht angetrockneten, aber immer noch sickernden Wunde vorne, nahm etwas Moos und Flechte aus einem Kästchen und bedeckte die Stelle damit. Sie drückte es an den Rändern gut fest, denn das Moos hatte heilende Kräfte.

Ihre Mutter hatte sie darin unterrichtet, aber bei ihr selbst hatten solche Künste versagt. Sie war vor einem Jahr am Gelben Tod gestorben. Ildr hatte sie im Wald begraben, ohne Kreis, unter einem Ahornbaum. Sie hatte achtgegeben, daß der Atem ihres letzten Tages sie nicht traf. So übertrug sich nämlich die Seuche – durch die Ausatmung der Kranken am Tag ihres Todes.

Sie ging einen Eimer Wasser holen vom kleinen Bach, der hinter der Hütte über die Wiese aus dem Wald lief, Firnbach wurde er genannt. Wenn es nur regnen würde. Regen war ein gutes Zeichen, hatte ihre Mutter ihr immerzu beigebracht. Regenwasser war das Wasser des Lebens, es heilte Wunden, ließ verstümmelte Körperteile wieder wachsen, verjüngte die Alten und erweckte die Toten zum Leben.

Auf dem Rückweg schwappte etwas Wasser aus dem Eimer heraus und benetzte ihre bloßen Füße und ihre Beine. Sie hatte das unangenehme Gefühl, jemand beobachtete sie, und sie blieb stehen und suchte ganz methodisch den Waldrand ab und die grün bewachsenen, kleinen Hügel weit hinter der Hütte, aber es war niemand zu sehen.

Sie brachte den Eimer hinein und begann, mit einem Lumpen die Haut um die Wunde herum zu waschen. Der Fremde schlug die Augen auf, sie waren von einer intensiven grünen Farbe, wie helle Blätter sahen seine Augen aus, von Sonnenlicht beschienen. Er griff kraftlos nach Ildrs Hand.

– Hör zu. Du musst das Wasser kochen, dann ist es sauber.

– Nein, Fremder. Wenn ich das Wasser koche, verdampft es und nützt niemandem.

– Mach einen Deckel auf den Topf. Lass es einige Zeit kochen. Dann kannst Du es abkühlen lassen, und darin wäschst Du Dir die Hände.

– Meine Hände sind sauber.

– Bitte tu, was ich Dir sage.

– Warum soll ich mir die Hände waschen, um Deine Wunde zu berühren?

– Weil in dem ungekochten Wasser unsichtbare Wesen wohnen, die mich töten können.

– Geister?

– Nein, eine Art Würmer, nur wesentlich kleiner.

– Ah.

– Diese unsichtbaren Wesen sind in allem Wasser, das nicht gekocht ist. Kochen tötet sie.

Ildr ging hinüber zur Feuerstelle und hängte den Topf mit dem Wasser darüber. Sie nahm einen Tonteller und legte ihn vorsichtig auf den Topf. Dann sah sie zu dem Mann hinüber, der auf der Bettstatt lag, ob sie es richtig machte. Es war ja einfach, einen Topf Wasser zu kochen. Der Fremde nickte und lächelte matt. Er war vollkommen erschöpft, gleich darauf schlief er erneut ein. Er hatte vorhin nach seinem gläsernen Gestell verlangt, nun rutschte es ihm aus dem Gesicht und glitt auf seine Brust, die sich jetzt unregelmäßig hob und senkte.

Ildr trat zu ihm hin, legte das Augenglas vorsichtig auf den Tisch und sah ihn sich an. Er hatte ebenmäßige Gesichtszüge, mit vielen kleinen Falten in den Augenwinkeln. Seine braunen Haare bedeckten seine Stirn und seine Ohren, nicht aber seinen Nacken. Er mochte dreißig Jahre alt sein, vielleicht auch viel älter. Genau ließ sich das nicht sagen, dachte sie. Sie strich ihm die Haare aus der Stirn und fühlte dabei, ob er fiebrig war. Er stöhnte einmal, zuckte zusammen und schlief weiter.

Ildr saß eine Weile bei ihm. Er schauderte noch einmal, dann bewegten sich seine Augen unter den Lidern, und er fiel in den tiefen Traumschlaf, der wie ein bodenloser Brunnen ist. Als sie sein ruhiges, jetzt gleichmäßiges Atmen hörte, zog sie behutsam das Moos von der Wunde und begann, mit dem gekochten Wasser und einem kleinen Stück Seife erst ihre Hände zu waschen und dann die Wunde zu säubern. Warum waren die Wesen im Wasser jetzt unschädlich? Aber es schadete ja nicht, es so zu machen, wie er es verlangt hatte.

Sie nahm frisches Moos und stopfte es wieder auf und um die Wunde herum, noch einige Nesseln dazu. Dann hob sie ihn ganz vorsichtig an, wusch ihn auch hinten und legte das Moos unter seine Schulter. Die Stellen bluteten nicht mehr ununterbrochen. Vielleicht würde sie ihn vernähen können, vorne und am Rücken. Sie mußte noch etwas Sehne haben und Nadeln aus Fischgräten.

Ildr untersuchte vorsichtig den Beutel des Fremden. Er war aus hellem groben Leinen, oben mit einer Schnur verschlossen. Sie getraute sich nicht, ihn zu öffnen, und legte ihn auf den Tisch neben das Augenglas. Dann ging sie hinüber und machte sich daran, einige Handvoll Bohnen einzuweichen und zu kochen. Fleisch und Salz hatte sie nicht, aber dafür riß sie von einer Knoblauchzehe ein größeres Stück ab und schälte es mit ihrem Messer. Sie schnitt es in kleine Scheiben, warf diese in den Topf mit den Bohnen und war so versunken in ihr Tun, daß sie die einäugige Eule nicht hörte, die draußen rief. Da waren die Schritte auch schon an der Tür, und jemand schlug klopfend dagegen. Ildr erschrak, schob sich die Haare aus der Stirn und wischte die Hände an ihrem Hemd ab.

Sie ging rasch hinüber zur Bettstatt und legte eine alte löchrige Decke über den Fremden. Dann ging sie zur Tür und machte sie einen Spalt breit auf. Draußen stand ein Soldat im hellen Licht der Mittagssonne, die eine Hand im Gürtel, in der anderen eine Pike. Er trug die rot-weißen Farben des Herzogs von Tviot. Auf der Brust seines Hemdes prangte ein roter Kreis.

– Sprichst Du die Hochsprache?

– Ja, Herr.

– Meine Sprache?

– Ja.

– Hast Du einen Mann gesehen, einen Fremden, ungefähr so groß wie ich, der weiße Kleidung trägt und Glas vor seinen Augen?

– Nein.

– Sicher nicht? Wenn Du lügst, kann ich Dir den Kopf abschneiden.

– Ganz sicher.

– Dann hast Du auch nichts dagegen, wenn ich hereinkomme?

– Natürlich nicht, Herr. Aber …

– Aber was?

– Wir haben den Gelben Tod im Haus. Meine Mutter ist gestern daran gestorben. Ihr Leichnam liegt noch dort hinten im Bett.

Der Soldat wich drei Schritte zurück. Ildr öffnete die Tür vollständig. Sie war sich sicher, daß er von draußen aus dem Hellen nicht gut ins Dunkel hineinsehen konnte. Sie trat etwas nach vorne, worauf der Soldat entsetzt ein ganzes Stück weiter rückwärts ging, dabei fast stolperte und seine Pike zum Schutz vor sich hielt.

– Bleib stehen!

– Ich bin nicht ansteckend. Du kannst ins Haus kommen und alles durchsuchen.

– Nein. Nein, ein andermal. Aber Du hast niemanden gesehen?

– Ich schwöre es, Herr.

– Beim Kreis?

– Beim Kreis, ja.

Sie machte das Zeichen, der Soldat hustete, drehte sich um und verschwand über die Wiese. Ildr lächelte in sich hinein. Was für ein Dummkopf. Sich so einfach vertreiben zu lassen. Ildrs Freundin, die einäugige Eule, die auf dem Zaunpfosten gesessen hatte, breitete ihre Flügel aus, gab einen Laut von sich und flatterte auf und davon, Richtung Wald. Ildr summte ein Lied, ging wieder in die Hütte hinein, schloß die Fensterläden, nahm den Topf mit den Bohnen und dem Knoblauch und hängte ihn über die Feuerstelle. Sie warf noch einige Nesseln hinein und ein kleines Stück einer geviertelten Khor-Nuß. Eine ganze lag noch im Schrank, dachte sie. Auf der Bettstatt hatte der Fremde die Decke fort- und die Augen aufgeschlagen und sah sie an.

– Danke.

– Ich werde Dich vernähen. Und Du wirst erst einmal etwas essen. Leider habe ich kein Salz.

– Reich mir mal meinen Beutel.

– Hier.

– Du hast nicht hineingesehen, während ich schlief?

– Nein.

– Wirklich nicht?

– Nein.

Der Fremde zog an der Schnur, öffnete den leinenen Beutel und gab Ildr ein kleines Säckchen. Er bedeutete ihr, sie solle von dem weißen Pulver darin in die köchelnden Bohnen geben. Durch die Anstrengung hatte die Wunde wieder zu nässen begonnen, und das Moos wurde dunkelrot. Ildr schüttelte vorsichtig etwas Pulver in den Topf und rührte um.

– Ist das genug so?

– Ja.

– Was ist das für ein Salz?

– Es ist ein Mittel zur Heilung.

– Wie funktioniert es?

– Es tötet die Würmer in meiner Wunde und im Körper.

– Bist Du ein Magier?

– Nein.

– Was bist Du dann?

– Du stellst viele Fragen, Mädchen.

– Entschuldige.

– Was hast Du dem Soldaten gesagt, daß er nicht hereingekommen ist?

– Ich … ich sagte ihm, wir hätten den Gelben Tod im Haus.

– Das war sehr klug. Erzähl mir etwas von Dir.

– Was soll ich erzählen? Es ist nicht viel geschehen in meinem Leben. Ich wurde in dieser Hütte geboren.

– Wie alt bist Du?

– Neun.

– Erst?

– Ja. Aber ich werde nach dem Winter zehn.

– Zu wem gehören die Soldaten?

– Zum Fürsten von Tviot. Er läßt die Menschen wegen der kleinsten Kleinigkeit in den Dornenturm sperren oder aufs Rad binden.

– Was ist der Kreis?

– Wie kannst Du das nicht wissen, was der Kreis ist?

– Erzähl mir vom Gelben Tod.

– Das weißt Du auch nicht? Brüder haben ihre Schwestern verlassen, Ehemänner ihre Frauen, Mütter ihre Kinder. Aber sie starben trotzdem alle. Es gab keine Totenwachen, kein Heiliger kam, kein Kreis wurde geschlossen. Vor den Dörfern wurden Modergruben ausgehoben und mit den Toten aufgeschüttet.

Der Fremde nickte. Ildr faltete die Hände vor dem Mund, so daß die Fingerspitzen ihre Lippen berührten, als bete sie.

– Und die Hunde, sie zogen die Leichen wieder aus den Gruben heraus, weißt Du, und fraßen sie. Und dann starben die Hunde. Die Pferde starben nicht. Es gab niemanden, der um die Toten weinte, denn alle erwarteten den Tod. Und so viele gingen zugrunde, daß die Menschen glaubten, nun sei es gekommen, das Ende der Welt.

– Und Du, was hast Du geglaubt?

Ildr antwortete nicht, nahm den Topf vom Feuer, rührte ein paarmal um und gab etwas von dem Essen in eine Schüssel. Dann reichte sie sie dem Fremden, zusammen mit dem Löffel. Er hustete, und der Schmerz verzog sein Gesicht, und er begann davon zu essen, erst langsam und vorsichtig, dann mit immer größer werdendem Appetit.

– Es schmeckt gut. Du kochst gut.

– Danke.

– Warum bist Du nicht krank?

– Ich bin verschont geblieben. Einige andere auch. Es hat aber nichts mit dem Kreis zu tun, glaube ich.

– Der Kreis ist das Zeichen für den Glauben?

– Ja, natürlich. Warum weißt Du das nicht? Und Du weißt nicht vom Gelben Tod. Und vom Herzog. Wo kommst Du her? Von der anderen Seite des Eismeeres?

– Kannst Du mich jetzt vernähen.

Ildr sah kurz auf ihre Hände, als traue sie ihnen nicht, dann stand sie auf und ging hinüber zu einer Holzkiste, die in einer kleinen Ausbuchtung in der Wand stand. Im Inneren bewahrte sie allerlei Sachen auf, bestickte Tücher, die Leinenhemden ihrer Mutter, eine ganze Khor-Nuß, einen schönen Kamm aus Sandelholz, der ebenfalls ihrer Mutter gehört hatte, Sehnen zum Fischfang, kleine Haken aus Eisen, Seife und Nadeln aus Fischgräten. Während sie die Dinge, die sie brauchte, zusammensuchte, dachte sie nach.

Sie redete gern mit diesem merkwürdigen Fremden, obwohl er auf keine Fragen antwortete. Warum antwortete er auf jede Frage mit einer anderen Frage. Sie hoffte, daß es ihm bald besser ginge. Das Vernähen würde noch sehr schmerzen, danach würde er erst einmal schlafen.

– Du mußt …

– … ich weiß schon. Ich soll die Nadel ins kochende Wasser legen.

– Und die Sehne auch. Und Deine Hände mußt Du auch wieder waschen.

Nachdem sie das getan und etwas abgewartet hatte, bis die Hitze die unsichtbaren Würmer getötet hatte, nahm sie die Sehne aus dem Wasser und wollte sie vorsichtig in das kleine Loch am Ende der Gräte fädeln. Sie versuchte es ein paarmal, aber entweder das Loch war zu klein oder das Ende der Sehne war zu dick, jedenfalls bekam sie sie nicht hindurch. Sie befeuchtete die Spitze der Sehne mit Spucke, so wie sie es als Kind von ihrer Mutter gelernt hatte, aber es half nichts.

– Hier, nimm das.

– Deine Gläser.

– Schau mal, setz sie Dir auf die Nase, so.

Sie hielt sich das Gestell ganz vorsichtig vor die Augen, sah hindurch und schaute sich in der Hütte um. Alles war auf einmal unscharf und unklar, als ob sie unter Wasser beim Schwimmen im See die Augen aufgemacht hätte. Ihr wurde schlecht, und das Zimmer begann sich zu drehen. Schnell zog sie die Gläser wieder weg.

Der Fremde winkte sie heran, nahm sanft Ildrs Hand, setzte ihr die Gläser wieder ins Gesicht und bedeutete ihr, direkt auf die Nadelspitze zu sehen. Und plötzlich war alles ganz präzise auszumachen, ganz unglaublich war das, sie sah das kleine Loch in der Gräte exakt vor sich, und sie steckte das Ende der Sehne sicher hinein, zog es hindurch und verknotete es, ein-, zweimal.

Nachdem er sich stöhnend auf die Seite gedreht und ihr den Rücken zugewandt hatte, zog Ildr vorsichtig abermals das blutige, klebrige Moos von den Wunden. Und dann vernähte sie, das Glasgestell auf der Nase, mit sicherer Hand erst das Loch im Rücken und dann das Loch in der Brust.

Es war ganz einfach, obwohl die Hautlappen am Rücken um einiges schwerer aneinanderzuziehen und zu vernähen waren als vorne, da die Haut sich dort mehr spannte. Die scharfe Hakenbewegung der Nadel riß ein paarmal kleine Fetzen Fleisch am Rücken mit ab, aber schließlich gelang es ihr, alles miteinander zu verbinden und die Enden der Sehnen zu verknoten. Der Fremde hatte erst vor Schmerzen ausgerufen und war dann erneut in Ohnmacht gefallen. Sie tauchte ein sauberes Tuch in das abgekochte Wasser und betupfte und wusch beide Stellen. Es quoll zwar immer noch etwas Blut zwischen den Nähten hervor, allerdings näßte es lange nicht mehr so stark wie vorhin.

Sie ging hinüber zu ihrer Kiste, um ein weißes leinenes Tuch zu holen, und riß es in Streifen, obwohl es das Schönste war, das sie besaß. Sie legte einige Nesseln in die Stoffstreifen, band diese um die Schulter des Fremden, führte die Enden oben hinter seinem Nacken und knotete sie zusammen, so fest sie konnte.

Als sie fertig war, lehnte sie sich zurück, atmete aus, legte das Glasgestell wieder auf den Tisch und sah sich den Fremden genau an. Nun schlief er tief, sein Atem ging ruhig, er würde gesunden. Es war soviel Schreckliches in der Welt, dachte sie. Aber der Mann war kein schlechter Mensch. Ob sie nicht doch seinen Beutel aufmachen sollte und hineinsehen, nur ganz kurz?

Глава 3 paul

Paul war jemand, der Wohnungen und Häuser einrichtete, die verkauft oder vermietet werden sollten. Früher war es so, daß einfach Fotos von leeren Wohnungen gemacht wurden, die trist aussahen, leblos und kalt, besonders in der Schweiz. Nicht ein einziger Stuhl war auf diesen Bildern zu sehen gewesen. Keine Blumensträuße, noch nicht mal verwelkte. Kein in einer gemütlichen Ecke aufgeklapptes Buch. Von Neonlampen unfreundlich erleuchtete, weiß gekachelte Badezimmer, die auch noch von den Immobilienmaklern als sogenannte Naßzellen angepriesen wurden. Es waren tote Orte ohne Menschlichkeit.

Früher mußte man sich als Käufer oder Mieter selbst vorstellen, wie die Innenräume der Häuser einst aussehen würden. Die Menschen aber hatten nicht nur keine genaue Vorstellung davon, nein, sie hatten absolut keine Ahnung, und deshalb füllte Paul die leeren Immobilien mit Schönheit und Inhalt und Sinn, auf Zeit. Er verlieh den Wohnräumen so etwas wie eine Anima. Und da er ursprünglich Schweizer war, fing er dort damit an, die Dinge zu beseelen, in Bern, Basel und Zürich.

Er legte abgelaufene alte türkische Kelims aus oder seine bevorzugten weißen Schafwollteppiche, und wenn der Fotograf kam, dann arrangierte er sorgfältig orangefarbene Rhododendronzweige in tönerne Krüge und ein paar Fundstücke vom Flohmarkt irgendwohin und stellte eine teure, mit weißem Segeltuch bezogene gustavianische Chaiselongue ins Wohnzimmer. Und wenn doch noch wider Erwarten Sachen herumlagen, alte ausgedrückte Zahnpastatuben etwa, entrümpelte er und versteckte, was nicht zu entrümpeln war, ließ die Wände seladongrün streichen und legte ein Dutzend alte, orangefarbene Penguin-Taschenbücher aus, und er befolgte stets seine ersten beiden Regeln des home staging: Alle Lampen mußten immer an sein, auch tagsüber, und es mußten immer alte Glühbirnen verwendet werden, niemals Energiesparbirnen.

Und wenn es fertig fotografiert war und die Bilder beim Immobilienmakler im Internet hochgeladen waren und die Käufer alles besichtigt hatten und der Kaufvertrag unterschrieben war, dann räumte Paul die Wohnungen und die Häuser kurzerhand wieder aus, strich die Wände weiß und gab die gemieteten Dekorationsobjekte und Einrichtungsgegenstände an die jeweiligen Verleiher zurück.

Oft – fast immer eigentlich – war es allerdings so, daß die Käufer die von Paul inszenierten Wohnräume wesentlich schöner fanden als ihre eigenen zukünftigen Ideen, daß sie lieber gleich so wohnen wollten, wie sie es bei der Besichtigung gesehen hatten. Das Vorgetäuschte, das Vorgelebte suggerierte ihnen ein Zuhause. Die Käufer fragten also beim jeweiligen Makler an, ob sie nicht die wenigen ausgesuchten Möbel, die bei ihrem Besuch zu sehen gewesen waren, also jene irdenen Blumenkrüge, die Schafswoll-Dhurries, die Gummistiefelreihen an der Wand und die mit alten, angestoßenen Holzrahmen versehenen, an den seladongrünen Wänden russisch gehängten, sepiafarbenen Postkarten, die Louise Brooks zeigten oder Alan Ginsberg oder Jack Kerouac, ob sie diese Sachen nicht einfach mitkaufen könnten, wenn sie die Immobilie erwarben.

Und Paul sagte immer nein, obwohl einige seiner Kollegen solche Skrupel nicht kannten. Sie kauften alles den Verleihern ab, sagten, es täte ihnen furchtbar leid, aber es seien Schäden daran entstanden beim Transport, und verkauften dann die Gummistiefel und die Chaiselongues an die Käufer der Häuser für das Achtfache ihres Wertes.

Pauls Geheimnis seines erfolgreichen Einrichtens auf Zeit war, daß er den Menschen ihre eigene herrliche Zukunft aufzeigen konnte, eine Zukunft, die in der jeweiligen Immobilie schon enthalten war, aufschimmerte, dann aber wieder verschwand. Als ob er es möglich machen könnte, den Menschen die Kulissen eines nur kurz inszenierten, aber besonders gelungenen schauspielerlosen Theaterstücks zu zeigen, und sie sich infolgedessen wünschten, ihr Leben könne immerfort so sein, ohne ungeordnete Stapel von noch nicht bezahlten Rechnungen in der Ecke, ohne leere Milchtüten, ohne Toilettenrollenhalter, Energiesparbirnen und Wäschekörbe voller gebrauchter Unterhosen und einzelner Socken. Paul war in den Augen seiner Kunden, obwohl sie und er das niemals so formulieren konnten, ein Magier, der ihnen half, den entropischen, furchtbar deprimierenden Zustand des Lebens zu überlisten.

Letztes Jahr hatte Paul einem Mann geholfen, dem Herzog von Cumberland, der für den großen Salon in seinem Jagdschloß im schottischen Hochland einfach keine rote Wandfarbe gefunden hatte, die ihm zusagen wollte. Der Herzog, dessen Gesicht von einer seltenen Hautkrankheit entstellt war, hatte alles ausprobiert, alle Farbfirmen, hatte verschiedene Dekorateure und Malermeister kommen lassen, aber es war immer alles entweder zu blaustichig gewesen oder es war ein Hauch zuviel Umbra beigemischt, jedenfalls war es niemals das richtige Rot gewesen. Und Paul, dort im Schloß eingeladen, hatte eines Morgens nach dem gemeinsamen, ausgiebigen schottischen Frühstück, als das fehlende Rot Thema gewesen war, sich in den großen Salon gesetzt, mit dem Farbfächer, den er zum Glück diesmal nicht bei sich zu Hause in Orkney vergessen hatte. Er wollte ohnehin nicht an der Jagd teilnehmen, da ihm die Tiere leid taten, und so erschien ihm, während er aus Langeweile in den im Salon ausgelegten alten Magazinen blätterte, plötzlich in einem nostalgischen Artikel über Farah Diba und dem Schah von Persien die richtige Farbe vor Augen.

Und als der Herzog am späten Nachmittag in bester Laune von der Jagd zurückgekehrt war und er sich das Hirsch- und Fasanenblut von den Handschuhen und Hosen entfernt hatte, hatte ihn Paul mit einem etwas verlegenen Lächeln in den Salon geführt und ihm die Stelle an der Wand gezeigt, an der er das Rot appliziert hatte, das passende, richtige Rot. Eine kleine Ecke, aus seinem Farbfächer herausgerissen, hing nun dort, behelfsmäßig oben und unten mit Klebeband befestigt, inmitten all der anderen kleinen roten Flächen, die probeweise und unbefriedigend mit dem Pinsel an die Wand gemalt worden waren.

Der Herzog hatte sich die kleine rechteckige Lesebrille auf- und wieder abgesetzt, war in seinen hellbraunen Reitstiefeln, die Arme vor der Brust verschränkt, ein paar Schritte zurückgetreten und hatte das Rot auf sich wirken lassen. Die unappetitlichen Ekzeme in seinem Gesicht schienen zu pulsieren. Und dann, nach mehreren endlosen Sekunden des Schweigens, war er auf Paul zugegangen, hatte mit schneeweißer Zahnreihe gelächelt, Paul kräftig umarmt und ihm mit dem Handrücken die Wange gestreichelt, und Paul hatte den Siegelring gespürt, den der Herzog am kleinen Finger trug, und dann wurde ihm unter Gelächter auf den Rücken geschlagen, was sei er doch für ein massiver Pfundskerl, wirklich erstklassig sei das, wirklich.

Er wolle nicht so vulgär sein, ihm Geld anzubieten (schade, dachte Paul), aber er würde ihm, wenn er es erlaube, zum Dank eines der Gemälde aus seinem Jagdhaus schenken. Menschenskind, das richtige Rot. Da suche man händeringend monatelang, und die Lösung werde einem einfach so nebenbei präsentiert, wenn man von der Jagd zurückkomme. Er werde ihm diese Woche noch das passende Bild schicken lassen. Auf die Shetlandinseln, nicht?

Orkney, hatte Paul mehr resigniert als artig gesagt, er lebe auf Orkney. Daß die Inspiration zur Farbwahl aus einem der Einrichtungsmagazine stammte, die im Salon selbst herumgelegen hatten, verschwieg er natürlich, und genauso natürlich hatte sich die Geschichte später in den richtigen Kreisen herumgesprochen.

Eine Woche später hatte er also eine große schmale Holzkiste, mit den Worten fragile und this way up beschriftet, bei sich an der Tür des kleinen Hauses am Hafen von Stromness in Empfang genommen, sie hereingetragen, im großen Zimmer vorsichtig ausgepackt und die absurden Mengen wohlriechender Holzwolle, die aus der Kiste zum Vorschein kamen, drüben neben dem Kamin gebündelt, bei den kleinen Holzscheiten.

Dann hatte er das große Bild, das mit Luftpolsterfolie umhüllt und mit Klebeband verschlossen war, langsam und vorsichtig entschält und Merlin und Lancelot erst eine ganze Weile lang angesehen und dann dort in seinem Wohnzimmer aufgehängt, gegenüber dem großen Fenster, über dem Fahrrad – und nun kamen nach und nach die Aufträge herein, als sei das Ölgemälde, das da jetzt an seiner Wand hing, nicht vom etwas ungelenken Schotten James Archer gemalt worden, sondern von der Göttin Fortuna selbst.

Der erste Auftrag war ein sehr streng minimalistisches, gläsernes Cottage auf den Shetlandinseln gewesen, das er einrichten sollte. Er ließ alles steingrau streichen, Decken, Wände, Fußböden, Einbauschränke, einfach alles, und dann ließ er ein paar naturbelassene Felsen nebeneinander auf den frisch gestrichenen Fußboden des Wohnzimmers legen, so daß die Unterseite der Steine ganz leicht die frische graue Farbe reflektierte. Die dem Meer zugewandte Seite des Hauses bestand aus einer einzigen, ununterbrochenen Glasfront, und die Schafe, die winters wie sommers davor auf und ab grasten, harmonierten zusammen mit den Felsen, die dort nun im Wohnzimmer lagen, aufs Vollkommenste.

Kurz darauf folgte ein aus Brettern gezimmertes Foragingrestaurant auf den Faröern mit nur einem einzigen Tisch für sechs Personen, nur einer akzeptierten Reservierung pro Abend und nur einem Gericht auf der Karte, das aus zusammengesammelten Moosen bestand und aus windgefaultem, übelriechendem Kabeljau. Er beließ alles in dunklem Naturholz, während er in die Wände rundherum schmale, längliche Scharten schneiden ließ, die er dann dunkelrot verglaste. Und so tauchte die schräg scheinende Abendsonne der Faröer Inseln, wenn sie seitwärts durch die Schlitze fiel, den Gastraum in ein großartiges, tiefes Violett. Die Besitzer des Restaurants waren begeistert, die Gäste ebenfalls.

Dann kam ein leider etwas mittelmäßiger Auftrag – ein roh gezimmertes Blockhaus, die Böden mit Schafwoll Dhurries belegt, die Wände mit hochgehängten Hirschgeweihen inszeniert, tief in den Wäldern des schwedischen Smålands, mit einem flachen Glasdach, und danach aber wiederum eine ganz winzige, hübsche japanische Wohnung in Edinburgh, um ein noch winzigeres Atrium angelegt, in dem ein roter Zwergahorn im Kies wuchs, und Paul wähnte sich immer mehr in einem fortlaufenden Zustand des Erfolgs und der Anerkennung und des Glücks.

Глава 4 ildr

Ildr aß den kleinen Rest der Bohnen auf, wischte sich die Hände am Hemd ab und ging nach draußen, Topf und Löffel abzuwaschen. Sie hockte sich an den Rand des Firnbachs, säuberte alles mit Sand und wusch dann die Sachen in dem kalten klaren Wasser. Am Himmel, noch weit entfernt am Horizont, hingen dunkelgraue, fast dunkelblaue Wolken, die, durch einen auffrischenden Wind angetrieben, langsam näher zogen. Ildr wusch auch die mit Blut getränkten Tücher aus, kringelte sie in den sauberen Topf hinein, und als alles fertig war, stand sie auf, stemmte die Hände in die Seiten und blickte eine ganze Weile nach Süden.

Bald aber bedeckten niedrig schwebende, schwere schwarze Wolken fast den ganzen Himmel, und das Geräusch des Windes in den Bäumen trug jetzt etwas Bedrohliches mit sich. Es würde heute Nacht viel regnen. Er mußte Fleisch essen, um zu heilen, dachte sie, Bohnen würden nicht ausreichen.

Im Wald, jenseits des Firnbaches, hatte Ildr noch letzten Winter einige Kaninchenfallen aufgestellt, aber als sich einmal eines in der Falle verstrickt hatte, konnte sie es nicht töten. Sie hatte im Schnee gehockt, das Messer in der Hand, und sie hatte in das angsterfüllte Auge des Tiers im Netz geblickt und es wieder freigelassen. Und dann hatte sie sorgfältig alle Fallen wieder abgebaut. Von diesem Augenblick an jagte sie Tiere nur mit Pfeil und Bogen, und nur dann, wenn es wirklich nötig war.

Sie erinnerte sich, daß sie noch etwas Fisch aus dem Bach zum Trocknen aufgehängt hatte, aber als sie um die Hütte herumging, um nachzusehen, hing dort nichts mehr davon. Die Eule mußte es aufgegessen haben, oder der Bussard, der vor einigen Tagen um die Hütte geflogen war. Nun war alles anders. Nun schlief ein Fremder in ihrer Hütte, auf ihrer Bettstatt, ein Mann, den sie angeschossen hatte und den sie nun pflegen und vernähen mußte und füttern und verstecken vor den Soldaten.

Wie über ihr hängende, lichtlose Felsen sahen nun die Wolken aus, die Landschaft war unnatürlich scharf gestochen, und selbst die Wiesen schienen auf einmal grau und trostlos. Bald senkte sich die Dunkelheit der Nacht über das Land, und es war so finster, daß nirgendwo ein Mond zu sehen war.

Es regnete drei Tage und drei Nächte, und Ildr war, als lebten sie in einer Welt aus Wasser. Der Fremde schlief fast die ganze Zeit. Manchmal redete er in einer unbekannten Sprache, und Ildr verstand kein einziges Wort. Wenn er wach war, half sie ihm, hinter dem Haus seine Notdurft zu verrichten. Der Regen fiel mit solcher Kraft, daß sie kaum atmen konnten, wenn er ihnen ins Gesicht strömte. Es donnerte mit einem derartigen Geräusch auf ihre Gesichter, daß draußen Sprechen unmöglich war. Sie waren beide beinahe blind vor Wasser, halb trug sie ihn im Gehen.

Im Haus trocknete sie ihn ab, und wenn das Fieber kam und er wieder schlief, wechselte sie den Verband und flößte ihm mit einem Löffel Wasser in den Mund. Sie wusch heimlich die blutigen Tücher draußen im Regen aus und hoffte, daß die kleinen Tiere nicht auch in dem Wasser waren, das vom Himmel fiel. Nein, Regenwasser war das Wasser des Lebens.

Am Morgen des vierten Tags erschien wieder die Sonne, und er schlug die Augen auf und lächelte matt, und Ildr wußte, daß er nun geheilt war. Sein Pulver hatte gewirkt, und das Vernähen der Wunde war erfolgreich gewesen. Er konnte alleine aufstehen, obwohl seine Knie zitterten und er sich an der Wand festhalten mußte, um nicht umzufallen.

– Du bist immer noch da.

– Wohin sollte ich gehen?

– Zum Eismeer.

– Ich war noch nie am Meer.

– Wo ist Dein Vater?

– Er ist fortgegangen, vor vielen Jahren. Aber er wird eines Tages wiederkommen und mir einen Mantel aus Otterfell mitbringen. Das hat er mir versprochen, als er ging. Hast Du Schmerzen?

Er betastete mit zwei Fingern vorsichtig die Stelle an seiner Brust, zuckte leicht zusammen und schüttelte den Kopf. Sie nickte und lächelte, ging und machte die Fensterläden auf, und frische Luft und das Tageslicht strömten herein, und sie löschte die wehenden Kerzen. In der Feuerstelle hing ein Topf mit Kartoffeln und Aschdanne, gewürzt mit Khor und Knoblauch. Sie nahm ihm den Verband ab, gab ihm eines der kostbaren Leinenhemden ihrer Mutter, und er zog es mit ungelenken und komischen Verrenkungen über. Obwohl es etwas eng war, paßte es ihm, und sie reichte ihm eine Schüssel mit dem Gericht und einen Löffel. Er aß mit großem Appetit.

– Was ist das?

– Das? Ach so – Aschdanne.

– Das kenne ich nicht.

– Es ist ein Gemüse. Wie Karotten. Nur ist es grün, nicht orange.

– Wie heißt Du?

– Ildr.

– Wir müssen von hier verschwinden, Ildr, zusammen.

Ildr hatte sich neben ihn auf einen Stuhl gesetzt. Sie sah ihm zu, wie er aß. Wie er den hölzernen Löffel führte, sich mit dem Handrücken den Mund abwischte, wie ihm das Hemd ihrer Mutter von den schmalen Schultern hing. Sie war froh, daß er wieder gesundet war, sie war auch froh, daß er da war. Aber weggehen von hier?

– Ich will hier nicht weg. Ich will nicht zum Eismeer.

– Wir können hier aber nicht bleiben. Die Männer des Herzogs werden wiederkommen.

– Warum suchen sie Dich?

– Es ist kompliziert.

– Du mußt mir bitte antworten.

– Ja, da hast Du recht. Also, sie glauben wahrscheinlich, daß ich dem Herzog behilflich sein kann.

– Zum Beispiel mit Deinem Augenglas?

– Zum Beispiel.

– Jetzt sag schon.

– Mit bestimmten Erfindungen.

– Wirst Du mir einige zeigen? Eine?

– Eine kann ich Dir zeigen.

Ildr rutschte auf ihrem Stuhl hin und her. Der Fremde bat um seinen Leinenbeutel, und sie reichte ihn hinüber. Er hustete und verzog das Gesicht, es waren die Nähte. Er öffnete den kleinen Sack, nahm einen aufgerollten Bogen Papier heraus, legte ihn auf den Tisch und glättete ihn mit den Händen. Ildr versuchte, ihre Enttäuschung zu verbergen.

– Aha.

– Das nennt man Papier.

– Ja. So etwas habe ich schon mal gesehen.

– Wirklich.

– Etwas ähnlich Flaches.

– Du kannst es ruhig anfassen.

Ildr berührte mit der Fingerspitze die Oberfläche des Papiers. Dann nahm sie die andere Hand zur Hilfe, drehte vorsichtig das Papier um die Achse ihres Fingers und sah den Fremden enttäuscht an.

– Ist das jetzt die Erfindung?

– Weißt Du, was eine Dimension ist?

– Nein.

– Es gibt drei.

– Und?

– Dieses flache Papier nennen wir die zweite Dimension.

– Und was ist die erste?

– Ein Punkt. Oder eine Linie. Eine einfache Linie. Die nicht flach ist.

– Aha.

– Und alles um uns herum wird die dritte Dimension genannt. Dieses Haus, Du und ich, der Wald draußen, die ganze Welt.

– Weil wir und die Welt nicht flach sind. Und keine Linie.

– Du bist klug, Ildr.

Er nahm ihr das Stück Papier ab, versuchte aufzustehen, setzte sich wieder hin, mußte lachen und versuchte es ein zweites Mal.

– Ich bin wirklich schwach.

– Du mußt wieder selbst lernen zu gehen.

– Dann gehen wir nach draußen.

– Zeigst Du mir jetzt die Erfindung oder war das mit Deinen Dimensionen schon alles?

– Gib mir mal den Umhang dort.

Er zog sich seine Sandalen an, schloß die Kutte vorne mit einer Kordel, nahm den Beutel, und sie gingen durch die Tür hinaus ins Freie. Die Sonne schien auf die blühenden Wiesen und durch die Blätter des Waldes, und wegen des inzwischen getrockneten Regens war die ganze Welt von einem alles durchdringenden, bestechenden Grün. Er stellte sich vors Haus hin und begann, das Papier auf eine bestimmte Art zu falten, erst in der Mitte, dann immer weiter, bis er etwas herbeigefaltet hatte, das wie ein Vogel aussah, wie ein Bussard, mit einem spitzen Schnabel vorne und zwei Flügeln und einem Schweif hinten.

Er faßte das Stück Papier mit zwei Fingern an der Unterseite an, hob es hinter seinen Kopf und warf es nach vorne. Es flog erst in einem Bogen nach oben, drehte sich zweimal um die eigene Achse, wurde von einem Windstoß glücklich erfaßt, zog erneut weiter nach oben, segelte dann vierzig Schritte weiter und landete in der Wiese neben dem Firnbach.

Ildr schlug vor Erstaunen die Hände vor den Mund, rannte dem Papiervogel nach und hob ihn auf. Der Fremde lächelte, und Ildr warf ihn ein Stück weiter, auf die andere Seite des Bachs hinüber, und er flog genauso gut.

Sie lief rasch und hob den Papiervogel erneut auf. Der Fremde streckte die Hand aus, und sie kam und gab ihm das gefaltete Papier zurück. Sie setzten sich aufs Gras, und sie sah ihn an. Er nahm sich einen Grashalm, steckte ihn in den Mund und entfaltete den Papiervogel.

– Was möchtest Du wissen?

– Ich will wissen, wie das Fliegen funktioniert. Wie können sich Vögel in der Luft halten? Wie geht das?

– Das ist sehr einfach. Durch Auftrieb.

– Was ist das? Bitte erkläre es mir.

– Also, die Flügel haben eine besondere Form, bestimmt durch die Anordnung der Federn zueinander und zum Vogelskelett. Sieh mal. Der Flügel ist gekrümmt, wenn Du ihn von der Seite ansiehst, so.

Er zeichnete die gewölbte Form mit dem Finger in der Luft und setzte dabei seine Augengläser auf. Er sah anders aus, wenn er sie trug. Der Sonnenschein blitzte auf den doppelten Glasrundungen. Er sah auch anders aus, wenn er etwas erklärte, dachte Ildr.

– Und wenn der Vogel sich nach vorne bewegt, so, dann zieht die Luft naturgemäß über die Flügel, oben und unten. Und unter dem Flügel ist weniger Platz für die Luft als über ihm. Und dies bewirkt, daß der Vogel sich erhebt.

– Ich verstehe es nur halb. Noch mal …

– …die Bewegung nach vorne bewirkt die Bewegung nach oben. So.

– Die fehlende Luft unter dem Flügel drückt also den Vogel nach oben.

– Ja, genau.

– Meine Mutter hat gesagt, die Vögel fliegen durch den göttlichen Hauch.

– Deine Mutter hat unrecht.

– Aber könnte ich einen Apparat mit Flügeln bauen, der das nachstellt, ja?

– Man müßte dafür sorgen, daß er sich zunächst einmal rasch nach vorne bewegt. Auf Rädern etwa, darunter befestigt. Und man müßte ihn sehr leicht bauen, aus leichtem Holz oder aus einem mit Papier oder Stoff bespannten Gerüst.

– So wie die Trage, mit der ich Dich hierhergezogen habe.

– In etwa so, ja.

– Zum Beispiel könnte man es dann von einem Hügel hinabschieben.

– Ja.

– Aber man könnte auch selbst auf dem Apparat sein.

– Sicher.

– Drauf sitzen. Man selbst könnte also fliegen.

– So ist es.

– Zum Beispiel über die Burg des Herzogs.

– Man müßte höher fliegen, als deren Pfeile reichen, aber warum nicht.

– Und über die Hügel und Berge? Man könnte alles von oben sehen, die ganze Welt. Wie wunderschön wäre das alles.

– Sicher, Ildr.

– Und wie würde es sich in der Luft halten, ohne gleich wieder hinunterzugleiten wie der Papiervogel? Wenn man weiterfliegen wollte?

– Man muß vorne eine Art Holzschraube befestigen, die sich schnell dreht und verursacht, daß die Bewegung nach vorne konstant bleibt.

– Wie eine Windmühle.

– Ungefähr, ja.

– Aber die Windmühle bewegt sich doch auch nicht nach vorne.

– Weil sie fest auf dem Boden steht. Eine Windmühle mit Rädern darunter würde sich nach vorne bewegen.

– Verstehe. Also könnte man die … diese Schraube auch aus Stoff herstellen, an einem Gerüst aus Holz, nur kleiner.

– Man bräuchte dazu nur einen Antrieb.

– Wie meinst Du das?

– Die kleine Windmühle müßte sich sehr schnell drehen, um das Fluggerät durch die Luft zu ziehen.

– Das würde sie doch von alleine, durch den Wind der Vorwärtsbewegung.

– Es würde nicht ausreichen, da die Kraft dazu nicht aus sich selbst erschaffen werden kann.

– Wieso nicht?

– Das ist eines der Gesetze unserer Welt.

– So wie die Sache mit den drei Dimensionen.

– Ja, genau.

– Und Du? Hm? Folgst Du den Gesetzen unserer Welt?

Der Fremde lächelte und zuckte mit den Schultern. Das Mädchen war erstaunlich. Wie sie Vorgänge erfaßte und sofort weiterdachte. Er sah in ihre wachen Augen und dachte darüber nach, daß er Glück gehabt hatte, daß ausgerechnet sie ihn angeschossen hatte. Er war hier sicher, für eine ganz kurze Weile noch.

– Und deshalb suchen Dich die Soldaten? Wegen Deiner Erfindung? Wegen dem Papiervogel?

– Das ist doch nicht meine Erfindung, Kind. Ich kann Dir nicht genau erklären, was geschehen ist. Du hättest mich nicht treffen sollen mit Deinem Pfeil. Ich war eigentlich nicht wirklich da.

– Und wo bist Du wirklich?

– Ich bin hier, Ildr. Woanders bin ich nicht.

– Also ist es ein Fehler, daß Du hier bist.

– Ich weiß es nicht.

– Danke, daß Du mir den Papiervogel gezeigt hast.

Der Fremde lächelte erneut, gab ihn ihr zurück, erhob sich, glättete sich vorne das Hemd und lief wieder Richtung Haus. Die Nähte unter seiner Schulter und am Rücken zwickten und schmerzten. Er sah nach unten, auf seine Füße, die sich ganz normal vorwärtsbewegten, links, rechts, links, rechts.

Jetzt, da er sich besser fühlte, erschien ihm dieser Ort, dieses Haus nicht mehr so anstrengend wie noch vor ein paar Tagen. Er war nicht nur verwundert, daß er sich schrittweise daran gewöhnt hatte, sondern daß alles, auch der Schmerz seiner Wunden, ihm ganz natürlich vorkam. Er war von einem nicht sehr sauberen spitzen Gegenstand durchbohrt worden, er wäre fast verblutet, das Mädchen Ildr hatte ihn zurück zu ihrer Hütte geschleift, ihn zusammengeflickt, er hatte die meiste Zeit im Heilschlaf gelegen, es ging ihm viel besser, und nun wollte sie von ihm zu Recht wissen, was denn eigentlich geschehen war. Es war alles echt.

Die Hütte war einfach und sauber. Er öffnete die Tür und ging ins Haus hinein. Sie hatte Blumen gepflückt, sie in einen Krug mit Wasser gegeben und auf den Eßtisch gestellt. Er lächelte und sah nach draußen. Sie saß immer noch da auf der Wiese neben dem kleinen Bach, strich das Papier glatt, faltete und bog es erneut an denselben Stellen zurecht, bis wieder dasselbe Papierflugzeug entstand. Er mußte wieder lächeln. Und nun, ganz plötzlich, war er unendlich erschöpft und furchtbar müde.

Bevor er sich zum Schlafen hinlegte, sah er sich die einfachen Gegenstände hier im Haus an – die Krüge, die auf dem Regal standen, den Reisigbesen an der Wand neben dem Fensterladen, den sauber gewaschenen Topf nahe bei der Feuerstelle, die offenstehende Holzkiste. Es gefiel ihm hier. Er setzte sich auf die Bettstatt und befühlte vorsichtig die frische Narbe an seiner Brust. Ildr hatte das wirklich gut gemacht, das Vernähen. Er hörte sie draußen leise vor sich hin singen. Er legte die Füße hoch und ließ den Kopf auf das knisternde Strohkissen sinken, blickte zur Seite an die rußbefleckte, pockige, ehemals weißgekalkte Wand und schlief sofort ein. Hatte er die Brille noch?

Глава 5 paul

Paul hatte seine kleine Reisetasche schon gepackt für Stavanger. Er ging hinüber in sein Schlafzimmer, machte Licht und legte noch einige weitere Kleidungsstücke in die Tasche hinein, die allesamt, wie seine gesamte Garderobe, mit dem, wie er fand, angenehm antiquierten Begriff nineties normcore am besten zu umschreiben waren. Eine beigefarbene Chino, hellgraue T-Shirts, eine dunkelblaue Regenjacke, einen dunkelblauen Wollpullover, weiße Boxershorts, dunkelblaue Socken, einfache französische Turnschuhe aus dunkelblauem Segeltuch und einen steingrauen Pulli aus Fleece. Er war hin- und hergerissen zwischen Naturfasern und Stoffen aus Polyester, hatte aber für sich beschlossen, die Entscheidung zu Gunsten eines der beiden Textilien aufzuschieben. Wahrscheinlich aber würde er den Fleecepullover wieder abstoßen oder im Internet verkaufen.

Er überlegte, ob er sich rasieren sollte für den Besuch des Magazins in Norwegen oder ob er lieber den Vier-Wochen-Bart stehen lassen sollte. Für Skandinavier waren ja Männer mit Bärten eine Selbstverständlichkeit, dachte er. Er lief schlurfend ins Badezimmer und sah sich leicht desinteressiert im hell beleuchteten Spiegel an, da waren sie, die ersten weißen Haare an den Schläfen, das hatte er von seinem Vater, der Mitte dreißig ebenfalls schon ergraut war.

Er wusch sich das Gesicht mit eiskaltem Wasser, sah erneut in den Spiegel. Er fand, daß er ihm gut stand, der Bart, und er rasierte sich nicht. Dafür riß er sich mit Daumen und Zeigefinger drei aus dem linken Nasenloch herausragende Haare aus. Es schmerzte, und eine Träne erschien. Die Augenbrauen waren auch schon wieder länger geworden. Er zuckte mit den Schultern, zog sich den alten löchrigen weißen Fischerpullover über den Kopf, angelte sich beim Durchqueren der Küche zwei salzige Haferkekse aus einer steinernen Schale, schlüpfte in die Gummistiefel und öffnete die Haustür.

Noch einmal hinaus an den kleinen Hafen, vorbei an der auf dem Sofa schlafenden, einäugigen Katze, vorbei an dem stillgelegten alten Brunnen neben dem Haus, an dem einst John Franklins tragische Arktisexpedition ihr letztes Trinkwasser aufgenommen hatte. Schiffe, vor allem Segelschiffe, aber auch Fähren und Frachtschiffe und Expeditionen überhaupt erfüllten ihn mit einer leidenschaftlich und tief empfundenen Sehnsucht. Hier, am unteren Ende der Alfred Street, hatte er das alte kleine Haus gemietet, das direkt am Wasser der Bucht von Stromness lag, pied dans l’eau.

Es gab fast keine Möglichkeiten mehr, in Europa für wenig Geld direkt am Meer zu wohnen. Dann hatten ihn diese kargen, baumlosen Inseln des Nordens und ihre heidnische Küche hierhergebracht: Jakobsmuscheln, Lodderogen, Heilbutt, Oatcakes, Tordalk, Algensalat, Krähenbeeren, Rhabarber, raestur fiskur, Haggis, skerpikjøt und wie das ganze Zeugs hieß. Und dann diese fehlenden Farben – alles war entsättigt, einsam, öde, flach – das Grau vor allem, das seine Lieblingsfarbe war.

Er lief die Böschung hinunter zu seinem kleinen alten Ruderboot, das dort sicher an Land gezogen lag, und ging daneben in die Hocke. Er war erst ein paarmal in die Bucht hinausgerudert, nie weit. Er war meist müde geworden oder hatte das Interesse verloren. Aber es war schön, so ein Boot zu haben. Im unnachgiebigen Schein der Straßenlaterne hockte er da auf dem steinigen Sand und dachte daran, wie er damals den Namen mit weißer Farbe klein an die Seite des Ruderboots gepinselt hatte. Dóchas. Hoffnung.

Dann setzte er sich auf die steinerne Kaimauer und sah hinauf zu den kalt funkelnden Sternen. Ein Flugzeug oder ein Satellit blinkte dort oben verloren vorbei. Von Ferne kam ein alter Mann in einer Tweedmütze die Alfred Street herunter und auf ihn zu. Er überlegte, wie er ihn grüßen könnte, ohne sich als Ausländer zu entlarven, meine Güte, zumindest als Ire könnte er sich sprachlich tarnen, und in einem Augenblick der aufsteigenden Panik bereute er, den ramponierten Fischerpullover übergezogen zu haben – er war doch kein Fischer. Und überhaupt. Solche Leute würden doch so einen Wollpullover gar nicht gut finden oder gar selber tragen, sondern bunte, zweckmäßige Fleecesachen oder praktischen, wasserabweisenden Gore-Tex.

Er gehörte nicht hierher. Orkney war nicht seine Heimat. Wenn der alte Mann das merkte. Aber der ging einfach langsam, sehr langsam an Paul vorbei, ein kurzes, formloses Grunzen war das, kaum schaute er auf, und Paul räusperte sich noch und murmelte irgendetwas zurück. Dann saß er wieder alleine auf der Kaimauer, und der alte Mann verschwand schleppend das Kopfsteinpflaster hinunter, und ein grüner Vorhang aus Licht erschien urplötzlich oben am Rande des Himmels.

Er ging wieder zurück, die Alfred Street hinauf zu seinem Haus. Er fütterte die Katze und sah zu, daß sie für ein paar Tage genug zu essen hatte, vielleicht für eine Woche, und frisches Wasser. Das müßte doch reichen. Er streichelte sie ein bißchen hinter den Ohren und wartete, bis sie wohlig schnurrte, gab ihr einen Wollball, und dann, als sie sich ganz sicher fühlte, untersuchte er ihre leere Augenhöhle und wischte mit einem Kleenex den weißen Schleim heraus, der sich darin angesammelt hatte. Er fühlte mit dem Finger, daß die knorpeligen Krümel am Grund der Vertiefung schon angetrocknet waren, und ging in die Küche, befeuchtete am Wasserhahn einen Lappen, griff sich ganz vorsichtig den Katzenkopf und wischte das Innere der Augenhöhle sauber.

Dann untersuchte er die Katzenklappe und montierte die kleine Plexiglasscheibe ab, die mit Gaffertape unten an der Haustür festgeklebt war, damit sie immer wieder hinein- und hinausgelangen konnte. Er dachte kurz, daß es wohl hineinregnen würde durch das Loch, daß dieser ewige Sturmwind von Orkney seinen weißen Teppich und sein Wohnzimmer ruinieren würde durch die nun offenstehende Katzenklappe, aber dann verbat er sich diese kleinlichen Gedanken. Er ging ins Schlafzimmer, schloß seine Reisetasche, legte sich rücklings aufs Bett, setzte seine Schlafbrille auf, steckte sich die hellgrünen, elastischen Stöpsel in die Ohren und schlief endlich wieder ein, diesmal traumlos.

Am nächsten Morgen nahm er ein Taxi von Stromness zum Flughafen von Orkney. Er bestand darauf, nur Elektrotaxis zu nehmen, aber wenn er bei der Taxifirma anrief, kannte man ihn schon und schickte stets denselben Fahrer mit dem Kia Diesel, der sich immer eine Holofolie über die Armaturenanzeige geklebt hatte, damit Paul dachte, es sei ein Elektroauto. Der Fahrer brummelte etwas, und es klang wie ein Hund, der zu sprechen versucht, und Paul bejahte, ohne zu verstehen – noch nie hatte er die Menschen hier und ihren bizarren Akzent verstanden, und er hatte manchmal den Eindruck, als redeten sie absichtlich unverständlich mit ihm, was ihm wiederum gut gefiel.

Er hatte gehört, auf Fair Isle, zwischen Orkney hier und den Shetlandinseln dort drüben, also weiter nordöstlich, mitten im Meer, dort waren Fremde überhaupt nicht willkommen, selbst nach dreißig, vierzig Jahren gelte man da immer noch als Fremder, als unakzeptierter Eindringling. Es reichte selbst nicht, dort auf Fair Isle geboren zu sein, nein, man mußte seit fünf Generationen Insulaner gewesen sein, erst dann gehörte man dazu. Und so müßte es ja eigentlich sein in dieser Welt aus beschämender Distanzlosigkeit, Instagram und den Schrecknissen der vernakulären Architektur. Oft hatte er an der Kaimauer von Stromness in der Alfred Street gestanden und gedankenverloren nach Nordosten geblickt, Richtung Fair Isle. Und sich überlegt, bald dorthin zu ziehen. Und das Polarlicht gar nicht mehr wahrgenommen, das hellgrün und lautlos allabendlich am Himmel über ihn hinwegwehte.

Der Flug von Orkney nach Stavanger in Norwegen ging über Bergen, dort mußte man umsteigen, obwohl Stavanger viel näher an den Orkney Inseln lag, und während er flog und umstieg und durch die mehr als mürrische norwegische Paßkontrolle ging, und sich danach in den langen beleuchteten Gängen des Flughafens gedankenverloren einen Cappuccino und einen Blaubeermuffin kaufte, dachte er über Barnhill nach, ein Haus auf der Insel Jura, das ihm nie aus dem Kopf gegangen war.

Es war abgelegen wie wohl kein zweites Haus auf den Hebriden. Es lag da in einer Grasmulde, etwas über dem Meer, zwei Schornsteine links und rechts am Rand des Daches, weiß getüncht. Niemand wohnte darin, schon seit Jahrzehnten nicht. Verwilderte, langmähnige Pferde standen in den Wiesen daneben, Kühe, die seit Jahren nicht mehr gemolken wurden und die ihre Kälber im Freien unter den Weißdornbüschen zur Welt brachten, Rehe und Hirsche, seit Generationen ungestört und ungejagt.

Plus war das Haus auf den nebligen Inneren Hebriden gelegen, nicht auf den baumlosen Äußeren. Um es zu erreichen, mußte man erst einmal vom Festland mit der Fähre auf die Insel Islay fahren, und diese fiel oft aus. Dort dann angelangt, kreuzte man mit einer zweiten, kleineren Fähre hinüber nach Jura, der unzugänglichsten Insel Schottlands, und dann fuhr man, so einen das Taxi an der Fähre abgeholt hatte, vielleicht einhundert einsame Kilometer nach Norden, immer rechts an der Küste entlang, bis die winzige, überwucherte Straße im desolaten Nichts auslief und in einen Feldweg mündete, der durch eine dort quer über ihn gespannte, verrostete Kette das Weiterkommen über Heidekraut nur zu Fuß zuließ. Dann lief man noch vielleicht sechs Kilometer, bis schließlich Barnhill House vor einem stand, ein Anwesen ohne Strom und ohne Heizung und ohne Telefonempfang, das perfekte Haus war das.

Pauls Gedanken an dieses Haus waren so zärtlich wie an eine große Liebe, die verflossen war. Ihm war traurig, wenn er daran dachte, aber es war auch schön, wie etwas, das nicht mehr zu fassen war, weil es nur noch in der Vorstellung existierte. Es gab einen alten zerschrammten schwedischen Ofen in der Küche, eine Glühbirne, die von der Decke an einem zerschlissenen gestreiften Faden herunterhing und seit Jahrzehnten vergeblich auf einen Generator wartete, der sie zu leuchtendem Leben wiedererwecken würde. Es gab im ersten Stock ein Schreibzimmer mit häßlicher Blumentapete, durch dessen Giebelfenster an sonnigen Tagen das gleißende Meer zu sehen war, und weit hinten am Horizont die dunkellilafarbenen, im Winter schneebedeckten Hügel des schottischen Festlands.

Auf einer Digitaluhr, die über ihm in die Flughafenwand eingelassen war, sprang die Minute um. Plötzlich wünschte er sich, er könne in der Zeit verschwinden, dann müsse er auch nicht ewig durch den Raum streifen, auf der Suche nach was eigentlich? Die Zeit, die Zeit, wie soll denn das gehen, dachte er, während er die Papptasse und den ungegessenen Rest des Muffins in einen bunten Abfalleimer warf.

Die grün leuchtenden Anzeigen im Flughafen warben für noch viel bessere, schnellere Mobilnetze, für die einsame norwegische Hütte von Ludwig Wittgenstein und für umweltfreundliche Ölbohrtürme.

Er lief einen langen, langweiligen Gang hinunter. Ein irritierender Blaubeerrest klebte ihm hinten am Backenzahn, und es gelang ihm, ihn freizuhebeln mit der Zungenspitze. Waren Flughäfen eigentlich schon immer so dermaßen voll gewesen? Männer und Frauen stießen und rieben sich aneinander, schoben sich gegenseitig aus dem Weg, kleine Kinder brüllten und stampften mit den Füßen auf. Paul konnte sich nicht daran erinnern, daß früher so Viele unterwegs waren. Es mußten weniger Menschen gewesen sein, und es war früher ganz sicher nicht so laut und flegelhaft und voll gewesen. Ganz leicht bereute er seine Reise und wünschte, er wäre wieder in Stromness und hätte das Mail ignoriert. Das perfekte Weiß.

Schließlich fand er das Gate für seinen Flug nach Stavanger, legte den Barcode seines Tickets unter den Scanner, blickte zur Kamera, nahm die Brille ab, lächelte, wartete auf das grün leuchtende Signal, und als die Schranke sich öffnete, trat er hindurch.

Im Flugzeug dachte er darüber nach, daß das Unerträglichste auf der Welt eigentlich Renovierungsarbeiten waren. Da wurden Wohnungen und Häuser, deren Inneres durch Jahrzehnte oder sogar durch Jahrhunderte gegangen waren, durch Ungeschick und Unvermögen aufs Gröbste verunstaltet. Halogenstrahler wurden in niedrig gehängte Decken eingelassen, Plastikholzfußböden wurden verlegt, nachdem man vorher die uralten, abgelaufenen und patinierten Holzbohlen entfernt und weggeworfen hatte, damit man Fußbodenheizungen einbauen konnte. Küchen wurden mit teuren und sperrigen Dunstabzugshauben versehen, die in den Raum hineinragten und nutzlos vor sich hin brummten. Mehrscheibenisolierfenster ersetzten altes, schönes, nach unten durch die Zeit opaker gewordenes Glas, das die jeweiligen Räume mit einem ihm körperlich unangenehmen Unterdruck vom Draußen abtrennten, alles, um Strom zu sparen und um der Erderwärmung zu trotzen. Fast wäre er eingeschlafen, da unten war ja schon Norwegen.

Angekommen, fuhr Paul erneut mit einem Elektrotaxi vom Flughafen auf der Stadtautobahn durch ein sonnenbeschienenes Stavanger, das ihm erschien wie jede beliebige andere Stadt auch. Er glaubte, sich an Stavanger erinnern zu können, obwohl er noch niemals hier gewesen war. Ein paar kleine Wolken zogen am Himmel vorbei. Unten am Hafen lud ein grotesk großes Kreuzfahrtschiff eine Vielzahl deutscher Rentner aus und wieder ein. Sie wirkten leicht verwirrt, waren aber alle eingehüllt in der zweckmäßigen, neonbunten Kleidung ihrer Zunft. Achtzigjährige Frauen trugen blau gefärbte Igelfrisuren und große Basketballschuhe, die Männer hielten norwegische Bierflaschen in den geröteten und geschwollenen Händen.

Dann war dort drüben auf der anderen Seite ein Museum, da eine Menge aneinandergereihte, nicht voneinander unterscheidbare Irish Pubs, da hinten eine Reihe gleichgeschalteter Ampeln. Und als er etwas hinter dem brutalistischen Kulturzentrum abgesetzt wurde, stieg er aus dem Taxi auf das bröckelnde Kopfsteinpflaster, das beißend und streng nach dem von Betrunkenen auf dem Nachhauseweg abgelassenen Urin der letzten Nacht roch.

Er hielt sich die Nase zu, bekam eine Quittung ausgehändigt, und das Taxi fuhr wieder weg. Er stand da, knüllte den Zettel zusammen, ließ ihn auf die Straße fallen und blickte hinauf auf das zweistöckige, hölzerne Haus vor ihm. Es war auf willkommene Art heruntergekommen, man hatte es wahrscheinlich in den Achtzigerjahren einmal beige und braun gestrichen, es sah aus wie ein westdeutsches Jugendzentrum. Im Erdgeschoß, sah er, befand sich ein Buchgeschäft. In der Auslage des Fensters lag ein Stapel Knausgård, daneben eine Kaffeetasse und ein kleiner Kaktus, und daran angelehnt eine mit weißer Kreide handgeschriebene Werbetafel für hausgemachte Donuts.

Das Büro der Zeitschrift hatte keine Klingel. Eine gelbe Karteikarte war mit einem Stück Tesafilm an die mit Blindglas versehene Tür geklebt. Darauf hatte jemand mit von hastiger Hand gelenktem, blauem Kugelschreiber Kūki geschrieben. Das i am Ende war nicht fertiggestellt, da die Tinte des Stifts anscheinend versagt hatte, und der Buchstabe verlor sich im Gelb. Unten am Hafen tutete das Kreuzfahrtschiff zur Abfahrt.

Paul überlegte, ob er vorher noch eine Schachtel Zigaretten kaufen und eine rauchen sollte, denn er war nun doch etwas nervös, da er sich in manchen Augenblicken – also eigentlich die ganze Zeit – für einen Hochstapler hielt. Er schüttelte kurz den Kopf, da er sowieso vor Jahren das Rauchen aufgegeben hatte, stieß einfach die Tür auf und ging entschlossen hinein.

Ein junges Mädchen drückte sich an ihm vorbei, entschuldigte sich, schob die Hornbrille hoch ins hennarotgefärbte Haar und zwängte sich durch die Tür hinaus auf die Straße. Paul sah, daß der Gang links und rechts an den Wänden mit unordentlichen, hüfthohen Bücherstapeln vollgestellt war, das war doch schon mal ganz erfreulich. Poster von uralten Godard-Filmen hingen dort und von Alice Rohrwacher und Kelly Reichardt signierte, gerahmte Fotos aus ihren jeweiligen Filmen.

Er betrat das Zimmer und dachte bei sich, dies könne doch eigentlich nicht das Hauptbüro von Kūki sein, es war alles zu studentisch hier, zu wenig inszeniert, zu schludrig, da kam auch schon ein kleiner, schmaler Mann auf ihn zu und ergriff fest Pauls Hand mit beiden Händen und schüttelte sie. Er trug eine runde Nickelbrille und er heiße Cohen, sagte er, und er sei froh, daß Paul hier sei. Er fragte höflich nach, ob der Flug nicht allzu anstrengend gewesen sei. Hier, da könne er sich erst mal hinsetzen, und dort hinten seine Tasche hinwerfen. Cohen drückte mit der Spitze des Zeigefingers den Rahmen der Brille den Nasenrücken hoch. Er strahlte große Einfühlsamkeit aus, und Paul bemerkte, während Cohen sich hinsetzte und dabei mit beiden Händen seine Hose links und rechts an den Oberschenkeln etwas hochzog, daß er angenehm roch.

Cohen zündete sich mit unsteter Hand eine Zigarette an. Paul müsse sich alles, was jetzt folgen würde, bitte so vorstellen, als sei er, Paul, der Regisseur Steven Spielberg, und er, Cohen, der Regisseur Stanley Kubrick. Ob er vielleicht den alten Spielberg-Film Artificial Intelligence gesehen habe? Es sei ja eigentlich Kubricks Projekt gewesen, das er aber in seinen Freund Spielberg hineinemaniert hatte, bevor er starb, denn nur Spielberg könne diesen Film machen, zu dem er, Kubrick, nie in der Lage gewesen war.

Paul saß auf der Couch und nickte. Er sah ganz unvermittelt vor sich jene Szenen aus dem Film, an die er sich noch erinnern konnte – an die blaue Fee, an das Androidenkind mit dem Teddybär, das im Wald ausgesetzt wird, und natürlich an die Engelwesen, die am Ende des Films den kleinen Jungen aus der unterseeischen Eismeerwelt holen.

Paul sah Cohen an. Es war kaum zu glauben. Cohen sah exakt so aus wie eine erwachsene Version des Jungen aus Spielbergs Film. Er hatte einen hübschen Mund und dunkle Knopfaugen und dunkelbraune, wellige Haare, die über Ohren und Stirn gingen. Er trug eine Hose aus weißer melierter Wolle mit weißen Paspeln an den Seiten und ein zu weit offenes, schneeweißes Hemd. Spärliche grauweiße Brusthaare waren zu sehen. Cohen zündete sich noch eine Zigarette an. Warum zitterte er denn bloß so?

Dürfe Paul wissen, was der Auftrag war? Es sei doch wohl für die Zeitschrift? Ach, antwortete Cohen, Kūki? Das sei doch nur ein unwichtiges Nebenprojekt, da er in Wirklichkeit seit Jahren dem Rodismus, dem slawischen Neuheidentum, hinterherforsche, unter anderem. Den weißblonden, bezopften Frauen in den weißen Leinenkutten, die sich auf den Wiesen trafen, bei den Holzfeuern, um zu singen in den endlosen Birkenwäldern des Ostens.

Und die Artussage sei auch sehr interessant. Und das Ermorden des Gottkönigs auch und das korrespondierende Töten des Hirsches in den Wäldern. Ob er wisse, daß die Könige des Ostens jahrhundertelang ein Eigelb in die Furchen der Felder gelegt hatten, um für gute Ernte zu sorgen. Und ob er vielleicht Frazers The Golden Bough gelesen habe. Wenn das afrikanische Volk der Aschanti einen neuen König auf den Thron setzte, peitschte es ihn vorher bis aufs Blut aus, damit er sich daran erinnere, wie es sich anfühlte, als Mensch zu leiden, bevor er gottähnliche Macht erhielt. Die Kriege der Zukunft, sie würden aus dem Osten kommen, nicht aus dem Norden.

Paul wußte nicht, was er darauf antworten sollte. Er sagte, er habe gehört, daß die Kriege der Zukunft um Wasser geführt würden. Und Cohen erwiderte, nein, die Kriege der Zukunft würden aus Langeweile geführt werden. Er schiebe die Zeitschrift und deren dubiosen Ästhetizismus nur vor, um seine wirklichen Interessen hinter Tontöpfen, pittoreskem Strandgut und alten Fahrrädern auf den Shetlands zu verbergen. Und natürlich hinter den lieben Mütterchen, die auf entlegenen irischen Inseln abends die letzten authentischen Schafwollpullover zusammenstricken, die mit den großen weichen Krägen aus dem Film mit Colin Farrell neulich. Das sei doch alles nur Augenwischerei, Paul, Kieselsteine im Glas. Schon der Name – Kūki. Blöd sei das, und absichtlich irreführend.

Paul war irritiert und suchte seine Enttäuschung zu verbergen. Er räusperte sich zweimal und kniff die Lippen zusammen. Er sah sich seine Fingernägel an. Er liebte doch all das, was Cohen da als blöd beschrieb. Er war dabeigewesen, sich zu etablieren, und nun sollte die Zeitschrift, die er so schätzte und ihn beauftragt hatte, gar nicht ernst gemeint sein. Statt dessen machte Cohen sich über ihn lustig mit den Aschantis und dem Gottkönig. Gut, murmelte er fast unhörbar, dann gehe er eben wieder, vielen Dank.

Diese ganze Nordobsession, sagte Cohen und warf die bis zum Filter hinuntergerauchte Kippe in ein gefülltes Wasserglas voller sich wie Papierblumen öffnender Zigaretten. Diese cottagecore Flechtenrestaurants, das Entsättigte, jene einsame europäische Peripherie, das Zweidimensionale der Landschaft, die brummelnden, wortkargen Schotten und so weiter, das sei doch protestantischer Kinderkram im Vergleich zu den weißblonden, slawischen Neuheiden in ihren weißen Gewändern mit den roten Randstickereien. Na jedenfalls, es gebe da, und das sei wirklich wesentlich interessanter, einen Satz aus dem Rodismus. Regenwasser ist das Wasser des Lebens, es heilt Wunden, läßt verstümmelte Körperteile nachwachsen, verjüngt die Alten und läßt die Toten wiederauferstehen.

Paul erschrak. Das hatte er doch neulich irgendwo gehört. Nur wo bloß. In Stromness, auf der Straße. Ja. Nein. Doch. Er hatte es geträumt. Wortwörtlich, genauso. Es war ein Alptraum gewesen, erinnerte er sich. Vom Rodismus hörte er hier jetzt zum ersten Mal. Was war das gewesen mit dem Wasser des Lebens.

Cohen sah Pauls verwunderte Miene und bat um Verzeihung, wie blöd von ihm. Er solle bitte nicht wieder gehen. Mochte Paul vielleicht eine Tasse Tee. Kaffee. Er habe sicher irgendwo auch ein paar Kekse. Cohen ging zum leeren Kühlschrank, suchte herum und fand nichts, was er ihm anbieten konnte. Er betätigte den Schalter der Kaffeemaschine, der ein paarmal schnappend ins Nichts klickte. Es tue ihm leid, sagte er mit einem charmanten Lächeln, kein Kaffee. Es sei leider alles kaputt hier. Zigarette? Er solle doch bleiben. Bitte. Das perfekte Weiß. Wenn er ihn etwas fragen dürfe – was liebe er denn wirklich auf dieser Welt? Einen Menschen? Ein bestimmtes Tier?

Paul, der sich tatsächlich etwas entspannt hatte, lehnte sich leicht nach vorne und beschrieb sofort und ohne nachzudenken Barnhill, das Haus auf der Insel Jura. Den fehlenden Strom, die fast furchterregende Abgeschiedenheit, die sich kräuselnden, feuchten Tapeten, die halbwilden Pferde auf der Wiese vor dem Meer und die steingrauen Wolken darüber.

Das seien Erinnerungen? War er dort bei diesem Haus schon einmal gewesen? Nein, antwortete Paul, das waren nur Erwartungen, die auf Fotos basierten, auf Texten, auf Webseiten. Er war noch niemals dort gewesen. Er stellte es sich lediglich vor, daß es dort so aussah.

Erinnerungen, erwiderte Cohen, hätten eine molekulare Basis, sie würden auf atomarer Ebene gespeichert werden, Vorstellungen allerdings nicht. Wo werde also denn das Bild, die vielen Bilder aufbewahrt, die sich Paul im Kopf von Barnhill gemacht habe. Wo wohne die Vermutung.

Wahrscheinlich doch wohl im Bewußtsein, antwortete Paul und schlug ein Bein über das andere. Er war zufrieden mit seiner Antwort, und Cohen stand auf und begann mit einer neuen Zigarette in der Hand zu gestikulieren. Ja. Exakt. Das Bewußtsein. Das Vorgestellte als Entität. Man könne sich allerdings nicht vorstellen, daß kein Raum oder keine Zeit sei, außer vielleicht im Traum.

Pauls Auftrag sei, er müsse jetzt im Taxi zum Areal von SVG-1 Rennesøy fahren, zum Green Mountain Data Centre, da drüben, etwas außerhalb von Stavanger. Da würden in einem alten, umfunktionierten NATO-Bunker ein Großteil unserer aller Daten von den gigantischen Softwarefirmen gespeichert werden. Dort wohne im Grunde die Cloud, gekühlt von acht Grad kaltem Fjordwasser, da man für die immense Hitzeentwicklung der Maschinen konstante Kühlung benötige und Klimaanlagen allein das nicht schaffen würden.

Es gäbe zum Beispiel einen ähnlichen Speicher unter der Erde in Island, sagte er, aber Green Mountain hier in Stavanger sei wesentlich größer, er müsse sich das ansehen, es sei eines der Aufbewahrungszentren des Gedächtnisses der Menschheit. Jede einzelne Fotografie der jährlichen Trillionen mit Mobiltelefonen aufgenommenen Erinnerungen werde dort aufbewahrt. Immense Speicherkapazitäten seien das, alle Hochzeiten, die Kirschblütenzeit in Japan, alle Geburten, Reaktorunfälle, Insektenschwärme, kleine Katzenbabys, die mit Wollknäueln spielten, Kriegsversehrte, Palmen im Sonnenuntergang, 5 Milliarden Fotos am Tag. Er solle sich das bitte mal ansehen. Das sei sein Auftrag, natürlich gut bezahlt.

Und das meine er mit der Suche nach dem perfekten Weiß, fragte Paul und setzte die Brille ab. Ja, unter anderem, antwortete Cohen. Wenn man nämlich die Lebenseinheiten, aus denen sich das Gedächtnis eines Menschen zusammensetze, nach dem Tod dieses Menschen zusammenhielte, läge es dann nicht im Bereich der Möglichkeit, daß jene Erinnerungsschwärme – denn nichts anderes seien diese Bildermengen – die Kräfte behalten könnten, die sie früher besaßen?

Ja, ja, sagte Paul. Wahrscheinlich schon. Aber er verstehe wirklich nicht, was das mit irgendetwas zu tun habe. Er sei Dekorateur und kein Denker oder Physiker. Er habe lediglich ein gutes Auge für Farbe und ein Gespür für Proportionen und dafür, wie man Objekte zueinanderstelle, damit Harmonie entstünde. Das, was er mache, sei noch nicht einmal Kunst, sondern Kunsthandwerk. Vielleicht nicht mal das. Er sei bestenfalls gerade vielleicht mal Anstreicher.

Aber genau deshalb habe er ihn doch zu sich nach Norwegen gebeten, zum Anstreichen, sagte Cohen, und stand auf, um erneut nach dem nicht vorhandenen Kaffee zu suchen. Er bückte sich hinab und wühlte erst hinter dem zerschlissenen Cordsofa, und dann riß er noch mal die Kühlschranktür auf, aber da war außer einem alten, an den Rändern hellbraun gewordenen Stück Butter immer noch nichts. Er drehte sich wieder zu Paul hin. Was wäre, wenn das, was wir, sagen wir mal, die individuelle Persönlichkeit nennen, nach der Auflösung des Körpers beibehalten würde. Was, wenn das Gedächtnis einfach weiter funktionieren könnte. Und woher sollten wir denn wissen, ob eine Entität im Datenspeicher ein Ich, ein Selbst habe oder nicht.

Es sei doch ganz ähnlich seiner, Pauls, Arbeit. Wenn er also ein Haus auf eine bestimmte Weise einrichte und irgendwelche Menschen das Haus kaufen würden, dann hätte er doch mindestens eine Hoffnung geschaffen, die immateriell sei. Cohen zündete sich noch eine Zigarette an der letzten an, die Kippe ließ er auf den Boden fallen und trat sie aus. Immateriell, sagte er, lediglich Vorstellung zwar, aber dennoch sei es ganz und gar eindeutig doch vorhanden. Das könne er doch nicht bestreiten. Paul nickte, er hatte verstanden.

Und Cohen sagte nun, Paul solle alles weiß malen, die ganze Halle. Die Rechner, die Wände, die Decke, den Fußboden. Vermutungen, Vorstellungen und Erinnerungen würden sich in so großen Mengen im Green Mountain Datenzentrum ballen, daß ein weißgestrichener Raum für Aufgeräumtheit sorgen würde, und dafür bräuchte man nicht irgendein Weiß, sondern das perfekte, das einmalige Weiß. Ich bin Cohens Marionette, dachte Paul. Oder vielleicht ist er meine Marionette. Und wie alle Puppen würde er dann denken, daß er tatsächlich ein Mensch wäre. Es ist ja doch der Traum einer jeden Puppe, ein Mensch zu sein.

Was gab es da weiter nachzudenken. Natürlich würde er sich die Hallen ansehen. Wann solle er hin? Jetzt? Paul stand auf, um in seiner Reisetasche nach dem Farbfächer zu suchen, und Cohen rief nach seiner Assistentin, ein Taxi zu bestellen. Sie war wieder mal nicht da, also rief er selber eines an.

Глава 6 ildr

Ildr mußte wohl irgendwann ins Haus gekommen und dann ebenfalls eingeschlafen sein. Im Wald waren Stimmen. Sie suchten nach ihm. Er träumte, daß sie näher kamen, fast an seinem Gesicht waren sie, so daß er ihren Atem riechen konnte, und er setzte sich mit einem Ruck auf, und es war soweit. Am rechten Fenster stand ein Soldat mit einem Tuch vor dem Mund und sah hinein. Am Fenster neben der Feuerstelle stand ebenfalls ein Mann, auch er das Gesicht zum Schutz vor dem Gelben Tod verhüllt. Ein Dritter schlug draußen mit der Faust an der Tür. Das Mädchen wachte schlagartig auf. Der hölzerne Schemel, auf dem sie schlafend gesessen hatte, fiel polternd um. Sie ging in die Hocke, ergriff ihre Knie, preßte beide Lippen aufeinander und sah den Fremden verängstigt an.

In einer einzigen Bewegung sprang er vom Bett auf, zuckte nur ganz kurz vor Schmerz zusammen, da sich die Nähte an seiner Wunde dehnten und wieder zusammenzogen, und erreichte in ein, zwei Schritten den Tisch genau in dem Augenblick, als der Soldat die Tür eintrat. Er griff sich den leinenen Beutel, während der Soldat hereinstürmte und den Arm des Mädchens packte. Ildr schrie auf und biß ihm so fest sie konnte in die Hand.

Die beiden anderen Soldaten waren mit ihren Schutztüchern nun ebenfalls im Haus, und während der erste vor Schmerz kreischend seine blutende Hand hielt, ergriffen die anderen das Mädchen und hielten es fest. Einer von ihnen zog eine kurze, scharfe Klinge und schnitt ihr einen Teil vom linken Ohr ab. Der Fremde wußte sofort, daß er zu lange gezögert hatte. Er zog eine weiße Pistole aus dem Beutel, richtete ihn auf die Brustgegend des Soldaten und drückte ab. Nichts geschah, es klickte noch nicht einmal. Er zog den Abzug erneut. Nichts, verdammt.

Ildrs Gesicht war über und über bedeckt mit ihrem Blut. Es floß herab auf ihr Hemd, und sie sah an sich herunter und schrie. Das helle Stückchen des Ohrläppchens lag vor ihr auf dem Fußboden der Hütte in einer dunkelroten Pfütze.

Der Fremde drehte die Waffe um, sprang mit einem Satz vorwärts und schlug mit dem Griff auf den Kopf des Soldaten mit der Klinge, dann sofort ein zweites Mal auf seine Nase und hörte, wie sie mit einem schrecklichen Geräusch knackend brach. In einer halben Drehung des Körpers schlug er dem anderen Soldaten den Griff der Pistole seitwärts in den Kiefer. Der dritte Soldat hatte sein kurzes Schwert gezogen und stach mit der Spitze in den Oberschenkel des Fremden hinein, und Ildr kroch schreiend durch ihr eigenes Blut hindurch zur Feuerstelle, richtete sich auf, nahm den eisernen Haken und schlug diesen dem Soldaten von hinten auf den Schädel.

Die drei Soldaten lagen auf dem Fußboden der Hütte. Der eine, dem der Kiefer eingeschlagen worden war, atmete noch und wimmerte, und die junge Ildr kroch zu ihm, hob den Feuerhaken über ihren Kopf und schlug auf seinen Kopf ein, dreimal, viermal.

Der Fremde erhob sich, humpelte auf sie zu und nahm ihr sanft das Eisen aus den Händen. Er untersuchte die Wunde an der Seite ihres Kopfes. Das Ohrläppchen und ein Teil des Knorpels waren abgeschnitten worden. Es blutete sehr stark, und er ging zur Truhe, nahm ein weißes Laken heraus, riß es in Streifen und band es dem Mädchen um den Kopf. Jetzt, da alles vorbei war, begann sie zu zittern. Er wischte ihr das Blut aus dem Gesicht.

– Laß, es ist nicht so schlimm. Sind sie tot?

– Ja. Ich fürchte ja.

– Und Deine Wunde am Bein?

– Nicht der Rede wert.

– Sieh Dir das hier an. Warum habe ich Dich bloß angeschossen im Wald?

– Glaubst Du mir jetzt, daß wir schnell von hier verschwinden müssen?

– Ja.

– Der Herzog wird viele Soldaten schicken, wenn diese hier nicht zu ihm zurückkommen. Wir haben vielleicht einen Tag und eine Nacht Vorsprung. Hast Du einen Sack, in den Du alles packen kannst, was Du brauchst?

Sie suchten zusammen im Haus, was ihnen nützlich sein könnte, und legten es auf einen kleinen Haufen, möglichst weit weg von den Leichen. Eine gute Kordel, ihren Pfeil und Bogen, einige Tücher zum Verbinden, zwei warme Decken, seinen Leinenbeutel, zwei Wämser aus Wolle, einen kleinen Sack mit Bohnen, ihr Messer, die Ziegenmilchhaut, zehn ungeschälte Aschdanne, einige Äpfel, den Zündstein. Er gab ihr von seinem Pulver in einen Becher Wasser und sagte ihr, sie solle es trinken. Das Ohr blutete stark und durchtränkte den Verband. Sie sah fürchterlich aus, aber das sagte er ihr nicht.

– Und? Jetzt muß man es nicht auskochen?

– Wie?

– Kochen?

– Ach so. Jetzt ist keine Zeit für so etwas.

– Aber sterbe ich dann nicht an den Würmern?

– Das muß nicht sein. Aber wenn wir warten, bis das Wasser kocht, stirbst Du, weil wir nicht rechtzeitig geflohen sind.

– Aber das ist nicht gerecht, weil bei Dir haben wir das gemacht mit dem Wasserkochen, und nun bei mir auf einmal nicht.

– Deine Wunde ist nicht sehr tief, Ildr.

– Aber gerecht ist es trotzdem nicht.

– Können wir jetzt bitte gehen?

– Ist es gerecht oder nicht?

– Nein.

– Das wollte ich nur wissen.

Das Mädchen war wirklich außergewöhnlich, dachte er. Sie ging mit einem Lächeln aus dem Haus, und er machte die Tür hinter ihnen zu, verdrehte leicht die Augen und lächelte zurück, und dann überlegte er noch, ob er das Gebäude vielleicht anzünden sollte. Nein. Der Rauch würde noch schneller Neugierige anziehen. Und sie hätten dadurch weniger Vorsprung.

Zusammen überquerten sie die Wiese, sprangen mit einem Satz über den kleinen Firnbach und schlugen sich in den Wald hinein, der, wie ihnen schien, sie rasch dunkelgrün und freundlich verbarg. Sie liefen ein paar Stunden in die Richtung, in der er Süden vermutete. Sie folgte ihm, ohne zu sprechen. Ab und zu blieben sie stehen, und er wechselte ihren Verband und gab ihr von seinem Pulver. Sie ließen die vollgebluteten Tücher auf dem Waldboden liegen und liefen weiter.

Zu spät fiel ihm ein, daß sie dadurch eine unübersehbare Spur hinterließen. Er überlegte kurz zurückzulaufen, um die weiß-roten Bandagen zu vergraben, ließ es dann aber sein. Man würde sie nicht finden, weil die Verfolger nicht wußten, in welche Richtung sie geflohen waren. Plötzlich erschrak er und dachte an Spürhunde.

– Besitzt der Herzog Hunde?

– Ja, er jagt mit einer Meute. Aber die meisten sind tot.

– Von der Gelben Seuche.

– Ja. Ich hab viele Hundekadaver gesehen, auf dem Weg in die Dörfer.

– Und warum ist der Herzog nicht tot?

– Das weiß ich nicht. Es weiß keiner, wer die Krankheit bekommt und wer nicht. Die allermeisten bekommen sie. Hunde auch, aber keine Rehe oder Vögel oder Pferde.

– Also hat er Spürhunde, die noch leben.

– Ich denke schon.

– Dann wird er sie uns auch hinterherschicken.

Der Wald wurde dichter und undurchdringlicher. Große Luftwurzeln und dorniges Gestrüpp versperrten ihnen ab und zu den Weg, daß sie ausweichen mußten, und so kamen sie immer öfter von ihrer Route ab. Der Himmel war strahlend blau, Vögel flogen unbeirrt weit über ihnen hin. Sie teilten sich einen Apfel, und jeder aß seine Hälfte langsam und vorsichtig im Gehen, ohne zu sprechen. Nach einer Weile beschlich ihn das merkwürdige Gefühl, sie liefen nicht mehr in die richtige Richtung.

– Weißt Du, wo Süden ist, Ildr?

– Ja, natürlich. Die Sonne geht im Westen auf und im Osten unter, dann muß Süden in diese Richtung sein, da.

– Wie bitte?

– Süden ist da lang.

– Nein, was Du vorher gesagt hast. Die Sonne geht im Westen auf.

– Natürlich tut sie das.

– Dann müssen wir in die entgegengesetzte Richtung laufen.

– Also zurück?

– Es tut mir leid. Ich hab mich verrechnet. Ich bin es gewohnt, daß die Sonne im Osten aufgeht.

– Du bist wirklich von jenseits des Eismeeres.

– Jedenfalls müssen wir nach Süden, nur ist es für mich andersherum. Von Deinem Haus aus gesehen, wo ist die Burg des Herzogs?

– Nördlich.

– Dann komm, wir müssen wieder zurück. Wir laufen jetzt direkt auf die Burg zu.

– Genau das habe ich mir auch gedacht.

– Aber warum hast Du nichts gesagt.

– Du weißt doch immer alles.

Vögel hatten sich singend in den Wipfeln der Bäume niedergelassen, und einmal hörten sie einen Specht, der einen Baum bearbeitete, und das pochende Geräusch verfolgte sie, vielleicht waren es auch viele Spechte. Die Sonne stand hoch über ihnen am klaren wolkenlosen Himmel.

Nach einer ganzen Weile kamen sie wieder an die Stelle zurück, an der die roten Tücher lagen. Ildr kniete sich hin, grub mit einem Ast ein Loch in den Waldboden, legte die Stoffstreifen hinein, schüttete Erde darauf und legte dann Laub und kleine Zweige auf die Stelle, bis nichts mehr zu sehen war. Der Fremde nahm eine Handvoll feuchtes Laub und wischte ihr sanft das getrocknete Blut vom Gesicht. Er untersuchte vorsichtig ihr Ohr, das nun aufgehört hatte zu bluten. Es fehlte unten ein ganzes Stückchen, aber es war nicht wirklich schlimm. Er legte ihr einen frischen Verband an und knotete ihn oben über ihrem Kopf zusammen.

Sie steckte einen geraden Zweig senkrecht in den Waldboden, und gemeinsam beobachteten sie die fast umerkliche Bewegung seines Schattens über der Erde. Sie teilten sich einen weiteren Apfel und legten das Gehäuse neben den kleinen Zweig. Bald kam eine Ameise dazu, und nach einiger Zeit waren es viele, die sich über die Frucht hermachten, sie zerteilten und winzige Stücke davontrugen. Ihnen fielen beim Zusehen die Augen zu, und sie schliefen eine kurze Weile.

Ildr nahm den Zweig wieder aus der Erde und warf ihn ins Gebüsch, den Apfelrest ebenfalls. Er dachte daran, daß sie es später vielleicht bereuen würden, die Kerngehäuse weggeworfen zu haben. Sie standen auf, klopften sich vorsichtig die Ameisen von den Kleidern und liefen weiter. Es ging nun leicht bergan, dann wurde der Weg steiler, bis sie schließlich auf einer baumlosen Anhöhe standen. Um sie herum war nur Wald zu sehen, so weit das Auge reichte; riesige Wacholderbäume, die an Zedern erinnerten und von denen viele mit Flechten bewachsen waren, Kiefern und Birken.

Ein Habicht zog hoch über ihnen eine Weile seine Kreise und flog dann ostwärts, in Richtung der herabsinkenden Sonne, dort wo der Himmel sich orangerot verfärbte. Die Welt war schön von hier oben. Ein leichter Wind ging durch die Wacholderbäume, die sich unter ihnen bis zum Horizont hin ausbreiteten.

Von ferne her bellten Hunde, und beide wußten sofort, daß ihre Verfolger nicht weit waren. Sie sahen sich an. Wären sie nur unter dem Laubdach geblieben und gar nicht erst hier hochgestiegen. Ohne Hast öffnete Ildr den Sack und nahm sich die Khor-Nuß heraus. Mit der Sägeseite ihres Messers rieb sie an der Nuß und fing die herabfallenden Krümel und den Staub in einem der Tuchstreifen.

– Was machst Du?

– Die Hunde werden hierherkommen und riechen, daß wir da waren.

– Und Du streust das Nußpulver aus, um sie zu verwirren.

– Es wird sie eine Weile beschäftigen. Hunde hassen diesen Geruch.

– Komm jetzt, wir müssen von hier verschwinden.

– Warum gehst Du nicht einfach zum Herzog und zeigst ihm Deine Erfindungen.

– Dafür ist es zu spät, Ildr. Wir haben drei seiner Männer getötet. Außerdem würde er uns nicht in Frieden lassen. Er würde mich wahrscheinlich foltern und Dich umbringen.

– Und alles wegen des kleinen Papiervogels.

– Laß uns jetzt gehen. Bitte.

– Nach Süden.

– Nach Süden.

Ildr streute vorsichtig das Pulver an die Stelle, an der sie gestanden hatten, wickelte den Rest der Khor-Nuß in einen Stoffstreifen, band den Sack wieder zu und reichte ihn dem Fremden. Sie liefen die grasbewachsene Anhöhe wieder hinab, zurück in den Wald hinein.

Sie gaben acht, wo sie hintraten, um keine Fußspuren im Morast zu hinterlassen. Ein paarmal bog Ildr grüne Zweige wieder gerade, die er im Vorbeigehen versehentlich gekrümmt hatte. Sie liefen ohne Hast, aber so zügig, daß er manchmal innehalten, sich an einem Baumstamm festhalten und Atem holen mußte, weil ihn die Narben am Rücken und an der Brust zwickten.

Die Stelle, an der ihn der Soldat in den Oberschenkel gestochen hatte, machte ihm keine Schwierigkeiten. Die Schnittwunde war vielleicht einen halben kleinen Finger tief, nicht mehr. Das bißchen Blut. Was er aushalten konnte. Jetzt war es an Ildr, ihn voranzutreiben. Sie liefen weiter durch den Wald, und einmal sahen sie eine an der Seuche verendete Wölfin und ihre Welpen, die um sie und an ihr lagen, als hätten sie ihre Milch getrunken und seien daran gestorben. Ein Wespenschwarm brauste wütend um die Kadaver, und sie machten einen weiten Bogen darum.

Nachdem sie den ganzen Rest des Nachmittags eher gerannt als gegangen waren und es allmählich Abend wurde, machten sie Rast und aßen rasch einige rohe Pilze, die Ildr gesammelt hatte. Wann würde der Wald nur aufhören. Er schien endlos. Es bedrückte ihn, das viele Grün. Sie legten sich ins Laub neben einer großen Baumwurzel und schliefen ein paar Stunden.

Als sie erwachten, war es noch hell, und sie hörten in einiger Entfernung die Hunde bellen. Sie sprangen auf, griffen sich ihre Sachen und rannten so schnell sie konnten in die entgegengesetzte Richtung. Ildrs Ohr hatte wieder angefangen zu bluten. Ihre Wange war naß, und es tropfte beim Rennen auf den Waldboden und hinterließ eine rote Geruchsspur.

– Es gibt keinen Gott und keinen Kreis.

– Ildr. Bist Du Dir da sicher.

– Ja, ich weiß es.

– Du sollst rennen und nicht philosophieren.

– Was ist das?

– Vergiß es.

– Erklär mir noch mal die Dimensionen. Ist das philosophieren?

– Jetzt ganz bestimmt nicht.

– Bitte.

– Später. Lauf!

– Schau mal da!

– Was?

– Da hinten. Links. Eine Festung. Ein Wachtturm.

Beide rannten so schnell sie konnten auf das runde steinerne Gebäude zu, das sich vor ihnen durch die Bäume hindurch auf einer Lichtung auftat. Es war mehrstöckig, mit Fensterscharten nur oben, außer Reichweite. Hinter ihnen rannten die Hunde. Sie rochen Ildrs Blutspur. Weißer Schaum umgab ihre Mäuler, die Zähne waren gebleckt, das Zahnfleisch rot. Die gellenden Schreie der Soldaten hallten durch den Wald.

Pfeile schwirrten durch die Luft. Zwei davon blieben in einem Baum direkt neben Ildr stecken. Sie fühlte den sausenden Hauch der Geschosse rechts an ihrem Hals. Aber sie hatten die kleine Steinfestung erreicht, die Tür stand offen. Sie hasteten hinein, schlugen die schwere Holztür hinter sich zu, schoben die drei Riegel vor, bis sie einrasteten, und ließen sich völlig außer Atem auf den Boden fallen.

Einer der Hunde sprang mit schrecklichem Geheul von außen immer wieder gegen die Tür. Ildr und der Fremde sahen sich erst an und blickten dann im Halbdunkel um sich. Über ihnen führte eine schmale steinerne Treppe im Kreis innen an der Wand hinauf, zu den Fensterscharten. Sie standen schnell auf, erklommen die Treppen und drückten sich im Gehen mit dem Rücken zur Wand.

Draußen waren die Soldaten angekommen. Einer hatte sich auf die Erde gesetzt, trank erst aus einer Wasserhaut und wusch sich dann prustend das verschwitzte, schmutzige Gesicht. Die Hunde neben ihm bellten, und er grinste hinauf.

Ildr spähte vorsichtig durch die erste Fensterscharte hinaus, zählte vier Männer, lief dann die kleine Empore entlang auf die gegenüberliegende Seite des Turms und sah aus der Ritze. Dort unten standen ebenfalls vier. Einer schoß halbherzig mit dem Bogen Richtung Scharte, aber der Pfeil prallte wirkungslos an der Außenmauer ab. Ildr rief dem Fremden zu, er solle kommen und hier hinaussehen. Ein weiterer Mann, offensichtlich der Anführer, stand etwas abseits am Waldrand und rief Anweisungen.

Einer von ihnen lachte und schlug einem der Hunde mit der Faust auf die Nase, dieser jaulte erbärmlich und verzog sich. Nun gingen sie Zweige, trockene Äste und Moos aufsammeln und brachten alles zum Turmeingang. Sie legten das Holz an die Tür, und während der Anführer in die Hocke ging und mit einem Feuerstein begann, Funken zu schlagen, brach ein anderer die Zweige zu kleinen Stücken und schob sie unter den Stapel Äste.

– Was ist ein Schatten, Ildr?

– Jetzt willst Du reden über sowas.

– Ja. Es ist sehr wichtig. Was ist es?

– Hör bitte auf. Sie werden uns töten.

– Was ist ein Schatten?

– Wenn ein Licht auf einen Gegenstand scheint, dann gibt es dahinter einen Schatten.

– Genau. Der Schatten ist flach. Er ist zweidimensional. Und wenn man in einer zweidimensionalen Welt ein Licht auf einen zweidimensionalen Gegenstand wirft, dann gibt es einen eindimensionalen Schatten.

– Aber wie kann es eine solche Welt geben? Eine Welt wie das Papier.

Zwei Pfeile surrten von unten an sie heran und prallten neben der Schießscharte ab. Ildr wich den Pfeilen aus und sah dem Fremden in die grünen Augen.

– Wir nehmen es nur an. Ein Gedankenspiel.

– Und in einer ein … eindimensionalen Welt?

– In einer solchen Welt würde der Schatten ein nichtdimensionaler Punkt sein, ein Nichtlicht.

– Das verstehe ich nicht.

– Dann stell es Dir einfach vor.

– Du mußt etwas tun. Sie zünden die Tür an.

– Es gibt noch eine vierte Dimension.

– Wie meinst Du?

– Licht, auf einen vierdimensionalen Gegenstand gerichtet, erzeugt einen dreidimensionalen Schatten.

– Wie kann ein Schatten nicht flach sein.

– Wie kann ein Nichtlicht existieren.

– Das sind schöne Gedankenspiele. Während wir uns hier unterhalten, haben sie uns gleich. Gib mir mal Deinen Beutel her.

Er hockte sich hin, entwirrte die Kordel des Sacks, und Ildr griff blinzelnd hinein und zog vorsichtig die weiße Keramikpistole heraus. Dann kniete sie sich vor die Fensterscharte und nahm die Waffe in beide Hände, so, wie sie es bei ihm in der Hütte gesehen hatte.

– Das funktioniert nicht, Ildr.

– Vielleicht nur bei Dir nicht.

Sie zielte auf den Anführer, der immer noch direkt unter ihnen an der Tür dabei war, ein Feuer zu entfachen. Sie schloß die Augen und drückte den Abzug. Es gab einen kleinen, nicht sehr lauten Knall, und der Mann an der Tür ließ den Zündstein fallen und sackte zur Seite weg. Drei weitere Soldaten kamen herbeigelaufen, schüttelten ihren toten Anführer, und Ildr drückte dreimal ab. Sie traf alle drei, einen von ihnen mitten ins Gesicht.

– Ildr.

– Was ist das bloß für ein Gerät.

– Erklär ich Dir später. Komm schnell mit nach draußen. Und halte das Ding vor Dich her, so.

– So?

– Ja. Aber ziel damit nicht auf mich, hörst Du. Und gib mir Deinen Bogen.

Beide rannten die Empore entlang und die Treppen im Kreis wieder hinab. Unten angelangt, entriegelten sie die Tür, und er spannte einen Pfeil in den Bogen. Ildr riß die Tür auf. Die toten Soldaten purzelten herein, und sie stiegen über den Menschenhaufen ins Freie. Von der linken Seite lief ein weiterer Soldat schreiend auf sie zu, das Schwert über seinem Kopf erhoben. Ildr drehte sich leicht zu ihm hin, zielte und drückte ab. Vorne auf der Brust des Mannes erschien erst eine kleine rote Mohnblume, die augenblicklich größer wurde, dann ließ er mit einem höchst verwunderten Ausdruck im Gesicht das Schwert sinken und fiel hinab auf die Knie.

– Vier, fünf. Drei sind noch übrig. Auf der anderen Seite des Turms.

– Vielleicht können wir mit ihnen verhandeln.

– Mit Mördern kann man das nicht, Ildr.

Ein Soldat spähte um die Ecke, erhob seinen Bogen und schoß auf Ildr und den Fremden. Der Pfeil sauste vorbei und blieb in der Erde stecken. Ildr drückte ab, es knallte, und der Mann fiel getroffen zur Seite weg. Die beiden Übriggebliebenen ließen ihre Waffen fallen und rannten panisch zum Waldrand. Ein vom Bogen des Fremden abgeschossener Pfeil steckte einem von ihnen plötzlich im Rücken, zwischen den Schulterblättern, und Ildr zielte mit der Keramikpistole auf den zweiten und schoß, einmal, zweimal.

– Ich glaube, Ildr, das Ding ist jetzt leer.

– Wie, leer?

– Da sind keine Kugeln mehr drin. Da passen nur zwölf oder so hinein. Vielleicht auch zwanzig.

– Was für Kugeln?

– Kind. Die sind wie kleine Pfeile, die vorne herauskommen und tödlich sind.

– Also keine Kugeln.

– Das sagt man nur dazu … Ach, das ist doch jetzt wirklich egal.

– Schau mal da, der Hund.

Die Jagdhunde hatten sich alle tief in den Wald verzogen, bis auf diejenige, die auf die Nase geschlagen worden war. Die Hündin lag auf der Lichtung in einiger Entfernung, die Schnauze auf die Vorderpfoten gelegt und sah sie an. Ildr ging hinüber, hockte sich ein paar Schritte entfernt hin und streckte ihre Hand aus. Die Hündin legte sich auf die Seite und hob eine Pfote, aber als Ildr noch näher kam, um sie zu streicheln, rannte auch sie jaulend fort, in den Wald hinein.

Beide setzten sich hin, den Rücken an die Außenwand des Kastells gelehnt. Um sie herum waren lauter Leichen, vier an der Tür, zwei weitere in der Nähe und zwei lagen am Waldrand – ein Pfeil ragte aus einem von ihnen heraus, aus der Mitte des Rückens.

– Ildr, wir können nicht laufend Menschen töten.

– Wir mußten es tun. Sonst hätten sie uns getötet. Außerdem hast Du doch selbst einen von ihnen mit dem Pfeil erschossen.

– Ich sag ja gar nicht, daß es anders ging. Aber wir müssen damit jetzt aufhören.

– Es ist so einfach mit Deiner Maschine.

– Woher kennst Du dieses Wort – Maschine?

– Du hast es vorhin gesagt.

– Hab ich das?

– Ja, ganz sicher.

– Mag sein.

– Was ist es denn nun für ein Ding?

– Man nennt es Pistole.

– Und Du sagst, es ist irgendwann leer.

– In diesen kleinen Dingern …

– … Kugeln …

– … also hinter ihnen ist eine kleine Menge komprimiertes Schießpulver befestigt, das wird zur Explosion gebracht, und dann schießt die Kugel aus dem Loch vorne, und wer immer im Weg steht, wird durchbohrt.

– Moment, Moment. Was ist Schießpulver? Und wieso explodiert etwas nur in eine Richtung? Egal. Aus was für einem Material ist das Ding? Wie baut man so etwas?

– Sie ist mit einem 3D-Drucker hergestellt worden.

– Ein Drucker? Was ist das? Drei Dimensionen? Das, was Du gesagt hast?

– Ja.

– Und sie funktioniert nur für mich, die … die Pistole.

– Ja, anscheinend.

– Und warum?

– Das weiß ich nicht. Dinge und Lebewesen existieren und sie existieren nicht, und beides stimmt, gleichzeitig.

– Das verstehe ich nicht.

– Ich auch nicht, Ildr.

Глава 7 paul

Der Wagen fuhr aus der Stadt hinaus auf eine Autobahn und dann hintereinander über mehrere Fjordbrücken, die Paul meinte, aus irgendeinem Film wiederzuerkennen. Es war überhaupt alles wie in der Erinnerung oder wie im Film oder wie in einem Traum. Er hatte sich gar nicht von Cohen verabschiedet, ihn aber durch die Rückscheibe gesehen, wie er dort auf dem Kopfsteinpflaster vor dem Büro stand und ihm nachschaute. Das Taxi fuhr nicht schnell. Die Spätsommersonne tauchte die norwegische Insellandschaft in ein herrliches, gestochen scharfes Licht.

Nach einer halben Stunde rollten sie auf eine orange-weiße Schranke zu, die sich automatisch öffnete. Paul hatte mehrmals versucht, mit dem Fahrer zu sprechen, aber da kam nicht viel zurück von vorne, außer skandinavische Einsilbigkeit. Ein paar hundert Meter noch, einige unscheinbare Autos auf der linken Seite und rechts das Meer, dann ein paar nichtssagende Baracken, die bereits weiß gestrichen waren, wie Paul in Gedanken notierte. Stacheldraht in Spiralenform auf einem Sicherheitszaun. Zwei mit Maschinenpistolen bewaffnete Soldatinnen in Camouflageuniformen. Ein großes Tor, das sich in den Fels hinein verjüngte.

Er stieg aus, zahlte das Taxi und ging auf das Tor zu. Er schaute hoch zum blauen Himmel. Eine surrende Überwachungsdrohne flog eine Kurve über das Areal, eine Weile hinaus übers Meer Richtung Stavanger und kam dann zurück.

Es wollte gar niemand seinen Ausweis sehen. Die Soldatinnen machten ihm lächelnd Platz, und eine der beiden hielt eine Plastikkarte an einen Scanner, drückte eine Taste, es klickte, und die schwere Tür ging langsam auf. Eine Soldatin, die ihre blonden Haare unter ein Barett gesteckt hatte, begleitete ihn. Vor ihm standen nun drei Männer in leuchtend gelben Ganzkörperanzügen, auf denen vorne Green Mountain Data Centre aufgedruckt war. Man gab ihm ein Clipboard und bat ihn, da und dort und da unten zu unterschreiben, und dann begab sich Paul auf die freundliche Anweisung der immer noch lächelnden norwegischen Soldatin in die plexigläserne Menschenschleuse, die sich erst hinter ihm schloß und sich dann, nach zehn, fünfzehn Sekunden und einem hydraulischen Sauggeräusch vor ihm wieder öffnete. Zwanzig Schritte noch, dann eine weitere automatische Tür, die sich nach einigen Augenblicken des Wartens öffnete, nachdem ein über der Tür hängendes, weißes Kameraobjektiv sein Gesicht aufgezeichnet und sich eingeprägt hatte.

Nicht nur Pauls Gesicht war abgetastet worden, sondern sein ganzer Körper sowie seine Gestalt und seine Art zu gehen. Die Paul entsprechenden Daten wurden umgewandelt, weitergesendet und in den Rechnern des Datenspeichers selbst untergebracht. Die Tür schloß sich hinter ihm, und Paul betrat nun einen immensen Raum, eine Kaverne, dessen hintere Wand in der Ferne lediglich zu erahnen, aber nicht zu sehen war. Cohen hatte wirklich nicht übertrieben. Es war außerordentlich beeindruckend.

Ein leises, allanwesendes Summen begleitete den Laut seiner Schritte auf dem polierten Betonboden. Über ihm hingen Leuchtkästen an langen Kabeln, die den Eindruck des unendlichen Raums noch verstärkten, da die Decke, die irgendwo weit oben über den Lampen lag, selbst nicht erhellt wurde. Sie blieb, wie auch die seitliche Ausdehnung der Halle links und rechts, im Halbdunkel verborgen. Unzählige perforierte Aluminiumstreben hingen unterhalb der Lampen, die ein Netzraster schufen, ein Muster, das sich immer und immer wieder in Halbhöhe wiederholte, als portionierte, durchlässige Ebenen.

Vor ihm reihten sich präzise hintereinander geordnete, dunkelgraue Kästen in die Unendlichkeit des Raumes hinein. Und in ihnen vibrierten Trillionen Bilder, eine so unvorstellbar große Menge an Geschichten, daß sie ein eigenes Universum darstellten, Quadrillarden von Leben, mit allem was dazuzählte.

Zum Glück hatte er seinen Farbfächer dabei, dachte Paul und hatte das meiste schon wieder vergessen, was Cohen ihm vor so kurzer Zeit gesagt hatte. Er war so vergeßlich geworden, aber das machte nichts, weil die Größe von Cohens Auftrag ihm nun bewußt wurde, er solle das alles weiß streichen lassen, die ganze Höhle und alles darin. Hunderttausende Liter Farrow & Ball, in Fünflitereimern, dachte Paul, und mußte lächeln, und er wußte nicht, ob es wegen der Farbenfirma war, der tausenden Gerüste, die man errichten mußte, oder wegen der schieren Gigantomanie des Projekts.

Genau in diesem Augenblick zuckte es auf der Oberfläche der Sonne, und es gab eine außergewöhnlich große Sonneneruption. Gelbe und rote Feuersäulen aus Plasma wurden hochgeworfen und schossen erst zitternd und dann anschwellend als gleißende Lichtfontänen hunderttausend Kilometer empor. Und nun raste ein schockwellenartiger Magnetsturm mit Lichtgeschwindigkeit Richtung Erde.

Paul schritt langsam die Reihen ab und fuhr im Gehen mit der Hand über die glatten Plastikoberflächen, über die gespeicherten Erinnerungen des Planeten. Wie beeindruckend das alles war. Cohen hatte recht gehabt. Er erinnerte sich. Er sah sein kleines gemietetes Haus am Meer in Stromness und die Katze, die gleichgültig und träge die Alfred Street hinunterschlich. Ihre Pfoten auf dem Kopfsteinpflaster. Den mürrischen alten Mann in der Tweedmütze, der vorbeiging. Sein auf dem Teppich liegender, orangeroter alter Penguin-Band zur Früherkennung der feindlichen Flieger im Zweiten Weltkrieg. Sein seltsamer Traum von der Antarktis und dem Eismeer. Die sauber aufeinandergestapelten Ausgaben von Kūki, obenauf das Cover mit der Schale und den hellen Muscheln und den Nüssen darin. Auch, direkt daneben auf dem Umschlagfoto, der Unterteller mit dem angebissenen Croissant, das Fahrrad, die Gummistiefel. Dann das Geschenk des Herzogs, das Gemälde vom Zauberer Merlin und dem Ritter Lancelot, das über dem alten Schweizer Militärfahrrad an der pockenmarkigen Wand hing. Der melancholische Lancelot, dort versunken im Sattel, der links aus dem Bild hinausgeführt wurde. Die von ihm inszenierten, über Nordeuropa verstreuten Häuser und Interieurs und den ohne Unterlaß redenden, kettenrauchenden Cohen in seiner ausgedachten Magazinredaktion. Die blaue Fee. Alles würde er weiß malen. Er lief eine ganze Weile lächelnd unter den Hängelampen, immer weiter in die Kaverne hinein, ohne daß vor ihm ein Ende der Speicherreihen abzusehen war.

In gerade einmal acht Minuten hatte die starke elektromagnetische Strahlung die Oberfläche der Erde erreicht. Nichts davon war zu sehen, nichts zu erahnen, nicht einmal glatte Lichtmuster, nicht einmal Spiegelungen. Der Sonnenwind aber schuf im Vorbeiziehen gigantische grüne Polarlichter in der Atmosphäre, jene prismatischen Lichtvorhänge, die über den Himmel flatterten, und er sorgte auf der sonnenbeschienenen Seite der Erde für massive Ausfälle der Satelliten- und Mobilfunkverbindungen, fuhr dann durch den norwegischen Berg und in die Kaverne und schließlich in die Datenbanken hinein, auch in jene, neben der Paul nun stehengeblieben war, die Hand auf der summenden Plastikoberfläche ruhend. Ein Ereignis folgte dem anderen, denn Geschichten waren in der Raumzeit ebenso unzerstörbar wie Materie und Energie.

Ein erratisches und lautes Knacken war zu hören, dann gab es einen Stromausfall, vielleicht eine halbe Minute vollkommene Dunkelheit – dreißig Sekunden dauerten eine Ewigkeit – und gleich anschließend sprang der Notstrom an. Orangerot rotierende Lampen warfen ihren irritierend grellen Schein in die dunkle Immensität der Datenspeicherhalle. Es knackte immer weiter, ein Geräusch, als ob Coladosen zertreten wurden. Eine Sirene ertönte, schrill und gleichzeitig sonderbar komprimiert. Es roch nach verschmortem Gummi und Federn, nach Aluminium und Silikon. Aber es roch auch frisch und reinlich und sauerstoffreich, wie nach einem Sommergewitter.

Man öffnete die am Eingang der Kaverne liegende Schleusentür, die ebenfalls an das Notstromaggregat angeschlossen war. Soldatinnen und das Personal liefen herein, Kommandos wurden gerufen, Maschinenpistolen entsichert. Immer mehr aufgeregte Wissenschaftler kamen herbei, einige in dunklen Anzügen, andere in weißen Kitteln. Man sah, daß die Aluminiumrauten über den Datenspeichern zu tropfen begonnen hatten, es hatte sich Kondenswasser gebildet, wer weiß woher. Man stellte nach und nach die Alarmanlagen ab.

Nach einer Weile einigte man sich darauf, daß es tatsächlich einen Besucher gegeben hatte, natürlich. Die Soldatinnen am Sicherheitseingang bestätigten es und zeigten auf den Monitoren Pauls Eintritt in die Schleuse. Fast achtzig Menschen suchten mehrere Stunden alles in der Halle nach ihm ab, aber er war nicht mehr da.

Глава 8 ildr

Sie nahmen zwei der Toten die Stiefel ab, zogen sie selbst an und liefen die Nacht hindurch und weitere zwei Tage, bis sie an einen großen Fluß kamen, der träge und trüb durch die Landschaft nach Süden floß. Ildr, die noch nie Schuhe getragen hatte, bekam schmerzende Blasen an den Füßen, und sie bat ihn mehrmals, wieder barfuß laufen zu dürfen, aber er erlaubte es nicht. Ildr solle sich in den Schmerz hineinlegen und ihn akzeptieren, Blasen seien nicht wirklich schlimm. Sie verdrehte die Augen und verfluchte ihn innerlich, lief weiter und versuchte, ihre Füße zu ignorieren. Sie erklommen eine kleine Anhöhe und sahen von dort oben, daß der Fluß sich mehrmals leicht bog und in die Entfernung fortschlängelte.

Er beschloß, daß der Fluß sie zum Meer führen würde und daß sie demnach umsichtig seinem Verlauf folgen sollten. Er zeigte den Weg mit der Hand, und Ildr sah ihn dabei an und fühlte, daß sie ihm vertraute, mehr noch als ihrer Mutter, wenn das möglich war. Außerdem hatten sie ja die Pistole. Und ihre Wunden schmerzten nicht mehr, was viel wichtiger war. Seine Narben an Brust und Rücken mußten nun fast verheilt sein, dachte sie.

Er zog seine Sandalen aus dem Sack, legte sie neben eine Baumwurzel und murmelte etwas, für Ildr klang es wie eine Beschwörung. Sie ließen die Sandalen liegen, und dann gingen sie los. Unterwegs tranken sie direkt aus dem Fluß, obwohl er das Wasser lieber abgekocht hätte. Als sie einmal stehenblieben und sich umdrehten, sahen sie, daß die Hündin ihnen in sicherem Abstand folgte. So liefen sie immer weiter dorthin, wo sie den Süden vermuteten; vorne der Mann, dann das Mädchen und weit dahinter der Hund. Es wurde merklich kühler, obwohl die Sonne schien.

– Darf ich Dich etwas fragen.

– Natürlich, Kind.

– Wie bist Du hierhergekommen?

– Wohin?

– Hier.

– Keine Ahnung.

– Aber Du mußt doch bitte schön wissen, wie Du in den Wald gekommen bist, wo ich Dich angeschossen habe.

– Nein.

– Was erwartet uns am Eismeer?

– Auch das weiß ich nicht.

Am Abend sammelten sie Brennholz, schichteten es aufeinander, legten Steine in einem kleinen Kreis aus, machten das erste Mal ein Feuer und wärmten ihre Hände und Füße daran. Niemand war ihnen gefolgt. Sie legten die Aschdanne auf die heiß gewordenen Steine, er setzte seine Brille auf und untersuchte vorsichtig ihr Ohr. Ihre Hemden waren mit angetrocknetem Blut verschmiert, und sie zogen sie aus, wuschen sie unten am Fluß und trockneten sie an den Flammen. Sie legten sich die mitgebrachten Decken um, denn die Nacht war kalt. Ein wenig später näherte sich die Hündin dem Feuer und legte sich drüben hin, auf der anderen Seite des Steinkreises. Ildr und der Fremde lächelten. Sie aßen die von der Hitze gebackenen Aschdanne, Ildr warf der Hündin eine Hälfte hin, und sie fraß das bißchen Gemüse gierig.

Er hatte schon eine ganze Weile in seine Decke eingewickelt geschlafen, die erste Nacht ohne die stete Furcht, verfolgt zu werden, als ihn etwas hochschrecken ließ. Es dämmerte, es war noch ein wenig Glut im Feuer, und er sah um sich, sah, wie die Hündin und das Mädchen ruhig schliefen. Halb steckte er noch in seinem verworrenen Traum, aber er fühlte, daß um ihn herum gerade etwas Beunruhigendes geschah. Er rieb sich die Augen und befühlte seine Stirn, den kalten Angstschweiß dort. Er blickte hoch zum allmählich heller werdenden Morgenhimmel.

Da, oberhalb des Horizonts und nicht weit enfernt, zog der Schweif eines hell strahlenden Kometen vorüber und verschwand in der Richtung, aus der sie gestern gekommen waren. Seine Leuchtspur glühte noch nach, während Sekunden später ein Feuerball weit in der Ferne erschien und den Horizont erleuchtete, dort wo der Komet eingeschlagen war. Er zählte langsam bis zwanzig, dann hörte er das rumpelnde Grollen der Explosion und fühlte unter seinen Füßen ganz leicht die Erde zittern.

Ildr und die Hündin wurden schlagartig wach. Das Tier richtete sich auf und wimmerte, und ihr Nackenfell stand senkrecht empor. Ildr und der Fremde sahen nach Norden. Obwohl der Einschlagsort des Kometen so weit entfernt war, konnten sie im Morgenlicht erkennen, daß sich dort eine große Staubwolke gebildet hatte, die senkrecht in den Himmel wuchs und sich immer weiter ausdehnte.

– Was war das.

– Ein Meteorit.

– Was?

– Eine Sternschnuppe.

– Kein Erdbeben?

– Nein. Ein kleiner Stern ist auf die Erde gefallen.

– Ist das für uns gefährlich?

– Mag sein. Laß uns zusammenpacken und gehen.

Die Hündin ließ zum ersten Mal zu, daß man ihr nahekam, sie ließ sich sogar berühren, und Ildr streichelte und beruhigte sie mit freundlichen leisen Worten. Sie sammelten ihre Sachen ein, und alle drei liefen weiter nach Süden, am Ufer des Flusses entlang. Unterwegs fingen sie ein paar kleine Fische, die sich in einer alten Netzkiste beim Flußrand verfangen hatten. Sie schlugen sie gegen einen Stein und legten sie in ihren Beutel.

Gegen die Mittagsstunde wurden sie von einem Sandsturm eingeholt. Mochte sein, daß es die Auswirkungen des Kometeneinschlags waren. Der gesamte Himmel verfärbte sich in kürzester Zeit hellbraun, und sie mußten sich rasch flach auf den Boden legen. Sie hielten sich an den Händen, während der Staub über sie hinwegbrauste. Er hatte sich seine Kutte über das Gesicht gezogen. Ildr rief ihm etwas zu, aber ihr Mund und ihre Nase füllten sich sofort mit feinen Sandkörnern, so daß sie das furchtbare Gefühl hatte zu ersticken, und sie verbarg den Kopf in ihren Armen und umschlang die Hündin mit ihrem Körper. Schon bald war es vorbei, und der Sturm zog weiter, sie standen auf und klopften sich den Staub aus den Haaren und gingen hinab zum Fluß, um sich zu waschen.

Sie waren müde vom Kampf gegen den Sand, obwohl der Weg nicht beschwerlich war. Je weiter sie südwärts kamen, desto kühler wurde es, und sie sahen viel weniger Bäume als noch vor einer Weile. Die vereinzelten Bäume selbst wurden kleiner und trugen weniger Blätter – sogar jene, die am Flußufer wuchsen, schienen verkümmert, als ändere sich hier nun das ganze Wachstum der Welt, als läge vor ihnen eine Grenze oder ein desolater Übergang der Natur. Die Landschaft wurde eintöniger, und fruchtbare Wiesen wurden zu melancholischem Geröll und hellgrauem Kalkstein, und die grün bewachsenen, satten Hügel und dichten Wälder von Ildrs Heimat wurden nach und nach durch ein monotones karstiges Steingebiet ersetzt, das von graubraunen Flechten überzogen war, soweit das Auge reichte.

Nach einem Tagesmarsch durch immer öder und baumloser werdendes Gelände erreichten sie gegen Abend den Rand des verlassenen Dorfes Goz, und sie näherten sich sehr vorsichtig den wenigen Häusern, deren steinerne Dächer schwer und drückend auf den niedrigen Hausmauern lagen. Ildr hatte die Pistole aus dem Beutel geholt und hielt sie vor sich, und die Hündin lief eng neben ihr her. Der Fremde hielt das Messer in der Hand. Sie sahen in die Häuser hinein, aber es wohnte dort schon lange niemand mehr. Sie entschieden rasch, in einem der Häuser zu übernachten, öffneten die schwere Holztür und duckten die Köpfe, um einzutreten.

Im Inneren war es dunkel und roch alt und wie vor langer Zeit verlassen. Er öffnete einen der Fensterläden, um frische Luft hereinzulassen. Die Wände waren aus rohem, unbemaltem Stein, und es gab weder Betten noch Stühle. Ildr zündete mit dem Feuerstein eine Kerze an, die jemand in einer Wandnische vergessen hatte, dann leerte sie die Eßwaren aus ihrem Beutel auf den Tisch, das einzige Möbelstück. Sie hatten noch Aschdanne, einige Äpfel und die kleinen Fische, die sie heute morgen gefunden hatten. Draußen wurde es dunkel.

Ildr entschuppte die Fische mit ihrem Messer, durchbohrte den ersten mit der Spitze eines kleinen Zweiges und hielt ihn über die Kerzenflamme, während er die Haustür von innen verriegelte, so gut es ging. Die Hündin hatte sich still hingelegt und beobachtete alles. Nach und nach drehte und wendete Ildr alle Fische auf der kleinen Flamme, bis sie knusprig waren und die Haut schwarz, legte einen vor die Hündin, und sie aßen dann den Rest, der erstaunlich gut schmeckte. Ildr blies die Kerze aus, sie legten sich auf den harten Boden und deckten sich zu.

– Warum wird es immer kälter, je weiter wir nach Süden gehen?

– Weil wir dem Eismeer näher kommen.

– Ich bin so neugierig, wie es dort aussieht. Und Du kannst in Deine Heimat zurückkehren.

– Sie ist sehr, sehr weit weg.

– Das macht nichts. Ich komme mit Dir, so weit es auch ist.

– Morgen werden wir uns in den anderen Häusern umsehen. Wir brauchen mehr Decken und viel wärmere Kleidung.

– Und einen Flugapparat.

– Schlaf jetzt, Ildr.

Nach einer unruhigen Nacht erwachten beide in der Früh zitternd vor Kälte, obwohl sich die Hündin nachts eng an sie gelegt hatte. Es hatte keine Kohle gegeben in der Hütte, und draußen hatte kein Holz herumgelegen, das sie hätten aufsammeln können, da die Gegend so karg und baumlos war.

Sie standen auf, zogen frierend ihre Schuhe an und sprangen auf und ab, um sich zu erwärmen. Er suchte die Hütte genau ab, und es gab tatsächlich nichts zu verbrennen, außer vielleicht dem Tisch. Er überlegte, ihn kleinzuschlagen, entschied aber dann, lieber in den anderen Häusern nachzusehen, ob sie irgendetwas Brauchbares finden könnten. Er steckte die halb abgebrannte Kerze ein, die sie gestern abend benutzt hatten.

Sie liefen mit der Hündin hinaus in die aufgehende Sonne, die von einem trüben Dunst verdeckt war und nicht wirklich wärmte. Vielleicht war es immer noch die Staubwolke des Kometeneinschlags. Im ersten Haus fanden sie nichts außer einem alten leeren Mehlsack, den sie an sich nahmen. Im zweiten fanden sie einige Kohlestückchen in einer Ecke und einen Holzlöffel. Das nächste Haus war völlig leer, es war sogar ohne Tür und Fensterläden, die jemand wahrscheinlich vor langer Zeit als Brennholz benutzt hatte. Die letzte Hütte hingegen war verriegelt, und beide stemmten sich zusammen gegen die Tür, bis sie krachend aufsprang.

Sie traten beherzt ein, obwohl die Hündin sich weigerte mitzukommen. Ildr hielt wieder die Pistole vor sich hin, er das Messer. Während ihre Augen sich an das Halbdunkel gewöhnten, bemerkten sie, daß der Boden über und über mit einer klebrigen Schicht bedeckt war. Es gab ein paar Fliegen, und es roch nach etwas Altem, etwas Totem. Auf einem Stuhl am Tisch saß in sich zusammengesunken und sonderbar verdreht das Skelett eines Menschen, vor sich einen Krug. Sie gingen vorsichtig auf eine Art steinernen Schrank zu und öffneten die schwere Tür. Darin lagen sauber gefaltet mehrere Wolldecken sowie vier gesteppte Tuniken, ein ordentlicher Stapel Kerzen und einige Tierfelle. Was für ein schier unglaubliches Glück. Sie nahmen alles heraus, packten es sorgfältig in den Mehlsack und legten sich die langen Felle um die Schultern. Dann gingen sie über den klebrigen Boden wieder zum Ausgang, und Ildr brach im Vorbeigehen vom Skelett einen Armknochen ab, für die Hündin.

– Das sind Wolfsfelle. Zusammengenäht.

– Das sehe ich, Ildr. Ja.

– Bei uns ist so etwas sehr viel wert.

– Und für uns beide sind sie noch mehr wert. Wer weiß, ob es weiter südlich noch Häuser gibt. Wir werden frieren. Schau mal, unterwegs werden wir jetzt beide jedes Stück Holz vom Boden auflesen, und dann schnüren wir uns daraus Bündel, mit diesem Seil, das Du dabeihast.

– Merkwürdig, daß hier so wenig Bäume sind. Meinst Du, die Menschen haben alle abgesägt und verfeuert?

– Kann gut sein.

– Oder die Menschen sind alle gestorben an der Seuche.

– Oder woandershin geflohen, vor dem Herzog.

Sie verließen das Dorf Goz, die Hündin den Menschenknochen im Maul, und machten sich auf den Weg. Der Himmel hatte immer noch jene braungelbe Färbung, durch die das Sonnenlicht nicht wirklich wärmend hindurchscheinen konnte. Nach einigen Stunden sahen sie, daß der Boden zunehmend aus großen und unebenen, fast nahtlos miteinander verbundenen Steinplatten bestand, nur vereinzelt war dazwischen überhaupt noch Erde zu sehen, und sie liefen wieder Richtung Ufer, um dem Verlauf des Flusses weiter zu folgen, der ab jetzt immer breiter wurde. Sie hoben einzelne Äste auf, wo sie sie fanden, brachen sie entzwei, bündelten und banden alles zusammen und befestigten sich die Holzpacken gegenseitig am Rücken.

Nach einer Weile begann die Hündin auf einer ihrer Hinterpfoten zu humpeln, sie bewegte sich unter Schmerzen nur auf drei Beinen vorwärts. Der Fremde kniete sich zu ihr hin, aber sie fing an zu knurren, ließ den kostbaren Knochen fallen und zeigte ihm ihre Zähne. Als Ildr dazukam, ließ sie es zu, daß man ihre Pfote untersuchte. Ildr schob vorsichtig ihre Fingerspitzen zwischen die rauhen Pfotenballen und zog dann einen kleinen metallenen Gegenstand heraus, der dort feststeckte. Die Hündin winselte ein bißchen, und etwas Blut troff auf den steinernen Boden. Ildr sah es sich an, zuckte mit den Schultern und reichte das Ding dem Fremden, der sofort wußte, was es war.

– Das ist eine Schraube. Aus Stahl.

– Wie scharf die Spitze ist. Wozu ist das gut?

– Man benutzt es wie einen Nagel, nur hält es viel besser. Schau, man kann das so irgendwo hineindrehen, mit diesem Gewinde hier.

– Ich hab sowas noch nie gesehen. Wie klein das ist.

– Eigentlich dürfte es solche Dinge hier nicht geben.

– Das verstehe ich nicht.

– Ich auch nicht wirklich. Steck es ein, wir nehmen es mit. Kann sie wieder laufen?

– Ich glaube schon. Ja.

– Gut.

– Wir sollten ihr einen Namen geben.

– Mir fällt keiner ein.

– Vielleicht morgen.

– Ja.

Die Hündin humpelte noch eine Weile, setzte die Pfote probeweise auf den Boden und lief dann problemlos neben ihnen weiter, den Knochen wieder zwischen den Zähnen. Manchmal lief sie voraus und drehte sich zu ihnen hin, um sich zu vergewissern, daß sie nachfolgten. Es wurde stündlich kälter. Sie erkannten jetzt, daß das Flußufer wie die gesamte Landschaft nur noch aus Steinplatten bestand, als habe sich das Wasser des Flusses über Jahrtausende seinen Weg durch den Kalkstein bahnen müssen. Drüben am anderen Ufer war es wahrscheinlich ebenso, aber sie konnten es nicht mehr allzu gut ausmachen, da der Fluß immer breiter geworden war. Ab und zu kamen sie an einem einzelnen, fast verkümmerten Baum vorbei, dessen Wurzeln zwischen den Steinen noch etwas Erde gefunden hatten, aber diese wurden immer weniger, bis sie schließlich über eine weite Ebene blickten, die sie in ihrer Leere und tiefen Trostlosigkeit fast verzweifeln ließ. Sie brachen von dem verdorrten Baum ein paar Äste ab und banden sie sich auf den Rücken.

Ildr fragte sich, ob sie nicht lieber umkehren sollten, aber sie wagte nicht, es vor ihm laut auszusprechen. Sie setzte einen Schritt vor den anderen, den Blick auf den Steinboden geheftet. Ab und zu hob sie ein kleines Stück Holz auf und schob es in ihr Bündel. Der Dunst der Staubwolke war weniger geworden, so daß die Sonne zwar heller und wärmer schien, aber die Euphorie, bald das Eismeer zu erreichen, war nun lange verflogen und hatte einem allumfassenden Gefühl der Hoffnungslosigkeit Platz gemacht.

Als es Abend wurde und ein eiskalter Wind aufkam, machten sie im Windschatten eines großen Felsens Rast, den sie schon von weitem am Horizont gesehen und angesteuert hatten. Sie gingen Steine sammeln und bauten einen hüfthohen Halbkreis als Windfang daraus, an den Felsen angelehnt. Sie legten die Bündel mit Holz zurecht, schütteten die kleinen Kohlestückchen aus dem Mehlsack dazu, zerbröselten das Wachs einer der Kerzen und zündeten ein Feuer an. Dann zogen sie die gesteppten Tuniken über, legten die Wolfsfelle auf den Steinboden und wickelten sich eng in die Decken ein. Die Hündin legte sich dazwischen, und sie hatten keine Kraft und keinen Mut mehr, Aschdanne zu rösten, und so schliefen sie hungrig ein. Er bat sie noch um die kleine Schraube und hielt sie fest im Inneren seiner Faust.

Глава 9 paul

Cohen saß abends in seinem kleinen Café, dort wo er immer saß, hinter und oberhalb des Hafens von Stavanger. Er trank schwarzen Kaffee, sah auf die Schiffe hinab, ohne sie zu sehen, und kaute sich die Fingernägel blutig. Alle paar Minuten lief er vor die Tür, rauchte hastig und angespannt eine Zigarette, trat sie halbgeraucht auf dem Kopfsteinpflaster aus und ging wieder hinein an seinen Platz.

Die rothaarige Kellnerin kam, sah die leere Tasse und fragte ihn, ob er noch einen Kaffee wolle oder vielleicht einen Krapfen, und er antwortete nicht. Sie sah, daß er noch viel nervöser war als sonst. Sie hatte mit ihm einmal eine Affäre gehabt, letztes Jahr, die rasch wieder vorbei gewesen war, als sie sich klar darüber wurde, was für ein konstantes, schreckliches Nervenbündel er doch war. Und dann die unaufhörlichen Zigaretten, Tag und Nacht. Sie hatte ihm die Dutzenden Aschenbecher entleert, ohne Erfolg Vapes auf den Nachttisch gelegt und auch eine Dose Snus, blöd von ihr, aber er hatte doch immer noch diesen schönen mürrischen Mund, dachte sie und ging wieder hinter die gebleichte Holztheke, um auf ihr Telefon zu starren. Soll er doch sehen, wo er bleibt. Am Himmel donnerte ein norwegischer Kampfjet über Stavanger, und die große Glasscheibe des Cafés zitterte.

Cohen hatte schon in jungen Jahren gewußt, daß er anders war als alle anderen, die er kannte. Er war ein trauriger Mensch, schon seit vielen Jahren, obwohl er sich das niemals selbst eingestehen würde. Er lebte nicht mehr mit dem Gedanken an eine Hoffnung, nach der er sich doch mehr als alles andere sehnte, weil er wußte, daß es vergeblich war. Er wartete zwar immer noch darauf, daß diese Hoffnung eines Tages an seiner Tür erscheinen würde. Aber er dachte nicht mehr daran, er zwang sich dazu, es zu vergessen. Nur wie soll man etwas vergessen, das man geliebt hat?

Irgendwann hatte er Pferde entdeckt, und das kam dann der Hoffnung schon recht nah. Ihre langen Köpfe, ihre gütigen opaken Augen, die ihn stets denken ließen, diese Tiere empfänden den Strom der Zeit grundsätzlich anders als die Menschen, überhaupt anders als alle Lebewesen auf der Welt. Er hatte sich ihnen stets vorsichtig genähert, weil er spürte, daß sie ihm zwar nicht mißtrauten, ihn aber auch nicht wirklich einschätzen konnten. Er war als Kind gerne geritten, und er erinnerte sich an ihren nussigen, milden, gefahrlosen Geruch und an den Atemhauch, der aus ihren unmöglich weichen Nüstern seine darunter gehaltene, einen halben Apfel anbietende Handfläche traf.

Da war ein Gestüt gewesen in Westnorwegen, ganz in der Nähe. Er war hingefahren und hatte sich mit den Besitzern arrangiert, es war nicht teuer gewesen. Und so war er ausgeritten, wann immer er konnte, in der grünen Fjordlandschaft um Stavanger. Ganze Nachmittage bis zum frühen Abend war er im Sattel seines dunklen englischen Vollbluts gesessen, war dort durch die Wälder geritten und hatte seine gelbgallige Misanthropie vergessen. Die pausenlosen Gedanken, sie waren weg, im Vestlandet verloren.

Das Licht unter den Bäumen, es war elastisch und weich gewesen, die Schatten unergründlich. Der Wind hatte nach der nahen See gerochen und nach Tannennadeln. Pferde waren die einzigen Wesen, die ihm nah waren, und es tat ihm leid, daß er nicht sein ganzes bisheriges Leben mit ihnen verbracht hatte.

Er war vom Direktor des Green Mountain Data Centre angerufen worden, daß der Dekorateur verschwunden war. Er habe die Videoaufzeichnungen alle angesehen und ausgewertet, vor- und zurücklaufen lassen. Paul war zu sehen gewesen, wie er lange die Halle betrachtet hatte, die er anmalen sollte, war dann anscheinend auf und ab gegangen, und es hatte einen Stromausfall gegeben, wonach es für kurze Zeit auf den Bändern vollkommen dunkel gewesen war, und nun war er nicht mehr aufzufinden.

Diese Kellnerin im Café ging ihm fürchterlich auf die Nerven mit ihrem Fürsorgewahn. Was war er Paul schuldig. Im Grunde genommen gar nichts. Und was war eigentlich passiert. Gar nichts, dachte er lächelnd. Paul war wahrscheinlich ganz einfach wieder abgefahren, zurück auf seine Orkney Inseln, das hatte nur niemand mitbekommen. Jetzt hätte er doch noch gerne einen Kaffee. Und mit dem Rauchen sollte er morgen aufhören.

Und doch. Er hatte Paul schließlich geschrieben, ihn eingeladen. Es zwickte und nagte an ihm wie ein frischer Papierschnitt am Finger. Cohen stand auf, legte ein paar Münzen auf den Tisch und verließ das Café. Die Kellnerin sah kurz von ihrem Telefon auf und ihm nach, und ein unerwidertes Lächeln huschte über ihr sommersprossiges Gesicht.

Er lief über die Straße, den kurzen Weg zu seinem Büro hinauf. Es war niemand sonst mehr da. Er knipste das Licht im Flur an. Im Vorbeigehen fiel sein Blick auf die Bücherstapel und die Filmposter, die mußte er noch entsorgen, aber das hatte Zeit, irgendwann. Er mußte auch aufhören mit dem Fingernagelbeißen, dachte er, aber im selben Augenblick hatte er schon wieder einen Finger zwischen den Zähnen, da hakte und ziepte etwas.

Cohen haßte seine eigene Unordnung, er fühlte sich frei und gereinigt, wenn es ordentlich war, aber irgendwie klappte es nie mit dem Aufräumen. Das war eines der ganz zentralen Probleme seines Lebens. Er wusch sich mit Kernseife, auch die Haare wusch er sich damit, und er besaß außer diesem Stück Seife, das er in einer seladonfarbenen Plastikschale aufbewahrte, und einer alten lädierten Plastikzahnbürste keine Kosmetikartikel. Aber es reichte nicht mit der Askese. Er hatte es alles schon durchgespielt, jahrzehntelang schon. Den Sortierzwang der japanischen Muji-Kette zum Beispiel, die Filzstifte mit der schwarzen Nadelspitze und das schöne hellbraune, naturbelassene Notizbuch und die hellgrauen T-Shirts. Das war alles so erbärmlich, aber das Gegenteil war natürlich noch viel schlimmer, und jetzt, da das Alter näher kam und er sich erschreckte, wenn er in den Spiegel sah, war es sowieso egal. Deshalb hatte er auch Kūki mehr oder weniger aufgegeben und sich nur noch mit der russischen Esoterik beschäftigt.

Aber nicht, weil der Gegensatz von konsumistischem Pseudokommunismus und russisch-proletarischer Metaphysik ihm so relevant erschien, nein, sondern weil er die komplizierten Verschachtelungen leid war, die er und sein eigenes Magazin ausgelöst und vervielfältigt und in die Welt gebracht hatten. Das Hauptproblem an Kūki war ja, daß es das als begehrenswert abbildete, was die Moderne selbst vorher zerstört hatte. Kūki überführte das fast Vergessene in den Postkapitalismus, um das Versunkene erneut als Ware anbieten zu können, allerdings zum hundertfachen Preis. Am besten, man brachte sich einfach um.

Deshalb hatte er Paul kontaktiert. Weil er seinem eigenen, sich selbst auffressenden avantgardistischen Streben nicht mehr entkommen konnte. Weil alles weiß gemalt werden sollte. Und weil den Weltspeicher des kollektiven Gedächtnisses aufzuräumen ihm nur konsequent und richtig erschien.

Außerdem konnte es ja gut sein, daß Paul genau hier oder wo auch immer wieder auftauchen würde, anstatt zurück auf die Orkney Inseln zu fahren. Er hatte ja auch noch seine Reisetasche da. Cohen überlegte, ob er hineinschauen sollte, legte sie wieder hin, rauchte eine Zigarette, sah sich um, als werde er beobachtet, und entschloß sich dann, den Reißverschluß aufzumachen.

In der Tasche lagen verschiedene Kleidungsstücke, ordentlich zusammengefaltet, und mehrere Gebrauchsanweisungen für Antibiotika. Am Grund der Tasche lag ein Anleitungsbüchlein für eine mit einem 3D-Drucker herzustellende, weiße Keramikpistole. Er blätterte durch das Heftchen. Paul, Paul, was machst Du nur für Sachen, sagte er leise.

Wofür brauchte man eine Pistole. Paul mußte vielleicht gedacht haben, daß er in Lebensgefahr war. Hatte er Angst gehabt, nach Stavanger zu kommen? Warum nur? Wo konnte man sich so eine Waffe drucken lassen? Er schob alles wieder hinein in die Tasche und machte den Reißverschluß zu. Vielleicht besaß er so eine Pistole ja gar nicht, sondern nur die Anleitung dazu. Er hätte die Waffe ja auch gar nicht durch die Sicherheitsscanner am Flughafen bringen können und durch die Scanner in Green Mountain erst recht nicht.

Er nahm sich die Tasche, ging den Gang entlang und stieg die enge Holztreppe hoch, in sein Schlafzimmer. Eine Matratze lag dort in einer Ecke auf dem Fußboden, die ehemals weißen Laken seit wer weiß wie lange nicht mehr gewechselt. Er knipste die Ikealampe an, warf Pauls Tasche in die Ecke, sich selbst auf die Matratze, stopfte sich die beiden Kissen in den Nacken und lehnte den Hinterkopf an die Wand, dort unten, wo der alte Haarfettfleck war.

Er las eine halbe Stunde in einem Buch über den Mathematiker John von Neumann, aber er konnte sich überhaupt nicht konzentrieren. Wenn er einen Absatz über von Neumanns selbstreproduzierende Automaten zu Ende gelesen hatte, hatte er vergessen, was am Anfang gestanden war, und er mußte noch mal von vorne beginnen. Und dann diese Schlaflosigkeit. Seit Jahren schon, wenn er mal ehrlich war. Seit Jahrzehnten. Neben seinem Bett lag die Schachtel mit dem Phenobarbital, und er schob sich vierzig kleine weiße Tabletten in den Mund, zerkaute alles zu einem bitteren Brei und spülte diesen herunter mit dem Leitungswasser von gestern aus dem Zahnputzbecher, nicht aus Traurigkeit oder weil er sterben wollte, sondern weil es ihm egal war.

Глава 10 ildr

Ein paar Tage und Nächte lang war alles gutgegangen, aber als sie das fünfte Mal bei Sonnenaufgang erwachten, mochten sie sich kaum aus den Decken und Fellen schälen, so kalt war es. Das Feuer war lange erloschen, obwohl er doch sicherlich einmal in der Nacht Holz nachgelegt hatte. Er sah nach, und es war nicht einmal mehr Glut in der Asche. Er sammelte jene kleinen Holzstückchen ein, die nur am Rande verkohlt waren, und legte sie in den Sack. Sie packten sorgfältig ihre Sachen zusammen, teilten sich zu dritt die beiden letzten Äpfel, kauten lange und ausgiebig, auch die Kerngehäuse und sogar die Kerne, und gingen hinunter zum Fluß, um etwas zu trinken und um sich Gesicht und Hände zu waschen. Er sah, daß Ildr und die Hündin abgemagert waren, und zum ersten Mal überkam ihn die Furcht, sie könnten verhungern. Sie hatten ja noch etwas Aschdanne, dachte er und lächelte.

Mit größter Wahrscheinlichkeit lebte so weit südlich niemand, und nirgendwo würde etwas Eßbares zu finden sein, irgendwann, dachte er, würde diese steinerne Ödnis in eine Eiswüste übergehen, was machte es da überhaupt für einen Sinn weiterzulaufen. Nirgendwo war ein Lebenszeichen zu sehen, kein Strauch oder Büschel Vegetation, kein Vogel am Himmel. Noch nicht mal ein einziger Salamander, den man hätte fangen und essen können. Nur später dann, viel später einmal eine Seemöwe, die über ihnen am blauen Himmel kreiste, nach ihnen rief, umdrehte und einsam wieder südwärts flog.

Sie sollten umkehren, es vielleicht noch ein oder zwei Tage versuchen und dann umkehren. Ihm kam der furchtbare Gedanke, die Hündin zu töten und zu essen, ihn schauderte und er verbat sich das sofort. Ildr und das Tier waren völlig auf ihn angewiesen, es war seine heilige Aufgabe, für sie zu sorgen, sie hatten niemand anderen. Er nahm die kleine stählerne Schraube aus der Tasche und spielte damit, ließ sie durch die Hand gleiten. Wo kam die her.

Sie liefen den ganzen Vormittag am Ufer des Flusses entlang, der sich inzwischen mehrmals gegabelt hatte, und hielten immer Ausschau nach Fischen, die jetzt, da das Wasser klarer geworden war, einfacher zu sehen sein müßten. Ein paarmal sahen sie etwas weiter draußen die Oberfläche sich kräuseln, und Ildr wollte hineinwaten, aber er hielt sie zurück. Wie hätten sie die Schuhe trocknen sollen. Und mit nassen Füßen wäre alles vorbei. Es lag auch immer weniger Holz zum Verbrennen herum, vielleicht alle Stunde mal ein verschwindend kleines Stück. Wenigstens hatten sie genug zu trinken, dachte er, und er hörte, wie es in seinem leeren Bauch rumorte.

– Das hat alles keinen Zweck, Ildr.

– Was sollen wir tun. Zurücklaufen? Wo die Soldaten uns suchen?

– Schau mal, wir werden verhungern. Oder erfrieren. Es gibt nirgendwo genug Brennholz, und es wird immer kälter werden. Du warst noch nie im Eis. Dagegen ist diese Gegend hier noch ziemlich warm.

– Hast Du noch ein Stück von dem Papier?

– Wozu. Wenn man es anzündet, brennt es nur ganz kurze Zeit.

– Bitte.

Er suchte in seinem Beutel, sah, daß er noch ein Blatt übrig hatte und reichte es ihr. Die Hündin setzte sich und schaute die beiden erwartungsvoll an, als würden sie etwas zu essen vorbereiten. Wie anständig sie war. Ildr hockte sich hin, strich das Papier auf ihren Oberschenkeln glatt und begann es so zu falten, wie sie es bei ihm neulich, vor so vielen Tagen gesehen hatte. Als sie fertig war, richtete sie sich auf, hielt den Papierflieger zwischen Daumen und Zeigefinger und warf ihn, so weit sie konnte. Das Ding flog ziemlich gut, sie lief lachend hinterher, er blieb am Fluß stehen und sah ihr nach, und für einen kurzen Augenblick schien es ihm, als hätte sie ihre hoffnungslose Lage vergessen. Die Hündin bellte, als sie begriff, daß es ein Spiel war, und rannte ihr hinterher, so schnell sie konnte.

Ildr hob den Papierflieger auf, warf ihn noch mal und noch mal, immer weiter, bis er schließlich zu den Füßen eines Mannes, nein, einer Frau liegenblieb, die plötzlich und unvermittelt dort stand. Ildr schrie vor Schreck, die Hündin knurrte und bellte, und es war gar kein Spiel mehr, sondern todernst. Die Pistole und das Messer waren im Mehlsack, und dieser lag weit entfernt am Flußufer hinter ihr.

Die Frau bewegte sich nicht, sondern hielt die Arme vor der Brust verschränkt. Sie war nicht größer als Ildr, wirkte aber sehr muskulös. Sie trug eine weiche Filzkappe, die ihre Ohren schützte. Schneeweiße, kurze Haare ragten darunter hervor. Ihr Gesicht und ihre Unterarme waren über und über mit Narben bedeckt. Sie hatte sich ein hellbraunes Fell um die Schultern ihrer schmutzig-weißen Tunika geworfen, in ihrem Gürtel steckte vorne ein Handbeil. Die Hündin hatte sich schützend vor Ildr hingesetzt und knurrte sie an.

– Guten Tag.

– Guten Tag.

– Verstehst Du die Hochsprache?

– Ja.

– Wie heißt Du?

– Ildr, Herrin.

– Nenn mich nicht so. Und der da?

– Sie hat keinen Namen.

– Nicht der Hund. Der Mann.

– Er hat mir seinen Namen nicht gesagt.

– Das ist nicht Dein Vater?

– Nein.

– Du läufst mit ihm quer durch die Steinwüste und weißt nicht mal, wer er ist.

– Es ist kompliziert.

– So.

– Er ist ein Magier. Sie sagen ihre Namen nur, wenn sie es wollen.

– So. Und wo wollt Ihr hin?

– Zum Eismeer.

– Darf ich fragen, was Ihr da wollt?

– Du wirst uns nicht schaden. Dafür bist Du zu höflich.

– Nein, das werde ich natürlich nicht.

– Und wie heißt Du?

– Ut.

– Wir sind auf der Flucht, Ut.

– Vor?

– Dem Herzog von Tviot.

– Dann seid mir willkommen. Immer wieder kommt er, überfällt mit seinen Soldaten unsere Menschen hier im Süden, mordet und plündert.

Der Fremde hielt es für besser zu beobachten, still am Fluß stehenzubleiben und abzuwarten. Er war langsam rückwärts gegangen, hatte sich so unauffällig wie möglich das Messer aus dem Mehlsack genommen und hielt es hinter seinem Rücken verborgen bereit. Ildr würde sich schon zu wehren wissen, sie konnte schnell rennen. Und im Augenblick sah es von weitem nicht so aus, als bedrohe sie die kleine kräftige Frau, die ruhig da stand und sich mit ihr unterhielt.

Nun näherten sich beide lächelnd, kamen auf den Steinplatten auf ihn zu, während die Hündin mit hochgestellten Ohren japsend neben Ildr herlief. Was für ein gutes Tier. Er dachte daran, daß sie vor kurzem noch ein Jagdhund gewesen war, allein darauf abgerichtet, Menschen zu fangen. Die Frau sah nicht so aus, als wolle sie den Hund töten und essen. Sie hatte zwar fürchterliche Narben im Gesicht, aber wenn sich nun herausstellte, daß sie ihnen helfen könnte. Ihm blieb erst mal nichts anderes übrig, als ihr zu vertrauen.

– Ildr sagt, Du bist ein Magier.

– Nein, nein. Ganz bestimmt nicht.

– Genau das würde auch ein wirklicher Magier von sich sagen. Habt Ihr etwas zu essen?

– Wir haben noch etwas Gemüse übrig. Du kannst es mit uns teilen.

– Warum habt ihr keine Fische gefangen?

– Wir haben kein Netz.

– Ihr geht ohne Netz in die Steinwüste.

– Ich fürchte ja.

– Am Rand des großen Flusses, der voller Fische ist.

– Ja, leider. Dumm von uns. Aus Unwissen.

– Ihr wißt nicht, daß Flüsse Fische führen?

– Wie heißt er denn, der Fluß?

– Livagar.

– Wirklich nicht sehr klug von uns.

– Zeig mir bitte etwas von Deiner Kunst.

Er sah Ildr an, die zustimmend mit dem Kopf nickte. Es war ihm alles leicht unangenehm, da er sich fühlte wie ein Trickbetrüger, aber das machte in ihrer Situation keinen Sinn. Also entknotete er die Kordel seines Beutels, öffnete ihn, holte die Brille heraus und reinigte die Gläser mit einer Ecke seines Wolfsfells. Er reichte sie Ut und bat sie, sie solle sie aufsetzen. Die Brille auf der Nase, reagierte sie wie Ildr neulich. Sie riß sie herunter, entsetzt und verwirrt darüber, daß plötzlich alles in der Ferne nur noch unscharf zu sehen war.

Sie solle sie ruhig ein weiteres Mal aufsetzen, ermutigte sie der Fremde und gab ihr das Messer, darauf solle sie schauen. Die Brille wieder vor den Augen, erhellte sich nun das Gesicht der kleinen Frau, als erkenne sie zum ersten Mal die Dinge, wie sie wirklich sind. Sie drehte und wendete das Messer, gab es zurück und sah dann durch die Gläser auf die Narben an ihren Armen, lächelte und setzte das Brillengestell wieder ab.

Dann zog sie aus einem Beutel an ihrem Gürtel ein kleines Netz, entledigte sich ihrer Schuhe und watete hinaus in den Fluß, wo sie sich daranmachte, das Netz immer und immer wieder mit kunstvollen, kreisenden Bewegungen ins Wasser zu tauchen. Innerhalb kürzester Zeit hatte sie mehrere Fische gefangen, kam nun zurück ans Ufer, bückte sich, grub noch ein paar Muscheln und Flußkrebse aus dem Schlamm hervor und leerte alles auf die Steinplatten zu ihren Füßen. Mit geübten Hieben schlug sie den Griff des Handbeiles den zuckenden Fischen auf die Köpfe.

Schnell suchte Ildr ein paar Steine für ein Feuer zusammen, arrangierte sie, aber Ut hielt sie sanft davon ab. Sie solle sich ihr letztes Brennholz sparen, sie würden alles roh essen, sagte sie und setzte sich hin, bat erneut um das Messer, öffnete die Muscheln und die Krebse, filetierte die Fische äußerst kunstvoll und reichte den beiden die Nahrung. Der Hündin warf sie ebenfalls etwas hin.

– Wasser und Stein. Das ist alles, was wir brauchen.

– Danke, Ut.

– Ja, Ut, danke.

Sie zierten sich nicht, denn sie waren schrecklich hungrig. Sie aßen, so schnell sie konnten, und ihre leeren Mägen verlangten nach mehr. Der Geschmack und die Beschaffenheit des rohen Fisches erinnerten den Fremden an irgendetwas. Es war vielleicht mehr die Erinnerung an den geschmacklichen Anklang bestimmter Beilagen, die zum rohen Fisch gereicht wurden, dachte er. Egal. Was für ein Zufall, daß sie diese Frau getroffen hatten, die ihnen gezeigt hatte, wie man die Steinwüste überlebt. Was waren das nur für zähe Menschen, die hier im Süden inmitten dieser Ödnis lebten.

Als sie aufgegessen hatten, packten sie ihre Sachen zusammen und folgten Ut, die trotz ihrer geringen Körpergröße eine erstaunliche Geschwindigkeit vorlegte. Fast mußten sie rennen, um mithalten zu können. So ging das eine ganze Zeit, die Sonne stand schon tief am Himmel. Seine Narben zwickten ihn, und er sah, daß Ildrs Ohr wieder begonnen hatte, leicht zu bluten. Vielleicht kam das durch die rohe Nahrung, dachte er. Aber warum sollte es das.

Am Abend, der sich orangefarben und still über die flache Landschaft legte, blieb Ut endlich stehen, suchte sorgfältig den Horizont ab, um zu sehen, ob ihnen jemand aus dem Norden gefolgt war, kniete sich dann hin und griff nach dem Handbeil, das sie im Gürtel trug. Sie schob die Kante unter einen bestimmten Stein und hebelte eine Platte frei, die sie mit einiger Mühe zur Seite schob. Ildr und der Fremde waren vollkommen erschöpft, und sie zeigte ihnen ein breites, an den Innenseiten mit Stufen versehenes Loch, in das sie nun hinabstieg. Sie sahen sich an und folgten ihr. Ildr trug die Hündin auf ihren Armen mit hinab.

Hier unten war es windgeschützt und um einiges wärmer als an der Oberfläche. In einer Ecke des steinernen Raumes stand eine kunstvoll gefertigte, dreifüßige Feuerschale, daneben lagen ein sorgfältig gestapelter Haufen fast transparenter grauer Ziegel und einige Felle. An der Wand standen mehrere eiserne Spieße, auf denen geräucherte Fische steckten. Ut machte sich daran, zwei der Ziegel in die Schale zu legen und mit ihrem Zündstein und etwas Brennwolle ein Feuer zu entfachen. Sie blies in die Glut, bis der Ziegel Feuer fing, und setzte sich dann hin, den Rücken zur Steinwand.

– Was ist das?

– Gepreßter Walfischtran. Seit vielen Jahren machen wir keine Streifzüge im gefährlichen Norden mehr, auf der Suche nach Holz. Wir tauschen statt dessen mit den Eismenschen unsere Steinschnitzereien gegen Walfischtran.

– Also braucht ihr keine Kohle.

– Nein.

– Ihr baut nichts an. Keine Landwirtschaft.

– Nein.

– Das ist wirklich erstaunlich.

– Unser ganzes steinernes Land ist überzogen mit diesen Unterkünften. Es gibt Dutzende. Wir halten sie sauber und versteckt. Es kann immer sein, daß jemand sie mal braucht.

– Wie nennt ihr Euch?

– Wir sind einfach die Menschen. Wir haben keinen Namen.

– Und die gelbe Krankheit?

– Wir kennen sie nicht.

– Niemand hier im Süden hat die Seuche.

– Nein. Und ich sehe, Ihr habt sie auch nicht.

– Irgendwie haben wir sie nicht bekommen. Und unser Hund auch nicht. Sie wütet in den Ländern im Norden seit vor meiner Geburt.

– Schon viel, viel länger. Aber Hunde, sie werden davon krank?

– Ja, aber dieser Hund nicht. Und wilde Tiere auch nicht.

– Hier bei uns gibt es keine freien Tiere. Manchmal, sehr selten, verirrt sich ein weißer Bär aus dem Eis zu uns hoch, aber wir kennen Tiere nur aus dem Fluß und dem Meer.

– Und habt Ihr ein Dorf?

– Natürlich. Ihr glaubt, wir sind Barbaren? Einen Tagesmarsch südlich von hier. Eine große Stadt, eine herrliche Stadt, ganz aus Stein. Tviot ist noch nie zu uns vorgedrungen. Er hat diese Unterkünfte hier geschändet, so er sie gefunden hat, und gemordet, wo er konnte. Aber die Steinstadt ist verschont geblieben.

– Seinen Soldaten ist vorher die Nahrung ausgegangen. Und im Norden essen wir keine Krebse oder Muscheln.

– So.

– Und woher habt Ihr Eure Kleidung? Wo bekommt Ihr die her, wenn Ihr keine Tiere habt? Und nichts anbaut?

– Unsere Kleidung ist sehr alt, und wir geben sie immer weiter. Wir reparieren sie sorgfältig für unsere Kinder.

– Und die Brennwolle?

– Wir tauschen sie mit den Eismenschen. Sie geben uns auch Honig, zum Beispiel.

– Es leben also Menschen auf dem Eis?

– Ja. Sie sind sehr scheu. Sie wohnen in Häusern aus Eis und Schnee, weit im Süden, auf dem Meer. Sie haben keine Wimpern und keine Augenbrauen, daran erkennt man sie. Wir leben in Frieden mit ihnen. Und sie bekommen die Wolle und den Honig von jenseits des Südmeeres.

– Was liegt jenseits des Meeres?

– Das weiß ich nicht. Das weiß keiner.

– Glaubt Ihr an den Kreis?

– Wie meinst Du das?

– Der Kreis als ein Zeichen für Euren Glauben. Ein Gotteszeichen.

– Nein. Die Menschen sind aus dem Meer geschaffen worden. Aus dem Meer kommt alles Leben. Und in unseren Träumen sehen wir die Wahrheit.

– Woher kommen Deine Narben im Gesicht? Und an den Armen.

– Vom Kampf mit einem grauen Raubfisch, im Meer. Mein Beil war härter als seine Zähne. Der Fisch hat verloren.

Die Ziegel glühten inzwischen orangerot und schufen eine angenehme Wärme in dem Schutzloch. Die Brennschale rauchte nicht, und die Dämpfe zogen ab, da zu diesem Zweck in die Steinwand ein kleines Loch eingelassen war, das ebenfalls an die Oberfläche führte. Ildr und der Fremde hatten es sich auf den Fellen gemütlich gemacht, sie brauchten ihre Decken nicht, so behaglich war es, und Ildr wurde ganz schläfrig und schloß die Augen.

– Darf ich etwas fragen?

– Sicher, Ut.

– Was war das, wo ich durchgesehen habe, und alles in der Nähe wurde klar und deutlich?

– Es ist eine Erfindung von weit weg.

– Von jenseits des Eismeeres.

– Ja. Es nennt sich Glas. Es ist geschliffen.

– Wie durchsichtiger Obsidian.

– So ähnlich. Wenn wir älter werden, ändert sich unsere Sehkraft, und dann hilft mir so ein Gerät.

– Die Eismenschen tragen auch so etwas auf der Nase. Ein Gerät aus Walfischknochen mit kleinen Schlitzen darin, damit sie nicht schneeblind werden.

– Das ist etwas anderes, damit kann man nicht scharf sehen.

– Kannst Du mir noch etwas zeigen.

– Erzähl Du mir lieber etwas.

– Gerne. Was willst Du wissen.

– Erzähl mir von dem, was uns hier umgibt. Von den Steinen. Dem Wasser. Oder der Luft.

– Die Luft. Also, sieh mal. Es gibt ganz verschiedene Arten. Die hellste Sorte, die wir Atr nennen, dann die staubigste, die wir Nebel und Dunkelheit nennen, und andere Arten, für die wir gar keine Namen haben.

– Und wo ist Atr?

– Über uns, hoch über den Wolken und darüber hinaus.

– Können wir es atmen?

– Wir können alle Arten von Luft atmen. Aber die nebligen und solche, die in tiefen Höhlen weit unter der Erde zu finden sind, sind schwerer zu atmen.

– Und hier bei uns drinnen?

– Das ist ein Gemisch. Unser Feuer ißt einen Teil davon, und saubere Luft wird durch dunkle Luft ersetzt, die das Feuer ausspuckt. Und die können wir irgendwann nicht mehr atmen, und wir ersticken.

– Bitte erzähl mir von Deinem Volk.

– Wir leben in Frieden, zwischen der Steinwüste und dem Meer.

– Wasser und Stein.

– Ja, Wasser und Stein. Vor fünfzehn Generationen kamen wir an diesen Ort, aus dem Norden, wo es zwar fruchtbar war, aber auch voller Kriege und Krankheiten. Die Herzöge kamen alle zehn, fünfzehn Jahre nach Süden, um uns zu töten, aber sie haben noch nie unsere steinerne Stadt erreicht.

– Warum nicht?

– Immer sind sie unterwegs erfroren, da es nichts zum Verbrennen gibt. Und unsere Schutzhöhlen sind zu gut verborgen. Zwanzig oder dreißig Tagesmärsche bei schwindender Nahrung und ohne Obdach auf kaltem, blankem Stein, das schafft keine Armee.

– Verstehe. Und früher, im Norden, habt Ihr da an den Kreis geglaubt?

– Das weiß ich nicht. Die Alten bei uns sagen, weit weit im Norden gäbe es himmelhohe grausame Berge, und dort komme unser wirklicher, unser eigentlicher Glauben her.

– Also nicht aus dem Meer, sondern aus den Bergen.

– Vielleicht. Ich weiß es nicht. Laß uns jetzt schlafen. Morgen erreichen wir die Steinstadt, dann sehen wir weiter.

Bevor er erschöpft, aber auch mit einem warmen und vielleicht trügerischen Gefühl der Dankbarkeit einschlief und zu träumen begann, fragte er sich, warum die Soldaten der Fürsten Tviot seit Generationen noch nie auf die Idee gekommen waren, mit Schiffen den Fluß hinab im Süden einzufallen. Und er sah nicht nur das immense gefrorene Nichts des südlichen Eismeeres, sondern auch die schneeumringten, unmöglich hohen und abweisenden Berge im Norden, und dazwischen eingerahmt das verschwindend schmale Land der Menschen dieser Welt.

Глава 11 paul

Cohen lief, nein, er rannte auf einer unendlich geraden, weißen Fläche aus Eis zum Horizont hin, ein Gewehr vorne auf der Brust mit einem Lederriemen umgeschnallt. Hinter ihm wuchsen die beiden erloschenen Vulkane Erebus und Terror in den überblauen Himmel, und es schien, als renne er vor ihnen davon, als griffen die weißen Berge in ihrer schrecklichen, allumfassenden Einsamkeit nach ihm. Es war ein Alptraum, einer von der allerfurchtbarsten Sorte, aber je mehr er versuchte, mit allen Kräften zu erwachen, desto tiefer sank er in den Nachtmahr hinein.

Die Kälte des Eises, das stetig anwuchs und bald den gesamten Planeten bedecken würde, ängstigte ihn nicht so sehr wie die grausame weiße Einsamkeit, die bleiche Leere, die ihn aus allen Himmelsrichtungen umringte. Genausogut hätte er in die entgegengesetzte Richtung rennen können, es machte nichts, es war alles gleich furchterregend und kristallin und hoffnungslos. Und dann diese unbeschreibliche, erbarmungslose Kälte. Er atmete durch die Nase ein, und wenn er den Mund aufmachte, um Luft zu holen, war es, als lägen ihm offene Rasierklingen im Gaumen.

Aber dort hinten, da vor ihm in der Ferne, dort lag das offene Meer. Wenn er es erreichen könnte, dann wäre er wenigstens am Ende des Eises angelangt, am Rande des Kontinents. Diesen hellgrauen Streifen da, dahin könnte er es schaffen, dorthin rannte er nun, zum Wasser, es waren nur noch einige Stunden, vielleicht ein halber Tag, vielleicht nicht mal das, er hatte gute feste Stiefel an, die Tränen und der Schweiß waren festgefroren, an seinen Fäustlingen und Ellbogen hingen winzige Eiszapfen herab, was war das nur für eine öde und leere Welt.

Wie schnell er rennen konnte, so etwas ging nur im Traum. Er war über und über in Decken, Bandagen und Felle eingewickelt, auf dem Kopf saß eine filzwollene Kapuze, die an den Seiten über die Ohren gezogen war, in seinen Brusttaschen waren die Patronen eingefroren. Schon hatte er die See erreicht, die Kante des Eises. Dort aber lagen keine Felsen, wie er erwartet hatte, sondern das schmutziggraue Weiß wurde lediglich ersetzt durch ein klarer durchscheinendes Dunkelgrau. Dennoch, es war tatsächlich Wasser zu sehen, das schiefergraue Meer, ja, die unbarmherzige Monotonie des gewaltigen Eismarschs war gebrochen. Er verlangsamte seine Schritte, es war, als ob plötzlich eine Maschinerie herunterfahre, als komme er am Rand der Welt zur Ruhe, und er blieb stehen, verschränkte die Arme vor der Brust und sah sich um. Das Eismeer ist ein kaltes Reich der Sterblichen, dachte er, das für alle vollkommen wertlos ist.

Am Himmel hoch über ihm zog sengend und lautlos ein Komet vorbei. Er blickte auf, sah, wie der Gesteinsbrocken den Himmel durchschnitt, im Flug glühende Stückchen verlor und dann unhörbar hinter dem Horizont verschwand. Ein Augenblick verging. Er wischte sich das scharfzackige Eis von den Augenwimpern. Dort drüben mußte Land sein, Festland, Erde, dachte er. Wäre der Meteorit auf der Wasseroberfläche aufgeschlagen, hätte er eine immense Dampfwolke sehen müssen.

Er lief ein paar Schritte am Rand des Meeres auf und ab. In einiger Entfernung schwammen massive Eisschollen, sie reflektierten das Wasser und leuchteten in intensivem, unheimlichem Blau. Dort hinten, etwas das Ufer hinab, war nun ein braungrauer Fleck zu sehen, es mochte ein Felsen sein, und er sehnte sich nach dessen Festigkeit und Kontur, und er lief zielstrebig in jene Richtung, ohne zu rennen.

Immer näher kam er dem Felsbrocken, dessen Kante vom Eis hinaus ins Wasser ragte. Als er ihn beinahe berühren konnte, sah er, daß es gar kein großer Stein war, der dort auf dem Eis lag, sondern ein Ruderboot. Ein richtiges, taugliches Boot, um hier wegzukommen vom Schelfeis, um hinaus aufs Meer zu gelangen, um wirkliches Land zu finden, Bäume, Tiere, Menschen. Er zog sich die Fäustlinge aus, um das Boot anzufassen, und bereute es sofort, der Fallwind stach ihn mit zehntausend Nadeln.

Er rieb an der Stelle, wo der Name des Bootes aufgemalt war, dort war, unter den Kristallen in weißer, verblichener Farbe gepinselt, Dóchas zu lesen, Hoffnung. Er spürte, wie seine Fingerkuppen festklebten, und er riß sie unter Schmerzen los.

Einfache, U-förmige, von rauher Eisfirnis überzogene Metalldollen waren oben in die Bordwand eingefaßt, und im Inneren, über den Duchten, lagen zwei hölzerne Riemen. Die Fäustlinge wieder übergezogen, begann er unter großen Anstrengungen, das Boot vom Eis ins Wasser zu schieben. Es dauerte eine ganze Weile, und er fühlte mit Schrecken, wie ihm dabei sein Schweiß am Körper gefror.

Als er es endlich geschafft hatte, schaukelte das Boot ein paar Handbreit unter ihm im Wasser, an der Kante des Eises zum Meer. Er hangelte sich vorsichtig hinein, nahm die Riemen, schob sie in die Halterungen und stieß das Gefährt von der Eiskante ab. Augenblicklich empfand er die schwankende Unsicherheit der See. Lediglich durch eine dünne hölzerne Membran getrennt zu sein von diesen unermeßlichen Tiefen, erschien ihm für einen kurzen Moment der Haltlosigkeit wie irrsinnig. Das Beständige verschwand vor seinen Augen, und er konnte für wenige Sekunden durchs Meer hinab- und hindurchsehen, bis an den Grund des Ozeans, der seinerseits transparent geworden war, und er sah durch den gesamten Planeten hindurch in den Kosmos, unendlich weit hinaus, bis ans Ende der Zeit. Doch diese Vision verschwand genauso abrupt, wie sie gekommen war, alles wurde wieder fest und konkret, und er schüttelte den Kopf, stemmte sich mit den Füßen am Boden des Bootes fest und begann, sich mit regelmäßigen Ruderschlägen vom Schelfeis zu entfernen.

Wie flott es voranging. Bald schon war die niedrige Kante, von der er abgelegt hatte, nicht mehr zu sehen. Die Wellen wurden höher und zwangen ihn, in einem leicht irregulären Rhythmus zu rudern, und so bahnte er sich seinen erratischen Weg durch die vor seinem Bug zerbrechenden, dünnen Eisplatten, die immer weniger wurden, je weiter er ins offene Meer hinausgelangte. Links und rechts von ihm schwimmende, unter Wasser tiefblaue Eisberge, darüber das ewige, wolkenlose Azur des Himmels, sonst nichts, das ihn von der Konzentration auf die Abfolge seiner Bewegungen abhielt, keine einzige Wolke, niemals ein Albatros. Es lag ein Trost in der einsamen Leere der See, keine Vergangenheit, keine Zukunft.

Als er nach vielen Stunden vom Rudern müde wurde, das heißt nicht nur müde und ausgelaugt und wund, sondern am alleräußersten Rand seiner menschlichen Kräfte angelangt war, lehnte er sich leicht vornüber und schlief ein bißchen über den Riemen ein, und er träumte erst von einer Wolke gelber Schmetterlinge, die ihn mit zartem Flügelschlag umhüllte. Dann träumte er von einem Hund, der ihm ergeben war, der mit der Zunge seine Hand benetzte und leise wimmerte. Und er träumte von Paul, dessen Kopf unter einer weißen Kapuze verborgen war, und Paul war sein Freund, und er war verschwunden, und er mußte ihn suchen gehen. Aber die Welt war verwaist und leer. Keine Jahreszeiten, keine Bäume, keine Menschen, kein Leben.

Er erwachte, erschrak, schüttelte sich den Traum aus dem Kopf, straffte mit strenger Bewegung die Schultern und ruderte automatisch weiter, durch die Wellentäler und wieder hinauf. Das war aber ein nutzloser Nachtmahr gewesen, dachte er, aber es war ja nur ein Traum in einem Traum. Irgendwann würde er wirklich wieder erwachen. Das Meer, es war unendlich. Nichts regte sich in seinen stillen Tiefen. Wahrscheinlich, dachte er, wahrscheinlich hatte er vorhin einfach keine hoch aufragende Dampfwolke gesehen, weil der Meteor weiter den Planeten umrundet hatte und nicht ins Meer gestürzt war. Er dachte ans Ertrinken, ein schöner Tod, Wasser zu Wasser, warm zu kalt, die Lungen voll mit salzigem Meer. Er dachte daran, sich fallen zu lassen, ganz mühelos waren ihm Gedanke und Bewegung, seitwärts über die Bordwand. Und dennoch ruderte er immer weiter, bis er fühlte, daß seine Handflächen überzogen waren mit häßlich reißenden Blasen, deren Wundwasser gefror, sobald sie platzten. Er zog die Fäustlinge aus, um nachzusehen, streifte sie sich wieder über, zog mit den Zähnen die Lederbänder um die Handgelenke stramm. War das alles, was er hier aushalten sollte, die paar Blasen an den Händen?

Auf einer flachen Eisscholle, einem Eisberg vorgeschoben, links im Augenwinkel ein brauner Fleck. Haare oder Fell, weiße Bewegung auf Weiß. Er hielt die Ruderblätter senkrecht ins Wasser, es quirlte und schäumte, bis das Boot stillstand, es dümpelte auf und ab im dunklen Wellental. Dort stand tatsächlich ein Mensch und sah zu ihm herüber und hob die Hand zum Gruß. Und mit der anderen Hand kratzte er sich zwischen den Beinen. Er trug eine Brille aus Walfischknochen, in die vorne kleine Schlitze eingearbeitet waren, gegen die Schneeblindheit, und nun wußte Cohen, in diesem Augenblick, in dem er ihn dort drüben auf dem Eis stehen und sich kratzen sah, daß es gar kein Traum war, in dem er sich befand, und es war ein blitzartiger Schock der Erkenntnis.

Er ruderte zur Scholle hinüber, nahm die Blätter der Riemen aus dem Wasser, legte das Gewehr auf den Boden unter den Duchten und ließ sich kurz treiben, und der Mann setzte die Schneebrille ab und beeilte sich, den Bug des Bootes zu greifen, damit es nicht mit der Kante kollidierte. Seine Augen waren Mandeln aus grünem Eis. Ihm fehlten nicht nur die Augenbrauen, sondern auch die Wimpern, seine epikantische Falte war sehr stark ausgeprägt. Er griff nach Cohens Arm, und ihre Hände umschlossen ihre Handgelenke. Hinaus aus dem Boot, festen Fußes auf das Stück schaukelndes Treibeis.

Rasch stellte sich heraus, daß es keine gemeinsame Sprache gab. Vielleicht gab es auch gar keine Sprache außer Grunzlauten. Der Mann trug ein kleines Handbeil im Gürtel und griff nun aus seiner Umhängetasche etwas Braungraues, Weiches, reichte es Cohen und wies mit der anderen Hand auf seinen Mund. Cohen zog sich den Fäustling aus und nahm es an, um den Mann nicht zu verletzen. Er fühlte den Glibber, und es schmeckte nach fettigem Tran, es war Walfisch oder roher Vogel. Er schluckte es hinunter, obwohl er keinen Hunger hatte. Es war schlimm. Er mußte würgen und schluckte auch das hinunter. Aber er verzog das Gesicht nicht. Der Mann zog sich ebenfalls den Handschuh aus und berührte mit zwei Fingern vorsichtig Cohens Wimpern.

Dann nahm er von seinem Gürtel eine weitere Eisbrille und legte sie Cohen in die Hand. Seine Mandelaugen wurden wässerig und rot, und er zog seine eigene Brille, die er sich in die Stirn geschoben hatte, wieder herab vor die Augen. Cohen tat es ihm nach. Die weiße Welt blendete nun nicht mehr so stark wie vorher, er drehte den Kopf und sah durch die Schlitze hinaus in eine von kleinen Rechtecken beschränkte Umgebung.

Warum war der Mann so selbstlos? Es rührte Cohen, und er wollte ihm ebenfalls etwas schenken, aber er hatte nichts für ihn. Er faßte sich in die Taschen seiner Tunika, förderte ein paar knochenfarbene Krümel zutage, es waren einige nutzlose Phenobarbitalbrocken, nichts, was der Mann gebrauchen konnte, und er steckte sie wieder weg. Er könnte ihm sein eingefrorenes Mauser-Gewehr geben, dachte er, aber dann müßte er ihm dessen Funktion erklären. Vielleicht war er ja gar nicht in South Orkney oder südlich der Inseln Südgeorgiens, sondern ganz und gar woanders?

Und dann fiel ihm wieder ein, während er den Eisberg und den wimpernlosen Mann vermaß mit seinem durch die Schlitze beschränkten Blick, daß er tatsächlich hier stand, daß er seine frierenden und tauben Füße spürte durch die Sohlen seiner Stiefel, daß er hier in der Ödnis einen Menschen gefunden hatte, der nichts besaß und alles mit ihm geteilt hatte und den er jetzt mitnehmen würde in seinem Ruderboot.

Der Mann hatte gar nicht gefragt oder darum gebeten, das fiel ihm jetzt erst auf, aber was sollte er hier auf dieser verlassenen Scholle. Cohen zog ihn am Ärmel, wies ihn zu seinem Platz auf den Duchten, dort, da solle er sich hinsetzen. Sicher stießen sie ab, hinaus ins offene, sanft wogende Meer. Was war das nur für ein Mensch, der dort nun fatalistisch saß und ihn ruhig ansah durch die Schlitze seiner Walknochenbrille. Er ruderte nach Norden und versuchte, seine bis aufs rohe Fleisch aufgerissenen Handflächen besser auf den Riemen zu verteilen.

Riesig türmte sich das unfaßliche Blau des Himmels über ihnen. Und er sah endlich einen Albatros, der hoch oben am Firmament dem Boot folgte und hinabsegelte, wie es ihm gefiel. Es war schon das zweite Lebewesen jetzt, und er hielt es für ein gutes Zeichen, aber den Mann schien der große Vogel über ihnen nicht zu interessieren. Cohen ruderte immer weiter, und der Albatros schrie ein paarmal, kreiste und verschwand.

Wenn sie durstig waren, leckten sie Eisstücke ab, die im Meer trieben. Nach ein paar Stunden stand der Mann schwankend auf und gab ihm mit Gesten zu verstehen, er würde ihn jetzt an den Riemen ablösen, und er solle sich dort auf den Grund des Bootes hinlegen und ausruhen. Und Cohen fiel tatsächlich in einen bleiernen Schlaf, kaum hatte er sich waagerecht ausgestreckt. Gerne hätte er seinen neuen Freund noch gefragt, wie er wohl auf jenen Eisberg gekommen war ohne Boot, und vielleicht wie lange er dort schon gestanden und auf ihn gewartet habe. Und schließlich war er sich nicht mehr sicher, ob er das schon geträumt hatte, oder ob er jetzt erst, da er gerade einschlief, in den Traum fand.

Глава 12 ildr

Der Fremde, Ildr und Ut brachen früh am nächsten Morgen auf. Der Himmel war wolkenlos und klar, und sie wanderten einige beschwerliche, eintönige Stunden auf den Steinplatten, einen müden Fuß vor den anderen. Ut lief wie immer voraus, und sie hatten Mühe nachzukommen. Beide hatten Hunger, sie wollten aber Ut nicht um etwas zu essen bitten.

Nach dem kurzen, steilen Aufstieg auf einen kahlen Felshang, der gegen Mittag wie aus dem Nichts vor ihnen aus der flachen Steinwüste auftauchte, konnten sie von dort oben endlich den dunkelgrauen, schmalen Streifen des Meeres ausmachen. Sie steuerten nun auf die Klippe zu, und je näher sie kamen, desto deutlicher sahen sie die Steinstadt. Ihre Ausläufer lagen links und rechts des Ufers eines der Seitenarme des Livagars, der sich die Klippe hinab donnernd ins offene Meer ergoß.

Die Stadt selbst bestand aus nicht mehr als vielleicht fünf bis zehn gedrungenen Felsenhäusern. Aus der Ferne sah sie aus wie Goz. Als Ut ihre Enttäuschung sah, erklärte sie, daß der Großteil der Behausungen unterirdisch sei, mit großen Öffnungen, die in die Klippe hineingeschlagen waren, hinaus zum offenen Meer. Sie wies dorthin, wo nun ein paar Menschen am Ufer des Flusses mit ihren Netzen erschienen waren. Ein bewaffneter Wachtposten stand auf einer Steinbrücke und blies einmal halbherzig in ein Schneckenhorn, eine grün-weiße Fahne flatterte dort im Sonnenschein. Ut grüßte den Wachtposten, und er winkte zurück. Ein paar Seemöwen segelten über ihnen im hellen Wind. Die beiden fühlten sich, als hätten sie schon wer weiß wie lange keine Vögel mehr gesehen. Und Menschen, wirkliche Menschen, die einer Arbeit nachgingen und ihnen nicht nach dem Leben trachteten. Es war soviel Tod um sie gewesen, soviel Grausamkeit.

Es war hier, sagte Ut, von wo aus vor vielen Jahren eine Schar der Ihren aufgebrochen sei, um die Armee des Fürsten von Tviot, die sich hungernd durch die Steinwüste geschleppt hatte, zu bekämpfen und in die Flucht zu schlagen. Sie seien friedliche Menschen, aber wenn es sein müßte, dann würden sie sich bis zuletzt verteidigen. Der Fremde räusperte sich, während Ildr sich auf die Stadt freute und strahlte, und sie beeilten sich, den restlichen Weg zu gehen. Die Menschen, die sie trafen, waren scheu, aber nicht abweisend. Ein paar Neugierige wollten die Hündin berühren, aber Ildr schüttelte den Kopf und scheuchte sie mit Gesten fort. Die Menschen lachten und machten sich wieder an die Arbeit mit ihren Netzen.

Sie näherten sich den Behausungen, durchquerten die dazwischen gelegenen freien Flächen und betraten dann eine sehr breite Steintreppe, die viele Stufen hinab in einen groß angelegten Hof führte, in dem sich anscheinend nur Kinder aufhielten. Dort in ihrer Mitte, auf einer reichverzierten Steinplatte, stand eine hellbraune Kuh und leckte zufrieden an einem großen Eisblock. Ut erklärte, die Kuh sei etwas Verehrenswertes, es gäbe aber immer nur eine, die draußen sein und Eis und Salz verzehren dürfe. Aber was würde die Kuh denn sonst zu essen bekommen? Wenn hier nichts wachse, kein Gras, keine Bäume, keine Sträucher. Natürlich Seetang, erwiderte Ut. Es gäbe nur wenige Kühe hier, zwei oder drei, sie lebten in unterirdischen Ställen und sie würden nicht getötet, man trinke nur ihre Milch. Schließlich könne man doch nicht das Fleisch von Wesen essen, die Füße hatten.

Einige Männer und Frauen in weißen, gesteppten Tuniken kamen herbei, um sie willkommen zu heißen. Man lächelte nicht, legte ihnen aber feierlich kleine Amulette aus Stein um den Hals und reichte den dreien Becher mit gesüßter Kuhmilch, die ihnen in Wirklichkeit angenehm salzig schmeckte, nach Meer und nach Algen.

Sie gingen durch einige weitere, durch verzierte Säulen voneinander getrennte Höfe und kamen schließlich zu einem Innenhof, der nach oben zum Himmel hin offen war. Dort wurden sie gebeten, ihre Sachen und Waffen abzulegen, den Hund zu beruhigen, damit sie sich still in eine Ecke legte, und links eine umfangreiche Halle zu betreten, die sonderbar indirekt beleuchtet und auf beiden Seiten von Steinsäulen umgeben war. Der Boden war überall mit grünen Algenfäden übersät, und in der Mitte lag ein sehr langer, uralter Teppich aus Schafwolle, der nicht gleichmäßig gebleicht, sondern an mehreren Stellen graubraun belassen worden war. An den Wänden saßen Reihe für Reihe Männer und Frauen, deren Blicke ihnen folgten, während sie die Länge des Teppichs entlangschritten auf einen alten weißbärtigen Mann zu, der dort ganz beiläufig stand. Es gab kein besonderes Zeremoniell, aber der Alte schien auf besonnene Art wichtig zu sein. Er war der einzige außer den Fremden und Ut, der stand.

Am anderen Ende der großen Halle leuchteten gewaltige Scheiben aus rotgrauem Obsidian auf sie herab, von ihnen stammte das diffuse, harmonische Licht. Das mußten die Öffnungen zum Meer hin sein, von denen Ut gesprochen hatte. Man hatte die Obsidianplatten geschliffen und als gigantische Fenster in die Kliffwand eingelassen. Ildr, die vorher recht selbstbewußt aufgetreten war, wurde ganz kleinlaut, als schäme sie sich angesichts solch schattenloser Pracht.

Der alte Mann kam ganz freundlich lächelnd auf Ildr zu – er war ebenso groß wie sie, obwohl Ildr noch nicht ausgewachsen war – und nahm ihre Hand. Sie zuckte zusammen, ihr war von Fremden nicht allzuviel Gutes widerfahren, aber der Alte ließ sich nicht beirren und nahm ihre Hand in seine beiden Hände. Er sagte, sein Name sei Reidh. Er blickte von unten hoch in ihre hellen Augen und zwinkerte, wo sei nur seine Gastfreundschaft geblieben, sie würden jetzt Bettstatt und Essen bekommen. Und dann, wenn sie sich ausgeruht hatten, würde ihnen alles in der Steinstadt gezeigt werden. Sie dürften sich frei bewegen, sie seien hier willkommen, sagte er und lächelte. Und ihr Hund auch.

Man führte sie in Schlafräume, in denen acht oder zehn Steinbetten standen, die mit weichen Fellen bedeckt waren. Ihren Sack hatte man ihnen gebracht, aber die Hündin war nicht da. Aus den Wänden hatte man in Dutzenden Reihen rechteckige Nischen herausgehauen, die kleine, hellgelb und warm leuchtende Walfischtranlampen beherbergten. Ut blieb stehen, wies ihnen je ein Bett zu, lächelte und verließ wortlos den Raum.

Ein hübscher junger Mann kam herein, brachte ihnen geräucherten Fisch, der in gesalzenen, hauchdünn geschnittenen Seetang eingewickelt war, ein paar rohe Seemuscheln, noch in ihren offenen Schalen, und Becher mit leicht gestockter und gesüßter, salziger Milch, und ging ebenfalls wortlos wieder hinaus.

Sie waren allein, sahen sich um, legten vorsichtig die Steinamulette ab, die man ihnen geschenkt hatte, und setzten sich auf die Betten. Auf einer kleinen Ablage hatte man Krüge mit klarem kaltem Wasser für sie bereitgestellt, und sie tranken gierig davon. Dann aßen sie schweigend und hungrig zusammen das Fischgericht und die rohen Muscheln. Sie kauten jeden Bissen zehn-, zwanzigmal. Wieder empfand er eine geschmackliche Erinnerung beim Essen des Fischs, die ephemer blieb, wie eine nicht zu fassende Wolke, eine rückwärts gerichtete Wahrnehmung, die in ihrer Färbung unbestimmt blieb. Sie aßen die süß-salzige angedickte Milch, jeder legte sich auf ein Bett, sie schoben sich rechteckig gehauene Steinkissen, die in der Mitte eine Mulde aufwiesen, unter die Köpfe, und nun merkten sie, daß in all ihren Gliedern eine gewaltige Müdigkeit war. Sie sprachen noch eine Weile leise miteinander.

– Hier ist es viel schöner als bei uns im Norden.

– Vielleicht ist es das.

– Traust Du ihnen nicht.

– Ich weiß nicht, was ich denken soll, Ildr.

– Aber die Menschen hier sind nicht kriegerisch. Und es gibt den Gelben Tod nicht. Und man hat uns liebenswürdig willkommen geheißen.

– Ich kann niemandem wirklich ganz trauen.

– Außer mir.

– Außer Dir.

– Weil ich Dir mehrmals das Leben gerettet habe.

– Vergiß nicht, daß Du mich vorher fast erschossen hast.

– Aber eben nur fast. Weißt Du was?

– Was denn.

– Ich glaube, wir hätten dem Hund einen Namen geben sollen. Wo mag sie nur jetzt sein. Meinst Du, sie ist in Gefahr?

– Wir werden morgen nach ihr fragen. Schlaf jetzt.

– Wie kannst Du nur so herzlos sein. Nach allem, was wir mit ihr zusammen durchgemacht haben.

– Es wird ihr schon gutgehen.

– Woher weißt Du das?

– Ich glaube daran.

– Und ich glaube … ich glaube … Du bist gar kein Magier.

– Hmm.

– Und diese ganzen Sachen, die Du immer weißt, das mit den Dimensionen, und die … die Pistole und das Fluggerät und all das …

– Ja?

– All das … Ach, ich weiß auch nicht. Ich hab Angst um den Hund.

Ildr verschluckte ein paar Tränen, vor Überforderung und Müdigkeit. Der Fremde stand auf, nahm das Wolfsfell von seinem Bett, ging hinüber zu ihrem und deckte sie vorsichtig damit zu. Schlaf gut, tapfere kleine Ildr, dachte er. Und er wartete an ihrer Seite, bis sie aufgehört hatte zu schniefen und ihr Atem ruhig ging, und dann löschte er die Lichter und ging zur Tür hinaus.

Er wollte sich noch einmal diese beeindruckenden Obsidianfenster ansehen und erinnerte sich automatisch an die Abfolge von Gängen, die ihn zurück in die große Halle führten. Er traf niemanden, und niemand versperrte ihm den Weg. In regelmäßigen Abständen waren hier ebenfalls beleuchtete Nischen in die Wände eingelassen, die ihrerseits aus luftdicht verfugten, mannshohen Steinplatten bestanden. Er fuhr im Gehen mit dem Finger die Spalten entlang und staunte über die Kunstfertigkeit der Erbauer dieser unterirdischen Stadt. Wie hatten sie nur die tonnenschweren Steine so exakt aufeinanderschichten können? Und alles, was er bis jetzt gesehen hatte, harmonisierte miteinander, alle Proportionen waren ausdrücklich aufeinander abgestimmt. Warum empfand er so etwas nur auf derart intensive Weise?

Am Ende des letzten Ganges bog er rechts ab und befand sich nun in der großen Halle, an deren Südseite, zum Meer hin, die Scheiben vom Boden bis zur Decke aufragten, lediglich an den Seiten und in Abständen von hohen steinernen Säulen begrenzt. Obwohl es draußen dunkel war, schien der Obsidian zu leuchten, und er war erst leicht irritiert, bis er schließlich dahinterkam, daß es der Vollmond war, der verschwommen und verzerrt von draußen durch die Scheiben schien und die Halle in ein violettes, blasses Licht tauchte.

In einer Ecke der Halle saß der alte Mann Reidh, eine Decke um die Schultern gewickelt. Er sah auf, lächelte und winkte ihn zu sich. Er zog aus seiner gesteppten Tunika eine Steinpfeife, öffnete einen kleinen Beutel, bröselte daraus eine verschwindend geringe Menge eines getrockneten Seekrauts in die Pfeife, stand ächzend auf und ergiff das Handgelenk des Fremden.

– Sei so gut, bring mir etwas Feuer, aus der Nische da.

– Natürlich. Hier.

– Danke, mein Freund. Ich hab nicht mehr lange zu leben, und die Zeit, die mir noch bleibt, verbringe ich gerne an diesen Fenstern. Die Stadt wäre nichts ohne ihr Licht und ihren Schutz. Gefallen sie Dir.

– Ja.

– Fünfhunderttausend Jahre lang hat der Wind vom Eismeer diese Höhlen aus dem Stein geschnitten. Sie standen immer nach Süden hin offen, bis wir Menschen aus dem Norden kamen und hier einzogen, diese Fenster zurechtschnitten und einfügten, aus geweihtem Glas.

– Wo ist unser Hund?

– Der? Ich glaube, er ist bei den Kindern. Sie kennen solche Tiere nur aus Erzählungen.

– Geht es ihr gut?

– Warum sollte es nicht. Du mißtraust uns.

– Nein. Wie könnte ich. Ihr habt uns freundlich empfangen.

– Ut sagt, Du seist ein Magier. Und nicht der Vater dieses Mädchens.

– Das stimmt. Wir sind zusammen geflohen, aus dem Norden, vor den Soldaten des Herzogs. Ut hat uns vor dem Verhungern gerettet.

– Was wollte der Herzog von Dir?

– Ich habe keine Ahnung.

– Wir haben vor ein paar Tagen einen Stern gesehen, der auf die Erde gefallen ist.

– Ich habe ihn auch gesehen.

– Große Umwälzungen, große Veränderungen, Neues kommt in die Welt. Ich habe geträumt, die Menschen würden zurückgehen in den Norden, fort von hier, zurück in ihre alte grüne Heimat. Weißt Du, wer alle Dinge in seinem eigenen Selbst sieht, und sein eigenes Selbst in allen Dingen, der verliert alle Furcht.

– Ut hat mir gesagt, ihr glaubt an das Meer.

– Sieh mal, alles um uns herum hat einen Geist. Diese Steine dort, auf denen wir stehen, und diejenigen, die wir uns zurechtschneiden. Ja, Ut hat recht, das Meer selbst ist einer von diesen Geistern. Wasser und Stein. Aber der Fluß natürlich auch, der Seetang, den wir essen, die Möwen am Himmel, der Mond und die paar Kühe, die bei uns wohnen. Du bist auch ein Geist. Selbst diese kleine Pfeife hier.

Der alte Mann zog daran, aber das Seekraut war lange aufgebraucht und verbrannt, und es kam nur kalte Luft heraus. Er kicherte und mußte husten, krümmte sich, spuckte etwas roten Schleim in die Hand und wischte sie an der Seite seiner Tunika ab. Danke, daß Du mit mir gesprochen hast, Magier, sagte er. Komm mit hinaus ins Freie, ich will Dir etwas zeigen.

Reidh ging voran, durch einen engen Seitengang, an dessen Ende eine Steinplatte in ein Scharnier eingelassen war. Er zog an dem steinernen Griff, die Tür ließ sich erstaunlich leicht öffnen, und der alte Mann ging ihm voraus. Beide standen nun nebeneinander auf einem hochgelegenen Vorsprung, unter ihnen das stille und endlose nächtliche Meer. Ein Bootsanleger war unten in die Felswand gehauen, eine schmale Treppe führte weit hinab, vielleicht ein- oder zweihundert Stufen. Der Mond war nicht mehr zu sehen.

Es ging fast kein Wind, obwohl sie bis in die Knochen hinein spürten, wie die unerbittliche Kälte der See zu ihnen hochdrang. Reidh stützte sich an der Schulter des Fremden ab und wies mit der Hand seinen Blick nach oben. Die fernen Sterne waren eine eisige Kruste. Die Dunkelheit hinter den Sternen war kaum zu ertragen. Am Himmel vor den Sternen begannen nun, als hätte Reidh selbst es ausgelöst, Vorhänge aus grünem Licht zu tanzen, lichtseidene Kaskaden fielen herab, richteten sich wieder auf und wehten bald hierhin, bald dorthin am tintenblauen Baldachin.

Es war das Polarlicht, und es ließ den Fremden in Trance fallen. Seine Augen kippten für Sekundenbruchteile nach hinten, so daß nur das Weiße zu sehen war, und er erinnerte sich in diesem Augenblick an einen lange vergangenen Traum, in dem er jahrelang an einer steinernen Küste gelebt hatte, in einem alten Haus am Meer. Das Haus hatte oberhalb einer kleinen Bucht gelegen, eingebettet in unpassierbare, zehn Meilen hohe, fast senkrecht aufragende Berge, so unwegsam, daß man vom Land aus das Haus nicht erreichen konnte. Eine starke Brandung von zwanzig Meter hohem Wellengang verhinderte die Annäherung vom Wasser her. So war das Haus seit Jahrhunderten von der Außenwelt abgeschnitten, niemand hatte es je besucht, noch hatte jemand es jemals verlassen. Hirsche und Wildpferde grasten auf den Wiesen um Barnhill. Im Schlafzimmer verschimmelte leise eine Blumentapete.

Er kam wieder zurück ins Jetzt, seine Augen wurden wieder zu Augen, er stand auf dem Vorsprung neben dem alten Mann, unter sich das ruhige kalte Südmeer. Die Aurora flackerte, wechselte von grün zu dunkelviolett und verschwand so unvermittelt, wie sie erschienen war. Er fühlte, wie müde er war, wie abgrundtief müde, und er ließ sich von dem alten Mann, der ihn sanft am Arm genommen hatte, wieder zurück in die Obsidianhalle führen, und dort ließ der Fremde ihn dann alleine sitzen, im erhabenen Schein der Fenster.

Anderntags, nachdem sie zwölf Stunden geschlafen hatten, zogen sich Ildr und der Fremde an und gingen die großen Treppen nach oben, unter den freien Himmel. Es war ein kalter, klarer Tag. Die Sonne stach senkrecht herab, trotzdem konnten sie ihren Atem sehen. Die steinerne Ebene breitete sich flach vor ihnen aus wie ein unendlich großes Blatt Papier. Aus einiger Entfernung rannte ihnen die Hündin entgegen und sprang an ihnen hoch vor lauter Freude, sie wiederzusehen. Man hatte ihr offensichtlich viel zu essen gegeben, denn die Rippen stachen nicht mehr so hervor wie noch vor ein paar Tagen, auf ihrem langen Marsch.

Er wollte ihr von seinem merkwürdigen Traum erzählen, aber er wußte nicht, wo er beginnen sollte. Sie wollte ihm doch noch einen Namen für die Hündin vorschlagen, dachte er. Vielleicht brauchte das Tier aber auch keinen. Sie sahen zusammen zum Horizont.

– Und wie findest Du es heute hier, Ildr.

– Es ist wirklich viel besser als im Norden. Obwohl hier nichts wächst. Meinst Du, deshalb sind die Menschen so klein? Weil sie kein Gemüse essen.

– Das weiß ich nicht.

– Wir könnten eine Weile hierbleiben und dann zusammen die Flugmaschine bauen.

– Woraus sollen wir denn das bauen. Aus Seetang?

– Aus Stoff. Aber vielleicht erst mal eine kleinere Version. Oder wir können Entwürfe davon machen, nicht das Ding selbst. Wir könnten aus Steinen einmal bauen, wie die Flugmaschine aussehen und funktionieren soll.

– Das können wir gerne machen.

– Vielleicht möchte ich für immer hierbleiben.

– Du willst nicht mit mir aufs Eismeer und noch weiter. Sehen, was dahinter ist.

– Ich möchte schon. Aber nicht mit einem Boot. Nur wenn wir fliegen.

– Kind, das wird nicht gehen.

– Warum nicht?

– Weil wir dafür Teile benötigen, die es hier nicht gibt. Eisen, sehr viel Stoff, ein Gerüst aus Holz. Außerdem kann ich den Antrieb nicht bauen. Ich weiß nicht, wie man das macht.

– Wir brauchen doch nur den Wind von den Klippen. Wie der Papiervogel.

– Aber zum Vorwärtskommen war das Wichtigste die Schraube, erinnerst Du Dich.

– Du hast doch noch eine. Die Du gefunden hast. Die in der Pfote des Hundes steckte.

– Stimmt. Was Du alles erinnerst. Aber mit Schraube meine ich ein Ding, das sich immerfort im Kreis dreht, nicht nur hinein und hinaus.

– Ich hab davon geträumt, daß ich fliege. Seitdem ich Dich kenne.

– Auch auf der Wanderung durch die Steinwüste.

– Ja, dort ganz besonders. Ich hab die Welt von oben gesehen. Ich hab im Schlaf genaue Karten gezeichnet von wunderschönen, unbekannten Welten, die ich bei meinen Flügen entdeckt habe.

– Warte, Ildr.

Er kniete sich hin und wollte ihr etwas aufmalen auf den Steinplatten, da fiel ihm auf, daß er weder Kohlestückchen besaß noch irgendetwas sonst, mit dem er hätte zeichnen können. Er befeuchtete seinen Finger mit der Zunge und malte einen Strich auf dem Boden, aber die Spucke trocknete im Staub sofort aus, und die dunklere Stelle war hell wie eben zuvor. Überhaupt hatte er hier in der Stadt noch nie Geschriebenes oder Gemaltes gesehen, dachte er. Er verteilte ein paar Steinchen vor sich und arrangierte sie im Kreis, um eine ungefähre Karte der Welt, durch die sie gewandert waren, aufzustellen, aber es wollte nichts werden. Es machte keinen Sinn mehr, er konnte ihr nichts erklären.

Und während er noch darüber nachdachte und an sich zweifelte, näherten sich ihnen drei Frauen, hielten aber etwas Abstand, da sie vor der Hündin Respekt hatten. Sie winkten ihnen mit nach unten gedrehten Händen in der Art des Südlandes, sie mögen ihnen folgen, und gemeinsam gingen sie zu einer kleineren, unter die Erde führenden Treppe, die etwas abseits lag, halb verborgen hinter einer hüfthohen, steinernen Mauer. Die Hündin blieb oben, legte sich auf eine Steinplatte, schloß die Augen und sonnte sich.

Die Frauen zeigten den beiden erst die unterirdische Wäscherei und dann das Kleiderlager, wo sich bis an die Decke Kleidungsstücke in allen Größen und Variationen stapelten, Kutten, Tuniken, Felle und Stiefel. Aus dem Norden, als man gekommen sei, habe man alles mitgenommen und es immer wieder repariert, wenn es löchrig wurde, und einzelne zerstörte Sachen zusammengenäht, damit sie wieder ein Ganzes ergaben. Diese Menschen trugen seit dreihundert Jahren die gleiche Kleidung, es gab keine wechselnden Moden, die Schnitte veränderten sich nicht, sie zogen an, was es schon immer gegeben hatte.

Sie sahen den großen Lagerraum, in dem der Walfischtran gesammelt und gepreßt wurde, die Steinschneidehalle und schließlich die kommunale Küche, in der alle Mahlzeiten zubereitet wurden, und ihnen fiel auf, daß überall Kinder mit dabei waren. Manche beteiligten sich an der Arbeit, andere spielten, man ließ sie gewähren und von sich aus wählen, ob sie lieber spielen wollten oder lernen.

Alles aus Fluß und Meer wurde in der Küche verwendet. Sie sahen auf den steinernen Anrichten Seetang liegen in allen Variationen, um daraus Salate und Suppen herzustellen. Dann Süß- und Salzwasserkrebse, besonders die großen roten Königskrabben, deren Beine so lang waren wie ausgestreckte Menschenarme.

Man erklärte ihnen die köstliche Sartmuschel, zeigte die Seeigel, deren Inhalt roh gegessen wurde, den luftgetrockneten Fisch, das Walfett, in dem Fisch und Seetang gebraten wurde, und den Meereslattich, eine besondere Algenart, die man auch als Medizin verwendete.

Überhaupt stammten viele Heilungsmethoden aus dem Ozean. Es gab beispielsweise einen bestimmten Fisch, dessen Maul man Patienten im kalten Meer an die Wunde heftete, um die Blutgerinnung zu fördern und sogar die Heilung zu beschleunigen. Der Fisch vernähte mit seinen nadelartigen Zähnen fast jede Verletzung, und die salzige See brannte zwar, half aber ebenfalls, die Wunden wieder zu heilen.

Die Frauen erklärten ihnen auch, daß es praktisch kein Eigentum in der Steinstadt gab, alles gehörte hier allen. Dinge nicht zu teilen, galt als unerhört. Selbst individuelle Schlafräume gab es nicht, wie sie vielleicht bemerkt hätten, als sie die ersten Nächte hier waren. Man hatte ihnen anfangs ein Zehnbettzimmer alleine überlassen, um sie nicht zu überfordern.

Wer alleine schlafen wollte, galt als eigennütziger Sonderling und wurde sanft, aber mit Nachdruck davon überzeugt, daß die Kraft der Steinstadt einzig in der Gemeinschaft lag. Vor allem natürlich im Schlaf, dem Wohnort des Traums. Träume waren verehrenswert, sagte eine der Frauen. Durch sie konnte man in andere Welten gehen und bisweilen diejenigen Wahrheiten sehen, die einem hier bei uns verwehrt blieben.

In einem anderen Raum befand sich eine Werkstatt, in der die vorher zurechtgeschnittenen Steine zu Gefäßen geformt wurden. Der Fremde hob einige geölte Krüge und Schalen auf, die auf einer steinernen Plattform arrangiert waren, drehte und wendete sie in den Händen und stellte lächelnd fest, daß es Meisterwerke waren, vollendet in ihrer Unvollkommenheit, harmonisch und sauber wie eine Wolke. Überhaupt war, wenn er jetzt darüber nachdachte, das Hauptmerkmal der Stadt ihre Sauberkeit, es gab fast nichts, das organisch, wild und asymmetrischer Natur war, nein, alles war klar, bescheiden und kristallin. Wasser und Stein, sagte er still zu sich.

Und plötzlich fühlte er ein ganz intensives Unbehagen bei dem Gedanken an Gemüse. Dinge, die aus der Erde wuchsen, schienen ihm mit einem Mal artifiziell, Blätter und Bäume wider die eigentliche Natur. Sich von etwas anderem als Seetang und Fisch zu ernähren und sich mit etwas anderem als Stein zu umgeben, erschien ihm als schlichtweg falsch. Die dunkelbraune, fruchtbare, von Würmern und Schnecken durchzogene, keimende Erde war minderwertig und unheimlich. Wurde man so rasch einer von ihnen? Menschen ohne das heuchlerische Grün. Er wurde den Eindruck nicht los, als sei die Welt gerade dabei, auf harmonische Weise flacher zu werden, als würde alles zweidimensional, so wie er es auf ihrer Flucht – vor einer halben Ewigkeit – Ildr versucht hatte zu beschreiben. Dies war kein schroffer, unerwarteter Vorgang, sondern geschah ganz unmerklich nach und nach. Nur woher kam das Licht.

– Ildr, merkst Du es auch.

– Was denn?

– Es wird alles immer flacher.

– Nein.

– Doch, ganz sicher. Ich hab immer mehr das Gefühl, als befänden wir uns in einer flachen Landschaft. Die Steine sind flach, das Meer ist flach. Sogar der Himmel.

– Aber die Menschen doch nicht. Wir sind nicht flach, wir bewegen uns, schau mal, so. Ich weiß nicht, was Du meinst.

– Wir sind wie gemalt.

– Wie in einem Bild? Das kann doch nicht sein. Du bist einfach müde und erschöpft.

– Ich habe so ein Bild zu Hause.

– Wo ist das?

Die Frauen führten sie noch weiter herum in der unterirdischen Steinstadt, zeigten ihnen die Schulzimmer für die Kleinen, die Kammern, in der die großen Tiefseenetze repariert wurden, und die Räume, in denen man den nächtlichen Sternenhimmel studierte, aber der Fremde hatte keinen wirklichen Blick mehr dafür. Er war überzeugt davon, daß eine allmähliche Verflachung der Welt stattfand, es war ganz offensichtlich, und er mußte schwer atmen, da er fühlte, zu ersticken oder flachgepreßt zu werden, aber niemand sonst wußte, was er meinte.

Глава 13 paul

Ein Ruderboot driftete langsam und seitwärts auf den unten am Fuß der Klippe gelegenen Anleger zu. Lange war es nur ein schwarzer Fleck am Horizont gewesen, der sich unter der strahlenden Sonne unbemerkt dem Festland genähert hatte, bis der endlich erkennbar wurde als das, was es war.

Die beiden Männer, die im Boot saßen, waren zwar entkräftet vom tagelangen Rudern, sie empfanden jedoch beide auch eine unbekümmerte Euphorie, als die Seitenwand ihres Gefährts den Stein der Anlegerstelle berührte. Sie befestigten die Taue an einem Felsen und stiegen rasch aus. In ihren Körpern schwankte noch das Meer und gab dem Stein unter ihren Füßen etwas Unstetes und Unsicheres. Der See war mehr zu vertrauen als dem festen Grund und Boden hier unter ihren Füßen. Ganz kurz taumelten sie, hielten sich rasch hölzern aneinander fest und lächelten dann scheu ob ihrer Ungeschicktheit.

Cohen setzte die Knochenbrille ab, schulterte das Gewehr, blickte hinauf zur Treppe, die in die Felswand gehauen war, und betrat die erste der vielen Stufen nach oben. Der Eismensch zögerte, zu selten und sporadisch war sein Austausch mit den Landmenschen bisher gewesen. Das freundliche Gefühl des Ankommens war aus ihm gewichen. Der bisherige Handel hatte sich stets schnell auf diesem Steinanleger vollzogen. Brennwolle, Honig und Walfischtran wurden ausgeladen, Messer, Amulette und Tuniken im Gegenzug im jeweiligen Boot verstaut, und dann hatte man möglichst rasch voneinander wieder Abschied genommen, da man sich gegenseitig zwar nicht wirklich unheimlich, aber doch zweifelhaft fand. Er war noch nie dort oben gewesen, ihm waren Menschen, die in Steinen lebten und nicht wie er auf dem Eis, mehr als suspekt.

Cohen berührte ihn am Arm, und er gab sich einen Ruck. Er wäre gerne wieder ins Boot gestiegen und hinaus auf die sichere See gerudert, aber das Boot gehörte diesem Fremden mit dem eisernen Stock auf der Schulter und nicht ihm. Also betrat er vorsichtigen Schrittes die Treppe, die ihm selbst schon wie eine Verkennung der Natur erschien. Nur das Eis war wandelbar und erneuerte sich, die Erde hingegen war unsicher und unscharf. Dort oben wuchsen trockene, mannshohe grüne Algen aus den Steinen, die man eigens herangezüchtet hatte, um sie zu essen. Und es gab haarige Landfische. Er schüttelte sich.

Gemeinsam gingen sie die Treppe hinauf, und Cohen spürte das Unbehagen seines Gefährten hinter sich. Er zog die Fäustlinge aus, nahm das Gewehr von der Schulter, entsicherte es, riß den Bolzen zurück und hielt es mit dem Lauf nach vorne gerichtet. Über ihnen war eine Art Terrasse aus dem Fels gehauen, der in einiger Entfernung wiederum eine besondere Färbung aufwies, als ob er dort aus opakem Glas bestand und nicht aus festem Gestein.

Die beiden erreichten nun eine Tür, stießen sie vorsichtig auf und betraten einen langen purpurn erleuchteten Gang, der in einer hohen Halle mündete. Cohen war vorangegangen, aber der Eismensch sah die gekrümmt sitzende Gestalt des weißbärtigen Alten zuerst, der am Rande einer immensen farbigen Glaswand lag. Es war der erste Bewohner der Steinstadt, dem die beiden begegneten, und er war tot. Cohen berührte ihn sanft mit der Spitze des Gewehrs, und sein Oberkörper sackte vornüber auf den Steinboden.

Sie setzten sich neben die Leiche. Wo waren sie hier nur gelandet, dachte Cohen. Sie waren hundemüde, aber was, wenn sie hier unter feindselige Menschen geraten waren. Jetzt einfach ein paar Augenblicke schlafen, ging nicht. Und wenn sie sich nur kurz an die leuchtende Wand setzten, das Gewehr im Schoß und auf die Halleneingänge gerichtet. Vielleicht ja nur für eine Minute. Die Augen des Eismenschen waren schon geschlossen. Er hatte sein Handbeil neben sich gelegt und leise zu schnarchen begonnen. Kleine silberne Schweißperlen hatten sich auf seiner Stirn gebildet.

Cohen untersuchte sein Gewehr und stellte fest, daß alles tatsächlich nicht mehr gefroren war, überhaupt war es hier oben in der Halle um ein Vielfaches wärmer als noch unten auf dem Boot, beim Anleger. Er zog die Jacke aus, dann die Tunika. Was für ein merkwürdiger Ort, dachte er. Und jenes dunkle Glas, durch das Sonnenlicht hindurchschien? Er nahm ein paar Patronen aus seiner Brusttasche und legte sie sorgfältig und griffbereit neben sich auf den Steinboden. Nur ganz kurz ausruhen, dachte er.

Einige Stunden später erwachte er mit einem Schreck und tastete sofort nach seinem Gewehr. Es lag noch dort, zusammen mit der Munition. Der Eismensch saß drüben in einer anderen Ecke der großen Halle und lachte, umringt von lauter glucksenden Kindern. Es war desorientierend, da die Laute von den Wänden widerhallten, als kämen sie von überallher.

Ein kleines Mädchen war auf die Schultern des Eismenschen geklettert und zog ihn kichernd an den Ohren. Er hatte sich Tunika und Hemd ausgezogen, da ihm furchtbar heiß gewesen war, nun rann ihm der Schweiß über den nackten Oberkörper, der vom Brustbein bis hinab zur Hüfte mit nachtblauen, konzentrischen Kreisen tätowiert war. Er gestikulierte und schnitt Grimassen, warf einen vor Freude kreischenden, winzig kleinen Knaben hoch und fing ihn sicher wieder auf.

Cohen stand auf, streckte sich und beobachtete seinen Gefährten und die Kinder. Er mußte lächeln und konnte sich nicht erinnern, wann er das das letzte Mal getan hatte. Eine kleine kräftige Frau mit vernarbtem Gesicht kam durch einen der Gänge auf ihn zu und streckte ihm streng die Hand entgegen. Sie sagte, ihr Name sei Ut. Ihr Blick fiel auf Reidh, wie er leblos dort lag.

– Ihr kommt vom Süden, vom Eis.

– Ja.

– Der alte Mann ist tot.

– Ja.

– Du bist kein Eismensch. Du hast Augenbrauen.

– Ich fürchte ja.

– Dein Freund ist taubstumm.

– Oh. Das wußte ich nicht. Stell Dir vor, wir haben nie miteinander gesprochen. Wo sind wir hier, Ut?

– Das weißt Du nicht? Du bist nicht hier zum Tauschen? Üblicherweise kommen die Menschen vom Süden nicht an Land. Sie bleiben unten an der Anlegestelle.

– Ich habe nichts zum Tauschen.

– So. Wie heißt Du?

– Cohen.

– Du kommst nicht aus dem Süden, Du siehst nicht aus wie die. Aber auch nicht aus dem Norden. Bist Du ein Hexer? Wir haben hier noch einen, der neu bei uns ist.

– Ha! Nein. Ganz sicher nicht. Ich brauch einen Schluck. Bitte gib mir was zu trinken.

– Entschuldige. Hier, nimm meine Flasche.

– Ich meinte kein Wasser, sondern Branntwein.

– Was ist das?

– Oder irgendwas in der Art.

– Wir haben Algenwein. Aber ich muß ihn erst holen.

– Algenwein.

– Ich mag ihn auch nicht besonders.

– Dann nehme ich lieber Dein Wasser.

Ut füllte ein Gefäß aus der dünnen Steinflasche, die ihr am Gürtel hing, und reichte es Cohen, der den Becher austrank. Er dachte, wie gut sie aussah mit ihren schneeweißen, kurzen Haaren und ihren Narben im Gesicht. Sie war zwar etwas klein, aber sie sah viel muskulöser aus als die letzte Frau, die er gesehen hatte, jene Rothaarige, was war sie gewesen, Bäckerin. Er mochte ihre vernarbten Arme, die oben schmal waren und hart wie Eisen und mit Sommersprossen bedeckt.

Die Kinder spielten weiter mit dem Eismenschen. Es war aber ein rohes Balgen geworden, und Cohen sah, daß ihm versehentlich ein Vorderzahn weggeschlagen wurde, worauf sein Freund auf die Knie sank und stumm brüllte, die Fäuste links und rechts geballt. Hatten diese Menschen denn keine Kinder. Solche Sachen passierten doch mal im Eifer rauhen Spiels. Die Kleinen erschraken und wichen von ihm zurück, worauf Ut zum Eismenschen eilte, sich für die Kinder entschuldigte und ihm ebenfalls Wasser anbot und seinen blutenden Mund vorsichtig mit ihrem Ärmel abwischte.

Cohen wartete, bis der Eismensch sich beruhigt hatte. Die Kinder jedoch hatten das Interesse an ihm verloren und rannten fort, in einen anderen Teil des Höhlensystems.

– Ut. Sag mir jetzt, wo wir hier sind.

– Du bist in der Steinstadt.

– Und Ihr seid uns wohlgesinnt.

– Ja. Wir werden Euch nichts tun.

– Bist Du verheiratet?

– Was meinst Du damit, Cohen?

– Hast Du einen Mann?

– Nein.

– Einen Partner.

– Nicht, daß ich wüßte.

– Ich wäre gerne Dein Partner.

Ut fiel fast vornüber vor Lachen, es war nicht böse gemeint, sie konnte es sich nur überhaupt nicht vorstellen, mit diesem merkwürdigen Mann aus dem Süden zu liegen. War er überhaupt aus dem Süden. Cohen sah verlegen zu Boden, das kannte er bei sich gar nicht, diese plötzliche Schüchternheit. Sie sah schön aus, wenn sie so lachte.

– Schau mal, Cohen, ich gehe jetzt hinauf. Du solltest den Fremden kennenlernen. Ich glaube, Ihr würdet Euch mögen.

Глава 14 ildr

Ildr war schon früh am Morgen aufgestanden, um zusammen mit der Hündin die Gegend um die Stadt zu erkunden. Seit Wochen schon hatte die Sonne große Stücke des Eises, die im Meer schwammen, schmelzen lassen. Es würde hier zwar niemals so warm wie in ihrer Heimat werden, aber die Kälte war gut auszuhalten, hatte man genug Kleidung an, und heute war es sogar fast mild. Die Tage waren lang, und es wurde früh hell und spät wieder dunkel. Sie war froh, einmal allein zu sein, ohne den Fremden.

Sie und die Hündin hatten die höchste Stelle der Klippe ausgemacht und hatten sie nach einem kurzen, steilen Aufstieg auch erreicht. Ein schneidender Wind fuhr ihr durchs offene Haar, das inzwischen wesentlich länger geworden war. Von hier oben sah man weit hinaus aufs südliche Meer, das am Horizont immer weißer wurde, als sei dort in der letzten Ferne nur noch eine unendliche Eisdecke und sonst nichts. Was wohl für Menschen dort wohnten, dachte Ildr, setzte sich hin und kraulte die Hündin hinterm Ohr.

Sie würde für immer hierbleiben. Sie würde sich an die Kälte gewöhnen, selbst an den Winter, dessen Schärfe sie zwar noch nicht kannte, aber nichts würde sie dazu bewegen können, von hier wieder wegzugehen. Sie würde eine Arbeit finden, damit sie der Stadt nicht nutzlos war, gleich heute Nachmittag würde sie zu Ut gehen und sie fragen, wo man sie gebrauchen könnte. Sie sah sich um, die Hündin hatte sich derweil zu ihren Füßen hingelegt, ließ sich das Fell durchwehen und hob ab und zu den Kopf, um zu schnüffeln. Ihr Fell, es war ebenfalls gewachsen, dachte Ildr.

Was würde sie denn vermissen. Bäume, dachte sie, und Schmetterlinge. Langes Gras, durch das man morgens streifen konnte, wenn es noch feucht war. Sonst nicht viel. Vielleicht war ihr Vater ja zurückgekommen und hatte sie in ihrem Haus nicht vorgefunden. Sie hätte ihm eine Botschaft hinterlassen sollen, wohin sie gegangen war. Aber dann hätten die Soldaten sie vielleicht gefunden. Na ja, die Soldaten hätten ohnehin gewußt, daß sie nach Süden geflohen waren. Wahrscheinlich war ihr Vater lange tot. Sie hatte geweint, als er gegangen war, jetzt würde sie nicht mehr um ihn weinen. Einen Mantel aus Otterfell hätte sie hier im Süden gut gebrauchen können. Was hatte der Herzog nur von dem Fremden gewollt. Sie wußte seinen Namen immer noch nicht. Sie mußte an die vielen Dinge denken, die sie von ihm erfahren hatte. Wenn sie es sich genau überlegte, dann war er vielleicht doch ein Magier. Und bei denen mußte man aufpassen. Unsinn, dachte sie. Er hatte sich immer um sie gekümmert, sie beschützt und sogar sicher hierhergebracht, in ihre karge neue Heimat. Er war vielleicht etwas sonderbar geworden mit seiner Idee, daß seit ein paar Tagen alles immer flacher wurde, und sie verstand ihn nicht, aber er war ihr Freund, da gab es nichts.

Ihr Blick folgte dem Verlauf des Flusses weit nach Norden. Die Steinwüste schien unendlich von hier aus, freundlich gelb leuchtend lag sie in der Sonne. Irgendwo dahinter erstreckten sich unsichtbar und lauernd die tiefgrünen Wälder ihrer Heimat. Wie schön es hier war, dachte sie. Alles konnte sie von hier oben sehen, das ewige Eis im Süden, die Millionen von Steinplatten, die sich unter dem tiefblauen Himmel nordwärts zogen, und den in der Morgensonne silbern glänzenden Fluß. Da. Moment. Was war das.

Dort hinten, ganz am Horizont, tanzten winzige schwarze Punkte in den Wassern des Livagar. Sie waren kaum zu erkennen, so weit waren sie entfernt. Ildr legte die Handkante an die Augenbrauen, um ihren Blick vor der Sonne zu schützen. Was mochte das sein. Sie verharrte regungslos, bis sie darauf kam, was die schwarzen Punkte waren. Schiffe.

Sie rannte so schnell sie konnte hinab zur Stadt, dicht gefolgt von der Hündin. Der erste Mensch, den sie traf, war ein weißgekleideter Fischer, der von der Arbeit kam. Er wich den beiden aus, aber sie packte und schüttelte ihn und schrie ihn an: Schiffe, da kommen Schiffe! Aus dem Norden! Der Fischer zuckte mit den Schultern und ging weiter seines Weges. Wo waren nur die Wachtposten. Ildr rannte weiter, die großen Steinstufen hinab, die Hündin bellte, drei Frauen mieden ihren Blick und gingen ihr rasch und etwas ängstlich aus dem Weg, die junge Fremde war wohl nicht ganz richtig im Kopf.

Die erste große Halle war bis auf ein paar spielende Kinder leer, es war niemand da, der sie anhören wollte. Wo war Ut, wo Reidh. Sie erinnerte sich, daß an der Oberfläche die grün-weiße Fahne an einer Stange wehte, und rannte die Treppe wieder hinauf, lief zu der Stelle hin, und tatsächlich befand sich dort bei der Fahne ein Steinkasten. Sie hob die Steinplatte hoch, griff nach dem Schneckenhorn darin und blies hinein, so fest und so oft sie konnte, zehn-, zwanzigmal, bis ihr schwarz wurde vor Augen, aber kein einziger Laut drang aus dem Horn. Sie ließ es sinken, und als sie sich umdrehte, stand der Fremde vor ihr.

– Ildr. Es kommt ein Schiff den Fluß hinab.

– Ja! Woher weißt Du …

– Ganz egal jetzt. Wie weit ist es?

– Ein halber Tag. Vielleicht etwas länger. Mehrere Schiffe.

– Wie viele hast Du gesehen?

– Ich hab sie nicht gezählt.

– Komm mit.

Gemeinsam liefen sie zum erhöhten Rand der Klippe, dort zeigte Ildr in die Ferne, aber anstatt hinzusehen, kniete er sich auf den Boden, holte die Brille aus der Seitentasche seiner Tunika und brach vorsichtig die Gläser aus dem Gestell heraus. Dann nahm er einen breiten Lederstreifen, legte die Gläser jeweils an ein Ende, wickelte das Ganze zusammen und umschlang rasch die Enden mit einer dünnen Sehne. Er stand auf, hielt die Konstruktion mit beiden Händen ans Auge und schaute damit in Richtung des oberen Flußlaufs. Die Hündin bellte wie verrückt.

– Es sind vier Schiffe. Nein, warte, ich zähle fünf. Drei kleinere Segelboote und zwei größere. Vielleicht vierzig Männer insgesamt. Etwas mehr.

– Das kannst Du dadurch erkennen? Zeig mal her!

– Halt das eine Ende von Dir weg und das andere an Dein linkes Auge, so. Dein rechtes Auge kneifst Du zu.

– Ooh.

– Kannst Du sie sehen?

– Aber alles ist verkehrt herum. Und ganz nah.

– Ja, normalerweise kommen da noch Spiegel in das Ding.

– Was ist Spiegel?

– Vergiß es. Poliertes Metall. Das ist jetzt nicht wichtig.

– Es sind ziemlich viele auf den Booten.

– Und sie werden heute abend hier sein. Es ist der Herzog.

– Ich hab versucht, die Menschen in der Stadt zu warnen, aber es hat mir niemand zugehört.

– Wir müssen zu Reidh. Wir werden die Schiffe abfangen.

– Sag mir jetzt sofort, was der Herzog von Dir will.

– Ich kann es Dir nicht sagen.

– Du kannst nicht oder Du willst nicht?

– Ich glaube, er denkt, ich käme aus einer anderen Welt.

– Was heißt das? Was heißt andere Welt? Von der Welt hinter dem Eis?

– Von einem anderen Planeten, einem anderen Stern.

– Aus dem Himmel?

– Ja.

Ildr drehte sich um und sah den Flußlauf hoch. Der Fremde war immer sonderbarer geworden. Sie wollte ihren Freund verstehen, ja wirklich, aber er machte es ihr nicht leicht.

– So ein Unfug. Wie soll denn das gehen, von da oben herab.

– Es ist schwer vorstellbar, was der Herzog glaubt. Nehmen wir mal an, ich käme von einem anderen Stern, so weit entfernt, daß man ihn selbst nachts nicht sehen kann.

– Dann wärst Du ein Gott.

– Nein, bitte, Ildr. Nehmen wir mal an, dort würden Menschen wohnen, genau solche wie hier, aber sie hätten mit der Zeit gelernt, wie man zu anderen Sternen reist.

– Also fliegt. Mit Maschinen.

– Ja, durch den Himmel. Der allerdings nicht hellblau ist oder bewölkt, sondern immer so aussieht wie nachts. Und nicht nur durch den Raum, sondern auch durch die Zeit. Oder besser gesagt, an der Zeit vorbei.

– Das hat etwas mit den Dimensionen zu tun, von denen Du mir erzählt hast.

– Richtig. Ganz genau.

– Und deshalb sucht er Dich und kommt den Fluß herunter.

– Ich denke ja.

– Und bedroht mit seinen Soldaten diese Stadt hier.

– Ja.

– Also hast Du den Herzog doch schon einmal getroffen.

– Nein. Ja. Nicht direkt.

– Das verstehe ich nicht. Warum bist Du nicht ehrlich mit mir?

– Hör jetzt auf zu fragen und komm bitte mit. Wir müssen die anderen warnen.

Er drückte die beiden runden Gläser wieder in das Brillengestell hinein, und sie liefen mit der Hündin zusammen so schnell sie konnten zurück, hinab in die Stadt. Unterwegs rief er ihr zu, daß er es selbst nicht genau wüßte, es tue ihm leid, es sei alles sehr kompliziert, und sie müßten jetzt zuerst die Flotte abfangen. Wenn ihnen das gelänge, dann könnten sie über alles andere reden.

Unten am Fluß trafen sie auf Ut, und Ildr redete wirr und umständlich auf sie ein, so daß sie zuerst gar nichts verstand. Sie ruderte mit den Armen und deutete außer sich nach Norden, da kämen Schiffe den Livagar herab, verdammt noch mal, die Boote des Herzogs. Ut begriff endlich, rief ihnen zu, daß Reidh gestorben sei, und gemeinsam rannten sie zu den Wachtposten hin, die unten im Schatten der Brücke vor sich hin dösten, damit sie in die Schneckenhörner bliesen.

Die schwermütigen Töne waren noch nicht über der Ebene verklungen, da sammelten sich schon die Menschen oben an den Treppen, Männer wie Frauen. Es waren nicht die gleichen Hornlaute wie bei ihrer Ankunft, sondern viel dringlicher, klagender. Es hatte sich alles in Windeseile herumgesprochen. Jemand gab gesteppte Jacken aus, andere Speere, Schwerter, Handbeile und Bögen. Pfeile wurden in Köcher gesteckt. Alle wußten genau, was sie zu tun hatten. Es gab keine Anführer, die Befehle riefen. Es kamen immer mehr Menschen, um die Stadt zu verteidigen. Einige waren noch halbe Kinder. Ein paar von ihnen rollten kleine Katapulte zu beiden Seiten des Flusses hoch und füllten die Wurfschaufeln mit den kompakten Ziegeln aus Walfischtran. Andere rannten bewaffnet das Flußufer hinauf, so schnell sie konnten. Paul wunderte sich, daß niemand verzweifelte, es schien, als seien alle auf genau diesen Augenblick vorbereitet gewesen.

Er bat Ildr, rasch hinunter in deren Zimmer zu gehen, um die Pistole zu holen. Die Hündin lief mit ihr mit. Er würde nachsehen, wieviel Schuß noch vorhanden waren, selbst wenn es nur drei oder vier Kugeln waren, war das immer noch besser als nichts. Wenn sie doch nur genügend Munition hätten, dachte er. Man könnte dann aus der Deckung heraus abwarten, bis die Boote nah genug waren, und dann jeden der Soldaten des Herzogs einzeln erschießen. Er hatte genug vom Töten, wirklich, aber es ging nicht anders. Wann hörte das alles endlich auf. War er wirklich daran schuld.

Глава 15 paul

Ut kam mit zwei Männern die Treppe hochgelaufen. Ihre Oberkörper waren nackt, sie trugen schmutzige Filzkappen und Eisbrillen aus Walfischknochen um den Hals. Der erste war überall tätowiert, ihm fehlte vorne ein Stück Zahn, er hatte keine Augenbrauen, und er schien zögerlich und unsicher. Das ist ein Eismensch, dachte der Fremde, ein wirklicher Eismensch. Der zweite Mann kam hinter dem ersten zum Vorschein. Er trug ein Gewehr und einen Patronengürtel, seitlich über die Brust und den Rücken gehängt. Der sah seinerseits den Fremden und ging sofort auf ihn zu, grinste über beide Ohren und streckte ihm seine Hände entgegen. Es war Cohen.

– Du bist hier.

– Der Bart steht Dir nicht, Cohen.

– Deiner Dir auch nicht. Und Du hast weiße Haare bekommen.

– Wo? Habe ich das? Ach so, ja.

– Wo sind wir hier?

– Funktioniert Dein Gewehr?

– Ich weiß nicht. Ich hab’s nicht ausprobiert.

– Aber Du hast Munition.

– Ja, aber sie war eingefroren. Schau. Das Gewehr auch.

– Wieviel?

– Wieviel was?

– Munition.

Cohen reichte den nassen Karabiner herüber und zog seinen Munitionsgürtel aus. Das Eis war lange aufgetaut, es schien alles in Ordnung zu sein mit dem Ding. Der Fremde zog die einzelnen feuchten Patronen nacheinander aus dem Gürtel und den Taschen und legte sie vorsichtig auf den Steinboden. Es waren vielleicht vierzig.

– Wozu brauchst Du das Gewehr?

– Siehst Du den Fluß da? Ein Herzog kommt mit seinen Soldaten auf Schiffen herabgefahren, Cohen, um diese Stadt zu zerstören und seine Einwohner zu töten.

– Und Du meinst, es reicht ein einziger Karabiner?

– Weißt Du wirklich nicht, wo wir hier sind?

– Nein. Ich habe absolut keine Ahnung. Ich bin vom Schelfeis gekommen, auf einem Ruderboot, tagelang, mit dem Taubstummen da.

– Alles ist symmetrisch hier, mehr oder weniger. Die Proportionen, sie stimmen. Sie teilen alles, essen kein Fleisch und stellen Schalen her aus Steinen. Und sie haben nur Bögen und Schwerter.

– Und die auf dem Fluß?

– Die ebenfalls.

– Gewehre gibt es nicht?

– Das einzige hast Du.

– Ich hab noch nie jemanden erschossen.

– Cohen …

– Ich kann das nicht. Es ist nicht richtig.

– Du weißt nicht, wie der Herzog ist.

– Wer?

– Der Mann auf dem Schiff, der sehr bald hier sein wird.

Ildr kam mit der Hündin zurück nach oben, den Beutel unter dem Arm. Zuerst erschrak sie über die beiden Neuankömmlinge, die wirklich furchterregend aussahen, verschmutzt und heruntergekommen. Aber dann sah sie die enge Vertrautheit zwischen ihrem Freund und dem Mann, der nicht tätowiert war. Es war erstaunlich, das zu sehen. Ildr mußte lächeln. Es war ihr, als kennten sich die beiden seit Anbeginn der Zeit.

Ut sagte, alle sollten sich zusammen mit den anderen an die jeweiligen Ufer begeben. Es sei am besten, Cohen, Ildr, der Eismensch und der Fremde blieben zusammen und liefen auf der linken Seite hoch, dort gebe es eine Stelle, an der der untere Livagar eine kleine Biegung mache, und hier hätten sie ein paar Steinschleudern. Zielt damit auf die Schläfen oder die Augen, sagte Ut, auf jeden Fall aber auf den Kopf. Sie selbst würde rechts hinauflaufen, dort stünden bereits die Katapulte mit den Brenngeschossen. Und dann rannte sie los.

Ildr zog die Keramikpistole aus dem Beutel und hielt sie vor sich her. Der Fremde hob die Munition wieder vom Boden auf, leerte sie in den Sack und griff sich Cohens Gewehr, dessen Augen sich weiteten, als er Ildrs weiße Pistole erkannte. Er erinnerte sich sofort, die losen Blätter gesehen zu haben, eine Anleitung für dieses Ding, aber das war jetzt vielleicht auch egal, sie sollten loslaufen, schnell das Flußufer hinauf, er mußte seinem Freund vertrauen, er war schon länger hier.

Der Eismensch hatte sich anscheinend an die steinerne, feste Oberfläche der Welt gewöhnt oder sie inzwischen zumindest akzeptiert. Er zog sein Handbeil, steckte sich eine der Steinschleudern hinter den Gürtel und schaute grimmig und entschlossen. Zu viert liefen sie die kleine Anhöhe hinab zum linken Ufer des Flusses, die bellende Hündin ihnen immer auf den Fersen.

Die Schiffe waren jetzt ganz deutlich zu sehen. Das Erste war den anderen vielleicht eine halbe Stunde voraus. Es hatte ein weißes Vordersegel hochgezogen und pflügte den Fluß herab. Nun konnten sie die Menschen darauf genau erkennen. Soldaten in voller Rüstung, Lanzen, Fahnen. Sie hörten, wie die Männer an Bord vor Freude heulten und schrien. Die Steinstadt nach so vielen Generationen erreicht zu haben und sie nun zu erobern.

Ein Schwarm von Pfeilen stieg vom rechten Ufer empor, beschrieb eine Parabel in der Luft und stürzte hinab aufs Boot. Leder- und Holzschilde wurden zum Schutz hochgerissen, und die Pfeile blieben wirkungslos in ihnen stecken. Höhnisches Gelächter. Die Anker wurden ausgeworfen.

Aber nun schossen die Steinstädter mit den Katapulten mehrere Ladungen angezündeten Walfischtran hoch, die gegen das Segel klatschten und es sofort in Flammen setzten. Die Soldaten schöpften Eimer voll Wasser aus dem Fluß, um das brennende Tuch zu löschen, aber dadurch wurde alles noch viel schlimmer. Der sengende, ölige Tran ergoß sich über das Deck, über die Schilde der Männer und deren Körper. Einige schrien vor Panik und rissen sich die brennenden Kleider herunter, andere sprangen mit ihren schweren Rüstungen ins Wasser und ertranken.

Als die nachkommenden Schiffe das brennende Boot erreichten, legte der Fremde sich flach auf den Bauch, zog den Bolzen des Karabiners zurück, zielte auf einen der Soldaten, der mit haßerfüllter Fratze Pfeile auf jene Menschen am Ufer abschoß, die die Katapulte bedienten, und drückte den Abzug. Es gab einen lauten Knall, und der Soldat fiel tödlich getroffen vornüber ins Wasser.

Paul schoß noch zweimal auf einen anderen Soldaten, verfehlte ihn und zählte rasch im Geiste seine verbliebenen Patronen. Eines der Kinder an den Katapulten schrie jämmerlich, als es von einer Lanze mitten in den Bauch getroffen wurde. Es brannten nun zwei der fünf Boote, ein drittes fing gerade Feuer. Die Soldaten hatten keine Chance. Ein tödlicher Pfeilregen nach dem anderen fiel auf sie herab, ihre brennenden Schilde waren nutzlos. Der Fremde drückte immer wieder den Abzug des Karabiners und lud nach, während Ildr neben ihm aus der Keramikpistole schoß. Unter den Soldaten brach nackte Panik aus, da sie sich vor dem Hexenmeister und den tödlichen Donnerschlägen, die vom Ufer kamen, nicht schützen konnten. Einer nach dem anderen wurde getroffen und fiel ins Wasser, den Rest erwischte der Pfeilregen.

Nun brannten alle Schiffe, außer dem größten, auf dem sich offenbar der Herzog selbst befand, da das Großsegel einen roten Kreis trug. Dutzende Leichen trieben flußabwärts, schwarz verkohlt und mit Pfeilen gespickt. Paul und Ildr schossen immer noch, obwohl die Pistole des Mädchens eigentlich leer sein müßte. Das Wasser des Flusses färbte sich rot vor Blut. Ein lautes und elendes Wiehern drang zu ihnen hin, und Cohen sah, wie ein schwarzes Pferd mit weit aufgerissenen, panischen Augen von einem der brennenden Schiffe ins Wasser sprang, und er watete, ohne zu zögern, hinein, scherte sich nicht um die Lanze, die ihn nur knapp verfehlte, erreichte das schwimmende Pferd, griff das Zaumzeug und zog das Tier hinter sich her an Land.

Die Hündin bellte es wie verrückt an, und das arme Pferd bekam wieder Panik, riß sich los, drehte sich erst wie wild im Kreis und trabte dann zurück ins flache Wasser. Cohen wollte gerade ansetzen, den Hund zu treten, da zielte Ildr auf ihn mit der Pistole. Er blieb stehen und hob beschwichtigend die Arme hoch, ja, ja, er habe verstanden. Das Pferd kam mit gesenktem Kopf zurück an Land und ließ sich von Cohen mit ruhigen Worten in Sicherheit führen.

Der Fremde sah, daß er noch fünf oder sechs Patronen übrig hatte, schoß und traf noch einmal, dann war es still auf dem Wasser. Das große Schiff des Herzogs hatte sich in der Mitte des Flusses an einem Felsen festgefahren. Auf allen Seiten stieg in füchterlichem Schweigen der schwarze Rauch der brennenden Schiffe und Boote empor. Die Seemöwen hatten den Himmel verlassen. Graue Wolken waren aufgezogen, die allerersten seit vielen Wochen, und der dunkle, ölige Qualm vermengte sich mit ihnen und hing drückend über dem Land.

Der Fremde schwamm mit kräftigen Zügen durch das Wasser. Ildr, die nicht schwimmen konnte, klammerte sich an seine Schulter. Sie hangelten sich an der Ankerkette hoch. Paul griff nach der Bordwand und zuckte zusammen, als sei eine der Nähte an seinem Rücken gerissen. Er zog sich mühsam auf das Schiff. Es war erst niemand zu sehen. Ildr stieg ebenfalls aufs Deck und deutete nach hinten.

Dort auf dem Achterdeck lag ein Soldat auf dem Rücken, zwei Pfeile ragten ihm aus den Augenhöhlen, die Fühler eines absurden toten Insekts. Dicht daneben lag der Herzog auf der Seite, aufgestützt auf einem Unterarm. Er trug eine goldene Maske vor dem Gesicht. Auf seinem kahlgeschorenen Haupt waren häßliche, gelb nässende Pusteln zu sehen. Der Fremde nahm das Gewehr von seiner Schulter und bat Ildr, sie solle ganz vorne im Schiff Ausschau halten und ihm nicht folgen. Dann ging er, das Gewehr in der rechten Hand und den Finger am Abzug, hinüber zum Herzog, der ihn durch die Schlitze der Maske ansah, Todesfurcht in den Augen. Der Fremde setzte sich vor ihn hin.

– Du weißt, was das hier ist?

– Ja. Ein schrecklicher Stab, der mit einem Knall tötet.

– Dann weißt Du, daß ich Dich ohne weiteres und sehr rasch umbringen kann.

– Ja.

– Du wirst mir jetzt sagen, warum Du mich suchst. Warum Du hier in den Süden gekommen bist mit Deinen Schiffen und Deinen Männern.

– Das ist nur gerecht. Wirst Du mich töten?

– Das kommt auf Deine Antworten an.

– Ich habe den Gelben Tod.

– Und warum bist Du dann noch am Leben?

– Vor einigen Tagen ist ein kleiner Stern auf die Erde gefallen.

– Ja. Das haben wir auch gesehen.

– Ich bin mit meinen Soldaten, mit denjenigen, die die Seuche nicht hatten, hingeritten, zur Absturzstelle.

– Und?

– Es war in einem großen Umkreis alles vernichtet, Bäume und Büsche waren verbrannt. Die Erde war schwarz. In einer tiefen Grube, deren Ränder noch rauchten, lag ein eiserner runder Schrank. Ich bin abgestiegen und habe mit meinen Männern die Tür aufgehebelt.

– Was war drin?

– Willst Du es wirklich wissen?

– Sag es mir sofort, oder ich töte Dich mit dem Ding hier.

– Du wirst mir nicht glauben.

– Sag es.

– Darin lagst Du.

– Das kann nicht sein.

– Doch, es war so. Ich schwöre es. Du lagst zusammengerollt nackt darin und warst tot. Und neben Dir lag ein Beutel, ganz ähnlich diesem da, den Du jetzt trägst. Ich habe hineingesehen und die Medizin herausgenommen.

– Das weiße Pulver.

– Ja. Und das habe ich gegessen.

– Du hast einfach so irgendein Pulver geschluckt, das in einem Schrank vom Himmel gefallen ist?

– Ich hatte nichts zu verlieren.

– Deine Krankheit ist besser geworden.

– Ja. Wie durch ein Wunder sind die Beulen verheilt und die Schwellungen zurückgegangen.

– Aber es hielt nicht lange an. Du wurdest wieder krank.

– So ist es.

– Und deshalb hast Du mich gesucht, um noch mehr Medizin zu bekommen.

– Ja.

– Aber Du hast mich doch tot dort liegen sehen.

– Meine Soldaten haben mir berichtet, ein anderer, der genauso aussieht wie Du, sei nach Süden geflohen, zusammen mit dem Mädchen. Ich dachte, das ist Dein Zwilling oder irgendeine andere unheilige Hexerei. Aber ich mußte das Pulver bekommen, koste es, was es wolle.

– Und deshalb hast Du die Stadt hier angegriffen, wegen mir.

– Seit vielen Generationen wollten meine Vorfahren die Steinstadt einnehmen. Es ist das Schicksal der Tviots. Noch niemand ist mit Schiffen den Livagar herabgekommen, alle sind an der Steinwüste gescheitert.

– Und Du hast gedacht, Du kannst mich finden und nebenbei die Stadt einnehmen. Und geheilt werden. Obwohl es nur kurze Zeit wirkt.

– Um auch nur einen Tag, eine Woche länger zu leben, ist es das alles wert.

– Und nun sind Deine Soldaten alle tot. Deine Schiffe sind verbrannt. Dein Pferd hat Cohen. Es ist das sinnlose Ende Deiner idiotischen Herrschaft.

– Bitte gib mir die Medizin.

– Nein.

– Ich bitte Dich.

– Nein.

– Ich flehe Dich an.

Tränen erschienen in den Augenschlitzen der Maske und liefen goldglänzend hinab. Der Fremde wußte nicht, ob er lachen sollte oder schaudern ob soviel Erbärmlichkeit. Der Herzog griff vorsichtig links und rechts nach der Maske, zog sie sich vom Gesicht weg und ließ die Hände sinken. Der Fremde sah in ein von der Seuche zerstörtes Antlitz. Die Nase des Herzogs war weggefault, dort in der Mitte des Gesichts war lediglich ein übelriechendes Loch. Das Weiße seiner Augen war dottergelb, und seine Wangen waren überzogen mit eitrigen, verkarsteten Schären.

Der Fremde war kein grausamer Mensch. Er griff in seinen Beutel und zog das letzte der kleinen Sachets heraus, leerte den Inhalt in die Handfläche des Herzogs und stand auf, um wieder an Land zu gehen. Der Herzog stopfte sich das Pulver in den Mund und leckte mit gelb belegter Zunge seine Handfläche ab.

– Danke, Magier! Ich danke Dir! Ich schenke Dir mein Schiff, hörst Du? Ich schenke es Dir!

– Du kannst es nicht verschenken. Es gehört nicht mehr Dir.

Und der Fremde wandte sich ab, um zu gehen. Er blickte nach oben, zur Sonne, und hielt sich zum Schutz die Hand vor die Augen. Möwen kreischten am bewölkten Himmel. In diesem Augenblick griff der Herzog unter seinen Umhang, zog eine verborgene Armbrust hervor, zielte und schoß. Der kleine Pfeil surrte knapp an dem Fremden vorbei und traf Ildr, die etwas abseits drüben an der Reling stand, mitten in die Brust.

Sie schaute ganz erstaunt, als könne sie es nicht glauben, legte die Handfläche an die Stelle, wo der Pfeil in ihr verschwunden war, sah fragend den Fremden an und fiel dann auf die Knie. Er drehte sich um, schlug dem Herzog den Gewehrknauf ins zerstörte Gesicht, ließ die Waffe fallen und rannte zu dem Mädchen hin, das dort auf dem Schiffsdeck kniete, den Kopf dabei leicht schräg haltend. Er setzte sich zu ihr hin und nahm ihre Hand in seine.

– Ildr. Bleib ganz still. Beweg Dich nicht.

– So … so hat sich das also bei Dir angefühlt. Das tut ja unglaublich weh.

– Ich weiß. Ohne Dich wäre ich gestorben. Du hast mich geheilt.

– Das hab ich gern getan.

– Und ich hab Dich gern, Ildr.

– Wirst Du mich wieder gesund machen?

– Ich glaube nicht, daß ich das kann.

– Und wenn Du das Wasser kochst?

– Auch dann nicht.

– Dann sag mir wenigstens, wie Du heißt.

– Paul.

– Paul, Paul. Was ist das für ein Name?

– Du hast immer viele Fragen gestellt.

– Und?

– Ich habe keinen besseren für Dich.

– Ich hätte gedacht, ein großer Magier wie Du hätte einen schöneren Namen. Aber nun hast Du ihn mir geschenkt, endlich. Paul.

Ildr hustete erbärmlich, verzog das Gesicht vor Schmerzen, und ein dünner Streifen Blut rann ihr aus der Nase. Paul biß auf den Knöchel seiner Faust, um nicht weinen zu müssen.

– Gib mir bitte auf die Hündin acht.

– Der Eismensch will sie mitnehmen, zu sich, in den Süden.

– Das ist gut. Paul?

– Ja.

– Wenn ich fort bin, wirst Du Dir eine Flugmaschine bauen?

– Ja.

– Und wirst Du damit fliegen?

– Natürlich.

– Beschreib mir die Welt von oben.

– Die Wälder und alles ist klein, die Menschen sind nur noch so groß wie winzige Insekten, man kann sie aufgescheucht herumlaufen sehen. Es ist schön von oben, alles ist klar und unkompliziert. Und das Meer ist ganz und gar blau, wie der Himmel. Und von noch weiter weg ist dieser Stern wie ein blaues Stück Glas. Wie eine helle kleine Murmel auf einer endlosen nachtblauen Wolldecke.

– Wir leben auf einem Stern?

– Ja, Ildr.

– Und warum verbrennen wir dann nicht?

– Es ist ein erkalteter Stern.

Sie verstand und nickte und hustete etwas Blut. Er stützte ihren Hinterkopf mit seiner Hand, schluckte und atmete tief und zitternd aus.

– Ildr. Ich werde Dich in meinen Träumen sehen.

– Ja.

Paul griff wieder nach ihrer Hand. Sie lächelte, und ihr Blick ging hinaus über die Bordwand und über ihn hinweg, als sähe sie etwas dort in der Ferne, jenseits des Himmels. Er sah in ihr Gesicht, legte ihr die Hand über die starr gewordenen Augen und weinte.

Глава 16 ildr

Sie bestatteten Ildr im Südmeer, eingehüllt in weißem Filz und Leder, unten am Bootsanleger, in Sichtweite des Wasserfalls. Paul hatte ihr die weiße Keramikpistole, die nur sie benutzen konnte, mit eingewickelt, zu ihrem Schutz in der nächsten Welt. Ut summte ein altes Lied, die Arme vor der Brust verschränkt. Sonst gab es keine Zeremonie, keine Worte wurden gesprochen.

Der vermummte Körper des Mädchens trieb an der Wasseroberfläche hinaus auf See, zu den blauen Eisbergen hin, und sie standen eine ganze Weile lang dort und sahen ihr nach, bis nichts mehr zu erkennen war. Dann gingen sie langsamen Schrittes die vielen Stufen wieder hoch in die Stadt, berührten noch ein letztes Mal die Obsidianfenster, verabschiedeten sich und segelten viele Tage lang im hellen Herbstwind das große Schiff des Herzogs den Livagar hinauf.

Über ihnen am Himmel zogen Scharen von Gänsen in V-Formation westwärts. Das schwarze Pferd war auf dem Achterdeck angebunden worden, nachdem sie Blut und Ruß mit Wasser aus steinernen Gefäßen weggespült hatten. Cohen hatte darauf bestanden, daß das Pferd mit hoch in den Norden kam. Es wollte die getrockneten Algen nicht essen, aber Gras oder Heu gab es nicht, so magerte es immer mehr ab. Cohen wich nicht von seiner Seite und sprach ihm tagelang ruhig zu, daß sie im Norden grüne Wiesen finden würden. Das Pferd war in Tviot grausam geschlagen und gebrandmarkt worden und mißtraute den Menschen, einzig Cohen ließ es in seine Nähe.

Ut und viele Steinstädter waren mitgekommen, Männer wie Frauen, und sie stemmten sich in die Ruder, wenn nicht ausreichend Wind war, um auf dem Fluß zu kreuzen. Sie wollten den Norden sehen, ihre alte, grüne, lang vergessene Heimat, nun wo der Herzog tot war. Am Abend sangen sie mit tiefen, klaren Stimmen Harmonien über Wasser und Steine, und die Stimmen verhallten in der Ferne ihrer Fahrt. Nachts ankerten sie in der Mitte des Flusses und hörten vor dem Schlaf, wie der Livagar murmelnd ruhig und makellos an ihnen vorbeifloß, und die Klänge des Wassers stiegen in der Stille zu ihnen empor. Cohen schlief eng neben dem Pferd. Die fernen Sterne beschützten sie.

Früh am Morgen kam oft Nebel auf, da die Tage jetzt kühler wurden, und das Segelschiff verschwand darin. Manchmal waren nur die Bordwände zu sehen, dann nur noch das weiße Großsegel an seinem Mast, zuletzt der rote Kreis des Herzogs, dann war auch das Segel fort, als sei es von den Schwaden verschluckt worden. Paul und die anderen änderten die Richtung des Schiffes zur aufgehenden Sonne hin, kreuzten nach links, dann wieder nach rechts, immer nordwärts. Vormittags brannte die Sonne den Nebel fort und bewegte die Wolken sorgsam westwärts, bis wieder unzählige Lerchen im hohen Blau über ihnen flogen, es waren Tage wie ein Diamant.

Nach zehn oder fünfzehn Tagen erreichten sie die grünbewachsenen Gestade des Nordlands. Die monotonen, vertrauten Steinplatten, die Sicherheit und Gewohnheit versprochen hatten, verschwanden nach und nach, und den sichtlich bewegten Menschen an Bord zeigte sich nun links und rechts eine üppige und wild wuchernde Welt des Überflusses und des satten Wachstums. Bäume und Büsche in allen Schattierungen von Grün. Singvögel, Bienen, Salamander, Füchse, alle Organismen traten auf, die die Südländer seit Generationen als ungut abgetan hatten, als mißratene Erscheinungen einer für sie gefährlichen Welt. Selbst Paul, der nur wenige Tage in der Askese des Südens verbracht hatte, erschien das bewachsene Ufer und der dahinterliegende endlose Wald weiterhin definitionslos, morbid und auf unheimliche Art zuviel.

Die Männer und Frauen steuerten das Schiff auf den knirschenden Uferkies, sprangen von Bord und gingen vorsichtig in die Knie, als mißtrauten sie der Standhaftigkeit des Bodens. Paul half mit, aus herumliegenden Baumstämmen und Ästen eine Rampe zu bauen, und Cohen führte das fast verhungerte Gerippe des Pferdes hinab, zeigte ihm eine Wiese und ließ es frei. Es legte sich ganz vorsichtig hin und rollte wieder und wieder im Gras, bevor es endlich anfing zu essen.

Paul und Cohen sammelten Äste auf, so viele wie sie tragen konnten, und bauten daraus ein großes Feuer. Es war den Fremden eine Freude, immer wieder neues Holz nachzulegen, in diesem verschwenderischen Umgang mit organischem Brennmaterial lag etwas Befreiendes. Am Abend, als ein Unterstand aus Laub, Stämmen und Zweigen gebaut worden war, zogen schwarze Wolken auf, es begann heftig und dauerhaft zu regnen, und das Feuer erlosch.

Die Steinstädter kannten derartige Wassermassen nicht, im Süden regnete es lediglich Gischt bei Windstürmen, oder es schneite trockenen Schnee, oder aber es kamen mal kleinere Schauer für ein paar Augenblicke. Jener sturzflutartige, warme Regen aber dauerte die ganze Nacht, und die Südländer lagen zusammengekauert und elend in ihrem behelfsmäßigen Obdach. Einzig dem Pferd machte es nichts aus, es stand unbekümmert auf der Wiese und aß, während der Regen ihm vom dampfenden Rücken rann. Paul und Cohen saßen durchnäßt zusammen und sprachen leise miteinander darüber, wohin es jetzt ginge, bis spät.

Der nächste Morgen war klar und hell, es hatte noch vor Tagesanbruch aufgehört zu regnen. Die Sonne schien, und wie herrlich sie schien. Feldlerchen schwirrten durch die Birkenhaine und weckten die Menschen mit ihren zuversichtlichen Melodien. Paul war schon lange wach, stand etwas abseits und machte Turnübungen oder was er dafür hielt. Cohen hatte sich selbst seine leicht peinlichen Annäherungsversuche Ut gegenüber verziehen. Er pfiff eine Weise, während er sich auszog, und hängte seine nasse Kleidung in einen Baum zum Trocknen. Dann lief er bis auf sein Hemd nackt zu dem Pferd hinüber, das nicht weggelaufen war und dort immer noch graste. Fast wieder normal sah es aus. Hoffentlich bekommt es keine Koliken, dachte er. Es drehte seinen Kopf zu ihm um und schnaubte, und Cohen hielt seine Hand dankbar unter die weichen Nüstern.

Sie trennten sich von den Steinstädtern. Es dauerte einen Vormittag lang. Paul wies ihnen die ungefähre Richtung zum Dorf Goz. Dort, vielleicht zwei Tagesmärsche weiter südöstlich, sagte er, würden sie von Menschen verlassene, steinerne Häuser vorfinden, in denen sie eine Weile leben könnten. Sie müßten nur vorher hier in den Wäldern Beeren, Pilze und Brennholz sammeln und Fische fangen und diese dann in Goz räuchern. Dort an der Grenze zur Steinwüste gäbe es fast nichts, aber die Häuser seien solide und anständig gebaut, und man müsse niemanden mehr fürchten, auch nicht den Gelben Tod.

Es war gut zu sehen, daß die Heimkehrer aus dem Süden sich rasch an den organischen Überfluß hier gewöhnten. Es war fast so, als sei der Norden ihre angestammte Heimat, als hätten sie den asketischen Rand der Welt dort unten am Eismeer jetzt schon vergessen. Einige von ihnen waren stundenlang durch die Wälder gestreift und hatten sich im Schatten der Birken ins feuchte Moos gelegt. Die Luft war voll von roten Schmetterlingswolken, große gelbe, kleine blaue. Es umgab sie der einschläfernde Gesang der Feldlerchen, und ein Specht klopfte ein Loch in einen Baum. Sie sammelten Maulbeeren aus den dornigen Büschen, soviel sie essen und tragen konnten, und sie lachten sich gegenseitig aus, wenn ihnen der violette Saft das Kinn hinabrann.

Obwohl sie es jetzt noch nicht wußten, stand ihnen das Ende der jahrhundertelangen Entsagungen bevor, denn sie würden hier oben bleiben, und wenn sie soweit waren, das Schiff den Livagar wieder hinabsegeln und den restlichen Steinstädtern von der neuen Welt berichten.

Sie würden keine Schalen aus Stein mehr herstellen, dachte Paul, sondern aus am Feuer getrocknetem Tonschlamm. Schnell würden sich die Menschen daran gewöhnen, keinen Seetang mehr zu essen, sondern Maulbeeren und gebratene Vogeleier mit Pilzen, und obwohl es ihm um ihre reinliche Zivilisation leid tat, war es auch gut so und richtig. Man sagte sich am Flußufer auf Wiedersehen. Ut ging mit ihnen, und sie ergriffen sich gegenseitig die Unterarme zum Abschied und sahen sich in die Augen. Paul war traurig, und er schenkte Ut seine Brille. Cohen war erleichtert, sie gehen zu sehen.

Die beiden wanderten nordwärts, in Richtung der Berge. Paul versuchte das an ihm nagende, merkwürdige Gefühl, daß die Welt zusehends flacher wurde, zu ignorieren. Er hatte sich daran erinnert, daß die Steinstädter einmal von einem gigantischen Bergmassiv erzählt hatten, weit nördlich vom Herzogtum gelegen. Es war eine ihrer wenigen Sagen, daß dort oben eine Eis- und Schneewelt zu finden war, jenseits der Wälder und Wiesen, und daß dort Menschen in steinernen Bergfestungen lebten und eine freundliche Göttin anbeteten.

Manchmal ritt Cohen auf seinem Pferd, meistens aber lief er schweigend neben Paul her, der lächelnd akzeptiert hatte, daß es nur seinem Freund erlaubte, auf ihm zu sitzen. Die Wälder, die sie durchmaßen, waren tief und vor allem unergründlich. Eulen riefen nach ihnen auf ihrem Weg. Einmal schossen sie mit der letzten Munition einen Fasan, der vor ihnen aufflatterte, und sie garten ihn abends am Holzfeuer, aber das Fleisch schmeckte alt und modrig.

Cohen wirkte zusehends abwesend, obwohl er sich Mühe gab, sich mit Paul zu unterhalten. Eines Abends verbrannten sie den ohne Patronen nutzlos gewordenen Karabiner in ihrem Lagerfeuer, und am nächsten Morgen vergruben sie die in der Asche übriggebliebenen Metallteile im Wald, das Rohr, den Bolzen, das Gehäuse und den Abzug.

Sie kamen schließlich auf einen Weg, bogen rechts ab und sahen nach einer Weile die Festung von Tviot, die dunkel und leer hochragte. Es war ein furchtbarer Anblick: Mehrere Galgen umringten die hohe Burg, an denen Skelette im Abendwind schaukelten. Ein Haufen Gebeine war mit Seilen quer über ein hölzernes Brechrad gespannt, das dort am Wegesrand aufgerichtet worden war. Paul mußte an das erbärmliche Ende des Herzogs auf dem Schiffsdeck denken und daß hier nun niemand mehr lebte. Sie überlegten kurz, für ein paar Tage in der Burg zu bleiben, aber dann erschien ihnen, als lebten an diesem Ort unheilvolle Schatten. Sie gingen dennoch über die Zugbrücke hinein, alles stand ihnen offen.

Im Inneren herrschte allerorten eine kaltfeuchte und unter der Haut fühlbare Bedrückung, als sei das Gemäuer selbst Ausdruck der Quälerei und der Gewalt, die im Namen des Herzogs von hier ausgegangen waren. Die großen Feuerstellen waren bis auf in der Mitte schwarz verkohlte Holzscheite leer. Sie sahen sich um und entdeckten am Ende eines Ganges den Dornenturm. Nur wenig Tageslicht stieß in staubigen Strahlen seitwärts herab. Paul stieg die vielen Treppen hinauf, die im Inneren in spiralförmiger Anordnung an die Decke führten, mitten durch das verworrene Dickicht der Nadeln und Zacken, deren Spitzen mit getrockneten Blutkrusten überzogen waren.

Ganz oben, in schwindelerregender Höhe, fand er am Ende einer Balustrade eine Tür, die hinaus ins Freie führte, auf eine Art Aussichtsplattform, und er atmete tief aus und ein. Von dort sah er nun die umliegenden Ländereien sich ausbreiten. Ein Gemälde. Die grünen Wälder und Ebenen des Herzogtums, die silbernen Bäche und Seen und ganz weit entfernt am nördlichen Horizont die Ahnung einer sich langsam zum Himmel erhebenden, graublauen Hügelkette. Er dachte an Ildr und daran, wie gerne sie wohl hier gestanden wäre, um die Welt von oben zu sehen.

Cohen nahm sich unten aus einer angrenzenden Halle, in der Fahnen und Wappen an den Wänden hingen, eine liegengelassene Rüstung, die ihm gefiel, und eine lange Lanze, und beide sammelten Pechfackeln ein und einige schwere Wolldecken für ihre Reise in die Berge des hohen Nordens. Ein paar kleinere Säcke mit Aschdanne, ein Faß Bier und getrocknete Bohnen kamen ebenfalls mit. Während Paul in den Bohnensack griff, bemerkte er, es sei kaum zu glauben, daß er den Geschmack von Aschdanne tatsächlich vermißt hätte im Süden, aber Cohen, der das Gemüse nicht kannte, zuckte mit den Schultern. Ihm war Nahrung egal, entweder es gab welche, dann aß man, oder es gab keine, dann blieb man hungrig.

Wieder im Freien, beluden sie das Pferd und verließen diesen schwermütigen Ort. Vielleicht würden die Steinstädter ja hier einziehen, wenn ihnen Goz zu karg werden sollte. Dann würden sie die Galgen abbauen und das Brechrad. Hoffentlich blieben die Südländer anständiger, lebten sie einmal hier. Cohen murmelte, die Menschen würden ihre Selbstlosigkeit schon wieder verlernen.

Sie zogen den Weg entlang, bis die Sonne unterging, dann machten sie unter Apfelbäumen Rast, bauten ein kleines Feuer und rösteten die Aschdanne. Sie pflückten einige Äpfel dazu und legten sie auf einen flachen heißen Stein neben die Flammen, damit sie in der Schale garten. Paul hatte gehofft, das kleine Haus am Bach wiederzufinden, in dem Ildr ihn gepflegt und vernäht hatte, aber er hatte die Orientierung verloren. Wahrscheinlich befanden sie sich ganz und gar woanders, und zudem war es sicher aus Rache niedergebrannt worden, als man die toten Soldaten darin gefunden hatte.

Cohen sprach nun fast gar nicht mehr, außer leise mit seinem Pferd. Paul war es, als seien in den letzten Tagen nicht nur die Augen seines Freundes überschattet, sondern seine ganze Körperhaltung schien auf irgendeine Weise verkehrt und unnatürlich. Er legte ihm die Hand auf die Schulter, und Cohen zuckte davor weg.

– Sag mal. Hast Du Schmerzen?

– Nein. Laß mich.

– Du bist verletzt.

– Du kannst mir nicht weismachen, Du seist ein Magier oder großer Heiler. Laß mich einfach.

– Hier, komm. Zeig mal.

Paul berührte ihn sanft erneut an der Schulter und zog dann mit großer Vorsicht Cohens Hemd vorne hoch. Er war stark abgemagert. Auf der rechten Seite seines konkaven Bauches war eine verkrustete, eiternde, an den Rändern gelb und schwarz nässende Wunde, so groß wie Pauls Hand.

– Ich fürchte, ich hab keine Antibiotika mehr.

– Ich weiß. Du hast den letzten Rest diesem lächerlichen Herzog gegeben.

– Wie ist das passiert?

– Am Fluß unten, bei der Steinstadt. Als ich das Pferd aus dem Wasser geholt hab. Ein Armbrustpfeil, glaube ich. Ich hab ihn nachts rausgezogen, als alle geschlafen haben.

– Und Du hast Dir wochenlang nichts anmerken lassen.

– Nein.

– Schau mal, die Nähte sind aufgeplatzt.

– Ich weiß.

– Wer hat denn das vernäht?

– Ut. Auf dem Schiff.

– Meine Güte, warum hat mir denn keiner was gesagt?

– Das ist doch jetzt egal.

– Ist es nicht, Cohen, weil die Wunde nun entzündet ist.

– Vor ein paar Tagen war alles noch in Ordnung.

– Kannst Du reiten?

– Ich glaube schon.

– Dann wirst Du ab morgen nicht mehr zu Fuß gehen.

– Ja.

– Weil wir zu den hohen Bergen müssen.

– Die möchte ich noch sehen. Ich hab Angst, ich schaff es nicht.

– Komm, mein Freund. Ich helfe Dir.

Die Berge zeichneten sich im Abendlicht ab, zehn Meilen hoch und schneebedeckt, dunkelviolett und scharfkantig unter den am Horizont angehäuften, wie dahingeschmolzenen Wolkenbänken. Vor den beiden Freunden rieselte eiskaltes Wasser durch das Gras die Hügel hinunter. Abermals erschien die Welt flach und wie gemalt. Cohen saß auf seinem schwarzen Pferd, die Schultern gesenkt. Er trug die Rüstung, die er in der Festung des Herzogs gefunden hatte, und die Lanze über der Schulter. An deren Spitze hing der Fetzen einer lange zerschlissenen, roten Fahne. Er klammerte sich an der Lanze fest, da ihm die Wunde so schrecklich weh tat.

Eine furchtbare Schwere und Müdigkeit umgab ihn. Immer wieder fielen ihm die Zügel aus der Hand. Es war spät, er hatte Schmerzen, die Sonne war nun fast untergegangen. Der restliche Rand des Himmels war orangerot, bald würde es Nacht werden. Paul, in seine weiße Kutte gekleidet, deren Kapuze ihm tief ins Gesicht hing, schritt Cohen voraus, um ihm den Weg in die Berge zu zeigen. Wohin ging es nur. Wer waren sie.

Глава 17 paul

Das Ölgemälde von Merlin und Lancelot hing nun nicht mehr in Pauls Haus in Stromness, sondern an der Wand des Schlafzimmers in Barnhill. Dort war die Wand, die schimmelige, sich kräuselnde Blumentapete, da das Bett mit der unbezogenen, dünn grau gestreiften Matratze, das ganze Zimmer. Nun die einfache, weiß gestrichene Holztreppe hinab, die Küche, das Wohnzimmer, die alte Glühlampe dort an der Decke, am schwarz-weiß gestreiften, mit Stoff verkleideten Kabel, schon lange keinen Strom mehr, jahrzehntelang keinen Strom mehr, schon achtzig Jahre lang keinen Strom mehr. Das Fenster, es steht offen, die nebelleichten Gazevorhänge wehen sanft hin und her, da draußen die Wiese. Die Pferde, verwildert, im Regen. Blühende Heidefelder in Rosa und Violett, so weit das Auge reicht. Drüben auf der anderen Seite der Meerenge das Festland.

RU

Глава 1 paul

Жизнь была полна забот, но и не совсем. То было время, когда многое быстро приобреталось и тут же забывалось. Это была большая, тихая комната в маленьком доме у воды, в портовом городе Стромнесс, ранней осенью. За окном, над шотландскими Оркнейскими островами, плыло небо без определённого цвета, сплошь затянутое высокими кучевыми облаками. Скоро на небе появятся колышущиеся занавеси зелёного света, когда облака разойдутся к ночи. Стромнесс был далеко на севере у серого моря, холодный, каменный и чистый.

Серебристо-серый ноутбук стоял на светло-морёном деревянном столе. На другом конце стола лежала стопка выпусков журнала «Куки», их углы аккуратно выровнены под прямым углом к краю стола. Журнал был напечатан на переработанной бумаге, которая с течением времени из-за влажности воздуха — ведь дом в Стромнессе стоял прямо у гавани — слегка покоробилась.

На обложке журнала, освещённая свечением ноутбука, виднелась глиняная миска умбрового цвета, в которой покоились три грецких ореха и несколько маленьких, почти прозрачных раковин. На тарелке лежал надкушенный круассан. Под столом стояли несколько тёмно-зелёных высоких резиновых сапог. Стена позади, у которой стоял старый швейцарский армейский велосипед, была из светло-серого камня, чьи неровности, бороздки, сколы и оспины подчёркивали спокойствие комнаты, вместо того чтобы его нарушать.

Над велосипедом на стене висела в раме картина маслом. На ней были изображены волшебник Мерлин и рыцарь Ланселот, написанные шотландцем Джеймсом Арчером в конце девятнадцатого века. Имя Арчера значилось чёрными буквами на нижней части выкрашенной золотой краской деревянной рамы.

То была не особенно впечатляющая картина, да и написал её Арчер не особенно хорошо. Волшебник Мерлин был одет в длинную светлую рясу, а белый капюшон покрывал его затылок и скрывал его лицо. На небе виднелись угасающее вечернее солнце и несколько небрежно набросанных облаков. Мерлин в сандалиях шагал по тропе впереди рыцаря Ланселота — уверенно и проникновенно. Ланселот, странно утомлённый, флегматичный и погружённый в себя, сидел в седле такого же утомлённого чёрного коня и позволял Мерлину указывать ему путь в царство теней; он ехал за чародеем и исчезал за левым краем картины.

Острые дрожащие тени связки тростника, что там, на подоконнике, торчала из кувшина, незаметно скользнули по резиновым сапогам, затем по ещё одной паре обуви. Это были выношенные и стоптанные на пятке некогда светло-коричневые каталонские сандалии, подошвы которых окончательно разваливались. Кожаные крошки от сандалий лежали уже в нескольких сантиметрах от них, на лишь частично блестяще натёртом бетонном полу.

На нём лежал, так же под прямым углом к столу, грязно-белый шерстяной ковёр, который был выбелен неравномерно: в нескольких местах сохранился серо-коричневый цвет. В центре его сидела одноглазая кошка и смотрела в сторону окна. Когти её лап зацепились за шерстяной ковёр. Кошка поочерёдно приподнимала левую и правую лапу, отчего возникал тихий рвущийся звук.

В углу комнаты, у окна дома в Стромнессе, выходившего на маленькую гавань, Пауль спал на ветхом диване, обитом парусиной. Ему казалось, будто он находится на гребне длинной гладкой серой волны в безлюдном аспидно-сером Южном море, по которому он скользил. Антарктида, остров Росса и его запретные вулканические вершины были недалеко, они неприветливо светились на горизонте, к которому несла его волна. Это было почти приятное чувство, но не совсем.

Один из тех старых оранжево-красных английских карманных изданий «Пингвин» выскользнул у него из руки во сне и теперь лежал на ковре рядом с диваном. Это была книга времён Второй мировой войны о распознавании самолётов. В книге объяснялось, как при пролёте быстро опознать «Хейнкели», «Мессершмитты», «Харрикейны» и «Спитфайры» — по различиям их очертаний. И звук отдельных машин тоже различался. Даже по тени каждого самолёта, скользившей по земле, можно было определить, «Фокке-Вульф» это или «Бофорт». Дождь был добрым знамением. Больных поили водой из семи источников. Дождевая вода, или живая вода, как её называли в России, заживляла раны, восстанавливала искалеченные части тела, омолаживала стариков и оживляла мёртвых.

Там, на горизонте, теперь их можно было увидеть, на гребнях волн: покрытые белым, вздымающиеся ввысь вулканы Эребус и Террор. Снежные флаги развевались, срываясь с их пугающих вершин. И вдруг сон стал страшным. Пауль проснулся от приступа страха. Вверху, под горлом, на ключицах его рубашка стала влажной, липкой и неприятной. Проспал весь день и проснулся отупевшим, подумал он. Был уже поздний вечер, на улице было темно — хотя летом и осенью ночи здесь никогда не темнели полностью.

Пауль растерянно и слишком медленно поднялся, отыскал свои очки, подошёл к столу и мягко коснулся ноутбука кончиком указательного пальца. Прибор, экран и сама комната осветились. Он смотрел на зелёные колышущиеся занавеси полярного сияния, в небе за окном над гаванью, которые поначалу, когда он переехал сюда, на Оркнейские острова, ещё казались ему чудом. Часами он таращился на них, на эти спектакли солнечного ветра, ионные заряды в атмосфере, бури фотонов. И вот теперь, после столь долгого времени в Стромнессе, когда они появлялись на небе почти каждую ночь, они оставались для него лишь декорацией и привычной, пресной частью природы, чья магия для него угасла.

Он включил свет, прикрыл рот рукой, чтобы зевнуть, и вытер кухонным полотенцем пот, выступивший после кошмара, после чего сложил его и снова повесил над плитой. Затем он подошёл к холодильнику, открыл его, достал творожный сыр, выложил его на блюдце с остатками круассана и поставил блюдце перед кошкой на белый ковёр. Он не любил кошек. Эта прибилась к нему. Однажды утром он открыл входную дверь, она появилась и, прошествовав мимо его ног, вошла в дом, словно теперь обитала здесь вместе с ним.

Пауль сел за стол перед своим лэптопом. Он получил два письма, а в остальном — лишь обычный спам из Нигерии. Первое казалось ему важным и выполнимым, и потому сегодня утром он уже трижды прочитал его, а теперь, после вечернего сна, перечитал вновь. Во втором письме на довольно неуклюжем английском его просили провести весьма деликатную реставрацию дома Ингмара Бергмана на острове Форё в Швеции. От него требовалось лишь немного мелкой работы: тут, где в стенах завёлся домовой гриб, подкрасить, там заменить пару прогнивших спинок стульев. Они не могли много заплатить. И дорогу оплатить не могли. Он тяжело выдохнул. Пусть бы уж, раз им от него что-то было нужно, писали, пожалуйста, на приличном английском, а не пороли такую чарльз-диккенсовую чушь: Please, kind sir, и: most obediently, стояло там. Одним пальцем он смахнул письмо вниз влево, в папку для незавершённого.

В первом письме его просили подобрать для журнала «Куки» идеальный белый цвет. Огромный тёмный зал в Норвегии предстояло выкрасить в белый гектолитрами краски. Его просили пожаловать в Ставангер для обсуждения в офисе, авиабилет прилагается, бизнес-класс. Речь шла о больших деньгах — ста пятидесяти тысячах.

Идеальный белый, подумал он. Да, да, он был тем самым человеком. Один белый, разумеется, будьте добры. Не слишком бежевый, не цвета яичной скорлупы, не с синим холодком, как белоснежный. Никакого ледяного оттенка. Господи боже. Куки. Супер. И как это они вообще его нашли. Он необычайно радовался. Что за великая честь. Уже много лет он выписывал этот журнал, печатавшийся на шершавой, светло-коричневой переработанной бумаге, и наблюдал за его тонкой трансформацией: от модернистского, аскетичного интеллектуального издания к слегка эксцентричному журналу о декоре, намеренно делавшему сам себя неактуальным.

Каждый номер, оказывавшийся в почтовом ящике в Стромнессе (ведь электронных версий не существовало), Пауль изучал тщательнейшим образом. Куки. Последние шесть выпусков он всегда стопкой складывал на своём большом столе, остальные — в углу своей спальни, где за годы они образовали внушительную башню.

Раньше, в самом начале, Куки, например, навещал одного из последних японских щёточных дел мастеров, который в горах Хида на Хонсю в деревянной хижине всё ещё вязал свои пеньковые щётки вручную. В этом журнале речь всегда шла об исключении. Последний это, единственный то. В первые годы существования журнала Куки ещё считал модернистский, скандинавско-японский минимализм необходимым, за ним на протяжении лет последовали экологичность, строгая переработка и аскетический отказ, а сегодня, наконец, фоторепортажи и статьи выступают в защиту мягкой, слегка эксцентричной, антикапиталистической метафизики.

Пауль вспоминал, что несколько лет назад, когда Оркнейскую пекарню на закваске упомянули с похвалой в довольно скромной статье (но с фотографией) в журнале «Куки», он так радовался тому, что уже жил здесь. Его маленькая пекарня в большом Куки. Он старался каждую неделю ездить в пекарню за хлебом, хотя там, кроме трёх сортов заквасочного да нескольких булочек с корицей, торговать было особо нечем. К тому же там работал всего один человек. Да и спрос был невелик: на Оркнейских островах люди предпочитали нарезной белый тостовый хлеб из супермаркета.

На днях он, стало быть, выкатил зелёный швейцарский армейский велосипед через дверь дома, уселся на неудобное кожаное седло и поехал вверх по брусчатке на Альфред-стрит. Стромнесс состоял всего из нескольких улиц да серых переулков, так что он быстро оказался за городом и поехал вверх по ухабистой дороге к пекарне. Он принципиально не носил велосипедный шлем, поскольку категорически отвергал эти обтекаемые пёстрые чудовища. Но почему он только не купил горный велосипед, эта дурацкая швейцарская штука была так ужасно тяжела и не имела передач, что вообще не имело никакого смысла. Это было все равно что не носить практичные флисовые свитеры на продуваемых ледяным ветром Оркнейских островах, а упрямо и глупо настаивать на овечьей шерсти. Это было ужасно утомительно, поскольку дорога теперь шла на подъём — постепенно, но неуклонно. Пауль потел и ругался. Впрочем, хлеб на закваске был не так уж и хорош. Но когда он крутил педали и озирался по сторонам, он улыбался: он понимал, зачем живёт здесь. Только серо-зелёные холмы, овцы и каменные стены по пояс, терявшиеся в просторах пейзажа. Ни единой души, и всюду море, со всех сторон, грифельно-серое и удивительно неприветливое. Он не мог припомнить, чтобы путь до «Оркнейской пекарни на закваске» был действительно так долог. Час он ехал на велосипеде сквозь морось.

Там уже стоял побеленный каменный дом с травяной крышей, а рядом — старая красная телефонная будка, превращенная в бесплатный книжный магазин: можно было взять книгу, а если было время — поставить туда другую. По большей части это был лишь печатный хлам, тем не менее на днях он нашёл «Братьев Львиное сердце» Астрид Линдгрен, прекрасное английское первое издание, и взял его, но не положил на его место новую книгу, отчего чувствовал смутную вину.

Придя в пекарню, он некоторое время в нерешительности стоял без дела, поскольку пекарша ещё собирала грибы, как сообщалось на написанном от руки объявлении рядом с плетёными корзинами. Значилось: бери нужные караваи, клади в бумажный пакет, а деньги переводи через приложение — на доверии.

Снова оказавшись снаружи с хлебом в руке, он быстро открыл дверь телефонной будки, бегло просмотрел книжный ассортимент, который с недавних пор ничуть не изменился. Но постойте, там лежало кое-что новое — брошюра по изготовлению керамического оружия с помощью 3D-принтера. Интересно, подумал он. Он огляделся, не наблюдает ли кто за ним, и спрятал брошюру за ремень. При следующем визите он непременно захватит из дому две книги и оставит их в телефонной будке.

Если бы только он закрепил на руле армейского велосипеда корзиночку из лыка. Или захватил с собой сумку. Теперь же ему пришлось зажать хлеб на закваске под мышкой, однажды он упал на дорогу, бумажный пакет лопнул, и он остановился, чтобы снова его поднять. Он сдул дорожную грязь с буханки и провёл по ней рукавом насквозь промокшего свитера. Досадно. Но обратный путь был, по крайней мере, куда легче: он даже снял ноги с педалей, вытянул их влево и вправо и радовался тому, что быстро и без труда мчался обратно под уклон к Стромнессу.

Вернувшись домой, он достал хлеб из коричневого пакета, положил его в кухне на деревянную колоду и отрезал ломоть особо острым рифленым ножом из Киото. Он был совсем измучен, и ехать туда на велосипеде, в сущности, не имело смысла; тем не менее он намазал на ломоть немного кислосливочного масла и достал из шкафа соль «Блэкторн» с соляной плантации в западношотландском Эршире.

Соль «Блэкторн» фильтровалась через так называемую терновую башню. Молодые люди купили старый солеваренный завод, который уже после Второй мировой никто не хотел запускать, сделали умиротворяющие фотографии лент ламинарии, разложенных на плоских камнях, и выложили их в Instagram. Затем внутрь высокого деревянного сооружения подвесили кусты терна и снова запустили градирню. Соль, просыпавшаяся снизу из терновой башни, расфасовывалась в эстетичные чёрные бумажные пачки и отправлялась по всему свету.

Значит, в Норвегию. Он и не знал, что редакция «Куки» была в Норвегии. Ставангер, в общем-то, был недалеко от него, от Оркнейских островов, здесь, наверху, всё когда-то было норвежским, даже флаг Оркнейских островов был тот же, что и норвежский. А прежде здесь говорили на ныне вымершем норн, древнескандинавском языке. – Норн, норн, — сказал он вслух. Норн. Он с удовольствием это сделает, приедет в Ставангер, и он рад, большое спасибо, быстро написал он в ответ и нажал кнопку отправки.

Глава 2 ildr

Рано, ещё до восхода солнца, Ильда стояла за деревом и медленно, осторожно поднимала лук. Она была почти ещё ребёнком. Она чувствовала кору ясеня у виска, у щеки. Как было тихо. Дрожащий мир пробуждался. Лес лежал за её спиной — безопасный и спокойный. Она спала плохо, то был сон, которому не было конца, в котором её преследовали злые существа, и она радовалась, что встала рано.

Утренний туман поднимался ей до колен и скрывал её ступни из виду. Она была без обуви, она была простой девушкой, бедность не смущала её, она не знала иной жизни. Было ощущение травы и росы под её босыми ногами. Ильда убрала короткие волосы со лба, натянула тетиву между указательным и средним пальцами, подняла правую руку к глазу и замерла.

Часами она могла так выжидать, оставаться неподвижной и ждать косулю. Время от времени она слегка поворачивала голову влево или вправо, зажмуривалась и прислушивалась к тихому, едва уловимому шуму крови в ушах. Хотя она никогда его не видела, она представляла далёкое ледяное море как бесконечный, серо-жёлтый, тихий звук.

Когда птица с шумом вспорхнула, косуля в кустах едва заметно шевельнулась. Прежде это была лишь светло-коричневая, мерцающая, безмолвная плоскость. Теперь она видела её в движении — этого она и ждала. Она выдохнула, так тихо, как могла, и когда она совсем затаила дыхание и сердце её билось почти где-то в другом месте, она отпустила тетиву, и стрела зажужжала в зелёной чаще и исчезла.

В ста шагах, быть может, в девяноста, в кустах перед нею она поразила косулю. Она услышала тихий стон, и животное опустилось в приземный туман. Ильда сдвинула намокший от росы капюшон своего плаща на затылок, закинула за плечо колчан и осторожно двинулась вперёд — сначала зигзагами, затем подходя с левой стороны. Никогда не следует идти к цели напрямик.

Она не поразила его насмерть, точно нет. Возможно, оно попытается уйти раненым. Она вынула длинный нож и выставила его перед собой. Там, где стрела исчезла в кустарнике, она осторожно раздвинула потрескивающие ветви.

Там лежал на спине мужчина. Стрела Ильды торчала у него в груди, под правым плечом.

Ильда опустилась на колени в траву. Она снова засунула нож за пояс. Солнце уже полностью взошло и осветило согревающуюся долину, и туман над землей рассеялся.

На мужчине была белая туника, медленно окрашивающаяся у груди в красный, поверх — столь же белая ряса, застегнутая у горла простой пряжкой, и сандалии. Его глаза мерцали, были полузакрыты. На носу у него была странная круглая металлическая оправа с маленькими стеклянными кружками, крепившаяся к ушам. Он корчился от боли, и она сняла свой влажный плащ и подложила его под голову мужчины вместо подушки.

Она попыталась бережно приподнять его, и мужчина начал громко стонать. Ильда снова уложила его, совсем осторожно, и провела рукой по его щеке. Она огляделась. Никого. Что же с ним делать? Она не могла просто оставить его здесь лежать. Ей нужно было отвести его домой, к себе домой.

Она сделала несколько шагов, нагнулась, собрала несколько толстых веток и сложила их прямоугольником на землю рядом с раненым мужчиной. Она быстро принялась своим длинным ножом разрезать шнур, который всегда носила с собой, на равные короткие части и связывать четыре ветви между собой. Затем она расстегнула пряжку на рясе мужчины, осторожно сняла её и натянула на каркас из ветвей, кончиком ножа проделала по краям несколько отверстий в ткани и привязала всё остатками шнура к ветвям. Птица вскрикнула, и она замерла, прислушиваясь.

Теперь она попыталась подсунуть носилки под тело мужчины, но ей это не удалось. Ильда видела, как он открыл глаза. Он исказил лицо в слабой улыбке. Изо рта у него вытекло немного крови.

– Стрела выйдет сзади наружу?

– Прошу простить меня, господин.

– Тебе не нужно извиняться. На спине. Посмотри. Стрела прошла насквозь?

– Подожди.

Она просунула руки под мышки мужчины и приподняла его. Мужчина застонал и выдохнул воздух — это было почти хныканье. Сначала на его губах выступили белые пузырьки слюны, затем они налились кровью и лопнули. Да, теперь она видела, как наконечник стрелы далеко выступает из спины. Ей было совсем не по себе.

Вот он, наконечник, да.

– Сломай его.

– Где, впереди?

– Да. Положи меня обратно и отломи стрелу.

– Сделаю.

– Осторожно.

– Да.

– Я, вероятно, потеряю сознание. Когда обломишь его спереди, вытащи остаток стрелы у меня из спины.

– Да.

– Но ты должна сделать это быстро. Одним-единственным движением.

Мужчина снова лежал на спине, и Ильда положила левую руку на рану, так что древко стрелы торчало между её большим и указательным пальцами. Кровь хлынула у неё через пальцы, очень много. Другой рукой она взялась за стрелу чуть выше, чтобы переломить её.

– Подожди, чужестранец.

– Нет. Я не могу ждать. Ну же, делай.

– Одну минуту, пожалуйста.

Ильда отпустила его, подняла обломок ветки и зажала его мужчине между зубами. Он закусил ветку, и она увидела, что он боится. Затем она снова взялась обеими руками за древко стрелы.

– Прости меня.

– Ну же, девочка.

Ильда слегка пошевелила стрелой, и мужчина вскрикнул, дерево выпало у него изо рта, и он согнулся от боли. Когда боль в нём отпустила, Ильда с громким хрустом переломила стрелу. Незнакомец потерял сознание, и голова его запрокинулась назад. Быстро она повернула его набок и вытащила из спины застрявшую в теле половину стрелы, скользкую от крови, и бросила её рядом с собой в кусты.

Она вырвала лоскут из нижней части своей рубахи, наложила его как повязку на рану спереди и сзади и закрепила остатком шнура, туго стянув его между шеей и подмышкой. Затем она осторожно подняла мужчину и перетащила его на носилки. Он был всё же не слишком тяжёл. Стеклянную оправу она убрала в маленький мешок незнакомца и положила его ему на грудь. Она взялась за деревянную конструкцию и медленно поволокла её за собой по лугу. Она надеялась, что никто за ней не наблюдает.

Солнце теперь стояло заметно выше в небе, и стало очень жарко. Когда Ильда останавливалась и опускала носилки на землю, чтобы попить, раненый тихо поскуливал. Поднялся ветер и осушил Ильде пот на лбу. Она испытывала голод, а дома у неё не было ничего, кроме нескольких зубчиков чеснока и мешка фасоли. Возможно, там ещё оставались картофель или ашданне.

Она приведёт чужака к себе, а там будет видно. Она выстрелила в него, и теперь, когда сердце её билось ровнее, ею овладел ужасный стыд. То, что она сделала, было ужасно. Она искупит свою вину.

Через час они добрались до хижины на краю луга, переходившего в лес. Она опустила носилки перед своим жилищем, выдохнула и толкнула дверь. Всё было точно таким, каким она оставила сегодня на рассвете, ещё в темноте. Ложе у очага, грубо сколоченный стол посреди горницы, два стула, глиняные кувшины на полке у стены, небольшая бочка, где хранились топор, лопата и метла, и стены, потемневшие от копоти огня. Когда-нибудь она непременно побелит здесь всё заново. Это её мать привила ей чувство порядка? Или все матери были таковы и передавали это своим дочерям?

Она втащила незнакомца внутрь, приложила чистое полотно к его ране и с немалым трудом подняла его на ложе. Теперь он казался тяжелее, чем прежде. В хижине едва уловимо пахло цветами и глиной. Пыль покрывала обеденный стол. Вокруг жужжала муха. Отворив оба ставня и впустив свежий воздух, она осмотрела его. Он был очень бледен, и дышал он поверхностно и неровно, как рыба, умирающая на песке речного берега. Кожа на его предплечье желтила при нажиме, когда Ильда осторожно щипала его там, что было дурным знаком. Ткань и рубашка пропитались его тёмно-красной кровью.

Она осторожно отвела ткань от слегка подсохшей, но всё ещё сочащейся раны спереди, взяла немного мха и лишайника из шкатулки и прикрыла ими это место. Она плотно прижала его по краям, ведь мох обладал целебной силой.

Её мать обучала её этому, но у самой матери эти искусства не сработали. Она умерла год назад от Жёлтой смерти. Ильда похоронила её в лесу, без круга, под клёном. Она следила за тем, чтобы дыхание её последнего дня не коснулось её. Ведь так передавался мор — через выдох умирающих в день их смерти.

Она пошла за ведром воды к маленькому ручью, что бежал из леса за хижиной через луг; его называли Фирнбах. Если бы только пошёл дождь. Дождь был добрым знамением — так учила её мать неизменно. Дождевая вода была живой водой, она заживляла раны, восстанавливала искалеченные части тела, омолаживала стариков и оживляла мёртвых.

На обратном пути немного воды выплеснулось из ведра и оросило её босые ступни и ноги. У неё возникло неприятное ощущение, что за ней наблюдают, и она остановилась и внимательно оглядела опушку леса и поросшие зеленью невысокие холмы далеко за хижиной, но никого не было видно.

Она внесла ведро в дом и начала тряпкой омывать кожу вокруг раны. Незнакомец открыл глаза — ярко-зелёные, как светлые листья на солнце. Он обессиленно потянулся к руке Ильды.

– Послушай. Ты должна вскипятить воду, и тогда она станет чистой.

– Нет, чужестранец. Если я кипячу воду, она испаряется и никому не приносит пользы.

– Накрой кастрюлю крышкой. Дай ему прокипеть некоторое время. Затем дай ему остыть и вымой в нём руки.

– Мои руки чисты.

– Пожалуйста, сделай, как я тебе говорю.

– Зачем мне мыть руки, чтобы коснуться твоей раны?

– Потому что в некипячёной воде обитают незримые существа, способные меня убить.

– Духи?

– Нет, черви, только значительно меньше.

– Ах.

– Эти невидимые существа есть во всей воде, что не вскипячена. Кипячение убивает их.

Ильда подошла к очагу и подвесила над ним котелок с водой. Она взяла глиняную тарелку и осторожно накрыла ею горшок. Затем она взглянула на мужчину, лежавшего на ложе, проверяя, правильно ли поступает. Вскипятить воду в котелке было делом простым. Незнакомец кивнул и слабо улыбнулся. Он был совсем измождён, и тотчас же вновь уснул. Незадолго до того он просил свою стеклянную оправу; теперь она соскользнула с его лица и легла на грудь, которая вздымалась и опадала неровно.

Ильда подошла к нему, осторожно положила оправу на стол и посмотрела на него. У него были правильные черты лица, с множеством мелких морщинок в уголках глаз. Его каштановые волосы закрывали лоб и уши, но не шею. Ему могло быть тридцать лет, а может, и гораздо больше. Точно сказать было нельзя, подумала она. Она убрала волосы с его лба и, коснувшись, проверила, нет ли жара. Он один раз застонал, вздрогнул и продолжил спать.

Ильда некоторое время сидела рядом с ним. Он вздрогнул ещё раз, затем его глаза задвигались под веками, и он погрузился в глубокий сон, подобный бездонному колодцу. Услышав его спокойное, теперь уже ровное дыхание, она осторожно сняла мох с раны и принялась сперва вымыть руки кипячёной водой и небольшим куском мыла, а затем очистить рану. Почему существа в воде теперь были безвредны? Но вреда не было в том, чтобы сделать так, как он просил.

Она взяла свежий мох и снова набила его на рану и вокруг неё, добавив ещё немного крапивы. Затем она бережно приподняла его, омыла и спину, и подложила мох под его плечо. Раны больше не кровоточили непрерывно. Возможно, ей удастся зашить его спереди и на спине. Ей ещё нужны были сухожилия и иглы из рыбьих костей.

Ильда осторожно осмотрела мешок чужестранца. Он был из светлого грубого льна, сверху затянут шнуром. Она не решилась открыть его и положила на стол рядом с оправой. Потом она подошла и принялась замачивать и варить несколько горстей бобов. Мяса и соли у неё не было, но зато она отломила от зубчика чеснока изрядный кусок и очистила его своим ножом. Она нарезала его тонкими кружками, бросила их в горшок с бобами и так погрузилась в своё занятие, что не слышала одноглазую сову, кричавшую снаружи. И шаги уже были у двери, и кто-то застучал в неё. Ильда вздрогнула, убрала волосы со лба и вытерла руки о рубашку.

Она быстро подошла к ложу и накрыла незнакомца старым дырявым одеялом. Затем она подошла к двери и приоткрыла её на щель. Снаружи, в ярком свете полуденного солнца, стоял солдат, одна рука на поясе, в другой — пика. Он носил красно-белые цвета герцога Твиота. На груди его рубахи алел красный круг.

– Ты говоришь на литературном языке?

– Да, господин.

– Мой язык?

– Да.

– Ты не видела мужчину, чужеземца, примерно моего роста, в белой одежде и со стёклами перед глазами?

– Нет.

– Уверена? Если ты лжёшь, я могу отрезать тебе голову.

– Точно.

– Тогда ты не против, если я войду?

– Разумеется, нет, господин. Но…

– Но что?

– У нас в доме Жёлтая смерть. Моя мать умерла от этого вчера. Её тело всё ещё лежит там, на кровати.

Солдат отступил на три шага назад. Ильда открыла дверь полностью. Она была уверена, что он снаружи, из света, не мог хорошо видеть в темноте. Она шагнула вперёд, и солдат в ужасе отступил ещё дальше, едва не споткнувшись и выставив перед собой пику для защиты.

– Стой!

– Я не заразна. Ты можешь войти в дом и всё обыскать.

– Нет. Нет, в другой раз. Но ты никого не видела?

– Клянусь, господин.

– Кругом клянёшься?

– Кругом клянусь, да.

Она подала знак, солдат кашлянул, повернулся и исчез за лугом. Ильда улыбнулась про себя. Какой же глупец. Так просто позволить прогнать себя. Подруга Ильды, одноглазая сова, сидевшая на столбе изгороди, расправила крылья, издала звук и улетела прочь, в сторону леса. Ильда напевала песню, снова вошла в хижину, закрыла ставни, взяла горшок с бобами и чесноком и подвесила его над очагом. Она бросила туда ещё несколько крапивных листьев и небольшой кусочек четвертинки ореха кхор. Целый орех ещё лежал в шкафу, подумала она. На ложе незнакомец откинул одеяло, открыл глаза и посмотрел на неё.

– Благодарю.

– Я зашью тебя. И тебе нужно сначала поесть. К сожалению, у меня нет соли.

– Передай-ка мне мой мешок.

– Здесь.

– Ты не заглядывала внутрь, пока я спал?

– Нет.

– В самом деле нет?

– Нет.

Незнакомец потянул за шнур, открыл льняной мешок и дал Ильде небольшой мешочек. Он знаком показал ей, чтобы она добавила белого порошка из мешочка в кипящие бобы. От напряжения рана снова начала сочиться, и мох стал тёмно-красным. Ильда осторожно всыпала немного порошка в котелок и размешала.

– Этого достаточно?

– Да.

– Что это за соль?

– Это средство для исцеления.

– Как это работает?

– Это убивает червей в моей ране и в теле.

– Ты маг?

– Нет.

– Тогда кто ты?

– Ты задаешь много вопросов, девочка.

– Прости.

– Что ты сказала солдату, чтобы он не вошёл?

– Я… я сказала ему, что у нас в доме Жёлтая смерть.

– Это было очень умно. Расскажи мне о себе.

– Что мне рассказывать? В моей жизни мало что происходило. Я родилась в этой хижине.

– Сколько тебе лет?

– Девять.

– Всего лишь?

– Да. Но после зимы мне будет десять.

– Чьи это солдаты?

– К герцогу Твиота. Он велит заточать людей в Терновую башню или привязывать к колесу за самую ничтожную мелочь.

– Что такое круг?

– Как можешь ты не знать, что такое круг?

– Расскажи мне о Жёлтой смерти.

– Этого ты тоже не знаешь? Братья покидали сестёр, мужья — жён, матери — детей. Но они всё равно умерли все. Не было бдений у мёртвых, не пришёл ни один святой, круг не замкнулся. Перед деревнями были вырыты могильные ямы и засыпаны мертвецами.

Незнакомец кивнул. Ильда сложила руки перед ртом, так что кончики пальцев коснулись её губ, словно она молилась.

И собаки, знаешь ли, вытаскивали трупы обратно из ям и пожирали их. И затем собаки умерли. Лошади не умирали. Не было никого, кто оплакивал бы мёртвых, ведь все ожидали смерти. И столь многие погибли, что люди уверовали: вот он, конец света.

– А ты, что ты думала?

Ильда не ответила, сняла горшок с огня, несколько раз помешала и переложила немного еды в миску. Затем она подала её незнакомцу вместе с ложкой. Он закашлялся, и боль исказила его лицо, и он принялся есть, сперва медленно и осторожно, а затем со всё большим аппетитом.

– Это вкусно. Ты хорошо готовишь.

– Благодарю.

– Почему ты не больна?

– Я осталась жива. И ещё кое-кто. Но, думаю, с кругом это не связано.

– Круг — это знак веры?

– Да, конечно. Почему ты этого не знаешь? И ты не знаешь о Жёлтой смерти. И о герцоге тоже. Откуда ты родом? С другой стороны ледяного моря?

– Ты можешь теперь зашить меня?

Ильда мельком взглянула на свои руки, словно не доверяя им, затем поднялась и подошла к деревянному ящику, стоявшему в небольшом углублении стены. Внутри она хранила всякие вещи: расшитые платки, льняные рубахи своей матери, целый орех кхор, красивый гребень из сандалового дерева, тоже принадлежавший её матери, жилы для рыбной ловли, маленькие железные крючки, мыло и иглы из рыбьих костей. Пока она собирала нужные ей вещи, она размышляла.

Ей нравилось говорить с этим странным чужеземцем, хотя он не отвечал ни на один вопрос. Почему он отвечал на каждый вопрос другим вопросом? Она надеялась, что скоро ему станет лучше. Зашивать рану будет ещё очень больно, а после он сразу уснёт.

– Ты должна…

– … я уже знаю. Мне следует положить иглу в кипящую воду.

– И сухожилие тоже. И руки тебе тоже нужно снова вымыть.

Сделав это и немного выждав, пока жар не убьёт невидимых червей, она вынула жилу из воды и попыталась осторожно продеть её в маленькое отверстие на конце кости. Она попробовала несколько раз, но либо отверстие было слишком мало, либо конец жилы слишком толст, — так или иначе, продеть его ей не удавалось. Она смочила кончик жилы слюной, как в детстве учила её мать, но это не помогло.

– Вот, возьми это.

– Твои очки.

– Взгляни, надень их на нос, вот так.

Она осторожно поднесла оправу к глазам, посмотрела сквозь неё и оглядела хижину. Всё вдруг сделалось расплывчатым и неясным, словно она открыла глаза под водой, плавая в озере. Ей сделалось дурно, и комната начала вращаться. Она быстро убрала очки.

Незнакомец подозвал её, мягко взял руку Ильды, снова надел ей очки и знаком велел смотреть прямо на остриё иглы. И вдруг всё стало видно с предельной чёткостью, это было невероятно, она видела перед собой крошечное отверстие в кости, и она уверенно вставила в него конец жилы, протянула его насквозь и завязала узлом, раз, другой.

После того как он, застонав, повернулся на бок и обратил к ней спину, Ильда осторожно вновь сняла с ран кровавый, липкий мох. И тогда она — в очках на носу — уверенной рукой зашила сперва рану на спине, а потом рану на груди.

Это было совсем просто, хотя кожные лоскуты на спине стягивать и сшивать было куда труднее, чем спереди, так как там кожа натягивалась сильнее. Острые крючкообразные движения иглы несколько раз вырвали на спине небольшие лоскуты плоти, но в конце концов ей удалось соединить всё вместе и завязать узлами концы сухожилий. Незнакомец сперва вскрикнул от боли, а затем вновь лишился чувств. Она окунула чистое полотно в кипячёную воду и промокнула и промыла оба места. Правда, между швами всё ещё сочилась кровь, но уже далеко не так сильно, как прежде.

Она подошла к своему сундуку, чтобы достать белое льняное полотно, и разорвала его на полосы, хотя это была лучшая вещь, какая у неё была. Она вложила несколько листьев крапивы в полосы ткани, обвязала их вокруг плеча незнакомца, провела концы поверху, за его шеей, и завязала их узлом так крепко, как только могла.

Закончив, она откинулась назад, выдохнула, положила стеклянную оправу обратно на стол и пристально разглядела незнакомца. Теперь он спал глубоким сном, дыхание его было ровным, он поправится. В мире было столько ужасного, думала она. Но этот человек не был дурным человеком. Не открыть ли ей всё же его мешок и не заглянуть внутрь, лишь на мгновение?

Глава 3 paul

Пауль был человеком, который обставлял квартиры и дома, предназначенные для продажи или сдачи в аренду. Раньше просто фотографировали пустые квартиры, и снимки выходили унылыми, безжизненными и холодными — особенно в Швейцарии. На этих снимках не было видно ни единого стула. Никаких букетов цветов, даже увядших. Ни одной раскрытой книги в уютном уголке. Ванные комнаты, неприветливо освещённые неоновыми лампами, с белой кафельной плиткой, которые риелторы вдобавок рекламировали как так называемые «мокрые зоны». Это были мёртвые места, лишённые человечности.

Раньше покупателю или арендатору приходилось самому представлять, как будут выглядеть дома изнутри. Люди же не просто смутно себе это представляли — нет, они не имели ни малейшего понятия, и потому Пауль наполнял пустую недвижимость красотой, содержанием и смыслом — на время. Он наделял жилые комнаты чем-то вроде души. Поскольку он был швейцарцем, он и начал одушевлять вещи именно там — в Берне, Базеле и Цюрихе.

Он расстилал потёртые старые турецкие килимы или свои любимые белые ковры из овечьей шерсти, а когда приходил фотограф, аккуратно расставлял оранжевые ветки рододендрона в глиняных кувшинах, кое-где раскладывал находки с блошиного рынка и ставил в гостиную дорогую густавианскую кушетку, обитую белой парусиной. А если вопреки ожиданиям всё же находились лишние вещи — скажем, старые выдавленные тюбики зубной пасты, — он избавлялся от хлама, а то, что выбросить не удавалось, прятал, велел красить стены в цвет селадона и раскладывал дюжину старых оранжевых книг «Пингвин» в мягкой обложке, и неизменно соблюдал два своих первых правила home staging: все лампы должны были гореть всегда, даже днём, и всегда надлежало использовать старые лампы накаливания, но никогда — энергосберегающие.

А когда съёмка заканчивалась, агент загружал фотографии в интернет, покупатели всё осматривали, а договор купли-продажи был подписан, Пауль без лишних слов снова освобождал квартиры и дома, красил стены в белый и возвращал арендованные предметы декора и мебель соответствующим прокатным фирмам.

Впрочем, часто — почти всегда, если честно — покупатели находили выстроенные Паулем интерьеры куда более красивыми, чем их собственные будущие замыслы, и хотели сразу жить так, как увидели при осмотре. Притворное, прожитое напоказ внушало им ощущение дома. Покупатели, стало быть, спрашивали у маклера, нельзя ли им, покупая дом, заодно выкупить и те немногие отобранные предметы обстановки, что были видны при осмотре, — а именно глиняные цветочные кувшины, шерстяные дурри, ряды резиновых сапог у стены и сепийные открытки в старых, потертых деревянных рамках, развешанные по стенам цвета селадона в русской манере, с изображением Луизы Брукс, Аллена Гинзберга или Джека Керуака.

А Пауль всегда отвечал отказом, хотя некоторые его коллеги не знали подобных угрызений совести. Они скупали у прокатчиков всё подчистую, говорили, что им ужасно жаль, но, мол, при транспортировке возникли повреждения, и затем перепродавали резиновые сапоги и кушетки покупателям домов за восьмикратную цену.

Секрет Пауля, столь успешно обустраивавшего временное жильё, был в том, что он умел показывать людям их собственное блистательное будущее — будущее, которое уже было заложено в каждом из этих домов, вспыхивало в ней мерцающим светом, но затем вновь исчезало. Словно он мог бы дать людям увидеть декорации спектакля, поставленного лишь на миг, но особенно удавшегося, — спектакля без актёров, — и они из-за этого пожелали бы, чтобы их жизнь всегда была таковой, без неразобранных стопок неоплаченных счетов в углу, без пустых пакетов из-под молока, без держателей для туалетной бумаги, энергосберегающих лампочек и корзин для белья, полных ношеного нижнего белья и одиночных носков. В глазах своих клиентов — хотя ни они, ни он сам никогда не смогли бы сформулировать это словами — Пауль был магом, помогавшим им перехитрить энтропийный, до ужаса удручающий ход жизни.

В прошлом году Пауль помог одному человеку — герцогу Камберлендскому, который никак не мог подобрать для большого салона в своём шотландском охотничьем замке красную краску по душе. Герцог, чьё лицо было обезображено редкой кожной болезнью, перепробовал всё: всех производителей красок, вызывал разных декораторов и маляров, но всегда всё оказывалось либо слишком синеватым, либо с примесью чуть лишней умбры, словом, это никогда не было то самое правильное красное. И Пауль, приглашённый в замок, однажды утром после общего обильного шотландского завтрака, когда темой разговора был недостающий красный цвет, уселся в большом салоне с веером цветовых образцов, который, к счастью, на этот раз не забыл у себя дома на Оркнейских островах. Он всё равно не собирался участвовать в охоте — ему было жаль зверей, — и потому, листая от скуки старые журналы, разложенные в салоне, он вдруг увидел нужный цвет в ностальгической статье о Фарах Дибе и шахе Персии.

И когда герцог во второй половине дня в отличном расположении духа вернулся с охоты и смыл с перчаток и брюк кровь оленя и фазана, Пауль с несколько смущённой улыбкой провёл его в салон и показал место на стене, куда он нанёс тот красный — подходящий, правильный красный. Маленький уголок, вырванный из его веера цветовых образцов, висел теперь там, кое-как закреплённый скотчем сверху и снизу, посреди всех прочих маленьких красных квадратов, набросанных на стену кистью для пробы, — но неудачных.

Герцог надел и снова снял маленькие прямоугольные очки для чтения, отступил на несколько шагов в своих светло-коричневых сапогах для верховой езды, скрестив руки на груди, и позволил красному подействовать на себя. Неприятные экземы на его лице, казалось, пульсировали. И затем, после нескольких бесконечных секунд молчания, он подошёл к Паулю, улыбнулся, сверкнув белоснежными зубами, крепко обнял Пауля и тыльной стороной ладони погладил его по щеке, и Пауль ощутил перстень с печаткой, который герцог носил на мизинце, и затем ему под смех хлопнули по спине, мол, какой же он основательный молодец, это действительно первоклассно, действительно.

Он не хотел быть столь вульгарным и предлагать ему деньги (жаль, подумал Пауль), но он, если тот позволит, в знак благодарности подарит ему одну из картин из своего охотничьего дома. Боже правый, тот самый красный. Ищешь месяцами, ломая руки, а решение преподносят между делом, когда возвращаешься с охоты. Он пришлёт ему подходящую картину уже на этой неделе. На Шетландские острова, не так ли?

Оркнейские острова, — сказал Пауль, скорее смирившись, чем из вежливости, — он живёт на Оркнейских островах. То, что вдохновение для выбора цвета пришло из одного из журналов об интерьере, которые валялись в самом салоне, он, разумеется, скрыл, и столь же естественно эта история впоследствии разошлась в нужных кругах.

Неделю спустя он, стало быть, принял у двери маленького дома в гавани Стромнесса большой узкий деревянный ящик, помеченный словами fragile и this way up, внёс его внутрь, осторожно распаковал в большой комнате, а нелепые количества ароматной древесной шерсти, явившейся из ящика, связал в пучки рядом с камином, у мелких поленьев.

Затем он медленно и осторожно распаковал большую картину, обёрнутую в пузырчатую плёнку и заклеенную скотчем, долго разглядывал Мерлина и Ланселота, а потом повесил её у себя в гостиной, напротив большого окна, над велосипедом — и вот теперь заказы приходили один за другим, словно масляное полотно, висевшее на его стене, было написано не несколько неуклюжим шотландцем Джеймсом Арчером, а самой богиней Фортуной.

Первый заказ был строго минималистичный, стеклянный коттедж на Шетландских островах, который ему предстояло обставить. Он велел выкрасить всё в каменно-серый — потолки, стены, полы, встроенные шкафы, решительно всё, — а затем распорядился положить несколько необработанных валунов в ряд на свежевыкрашенный пол гостиной, так что нижняя поверхность камней едва заметно отражала свежую серую краску. Обращённая к морю сторона дома была сплошной стеклянной стеной, и овцы, пасшиеся перед ней зимой и летом, составляли безупречную гармонию с валунами, что теперь лежали в гостиной.

Вскоре за тем последовал сколоченный из досок ресторан собирательской кухни на Фарерских островах — с одним-единственным столом на шесть персон, единственной бронью на вечер и одним блюдом в меню, состоявшим из собранных мхов и подгнившей на ветру, дурно пахнущей трески. Он оставил всё в тёмном натуральном дереве, а в стенах по периметру велел прорезать узкие продолговатые щели, которые затем застеклил тёмно-красным. И так, когда косые лучи вечернего солнца Фарерских островов падали сбоку сквозь щели, они погружали зал для гостей в великолепный, глубокий фиолетовый цвет. Владельцы ресторана были в восторге, гости — тоже.

Затем последовал, увы, несколько заурядный заказ — грубо сколоченный бревенчатый дом, полы устланы шерстяными дурри, стены декорированы высоко повешенными оленьими рогами, в глубине лесов шведского Смоланда, с плоской стеклянной крышей, — а после него, в свою очередь, совсем крошечная, милая японская квартирка в Эдинбурге, устроенная вокруг ещё более миниатюрного атриума, где в гравии рос красный карликовый клён, и Пауль всё более мнил себя непрерывно успешным, признанным и счастливым.

Глава 4 ildr

Ильда доела остатки бобов, вытерла руки о рубашку и вышла наружу — помыть котелок и ложку. Она присела на берегу Фирнбаха, очистила всё песком и затем вымыла вещи в холодной прозрачной воде. На небе, ещё далеко у горизонта, висели тёмно-серые, почти тёмно-синие облака, которые, гонимые свежеющим ветром, медленно приближались. Ильда выполоскала пропитанные кровью тряпицы, свернула их кольцами в чистый котелок и, когда всё было готово, поднялась, уперлась руками в бока и долго смотрела на юг.

Вскоре низко нависшие тяжёлые чёрные тучи затянули почти всё небо, и шум ветра в деревьях обрёл теперь нечто угрожающее. Ночью будет много дождя. Ему нужно было мясо, чтобы зажило, думала она, бобов будет недостаточно.

В лесу, за Фирнбахом, Ильда ещё прошлой зимой расставила несколько силков на кроликов, но когда однажды один из них запутался в ловушке, она не смогла его убить. Она сидела на корточках в снегу, с ножом в руке, и смотрела в полный ужаса глаз зверька, запутавшегося в сети, а затем отпустила его. И затем она тщательно разобрала все ловушки. С этого мгновения она охотилась на зверей только с луком и стрелами, и лишь тогда, когда это было действительно необходимо.

Она вспомнила, что повесила сушить ещё немного рыбы из ручья, но когда обошла хижину, чтобы проверить, там уже ничего не висело. Сова, должно быть, съела её, или канюк, который несколько дней назад кружил над хижиной. Теперь всё было иначе. Теперь в её хижине спал чужак, на её ложе, человек, в которого она выстрелила и которого теперь должна была выхаживать, и зашивать, и кормить, и прятать от солдат.

Облака теперь походили на нависшие над ней безжизненные скалы, пейзаж был неестественно резок, и даже луга вдруг показались серыми и унылыми. Вскоре тьма ночи опустилась на землю, и было так темно, что нигде не было видно луны.

Дождь шёл три дня и три ночи, и Ильде казалось, будто они живут в мире из воды. Незнакомец спал почти всё время. Иногда он говорил на неведомом языке, и Ильда не понимала ни единого слова. Когда он бодрствовал, она помогала ему справлять нужду за домом. Дождь обрушивался с такой силой, что они едва могли дышать, когда он стекал им в лица. Гром обрушивался им на лица с таким грохотом, что говорить на улице было невозможно. Они оба были почти слепы от воды, и она наполовину несла его на ходу.

В доме она обтирала его досуха, и когда возвращалась лихорадка и он снова засыпал, она меняла повязку и вливала ему в рот воду с ложки. Она тайно стирала окровавленные тряпицы под дождём и надеялась, что мелкие твари не были и в воде, падавшей с неба. Нет, дождевая вода была живой водой.

Утром четвёртого дня снова показалось солнце, и он открыл глаза и слабо улыбнулся, и Ильда знала, что теперь он исцелён. Его порошок подействовал, и швы держали хорошо. Он мог встать сам, хотя колени его дрожали, и ему приходилось держаться за стену, чтобы не упасть.

– Ты всё ещё здесь.

– Куда мне было идти?

– К ледяному морю.

– Я никогда не была у моря.

– Где твой отец?

– Он ушёл много лет назад. Но однажды он вернётся и принесёт мне плащ из выдрового меха. Это он мне обещал, когда уходил. Тебе больно?

Он осторожно ощупал двумя пальцами место на груди, слегка вздрогнул и покачал головой. Она кивнула и улыбнулась, подошла и распахнула ставни, и свежий воздух и дневной свет хлынули внутрь, и она задула колеблющиеся свечи. В очаге висел горшок с картофелем и ашданне, приправленный кхором и чесноком. Она сняла с него повязку, дала ему одну из драгоценных льняных рубах своей матери, и он надел её, неуклюже и забавно извиваясь. Хотя рубашка была тесновата, она пришлась ему впору, и она подала ему миску с едой и ложку. Он ел с большим аппетитом.

– Что это?

– Это? Ах вот как – Ашданне.

– Этого я не знаю.

– Это овощ. Как морковь. Только он зелёный, а не оранжевый.

– Как тебя зовут?

– Ильда.

– Нам нужно исчезнуть отсюда, Ильда, вместе.

Ильда села рядом с ним на стул. Она смотрела, как он ест. Как он держал деревянную ложку, утирал рот тыльной стороной ладони, как свисала с его узких плеч рубаха её матери. Она радовалась, что он снова выздоровел, и радовалась, что он здесь. Но уйти отсюда?

– Я не хочу уходить отсюда. Я не хочу к ледяному морю.

– Но здесь мы оставаться не можем. Люди герцога вернутся.

– Почему они ищут тебя?

– Это сложно.

– Ты должен мне ответить, пожалуйста.

– Да, тут ты права. Наверное, они думают, что я могу помочь герцогу.

– Например, с твоим стеклом?

– Например.

– Ну говори уже.

– С некоторыми изобретениями.

– Покажешь мне некоторые? Одно?

– Одно я могу тебе показать.

Ильда ерзала на стуле. Незнакомец попросил свой льняной мешок, и она передала его ему. Он кашлянул и поморщился — помешали швы. Он открыл небольшой мешок, достал свёрнутый лист бумаги, положил его на стол и разгладил ладонями. Ильда пыталась скрыть разочарование.

– Ага.

– Это называется бумага.

– Да. Я такое уже видела.

– В самом деле.

– Нечто столь же плоское.

– Можешь потрогать, не бойся.

Ильда кончиком пальца коснулась поверхности бумаги. Затем она, помогая себе другой рукой, осторожно повернула бумагу вокруг оси своего пальца и разочарованно посмотрела на незнакомца.

– Это теперь изобретение?

– Ты знаешь, что такое измерение?

– Нет.

– Их три.

– И?

– Этот плоский лист бумаги мы называем вторым измерением.

– А что есть первая?

– Точка. Или линия. Простая линия. Которая не плоская.

– Ага.

– И всё вокруг нас называется третьим измерением. Этот дом, ты и я, лес снаружи, весь мир.

– Потому что мы и мир не плоские. И никакой линии.

– Ты умна, Ильда.

Он взял у неё листок бумаги, попытался встать, снова сел, невольно рассмеялся и попробовал во второй раз.

– Я действительно слаб.

– Тебе снова нужно самому учиться ходить.

– Тогда мы выйдем наружу.

– Ты сейчас покажешь мне изобретение, или всё, что у тебя было, — это твои измерения?

– Дай-ка мне вон тот плащ.

Он надел сандалии, подпоясал рясу спереди шнуром, взял мешок, и они вышли через дверь наружу, на воздух. Солнце светило на цветущие луга и сквозь листву леса, и из-за уже просохшего дождя весь мир был объят всепроникающей, ослепительной зеленью. Он встал перед домом и начал складывать бумагу особым образом, сперва посередине, затем всё дальше, пока не сложил нечто, похожее на птицу, на канюка, с острым клювом спереди, двумя крыльями и хвостом сзади.

Он взял лист бумаги двумя пальцами за нижний край, поднял его за голову и бросил вперёд. Сначала она взмыла вверх по дуге, дважды перевернулась вокруг своей оси, была подхвачена счастливым порывом ветра, снова устремилась ввысь, затем проплыла ещё сорок шагов и опустилась на луг у Фирнбаха.

Ильда в изумлении прижала ладони к губам, побежала за бумажной птицей и подняла её. Незнакомец улыбнулся, и Ильда бросила её чуть дальше, на другой берег ручья, и она полетела так же хорошо.

Она быстро побежала и снова подняла бумажную птицу. Незнакомец протянул руку, и она подошла и вернула ему сложенную бумагу. Они сели на траву, и она посмотрела на него. Он взял травинку, сунул её в рот и развернул бумажную птицу.

– Что ты хочешь знать?

– Я хочу знать, как работает полёт. Как птицы держатся в воздухе? Как это возможно?

– Это очень просто. За счёт подъёмной силы.

– Что это? Пожалуйста, объясни мне это.

– Итак, крылья имеют особую форму — её задаёт расположение перьев относительно друг друга и скелета птицы. Взгляни. Крыло изогнуто, если смотреть на него сбоку, вот так.

Он очертил пальцем в воздухе выпуклую форму и надел очки. В очках он выглядел иначе. Солнечный свет вспыхивал на двойных округлостях стёкол. Он выглядел иначе и когда что-то объяснял, подумала Ильда.

– А когда птица движется вперёд, воздух, естественно, проходит над крыльями, сверху и снизу. А под крылом для воздуха меньше места, чем над ним. И это заставляет птицу подняться.

– Я понимаю это лишь наполовину. Ещё раз…

– …движение вперёд вызывает движение вверх. Так.

– Недостаток воздуха под крылом, стало быть, выталкивает птицу вверх.

– Да, именно так.

– Моя мать говорила, что птиц несёт божественное дуновение.

– Твоя мать неправа.

– Но мог бы я построить аппарат с крыльями, который воспроизводит это, да?

– Нужно, чтобы он сначала быстро двигался вперёд. На колёсах, например, укреплённый снизу. И он должен быть очень лёгким — из лёгкого дерева или каркаса, обтянутого бумагой или тканью.

– Так же, как носилки, на которых я притащил тебя сюда.

– Примерно так, да.

– Например, можно было бы затем столкнуть его с холма.

– Да.

– Но можно было бы и самому оказаться на этом аппарате.

– Конечно.

– Сесть на него. Значит, можно было бы летать самому.

– Так оно и есть.

– Например, о замке герцога.

– Нужно лететь выше, чем достают их стрелы, но почему бы и нет.

– А над холмами и горами? Можно было бы увидеть всё сверху, весь мир. Как же прекрасно было бы всё это.

– Конечно, Ильда.

– И как оно удержалось бы в воздухе, не соскользнув тотчас вниз, как бумажная птица? А если бы нужно было лететь дальше?

– Спереди следует укрепить нечто вроде деревянного винта, который быстро вращается и обеспечивает постоянство движения вперёд.

– Как ветряная мельница.

– Приблизительно, да.

– Но ветряная мельница тоже не движется вперёд.

– Потому что она прочно стоит на земле. Ветряная мельница на колёсах двигалась бы вперёд.

– Понимаю. Значит, можно было бы этот… этот винт изготовить ещё и из ткани, на каркасе из дерева, только меньше.

– Для этого понадобился бы лишь привод.

– Как ты это понимаешь?

– Маленькая ветряная мельница должна была бы вращаться очень быстро, чтобы тянуть летательный аппарат по воздуху.

– Это произошло бы само собой, от встречного ветра.

– Этого было бы недостаточно, так как сила для того не может быть сотворена из самой себя.

– Почему бы и нет?

– Это один из законов нашего мира.

– Так же, как и с тремя измерениями.

– Да, именно так.

– А ты? Хм? Следуешь ли ты законам нашего мира?

Незнакомец улыбнулся и пожал плечами. Девушка была удивительна. Как она схватывала суть вещей и тотчас развивала мысль дальше. Он смотрел в её живые глаза и думал, что ему повезло, что именно она в него выстрелила. Здесь он был в безопасности, ещё совсем недолго.

– И потому солдаты ищут тебя? Из-за твоего изобретения? Из-за бумажной птицы?

– Это ведь не моё изобретение, дитя. Я не могу точно объяснить тебе, что произошло. Тебе не следовало попадать в меня своей стрелой. Я не был здесь по-настоящему.

– А где ты на самом деле?

– Я здесь, Ильда. Больше меня нет нигде.

– Значит, твоё присутствие здесь — ошибка.

– Я не знаю.

– Спасибо, что показал мне бумажную птицу.

Незнакомец вновь улыбнулся, вернул её ей, поднялся, разгладил рубашку спереди и снова зашагал к дому. Швы под его плечом и на спине саднили и болели. Он посмотрел вниз, на свои ступни, которые совсем обыкновенно двигались вперёд — левая, правая, левая, правая.

Теперь, когда ему стало лучше, это место, этот дом уже не казались ему такими тягостными, как ещё несколько дней назад. Он был удивлён не только тем, что постепенно к этому привык, но и тем, что всё, даже боль его ран, казалось ему совсем естественным. Его пронзил грязный острый предмет, он едва не истёк кровью, девушка Ильда оттащила его к своей хижине, зашила его раны, большую часть времени он провёл в целительном сне, ему стало гораздо лучше, и теперь она по праву хотела знать от него, что же на самом деле произошло. Всё это было по-настоящему.

Хижина была простой и чистой. Он открыл дверь и вошёл в дом. Она сорвала цветы и поставила их в кувшин с водой на обеденном столе. Он улыбнулся и выглянул наружу. Она по-прежнему сидела на лугу у ручья, разглаживала бумагу, складывала и вновь сгибала её в тех же местах, пока снова не получался тот же бумажный самолётик. Он снова невольно улыбнулся. И вот, совсем внезапно, он до бесконечности обессилел, смертельно хотел спать.

Перед тем как лечь спать, он осмотрел простые предметы в доме — кувшины на полке, веник из хвороста у стены возле ставня, чисто вымытый горшок близ очага, открытый деревянный ящик. Ему здесь нравилось. Он сел на ложе и осторожно ощупал свежий рубец на груди. Ильда действительно хорошо его зашила. Он слышал, как она снаружи тихо напевала себе под нос. Он вытянул ноги, опустил голову на шуршащую соломенную подушку, скосил глаза на закопчённую, рябую, некогда белёную стену — и тотчас уснул. А очки — были ли они при нём?

Глава 5 paul

Пауль уже собрал свою небольшую дорожную сумку для Ставангера. Он перешёл в спальню, включил свет и бросил в сумку ещё несколько вещей — весь его гардероб, точнее всего можно было описать — по его мнению — приятно устаревшим термином «нормкор девяностых». Бежевые чиносы, светло-серые футболки, тёмно-синий дождевик, тёмно-синий шерстяной свитер, белые боксеры, тёмно-синие носки, простые французские кеды из тёмно-синей парусины и каменно-серый флисовый пуловер. Он колебался между натуральными волокнами и полиэстером, но решил пока не выбирать между ними. Вероятно, он всё же избавится от флисового свитера или продаст его в интернете.

Он раздумывал, стоит ли побриться перед поездкой в норвежский журнал или лучше оставить четырёхнедельную щетину. Ведь для скандинавов мужчины с бородой были делом само собой разумеющимся, подумал он. Он, шаркая, прошёл в ванную и с лёгким безразличием посмотрел на себя в ярко освещённое зеркало — вот они, первые седые волосы на висках, это от отца, который тоже поседел к середине четвёртого десятка.

Он умылся ледяной водой и снова взглянул в зеркало. Он нашёл, что борода ему идёт, и не стал бриться. Вместо этого он большим и указательным пальцами вырвал из левой ноздри три торчащих волоска. Было больно, и выступила слеза. Брови снова отросли. Он пожал плечами, натянул через голову старый дырявый белый рыбацкий свитер, пересекая кухню, выудил из каменной миски два солёных овсяных печенья, сунул ноги в резиновые сапоги и открыл входную дверь.

Ещё раз к маленькой гавани, мимо спящей на диване одноглазой кошки, мимо заброшенного старого колодца у дома, из которого когда-то трагическая арктическая экспедиция Джона Франклина напилась в последний раз. Корабли, прежде всего парусные, но тоже паромы, грузовые суда и экспедиции вообще наполняли его страстной и глубоко прочувствованной тоской. Здесь, в нижнем конце Альфред-стрит, он снял старый маленький дом, стоявший прямо у воды бухты Стромнесс, pied dans l’eau.

В Европе почти не осталось возможностей жить у самого моря за небольшие деньги. Затем его привели сюда эти скудные, безлесные острова севера и их языческая кухня: морские гребешки, лоддероген, палтус, овсяные лепёшки, гагарка, салат из водорослей, вороника, ревень, раэстур фискур, хаггис, скирпикьёт — и как там ещё называлась вся эта снедь. А затем эти отсутствующие цвета — всё было обесцвечено, пустынно, уныло, плоско — прежде всего серый, который был его любимым цветом.

Он сбежал по откосу к своей маленькой старой вёсельной лодке, что лежала там, надёжно вытащенная на берег, и присел рядом на корточки. Он всего несколько раз выходил на вёслах в бухту, и всегда недалеко. Обычно он уставал или терял интерес. Но всё же было приятно иметь такую лодку. В неумолимом свете уличного фонаря он сидел на корточках на каменистом песке и думал о том, как когда-то вывел название белой краской мелко на борту своей гребной лодки. Докас. Надежда.

Затем он сел на каменную набережную и посмотрел вверх на холодно мерцающие звёзды. Самолёт или спутник, мигая, одиноко проплыл в вышине. Издалека по Альфред-стрит спускался к нему старик в твидовой кепке. Он размышлял, как ему поздороваться, не выдав себя за иностранца, боже правый, хотя бы за ирландца он мог бы сойти по речи, и в мгновение нарастающей паники пожалел, что натянул потрепанный рыбацкий свитер — он ведь не рыбак. И вообще. Такие люди вряд ли оценили бы подобный шерстяной свитер или тем более сами стали бы его носить — они предпочитают пёстрый, практичный флис или функциональный, водонепроницаемый гортекс.

Он не принадлежал этому месту. Оркнейские острова не были его родиной. Если бы старик это заметил. Но тот просто медленно, очень медленно прошёл мимо Пауля — короткое, бесформенное хрюканье, едва взглянув на него, — и Пауль ещё откашлялся и пробормотал что-то в ответ. Затем он снова сидел один на набережной, и старик, волоча ноги, исчезал вниз по брусчатке, и зелёный занавес света внезапно возник вверху, у самого края неба.

Он вернулся назад, вверх по Альфред-стрит, к своему дому. Он покормил кошку и проверил, хватит ли ей еды на несколько дней, а может, на неделю, и налил свежей воды. Этого должно было хватить. Он погладил её за ушами, подождал, пока она довольно замурлычет, дал ей шерстяной клубок, и затем, когда она почувствовала себя в полной безопасности, осмотрел её пустую глазницу и салфеткой «Клинекс» вытер скопившуюся там белую слизь. Он ощупал пальцем хрящеватые крошки на дне глазницы — они уже подсохли, — прошёл на кухню, смочил тряпку под краном, бережно взял кошачью голову и вычистил глазницу изнутри.

Затем он осмотрел кошачий лаз и снял маленькую плексигласовую пластинку, приклеенную скотчем снизу к входной двери, чтобы кошка могла беспрепятственно выходить и входить. Он на миг подумал, что сквозь отверстие, пожалуй, будет задувать дождь, что этот вечный штормовой ветер с Оркнейских островов погубит его белый ковёр и гостиную через теперь уже открытую кошачью дверцу, но тотчас запретил себе эти мелочные мысли. Он прошёл в спальню, закрыл дорожную сумку, лёг на спину на кровать, надел маску для сна, вставил в уши светло-зелёные эластичные беруши и наконец снова уснул — на этот раз без сновидений.

На следующее утро он взял такси из Стромнесса до аэропорта на Оркнейских островах. Он настаивал на том, чтобы брать только электротакси, но когда он звонил в таксопарк, его там уже знали и всегда присылали одного и того же водителя на дизельном Kia, который неизменно заклеивал приборную панель голографической плёнкой, чтобы Пауль думал, будто это электромобиль. Водитель что-то пробурчал, и это звучало так, будто собака пытается заговорить, и Пауль кивнул, не поняв ни слова — он никогда не понимал здешних людей и их странный акцент, и порой ему казалось, что они нарочно говорят с ним неразборчиво, что, в свою очередь, ему нравилось.

Он слышал, что на Фэр-Айл, между здешними Оркнейскими островами и Шетландскими — там, дальше к северо-востоку, посреди моря, — чужаков не принимают вовсе: даже через тридцать, сорок лет ты всё ещё считаешься там чужаком, неприемлемым пришельцем. Мало было даже родиться на Фэр-Айле, нет, нужно было быть островитянином в пяти поколениях, и только тогда ты становился своим. И именно так и должно было бы быть в этом мире постыдной бесцеремонности, инстаграма и ужасов народной архитектуры. Часто он стоял у набережной Стромнесса на Альфред-стрит и, задумавшись, смотрел на северо-восток, в сторону Фэр-Айла. И он подумывал вскоре перебраться туда. И уже не замечал полярного сияния, что каждым вечером беззвучно проплывало над ним по небу, ярко-зелёное.

Он летел с Оркнейских островов до норвежского Ставангера через Берген, где приходилось делать пересадку, хотя Ставангер лежал куда ближе к Оркнейским островам, и пока он летел, пересаживался, проходил сквозь более чем угрюмый норвежский паспортный контроль, а затем, в длинных светящихся коридорах аэропорта, рассеянно покупал себе капучино и черничный маффин, он думал о Барнхилле — доме на острове Джура, который никогда не выходил у него из головы.

Этот дом был так удалён от всего, как, пожалуй, ни один другой на Гебридах. Он стоял в травянистой ложбине, чуть выше уровня моря, с двумя трубами по краям крыши слева и справа, выбеленными известью. В доме никто не жил — уже несколько десятилетий. Одичавшие длинногривые лошади стояли на лугах рядом, коровы, которых годами не доили и которые телились под открытым небом под кустами боярышника, косули и олени, поколениями не знавшие ни тревоги, ни охоты.

Дом стоял на туманных Внутренних Гебридах, а не на безлесных Внешних. Чтобы добраться до него, нужно было сперва переправиться с материка на пароме на остров Айла — и этот паром часто отменяли. Добравшись туда, переправлялись на втором, меньшем пароме на Джуру, самый недоступный остров Шотландии, а затем ехали — если такси забирало вас у парома — возможно, сто одиноких километров на север, всё время вдоль правого берега, пока крошечная заросшая дорога не сходила на нет в безотрадной пустоте и не переходила в полевую тропу, где поперёк была протянута проржавевшая цепь, позволявшая двигаться дальше по вереску только пешком. Затем предстояло пройти ещё километров шесть, пока наконец перед тобой не возникал Барнхилл-хаус — поместье без электричества, без отопления и без телефонной связи, и это был идеальный дом.

Мысли Пауля об этом доме были нежны, как мысли о большой любви, что уже отцвела. Ему было грустно при мысли об этом, но в то же время это было прекрасно — как нечто, чего уже нельзя коснуться, ведь оно существовало лишь в воображении. В кухне стояла старая, исцарапанная шведская печь, лампочка свисала с потолка на истрепанном полосатом шнуре и десятилетиями тщетно ждала генератора, который вернул бы её к сияющей жизни. На втором этаже был кабинет с безобразными цветочными обоями, из фронтона которого в солнечные дни открывалось ослепительное море, а далеко на горизонте — тёмно-лиловые, зимой заснеженные холмы шотландского материка.

На цифровых часах, вмонтированных в стену аэропорта над ним, перескочила минута. Внезапно ему захотелось исчезнуть во времени — тогда не пришлось бы вечно бродить по пространству в поисках чего, собственно? Время, время, да как это вообще возможно, — думал он, бросая бумажный стаканчик и недоеденный остаток маффина в пёструю урну.

Зелёные светящиеся табло в аэропорту рекламировали ещё более качественные и быстрые мобильные сети, уединённую норвежскую хижину Людвига Витгенштейна и экологичные нефтяные вышки.

Он шёл по длинному, унылому коридору. Раздражающий остаток черники застрял у него на заднем коренном зубе, и ему удалось поддеть его кончиком языка. Разве аэропорты и раньше были всегда так чудовищно переполнены? Мужчины и женщины толкались и тёрлись друг о друга, расталкивали друг друга с пути, маленькие дети орали и топали ногами. Пауль не мог припомнить, чтобы раньше в пути было столько народу. Людей тогда, должно быть, было меньше, и уж точно раньше не было так шумно, хамски и людно. Он слегка пожалел о своей поездке и пожелал снова оказаться в Стромнессе и проигнорировать то письмо. Идеальная белизна.

Наконец он нашёл выход на свой рейс до Ставангера, приложил штрих-код посадочного талона к сканеру, посмотрел в камеру, снял очки, улыбнулся, дождался зелёного сигнала и, когда створка открылась, шагнул вперёд.

В самолёте он размышлял: самое невыносимое на свете — это ремонтные работы. И вот квартиры и дома, чьи интерьеры прошли сквозь десятилетия или даже столетия, самым грубым образом обезображивались неумелостью и безвкусицей. Галогенные светильники врезали в низко опущенные потолки, укладывали пластиковые полы под дерево, предварительно вынув и выбросив старые, вытертые и тронутые патиной доски, — чтобы смонтировать тёплые полы. Кухни оснащались дорогими и громоздкими вытяжками, которые выступали в пространство комнаты и бесполезно гудели сами по себе. Многокамерные стеклопакеты заменили старые, красивые, со временем помутневшие книзу стёкла, которые отделяли помещения от внешнего мира физически неприятным разрежением, — и всё ради экономии электричества и наперекор глобальному потеплению. Он чуть не задремал — внизу уже была Норвегия.

По прилёте Пауль снова поехал на электротакси от аэропорта по городской автостраде через залитый солнцем Ставангер, который показался ему таким же, как любой другой город. Ему казалось, что он мог бы вспомнить Ставангер, хотя никогда здесь не бывал. По небу проплывали редкие облачка. Внизу, в гавани, гротескно огромный круизный лайнер высаживал и снова принимал на борт множество немецких пенсионеров. Они выглядели слегка растерянными, но все были одеты в практичную, неоново-пёструю одежду своего цеха. Восьмидесятилетние женщины носили выкрашенные в синий цвет ирокезы и огромные баскетбольные кроссовки, мужчины держали норвежские бутылки с пивом в покрасневших и опухших руках.

Затем на другой стороне был музей, там — вереница неотличимых друг от друга ирландских пабов, а дальше — ряд синхронно переключавшихся светофоров. И когда его высадили чуть позади бруталистского культурного центра, он вышел из такси на крошащуюся брусчатку, остро и резко пахнущую мочой, которой прошлой ночью пьяные поливали мостовую по пути домой.

Он зажал нос, получил чек, и такси уехало. Он стоял, смял бумажку, бросил её на улицу и поднял взгляд на двухэтажный деревянный дом перед собой. Он был обветшалым в приятном смысле — вероятно, в восьмидесятые его когда-то выкрасили в бежевый и коричневый, и выглядел он как западногерманский молодёжный центр. На первом этаже, как он заметил, находился книжный магазин. В витрине лежала стопка книг Кнаусгора, рядом — кофейная чашка и маленький кактус, а к ним была прислонена табличка с написанной от руки белым мелом рекламой домашних пончиков.

У редакции журнала не было звонка. Жёлтая карточка была приклеена куском скотча к двери с матовым стеклом. На ней кто-то наспех вывел синей шариковой ручкой «Куки». Конечная «и» так и осталась недописанной — чернила ручки, по-видимому, иссякли, — и буква растворялась в жёлтом. Внизу, в гавани, круизный лайнер прогудел, отправляясь в плавание.

Пауль раздумывал, не купить ли ему перед этим пачку сигарет и не выкурить одну, ведь он всё-таки немного нервничал, поскольку в некоторые мгновения — а если честно, всё время — считал себя самозванцем. Он коротко покачал головой — всё равно ведь бросил курить много лет назад, — толкнул дверь и решительно вошёл.

Молодая девушка протиснулась мимо него, извинилась, поправила роговые очки, задвинув их выше в волосы, крашенные хной, и протиснулась сквозь дверь наружу, на улицу. Пауль увидел, что коридор по обеим стенам заставлен неровными стопками книг высотой по пояс, — и это уже было отрадно. На стенах висели постеры к древним фильмам Годара, и фотографии из их фильмов в рамках, подписанные Аличе Рорвахер и Келли Райхардт.

Он вошёл в комнату и подумал про себя, что это, собственно, никак не может быть главный офис Куки, — всё здесь было слишком студенческим, слишком небрежно устроенным, слишком неряшливым, как вдруг к нему подошёл маленький узкоплечий человек и, крепко взяв руку Пауля обеими руками, пожал её. Он носил круглые очки в никелевой оправе и сказал, что его зовут Коэн, и что он рад, что Пауль здесь. Он вежливо спросил, не слишком ли утомителен был перелёт. Вот, можете пока присесть, а сумку бросьте вон там, сзади. Коэн кончиком указательного пальца приподнял оправу очков на переносице. Он излучал большую чуткость, и Пауль заметил, пока Коэн садился и, обеими руками чуть приподнимая брюки на бёдрах слева и справа, что от него приятно пахло.

Коэн дрожащей рукой зажёг сигарету. Пауль должен представить себе всё, что последует дальше, так: будто он, Пауль, — режиссёр Стивен Спилберг, а он, Коэн, — режиссёр Стэнли Кубрик. Не видел ли он, быть может, старого фильма Спилберга «Искусственный разум»? Ведь это, собственно, был проект Кубрика, который он, но перед смертью вложил в своего друга Спилберга, ведь только Спилберг мог снять этот фильм, на который он, Кубрик, так и не был способен.

Пауль сидел на диване и кивнул. Он совсем внезапно увидел перед собой те сцены из фильма, которые ещё мог припомнить, — синюю фею, андроидного ребёнка с плюшевым мишкой, брошенного в лесу, и, разумеется, ангелоподобных существ, которые в конце фильма забирают маленького мальчика из подводного мира ледяного моря.

Пауль посмотрел на Коэна. В это было почти невозможно поверить. Коэн выглядел точь-в-точь как взрослая версия мальчика из фильма Спилберга. У него был красивый рот, тёмные глаза-пуговки и тёмно-каштановые волнистые волосы, спадавшие на уши и лоб. На нём были брюки из белой меланжевой шерсти с белыми кантами по бокам и слишком распахнутая, белоснежная рубашка. Редкие седые волоски на груди были видны. Коэн зажёг ещё одну сигарету. Почему же он так дрожит?

Может ли Пауль узнать, каким было задание? Это ведь для журнала, верно? Ах, — ответил Коэн, — «Куки»? Это же просто незначительный побочный проект, ведь на самом деле он уже много лет исследует родноверие, славянское неоязычество, среди прочего. Белокурым женщинам с косами в белых льняных рясах, что собирались на лугах у костров, чтобы петь в бескрайних берёзовых лесах Востока.

И артуровский миф тоже очень интересен. И убийство царя-бога — тоже, и соответствующее умерщвление оленя в лесах. Знает ли он, что цари Востока веками закладывали жёлток в борозды полей, чтобы обеспечить хороший урожай. А не читал ли он, быть может, Фрэзера, «Золотую ветвь». Когда африканский народ ашанти возводил на трон нового короля, его предварительно избивали плетьми до крови, чтобы он помнил, каково это — страдать как человек, прежде чем обрести богоподобную власть. Войны будущего придут с Востока, а не с Севера.

Пауль не знал, что на это ответить. Он сказал, что слышал, будто войны будущего будут вестись за воду. И Коэн ответил: нет, войны будущего будут вестись от скуки. Он лишь прикрывается журналом и его сомнительным эстетством, чтобы спрятать свои настоящие интересы за глиняными горшками, живописным морским мусором и старыми велосипедами на Шетландских островах. И, разумеется, за милыми старушками, которые по вечерам на отдалённых ирландских островах вяжут последние подлинные свитера из овечьей шерсти — те, с большими мягкими воротниками, из недавнего фильма с Колином Фарреллом. Это всё лишь очковтирательство, Пауль, камешки в стакане. Уже само имя — Куки. Это глупо и намеренно вводит в заблуждение.

Пауль был раздосадован и старался скрыть разочарование. Он два раза откашлялся и сжал губы. Он посмотрел на свои ногти. Ведь он любил всё то, что Коэн называл глупостью. Он как раз собирался утвердиться, и теперь выходило, что журнал, который он так ценил и который дал ему заказ, вовсе не был задуман всерьёз. Вместо этого Коэн насмехался над ним — над ашанти и богом-королём. – Ну что ж, — пробормотал он почти неслышно, — тогда я, пожалуй, пойду. Спасибо.

Вся эта северная одержимость, — сказал Коэн и бросил окурок, докуренный до фильтра, в полный воды стакан, где, распускаясь, как бумажные цветы, плавали окурки. Эти коттеджкор-рестораны с лишайниками, эта обесцвеченность, та одинокая европейская периферия, двухмерность пейзажа, бормочущие, немногословные шотландцы и так далее — всё это, мол, протестантский детский лепет в сравнении с белобрысыми славянскими неоязычниками в белых одеяниях с красной вышивкой по краю. Ну, в любом случае, существовала там, и это было действительно куда интереснее, одна фраза из родноверия. Дождевая вода — живая вода, она заживляет раны, восстанавливает искалеченные части тела, омолаживает стариков и оживляет мёртвых.

Пауль вздрогнул. Это он ведь недавно где-то уже слышал. Только где же именно. В Стромнессе, на улице. Да. Нет. Да. Ему это приснилось. Дословно, точь-в-точь. Это был кошмар, вспомнил он. О родноверии он здесь услышал впервые. Что же это было с живой водой.

Коэн увидел недоумённое лицо Пауля и попросил прощения — как глупо с его стороны. Он попросил его не уходить. Может быть, Пауль хочет чашку чая. Кофе. У него наверняка где-то найдётся и печенье. Коэн подошёл к пустому холодильнику, поискал внутри и не нашёл ничего, что мог бы ему предложить. Он нажал на переключатель кофемашины — тот пару раз вхолостую щёлкнул в пустоту. Ему очень жаль, сказал он с обаятельной улыбкой, кофе нет. К сожалению, здесь всё сломано. Сигарету? Пусть остаётся. Пожалуйста. Идеальная белизна. Если можно спросить — что он вообще по-настоящему любит в этом мире? Человека? Какое-то определённое животное?

Пауль, который и в самом деле немного расслабился, слегка подался вперёд и тотчас, не задумываясь, описал Барнхилл — дом на острове Джура. Отсутствие электричества, почти пугающее уединение, скручивающиеся сырые обои, полудикие лошади на лугу перед морем и каменно-серые облака над ним.

Это воспоминания? Был ли он уже когда-нибудь там, у этого дома? Нет, ответил Пауль, это были лишь ожидания по фотографиям, текстам, сайтам. Он никогда там не бывал. Он лишь представлял себе, что там всё выглядит именно так.

Воспоминания, ответил Коэн, имеют молекулярную основу, они хранятся на атомарном уровне, а вот представления — нет. Где же тогда хранится образ, те многие образы, что Пауль составил себе о Барнхилле. Где же обитает предположение.

Вероятно, всё же в сознании, ответил Пауль и закинул ногу на ногу. Он был доволен своим ответом, и Коэн поднялся и, держа в руке новую сигарету, начал жестикулировать. Да. Точно. Сознание. Представленное как сущность. Впрочем, нельзя представить себе отсутствие пространства или времени, разве что, быть может, во сне.

Паулю предстояло взять такси и поехать на территорию SVG-1 Реннесёй, в Green Mountain Data Centre, вон туда, чуть за пределами Ставангера. Там, в старом переоборудованном бункере НАТО, гигантские софтверные компании хранят большую часть всех наших данных. Там, собственно, и обитает облако, охлаждаемое восьмиградусной водой фьорда, поскольку для огромного тепловыделения машин требуется постоянное охлаждение, а одни лишь кондиционеры с этим не справились бы.

Существует, например, похожий подземный архив в Исландии, сказал он, но «Green Mountain» здесь, в Ставангере, значительно больше, ему стоит на это взглянуть, это одно из хранилищ памяти человечества. Каждая отдельная фотография из ежегодных триллионов снятых на мобильные телефоны воспоминаний хранится там. Огромные объёмы памяти: все свадьбы, цветение сакуры в Японии, все рождения, аварии на реакторах, рои насекомых, котята, играющие с клубками шерсти, искалеченные войной, пальмы на закате — 5 миллиардов фотографий в день. Ему стоит на это взглянуть. Это его задание, разумеется, хорошо оплачиваемое.

И это он имел в виду под поиском полной белизны, спросил Пауль и снял очки. Да, среди прочего, ответил Коэн. Ведь если бы после смерти человека удалось собрать воедино те жизненные единицы, из которых складывается его память, — не лежало бы тогда в пределах возможного, что эти рои воспоминаний, а эти скопления образов не что иное, как они, сохранили бы силы, которыми обладали прежде?

Да, да, — сказал Пауль. Вероятно, да. Но он в самом деле не понимает, какое это имеет отношение к чему бы то ни было. Он декоратор, а не мыслитель и не физик. У него лишь хороший глаз на цвет, чутьё на пропорции и на то, как расставить предметы, чтобы возникла гармония. То, что он делает, — это даже не искусство, а ремесло. Может быть, даже и не оно. Он в лучшем случае, пожалуй, всего лишь маляр.

Но именно поэтому он и пригласил его к себе в Норвегию — красить, сказал Коэн и поднялся, чтобы снова поискать несуществующий кофе. Он нагнулся и сначала порылся за вытертым вельветовым диваном, а затем снова распахнул дверцу холодильника, но там по-прежнему ничего не было, кроме старого куска масла, побуревшего по краям. Он снова повернулся к Паулю. Что, если то, что мы, скажем так, называем индивидуальной личностью, сохранялось бы после распада тела. А что, если бы память просто продолжала работать. И откуда нам знать, обладает ли сущность в хранилище данных «я», самостью или нет.

Это ведь совсем как его, Пауля, работа. Итак, если он обставит дом определённым образом и какие-нибудь люди купят этот дом, то он, по крайней мере, создал бы надежду, которая нематериальна. Коэн прикурил очередную сигарету от предыдущей, окурок уронил на пол и затушил ногой. Нематериально, — сказал он, — хотя и всего лишь представление, но оно совсем однозначно существует. Этого он ведь не мог отрицать. Пауль кивнул, он понял.

И тогда Коэн сказал, что Пауль должен выкрасить всё в белый — весь зал целиком. Компьютеры, стены, потолок, пол. Предположения, представления и воспоминания будут скапливаться в дата-центре «Green Mountain» в таких количествах, что выбеленное помещение обеспечило бы порядок, а для этого нужно не какое-нибудь белое, а безупречное, единственное в своём роде белое. «Я марионетка Коэна», — подумал Пауль. А может, это он моя марионетка. И, как все куклы, он тогда подумал бы, что на самом деле он человек. Ведь мечта любой куклы — быть человеком.

О чём тут ещё было думать. Разумеется, он осмотрит залы. Когда ему туда ехать? Сейчас? Пауль встал, чтобы поискать в своей дорожной сумке веер цветовых образцов, а Коэн позвал ассистентку — заказать такси. Её опять не было на месте, поэтому он сам вызвал такси.

Глава 6 ildr

Ильда, должно быть, как-то вошла в дом и затем тоже уснула. В лесу слышались голоса. Они искали его. Ему снилось, что они приближаются, почти у самого его лица, так что он мог ощущать запах их дыхания, и он рывком сел, и настал тот самый миг. У правого окна стоял солдат с тряпицей у рта и смотрел внутрь. У окна подле очага стоял тоже мужчина, лицо его было закрыто от Жёлтой смерти. Третий снаружи бил кулаком в дверь. Девочка внезапно проснулась. Деревянный табурет, на котором она спала сидя, с грохотом опрокинулся. Она присела на корточки, обхватила колени, плотно сжала губы и испуганно посмотрела на незнакомца.

Одним движением он вскочил с кровати, лишь на мгновение поморщившись от боли, когда швы на его ране натянулись и вновь сжались, и в один-два шага достиг стола в ту самую минуту, когда солдат выбил дверь. Он схватил льняной мешок, пока солдат ворвался внутрь и схватил девушку за руку. Ильда вскрикнула и изо всех сил вцепилась зубами ему в руку.

Двое других солдат в защитных повязках теперь тоже были в доме, и пока первый, крича от боли, сжимал окровавленную руку, остальные схватили девочку и держали её. Один из них вытащил короткое острое лезвие и отрезал ей часть левого уха. Незнакомец тотчас понял, что слишком долго медлил. Он вынул из мешка белый пистолет, навёл его на грудь солдата и нажал на спуск. Ничего не произошло, не раздалось даже щелчка. Он снова нажал на спусковой крючок. Ничего, проклятие.

Лицо Ильды было сплошь залито кровью. Кровь стекала на её рубашку, она посмотрела на себя и закричала. Светлый обрывок мочки уха лежал перед ней на полу хижины в тёмно-красной луже.

Незнакомец развернул оружие, одним прыжком рванулся вперёд и ударил рукоятью по голове солдата с клинком, затем тотчас ударил снова — по носу, и услышал страшный хруст ломающихся костей. Полуобернувшись, он ударил второго солдата рукоятью пистолета сбоку в челюсть. Третий солдат обнажил короткий меч и вонзил остриё в бедро незнакомца, и Ильда, крича, проползла сквозь собственную кровь к очагу, поднялась, схватила кочергу и ударила ею солдата сзади по черепу.

Три солдата лежали на полу хижины. Тот, кому разбили челюсть, ещё дышал и скулил, и юная Ильда подползла к нему, подняла кочергу над головой и ударила его по голове — три раза, четыре раза.

Незнакомец поднялся, прихрамывая, подошёл к ней и бережно забрал у неё из рук кочергу. Он осмотрел рану сбоку её головы. Мочка уха и часть хряща были отрезаны. Кровь шла сильно, и он подошёл к сундуку, достал белую простыню, разорвал её на полосы и перевязал ими голову девочки. Теперь, когда всё было позади, она начала дрожать. Он стёр кровь с её лица.

– Оставь, всё не так плохо. Они мертвы?

– Да. Боюсь, что да.

– А рана на твоей ноге?

– Пустяки.

– Посмотри-ка сюда. – Зачем я только подстрелила тебя в лесу?

– Теперь ты веришь мне, что нам нужно быстро исчезнуть отсюда?

– Да.

– Герцог пришлёт много солдат, если эти не вернутся к нему. У нас, быть может, день и ночь форы. Есть ли у тебя мешок, куда можно сложить всё, что тебе нужно?

Они вместе обыскали дом в поисках всего, что могло бы им пригодиться, и сложили находки в небольшую кучу, как можно дальше от тел. Крепкий шнур, её стрела и лук, несколько тряпиц для перевязки, два тёплых одеяла, его льняной мешок, два шерстяных камзола, небольшой мешок с бобами, её нож, бурдюк с козьим молоком, десять неочищенных ашданне, несколько яблок, огниво. Он размешал порошок в чашке воды и велел ей выпить. Ухо сильно кровоточило и пропитало повязку. Она выглядела ужасно, но он не сказал ей этого.

– Ну и? – Теперь рану не нужно кипятить?

– Как?

– Готовить?

– Ах вот как. Сейчас не до этого.

– Но разве я тогда не умру от червей?

– Этого не должно случиться. Но если мы будем ждать, пока закипит вода, ты умрёшь, потому что мы не успеем сбежать.

– Но это несправедливо, потому что когда ранили тебя, мы воду кипятили, а теперь вдруг нет.

– Твоя рана не очень глубока, Ильда.

– Но справедливости в этом всё же нет.

– Можно нам уже идти, пожалуйста?

– Это справедливо или нет?

– Нет.

– Я только это и хотела узнать.

Девочка и вправду была необыкновенной, подумал он. Она вышла из дома с улыбкой, и он затворил за ними дверь, слегка закатил глаза и улыбнулся в ответ, и тут же подумал, не поджечь ли ему это здание. Нет. Дым привлёк бы любопытных ещё быстрее. И так они потеряли бы преимущество.

Вдвоём они пересекли луг, одним прыжком перескочили небольшой ручей и углубились в лес, который, как им казалось, быстро укрыл их тёмной зеленью и дружелюбием. Они шли несколько часов в том направлении, где он предполагал юг. Она следовала за ним, не говоря ни слова. Время от времени они останавливались, и он менял ей повязку и давал ей свой порошок. Они оставили пропитанные кровью тряпки на лесной земле и побежали дальше.

Слишком поздно он сообразил, что они оставляют за собой заметный след. Он на миг подумал вернуться, чтобы закопать бело-красные бинты, но затем оставил эту затею. Их не найдут, ведь преследователи не знали, в какую сторону они бежали. Внезапно он вздрогнул и подумал об ищейках.

– У герцога есть собаки?

– Да, он охотится со сворой. Но большинство из них мертвы.

– От Жёлтого мора.

– Да. Да, по дороге в деревни я видел множество дохлых собак.

– А почему герцог не мёртв?

– Этого я не знаю. Никто не знает, кто заболеет, а кто нет. Ею болеют почти все. Собаки тоже, а вот косули, птицы и лошади — нет.

– Значит, у него есть ищейки, которые ещё живы.

– Думаю, да.

– Тогда он пошлёт их за нами вдогонку.

Лес становился всё гуще и непроходимее. Крупные воздушные корни и колючий кустарник то и дело преграждали им путь, так что приходилось уклоняться, и они всё чаще сбивались с маршрута. Небо было ослепительно голубым, птицы невозмутимо парили высоко над ними. Они поделили яблоко, и каждый медленно и осторожно съел свою половину на ходу, не говоря ни слова. Спустя некоторое время его охватило странное чувство, что они идут уже не туда.

– Знаешь, где юг, Ильда?

– Да, конечно. Солнце встаёт на западе и садится на востоке, значит, юг должен быть вон туда.

– Простите?

– Юг — вон туда.

– Нет, то, что ты сказала раньше. Солнце встаёт на западе.

– Разумеется, встаёт.

– Тогда нам нужно бежать в противоположную сторону.

– Значит, назад?

– Простите меня. Я ошибся в расчётах. Я привык к тому, что солнце встаёт на востоке.

– Ты и вправду с той стороны ледяного моря.

– В любом случае нам нужно на юг, только для меня всё в другую сторону. Если смотреть от твоего дома, где замок герцога?

– Севернее.

– Тогда идём, нам пора возвращаться. Теперь мы идём прямо к замку.

– Именно это я и подумала.

– Но почему ты ничего не сказала?

– Ты ведь всегда всё знаешь.

Птицы расселись в кронах деревьев и запели, и однажды они услышали дятла — стук его клюва преследовал их, а может, дятлов было много. Солнце стояло высоко над ними в ясном безоблачном небе.

Спустя долгое время они вернулись к тому месту, где лежали красные тряпицы. Ильда опустилась на колени, выкопала веткой яму в лесной почве, положила в неё полоски ткани, засыпала землёй, а затем уложила сверху листья и мелкие ветки, пока ничего не стало видно. Незнакомец взял горсть влажной листвы и бережно стёр ей с лица запёкшуюся кровь. Он осторожно осмотрел её ухо, которое уже перестало кровоточить. Снизу не хватало небольшого кусочка, но ничего страшного. Он наложил ей свежую повязку и завязал её узлом на макушке.

Она воткнула отвесно прямой прут в лесную почву, и они вместе наблюдали за едва заметным движением его тени по земле. Они разделили ещё одно яблоко и положили огрызок рядом с маленькой веткой. Вскоре появился муравей, а через некоторое время их стало много: они накинулись на плод, разрывали его на части и уносили крошечные кусочки. Глядя на них, они задремали — ненадолго.

Ильда снова вынула ветку из земли и бросила её в кусты, огрызок — тоже. Он подумал, что позже они, быть может, пожалеют, что выбросили огрызки. Они поднялись, осторожно стряхнули муравьёв с одежды и пошли дальше. Путь шёл слегка в гору, затем становился круче, пока они наконец не оказались на безлесной возвышенности. Вокруг них, насколько хватало глаз, простирался лишь лес; огромные можжевельники, напоминавшие кедры, многие из которых поросли лишайником, сосны и берёзы.

Ястреб некоторое время кружил высоко над ними, затем полетел на восток, к опускающемуся солнцу, туда, где небо окрашивалось в оранжево-красный цвет. Мир был прекрасен отсюда, сверху. Лёгкий ветер прошёл сквозь можжевельники, простиравшиеся под ними до самого горизонта.

Издалека доносился лай собак, и оба сразу поняли, что их преследователи недалеко. Они взглянули друг на друга. Надо было остаться под пологом листвы и вовсе сюда не подниматься. Ильда не спеша открыла мешок и достала орех кхор. Пилочной стороной ножа она тёрла орех, собирая падающие крошки и пыль в одну из полосок ткани.

– Что ты делаешь?

– Собаки придут сюда и учуют, что мы здесь были.

– А ты рассыпаешь толчёный орех, чтобы сбить их с толку.

– Это их ненадолго задержит. Собаки ненавидят этот запах.

– Идём, нам нужно исчезнуть отсюда.

– Почему бы тебе просто не пойти к герцогу и не показать ему свои изобретения?

– Для этого уже слишком поздно, Ильда. Мы убили троих его людей. Кроме того, он не оставил бы нас в покое. Он, вероятно, пытал бы меня, а тебя убил бы.

– И всё из-за маленькой бумажной птички.

– Пойдём. Прошу. Прошу.

– На юг.

– На юг.

Ильда осторожно рассыпала порошок на то место, где они стояли, завернула остаток ореха кхор в полоску ткани, снова завязала мешок и протянула его незнакомцу. Они снова спустились с поросшей травой возвышенности, обратно в лес.

Они осторожно ступали, чтобы не оставить следов в трясине. Несколько раз Ильда распрямляла зелёные ветви, которые он нечаянно пригнул, проходя мимо. Они шли без спешки, но так быстро, что ему приходилось порой останавливаться, держаться за ствол дерева и переводить дух, потому что шрамы на спине и груди ныли.

Место удара в бедро его почти не беспокоило. Рана была неглубокой — разве что на полпальца. Крови — совсем немного. Он мог это вынести. Теперь Ильде пришлось подгонять его. Они шли дальше лесом, и однажды увидели волчицу, павшую от мора, и её щенят, лежавших вокруг неё и на ней, словно они напились её молока и оттого умерли. Над падалью яростно гудел осиный рой, и они обошли его стороной.

Остаток дня они скорее бежали, чем шли, а когда постепенно наступил вечер, сделали привал и быстро съели несколько сырых грибов, собранных Ильдой. Когда же кончится этот лес? Он казался бесконечным. Его угнетало это обилие зелени. Они легли в листву рядом с большим древесным корнем и проспали несколько часов.

Когда они проснулись, было ещё светло, и вдалеке они слышали лай собак. Они вскочили, схватили свои вещи и побежали со всех ног в противоположную сторону. У Ильды снова начало кровоточить ухо. Её щека была мокрой, и при беге капли падали на лесную почву, оставляя красный пахучий след.

– Бога нет, и круга нет.

– Ильда. Ты в этом уверена?

– Да, я знаю.

– Ты должна бежать, а не философствовать.

– Что это?

– Забудь об этом.

– Объясни мне ещё раз измерения. Это философия?

– Сейчас точно нет.

– Пожалуйста.

– Позже. Беги!

– Смотри-ка туда!

– Что?

– Вон там. Слева. Крепость. Сторожевая башня.

Оба бежали со всех ног к круглому каменному зданию на поляне, показавшемуся сквозь деревья. Оно было многоярусным, с бойницами лишь вверху, вне досягаемости. Позади них бежали псы. Они чуяли кровавый след Ильды. Белая пена покрывала их пасти, зубы были оскалены, дёсны красны. Пронзительные крики солдат эхом разносились по лесу.

В воздухе засвистели стрелы. Две из них вонзились в дерево прямо рядом с Ильдой. Справа у самой шеи она ощутила свист пролетевших стрел. Но они достигли маленькой каменной крепости, дверь была открыта. Они вбежали внутрь, захлопнули тяжёлую дверь, задвинули три засова и, запыхавшись, попадали на пол.

Снаружи одна из собак с ужасающим воем снова и снова бросалась на дверь. Ильда и незнакомец сперва переглянулись, затем огляделись в полумраке. Над ними узкая каменная лестница вилась по кругу вдоль внутренней стены, к бойницам. Они быстро поднялись, взошли по лестнице и, поднимаясь, прижимались спиной к стене.

Снаружи показались солдаты. Один из них сел на землю, сперва напился из бурдюка, а затем, отфыркиваясь, умыл вспотевшее, грязное лицо. Псы рядом с ним залаяли, и он усмехнулся, глядя вверх.

Ильда осторожно выглянула сквозь первую бойницу, насчитала четверых мужчин, затем пробежала по небольшой галерее на противоположную сторону башни и посмотрела сквозь щель. Внизу тоже стояли четверо. Один вяло выстрелил из лука в сторону бойницы, но стрела без толку отскочила от наружной стены. Ильда крикнула незнакомцу, чтобы он подошёл и выглянул наружу. Ещё один человек, очевидно предводитель, стоял чуть поодаль на опушке леса и выкрикивал распоряжения.

Один из них рассмеялся и ударил пса кулаком по носу; тот жалобно взвизгнул и убрался прочь. Теперь они пошли собирать ветки, сухие сучья и мох и принесли всё ко входу в башню. Они сложили дрова у двери, и пока вожак присел на корточки и начал огнивом высекать искры, другой ломал ветки на мелкие куски и подсовывал их под груду сучьев.

– Что такое тень, Ильда?

– Теперь ты хочешь поговорить об этом?

– Да. Это очень важно. Что это?

– Пожалуйста, перестань. Они убьют нас.

– Что такое тень?

– Когда свет падает на предмет, за ним возникает тень.

– Именно. Тень плоска. Она двумерна. А если в двумерном мире направить свет на двумерный предмет, то возникнет одномерная тень.

– Но как может существовать такой мир? Мир, подобный бумаге.

Две стрелы с жужжанием подлетели снизу и отскочили рядом с бойницей. Ильда уклонилась от стрел и взглянула в зелёные глаза незнакомца.

– Мы лишь предполагаем это. Мысленный эксперимент.

– А в одном... одномерном мире?

– В таком мире тень была бы нульмерной точкой, несветом.

– Этого я не понимаю.

– Тогда просто представь.

– Тебе нужно что-то делать. Они поджигают дверь.

– Существует ещё четвёртое измерение.

– В каком смысле?

– Свет, направленный на четырёхмерный предмет, отбрасывает трёхмерную тень.

– Как может тень не быть плоской?

– Как может существовать не-свет?

– Это прекрасные мысленные эксперименты. Пока мы здесь беседуем, они вот-вот нас схватят. Дай-ка мне твой мешок.

Он присел на корточки, распутал шнур мешка, и Ильда, щурясь, запустила руку внутрь и осторожно вытащила белый керамический пистолет. Затем она опустилась на колени перед бойницей и взяла оружие в обе руки, так, как видела это у него в хижине.

– Это не сработает, Ильда.

– Возможно, просто у тебя не выходит.

Она прицелилась в предводителя, который всё ещё стоял прямо под ними у двери, пытаясь развести огонь. Она закрыла глаза и нажала на спуск. Раздался негромкий хлопок, и человек у двери выронил огниво и завалился набок. Трое других солдат подбежали, потрясли своего мёртвого предводителя, и Ильда нажала на спуск три раза. Она попала во всех троих, одному — прямо в лицо.

– Ильда.

– Что это вообще за штуковина?

– Объясню тебе позже. Идём скорее наружу. А теперь держи эту штуку перед собой, вот так.

– Так?

– Да. Но не целься в меня из него, слышишь. И отдай мне свой лук.

Они бежали вдоль галереи и вновь вниз по круговой лестнице. Спустившись, они отперли дверь, и он наложил стрелу на тетиву. Ильда распахнула дверь. Мертвые солдаты повалились внутрь, и они перешагнули через груду тел наружу. Слева к ним с криком бежал ещё один солдат, подняв меч над головой. Ильда слегка повернулась к нему, прицелилась и нажала на спуск. Сначала на груди мужчины появился маленький красный мак, который тут же стал расти; затем он с выражением крайнего изумления на лице опустил меч и упал на колени.

– Четыре, пять. Трое ещё остались. По другую сторону башни.

– Быть может, мы сможем с ними договориться.

– С убийцами так нельзя, Ильда.

Солдат выглянул из-за угла, поднял лук и выстрелил в Ильду и незнакомца. Стрела просвистела мимо и вонзилась в землю. Ильда нажала на спуск, раздался выстрел, и подстреленный мужчина упал набок. Двое оставшихся уронили оружие и в панике побежали к опушке леса. Стрела, пущенная из лука незнакомца, внезапно вонзилась одному из них в спину, между лопаток, и Ильда нацелила керамический пистолет на второго и выстрелила — один раз, другой.

– Я думаю, Ильда, эта штука теперь пуста.

– То есть как это — пуст?

– Внутри больше нет пуль. Туда входит только двенадцать, или около того. Возможно, даже двадцать.

– Какие пули?

– Дитя. Они как маленькие стрелы, вылетают спереди и убивают насмерть.

– Значит, не пули.

– Это просто так говорится… Ах, это сейчас в самом деле неважно.

– Смотри-ка туда, собака.

Все гончие ушли глубоко в лес, кроме той, которой досталось по носу. Собака лежала на поляне поодаль, положив морду на передние лапы, и смотрела на них. Ильда подошла, присела на корточки в нескольких шагах и протянула руку. Собака легла на бок и подняла лапу, но когда Ильда подошла ближе, чтобы погладить её, та тоже с воем умчалась прочь, в лес.

Оба сели, прислонившись спинами к наружной стене крепости. Вокруг них повсюду лежали мертвецы: четверо у двери, ещё двое поблизости и двое у опушки леса — из середины спины одного из них торчала стрела.

– Ильда, мы не можем всё время убивать людей.

– Мы должны были это сделать. Иначе они убили бы нас. К тому же ты сам застрелил одного из них стрелой.

– Я вовсе не говорю, что можно было поступить иначе. Но мы должны теперь с этим покончить.

– С твоей машиной всё так просто.

– Откуда ты знаешь это слово – машина?

– Ты сказал это только что.

– Это я сказал?

– Да, точно.

– Может быть.

– Что же это всё-таки за вещь?

– Это называют пистолетом.

– И ты говоришь, что он когда-нибудь опустеет.

– В этих маленьких вещах…

– … Пули …

– … позади них закреплено небольшое количество спрессованного пороха, порох взрывается, и пуля вылетает из отверстия впереди, и всякий, кто окажется на пути, будет пронзён.

– Минутку, минутку. Что такое порох? И почему нечто взрывается лишь в одном направлении? Неважно. Из какого материала сделана эта штука? Как построить такую вещь?

– Её напечатали на 3D-принтере.

– Принтер? Что это? Три измерения? То, что ты сказал?

– Да.

– И она действует только для меня, эта… этот… пистолет.

– Да, похоже на то.

– А почему?

– Этого я не знаю. Вещи и живые существа существуют, и в то же время не существуют — и то и другое верно, одновременно.

– Этого я не понимаю.

– И я тоже, Ильда.

Глава 7 paul

Машина выехала из города на автостраду и затем одна за другой пересекла несколько фьордовых мостов, которые Пауль, как ему показалось, уже видел в каком-то фильме. Всё вообще было как в воспоминании, или как в фильме, или как во сне. Он вовсе не попрощался с Коэном, но видел его через заднее стекло — тот стоял на брусчатке перед офисом и смотрел ему вслед. Такси ехало не быстро. Солнце позднего лета окутало норвежский островной пейзаж великолепным, предельно чётким светом.

Через полчаса они подъехали к оранжево-белому шлагбауму, который автоматически открылся. Пауль несколько раз пытался заговорить с водителем, но спереди не доносилось ни звука — лишь скандинавские односложные реплики. Ещё несколько сотен метров — слева несколько неприметных машин, справа море, затем пара невыразительных бараков, уже выкрашенных в белый, как мысленно отметил Пауль. По верху защитного забора — спирали колючей проволоки. Двое солдат с пистолетами-пулемётами в камуфляжной форме. Большие ворота, уходящие вглубь скалы и сужающиеся там.

Он вышел, расплатился с таксистом и направился к воротам. Он поднял взгляд к синему небу. Жужжащий дрон-наблюдатель описал дугу над территорией, на время улетел над морем в сторону Ставангера, а затем вернулся.

Никто и не подумал спросить его удостоверение. Солдаты, улыбаясь, пропустили его, и одна из них поднесла пластиковую карту к сканеру, нажала кнопку, раздался щёлчок, и тяжёлая дверь медленно открылась. Одна из них, убравшая светлые волосы под берет, провела его. Перед ним теперь стояли трое мужчин в ярко-жёлтых комбинезонах, на груди у которых было напечатано: Green Mountain Data Centre. всё ещё улыбающейся норвежской солдата прошёл в плексигласовый шлюз для людей, который закрылся за ним и затем, спустя десять-пятнадцать секунд, с гидравлическим всасывающим шипением, снова открылся перед ним. Ещё двадцать шагов — и ещё одна автоматическая дверь, которая после нескольких мгновений ожидания открылась, когда белый объектив камеры, висевший над дверью, зафиксировал и запомнил его лицо.

Сканировали не только лицо Пауля, но и всё его тело, его фигуру и походку. Его данные оцифровали, переслали дальше и сохранили прямо в серверах хранилища. Дверь затворилась за ним, и Пауль вступил в необъятное пространство, в каверну, чья задняя стена лишь угадывалась вдали, но не была видна. Коэн действительно не преувеличивал. Это было в высшей степени впечатляюще.

Тихий, всепроникающий гул сопровождал звук его шагов по полированному бетонному полу. Над ним на длинных кабелях висели световые короба, усиливавшие впечатление бесконечного пространства, поскольку потолок, терявшийся где-то высоко над лампами, оставался неосвещённым. Он оставался скрытым в полумраке — как и боковые стены зала, слева и справа. Бесчисленные перфорированные алюминиевые распорки свисали под лампами, образуя сетчатый каркас — узор, который снова и снова повторялся на полувысоте, словно ячеистые, проницаемые плоскости.

Перед ним в бесконечность пространства уходили ряды точно выстроенных друг за другом тёмно-серых ящиков. И в них вибрировали триллионы изображений, невообразимо огромное множество историй, составлявших собственную вселенную, квадриллионы жизней, со всем, что к ним прилагалось.

К счастью, при нём был его веер образцов краски, подумал Пауль и уже почти забыл большую часть того, что Коэн говорил ему совсем недавно. Он стал таким забывчивым, но это не имело значения, потому что теперь ему открылся масштаб поручения Коэна: выкрасить всё это в белый — всю каверну и всё, что в ней находится. Сотни тысяч литров Farrow & Ball, в пятилитровых вёдрах, подумал Пауль и невольно улыбнулся, сам не зная, то ли из-за названия фирмы, то ли из-за тысяч строительных лесов, которые предстояло возвести, то ли из-за чистой гигантомании проекта.

Именно в этот миг по поверхности солнца прошла судорога — произошла необычайно мощная солнечная вспышка. Жёлтые и красные огненные столбы плазмы взметнулись вверх и устремились — сначала дрожа, затем набухая — ослепительными фонтанами света на сто тысяч километров ввысь. И вот уже магнитный шторм, подобный ударной волне, мчался к Земле со скоростью света.

Пауль медленно шёл вдоль рядов и на ходу проводил рукой по гладким пластиковым поверхностям, по сохранённым воспоминаниям планеты. До чего же всё это впечатляло. Коэн был прав. Он вспоминал. Он видел свой маленький арендованный дом у моря в Стромнессе и кошку, равнодушно и лениво кравшуюся вниз по Альфред-стрит. Их лапы на брусчатке. Ворчливого старика в твидовой кепке, проходившего мимо. Его старый оранжево-красный том «Пингвина», лежавший на ковре, — о раннем обнаружении вражеских самолётов во Второй мировой войне. Его странный сон об Антарктиде и ледяном море. Аккуратно сложенные стопкой выпуски «Куки», сверху — обложка с миской, светлыми раковинами и орехами внутри. А рядом, прямо на фотографии обложки — блюдце с надкусанным круассаном, велосипед, резиновые сапоги. Затем — дар герцога: картина с волшебником Мерлином и рыцарем Ланселотом, висевшая над старым швейцарским армейским велосипедом на рябой стене. Меланхоличный Ланселот, погружённый в себя в седле, уводимый влево за пределы картины. Срежиссированные им, рассыпанные по Северной Европе дома и интерьеры, и без умолку говорящий, курящий сигарету за сигаретой Коэн в его вымышленной редакции журнала. Синяя фея. Всё он выкрасит в белый. Он долго шёл, улыбаясь, под висячими лампами, всё дальше в глубь каверны, и конца рядам хранилищ перед ним не было видно.

Всего за восемь минут мощное электромагнитное излучение достигло поверхности Земли. Ничего из этого не было видно, не было даже намёка — ни ровных световых узоров, ни отражений. Солнечный ветер, проносясь мимо, порождал в атмосфере гигантские зелёные полярные сияния — те призматические световые занавеси, что трепетали в небе, — и на освещённой солнцем стороне Земли вызывал массовые сбои спутниковой и мобильной связи, затем проходил сквозь норвежскую гору в каверну и наконец в базы данных, в том числе в ту, у которой остановился Пауль, положив руку на гудящую пластиковую поверхность. Одно событие следовало за другим, ведь истории в пространстве-времени были столь же неуничтожимы, как материя и энергия.

Послышалось беспорядочное, громкое потрескивание, затем вырубило электричество, возможно, полминуты полной темноты — тридцать секунд длились как вечность, — и сразу же включилось аварийное питание. Оранжево-красные вращающиеся лампы бросали свой раздражающе яркий свет в тёмную необъятность зала хранения данных. Треск не прекращался — звук, будто давят банки из-под колы. Прозвучала сирена — пронзительно и в то же время странно сдавленно. Пахло горелой резиной и перьями, алюминием и силиконом. Но пахло здесь и свежестью, и чистотой, и кислородом — как после летней грозы.

Открыли шлюзовую дверь на входе в каверну — она тоже была подключена к аварийному генератору. Солдаты и персонал вбежали внутрь, раздавались команды, пистолеты-пулемёты были сняты с предохранителя. Сбегалось всё больше взволнованных учёных — кто в тёмных костюмах, кто в белых халатах. Видно было, что с алюминиевых ромбов над накопителями данных начала капать вода — образовался конденсат, неизвестно откуда. Сигнализации отключали постепенно.

Спустя какое-то время решили, что посетитель действительно был, разумеется. Девушки-солдаты на контрольно-пропускном пункте подтвердили это и показали на мониторах, как Пауль вошёл в шлюз. Почти восемьдесят человек несколько часов прочёсывали зал — но Пауля там уже не было.

Глава 8 ildr

Они сняли сапоги с двух мертвецов, надели их на себя и шли всю ночь и ещё два дня, пока не вышли к большой реке, которая лениво и мутно текла на юг по пустынной местности. Ильда, никогда прежде не носившая обуви, натерла на ногах болезненные мозоли и несколько раз просила его позволить ей снова идти босиком, но он не разрешал. Ильде нужно было вжиться в боль и принять её — мозоли не так уж страшны. Она закатила глаза и мысленно прокляла его, пошла дальше и попыталась не обращать внимания на ноги. Они взошли на небольшой холм и увидели сверху, что река несколько раз мягко изгибается и уходит вдаль.

Он решил, что река приведёт их к морю, а значит, нужно осторожно идти вдоль берега. Он указал путь рукой, и Ильда, глядя на него, чувствовала, что доверяет ему — больше, чем матери, если такое возможно. К тому же у них был пистолет. И их раны больше не болели, что было куда важнее. Его шрамы на груди и спине, должно быть, уже почти зажили, подумала она.

Он достал из мешка сандалии, положил их рядом с корнем дерева и пробормотал что-то — Ильде показалось, что это заклинание. Они оставили сандалии и пошли дальше. Дорогой они пили прямо из реки, хотя он предпочёл бы вскипятить воду. Когда они остановились и обернулись, то увидели, что собака следует за ними на безопасном расстоянии. Так они шли всё дальше туда, где, по их предположению, был юг; впереди мужчина, за ним девочка, а далеко позади — собака. Становилось заметно холоднее, хотя солнце светило.

– Можно тебя кое о чём спросить?

– Конечно, девочка.

– Как ты сюда попал?

– Куда?

– Сюда.

– Понятия не имею.

– Но ты же должен знать, как ты оказался в лесу, где я в тебя стреляла.

– Нет.

– Что ожидает нас у ледяного моря?

– Этого я тоже не знаю.

Вечером они собрали хворост, сложили его горкой, выложили из камней небольшой круг, впервые развели огонь и стали греть у него руки и ноги. Никто не последовал за ними. Они положили ашданне на раскалившиеся камни, он надел очки и осторожно осмотрел её ухо. Их рубашки были перепачканы запёкшейся кровью, и они сняли их, выстирали внизу у реки и высушили у огня. Они укутались в принесённые с собой одеяла — ночь была холодна. Немного позже собака приблизилась к огню и легла там, по ту сторону каменного круга. Ильда и незнакомец улыбнулись. Они ели испечённые жаром ашданне, Ильда бросила собаке половину, и та жадно проглотила скудную еду.

Он уже довольно долго спал, закутавшись в одеяло, — первая ночь без постоянного страха погони, — как вдруг что-то заставило его вздрогнуть. Светало, в костре ещё тлели угли, и он огляделся: собака и девочка спокойно спали. Он ещё наполовину оставался во власти спутанного сна, но чувствовал, что вокруг происходит что-то тревожное. Он протёр глаза и потрогал лоб — тот был в холодном поту от страха. Он поднял взгляд к постепенно светлеющему утреннему небу.

Там, над горизонтом и неподалёку, пронёсся хвост ярко сияющей кометы и исчез в той стороне, откуда они пришли вчера. Его светящийся след ещё тлел в небе, когда секунды спустя далеко вдали вспыхнул огненный шар и озарил горизонт там, куда упала комета. Он медленно досчитал до двадцати, затем услышал гулкий грохот взрыва и ощутил, как под ногами чуть дрогнула земля.

Ильда и собака внезапно проснулись. Собака вскочила и заскулила, шерсть у неё на загривке встала дыбом. Ильда и незнакомец посмотрели на север. Хотя комета упала очень далеко, в утреннем свете они видели, как там поднялось и всё ширилось огромное облако пыли.

– Что это было? Мне страшно.

– Метеорит.

– Что?

– Падающая звезда.

– Никакого землетрясения?

– Нет. Маленькая звезда упала на землю.

– Это для нас опасно?

– Может быть. Давай собираться и пойдём.

Собака впервые подпустила их к себе, даже позволила себя погладить, и Ильда ласкала её, тихо и ласково успокаивая. Они собрали свои вещи, и все трое пошли дальше на юг, вдоль берега реки. По пути они поймали несколько мелких рыб, запутавшихся в старой сетчатой корзине у берега реки. Они оглушили рыб о камень и убрали в мешок.

Около полудня их настигла песчаная буря. Возможно, это были последствия падения кометы. Всё небо в считанные минуты стало светло-коричневым, и им пришлось быстро лечь плашмя на землю. Они держались за руки, пока пыль проносилась над ними. Он натянул рясу на лицо. Ильда крикнула ему что-то, но рот и нос ей мгновенно забило мелким песком, так что её охватил ужасный страх задохнуться, и она уткнула голову в руки и закрыла собаку собой. Вскоре всё кончилось, и буря прошла дальше, они встали, отряхнули пыль с волос и спустились к реке умыться.

Они устали от борьбы с песком, хотя дорога была нетрудной. Чем дальше они уходили на юг, тем холоднее становилось, и деревьев попадалось всё меньше. Сами редкие деревья становились всё ниже и скудели листвой — даже те, что росли у самой воды, выглядели чахлыми, словно здесь менялся теперь самый рост мира, словно впереди пролегла граница или безрадостный переход природы в иное. Пейзаж становился однообразнее, и плодородные луга сменялись унылой каменной осыпью и светло-серым известняком, а поросшие зеленью тучные холмы и густые леса родины Ильды мало-помалу уступали место однообразной каменистой карстовой пустоши, покрытой серо-бурыми лишайниками, насколько хватало глаз.

После дневного перехода по местности, становившейся всё пустыннее и безлеснее, они к вечеру достигли окраины заброшенной деревни Гоц и очень осторожно приблизились к немногим домам, чьи каменные крыши тяжело и давяще лежали на низких стенах. Ильда достала пистолет из мешка и держала его перед собой, а собака шла совсем рядом с ней. Незнакомец держал нож в руке. Они заглянули в дома, но там уже давно никто не жил. Они быстро решили заночевать в одном из домов, отворили тяжёлую деревянную дверь и, пригнув головы, вошли внутрь.

Внутри было темно и пахло так, словно здесь давным-давно никто не жил. Он открыл одну из ставен, чтобы впустить свежий воздух. Стены были из грубого некрашеного камня, и не было ни кроватей, ни стульев. Ильда зажгла огнивом свечу, забытую кем-то в нише стены, а затем выложила припасы из своего мешка на стол — единственный предмет обстановки. У них ещё оставались ашданне, несколько яблок и мелкая рыба, которую они нашли сегодня утром. Снаружи темнело.

Ильда очистила рыбу ножом от чешуи, проколола первую кончиком тонкой ветки и держала над пламенем свечи, а он тем временем запирал входную дверь изнутри как умел. Собака тихо лежала и за всем наблюдала. Мало-помалу Ильда поворачивала всю рыбу над маленьким пламенем, пока она не стала хрустящей, а кожа чёрной, одного — перед собакой, а остальное они съели сами, на удивление вкусное. Ильда задула свечу, они легли на жёсткий пол и укрылись одеялами.

– Почему становится всё холоднее, чем дальше мы идём на юг?

– Потому что мы приближаемся к ледяному морю.

– Так интересно, как там всё выглядит. И ты сможешь вернуться на родину.

– Она очень, очень далеко.

– Это ничего. Я пойду с тобой, как бы далеко ни было.

– Завтра мы осмотрим другие дома. Нам нужно больше одеял и гораздо более тёплая одежда.

– И летательный аппарат.

– Спи, Ильда.

После беспокойной ночи оба проснулись на заре, дрожа от холода, хотя собака ночью легла вплотную к ним. В хижине не было угля, и снаружи не лежало ни одного полена, которое можно было бы подобрать, — местность была слишком скудна и безлесна.

Они встали, дрожа от холода, натянули обувь и запрыгали на месте, чтобы согреться. Он тщательно обыскал хижину, и действительно, сжечь было нечего, кроме, пожалуй, стола. Он подумывал разрубить его, но потом решил сперва заглянуть в другие дома — не найдётся ли там чего-нибудь полезного. Он сунул за пазуху недогоревшую свечу, служившую им накануне вечером.

Они вышли с собакой навстречу восходящему солнцу — оно едва просвечивало сквозь мутную дымку и совсем не грело. Возможно, это всё ещё было облако пыли от падения кометы. В первом доме они нашли только старый пустой мешок из-под муки и забрали его с собой. Во втором доме, в углу, отыскалось несколько кусочков угля да деревянная ложка. Следующий дом был совсем пуст — даже без двери и ставен; кто-то, верно, давно пустил их на дрова. Последняя же хижина была заперта, и они вдвоём налегли на дверь, пока та с грохотом не распахнулась.

Они смело вошли, хотя собака отказывалась идти следом. Ильда снова выставила перед собой пистолет, он — нож. Когда глаза освоились в полумраке, они заметили, что пол весь покрыт липким слоем. Там было несколько мух, и пахло чем-то старым, чем-то мёртвым. На стуле у стола сидел, осев и странно вывернувшись, человеческий скелет, а перед ним стоял кувшин. Они осторожно приблизились к подобию каменного шкафа и отворили тяжёлую дверь. Внутри лежали аккуратно сложенные шерстяные одеяла, четыре стёганые туники, ровная стопка свечей и несколько звериных шкур. Что за невероятное везение. Они вынули всё, аккуратно уложили в мешок из-под муки и накинули длинные шкуры на плечи. Затем они снова пошли через липкий пол к выходу, и Ильда по пути отломила у скелета кость из руки — для собаки.

– Это волчьи шкуры. Сшиты вместе.

– Я это вижу, Ильда. Да.

– У нас такое очень ценится.

– А для нас с тобой они ещё ценнее. Кто знает, есть ли дальше к югу ещё дома. Мы замёрзнем. Смотри-ка: по дороге мы теперь будем подбирать с земли каждый кусок дерева, а потом свяжем из него вязанки вот этой верёвкой, что у тебя с собой.

– Странно, что здесь так мало деревьев. Как думаешь, люди всё спилили и сожгли?

– Может быть.

– Или все умерли от мора.

– Или бежали куда-нибудь от герцога.

Они покинули деревню Гоц, собака с человеческой костью в пасти, и двинулись в путь. Небо всё ещё оставалось буровато-жёлтым, и солнце пробивалось сквозь него совсем без тепла. Спустя несколько часов они увидели, что земля всё больше состоит из крупных неровных каменных плит, почти бесшовно пригнанных друг к другу, — лишь кое-где между ними ещё проглядывала почва; и они снова повернули к берегу, чтобы идти вдоль реки, которая отныне становилась всё шире. Они подбирали попадавшиеся ветки, где находили, переламывали их надвое, вязали в пучки и помогали друг другу взвалить охапки на спину.

Спустя некоторое время собака начала прихрамывать на одну из задних лап и от боли ступала только на три ноги. Незнакомец опустился перед ней на колени, но она зарычала, выронила драгоценную кость и оскалила зубы. Когда подошла Ильда, она позволила осмотреть свою лапу. Ильда осторожно провела кончиками пальцев между шершавыми подушечками лапы и извлекла небольшой металлический предмет, застрявший там. Собака тихонько заскулила, и немного крови закапало на каменный пол. Ильда повертела вещь в руках, пожала плечами и протянула её незнакомцу — тот сразу понял, что это.

– Это винт. Из стали.

– Какой острый кончик. Зачем это нужно?

– Им пользуются как гвоздём, только он держит гораздо лучше. Смотри, его можно вот так вкрутить куда-нибудь — вот этой резьбой.

– Я такого ещё никогда не видела. Какое оно маленькое.

– Вообще-то таких вещей здесь быть не должно.

– Этого я не понимаю.

– Я тоже не очень. Убери его, возьмём с собой. Она снова может ходить?

– Думаю, да. Да.

– Хорошо.

– Надо бы дать ей имя.

– Ничего на ум не идёт.

– Возможно, завтра.

– Да.

Собака ещё некоторое время хромала, пробуя лапой землю, а потом пошла рядом с ними как ни в чём не бывало, снова зажав кость в зубах. Иногда она забегала вперёд и оборачивалась к ним, чтобы убедиться, что они следуют за ней. С каждым часом становилось холоднее. Теперь они видели, что берег реки, как и вся местность вокруг, состоит сплошь из каменных плит — словно вода тысячелетиями пробивала себе путь сквозь известняк. На другом берегу, вероятно, было то же самое, но они уже не могли этого как следует разглядеть: река становилась всё шире. Время от времени им попадалось одинокое, почти зачахшее дерево, чьи корни ещё находили между камнями немного земли, но таких становилось всё меньше, пока наконец перед ними не раскинулась широкая равнина, чья пустота и глубокая безысходность едва не повергли их в отчаяние. Они отломили от иссохшего дерева несколько ветвей и привязали их себе на спины.

Ильда спрашивала себя, не лучше ли им повернуть назад, но не решалась произнести это вслух при нём. Она шла, переставляя ноги, не отрывая взгляда от каменной земли. Время от времени она подбирала маленький кусочек дерева и прятала его в свою вязанку. Дымка пылевого облака рассеялась, солнце светило ярче и теплее, но эйфория от того, что скоро они дойдут до ледяного моря, уже давно улетучилась, уступив место глухой безнадёжности.

Когда наступил вечер и поднялся ледяной ветер, они остановились на привал в тени большого утёса, который ещё издали увидели на горизонте и к которому держали путь. Они собрали камни и сложили из них полукруг высотой по пояс — заслон от ветра, — привалив его к утёсу. Они разложили вязанки дров, вытряхнули из мешка из-под муки мелкие угольки, накрошили воск одной из свечей и разожгли огонь. Затем они натянули стёганые туники, положили волчьи шкуры на каменный пол и плотно закутались в одеяла. Собака легла между ними, и у них не осталось ни сил, ни мужества жарить ашданне, так они и уснули голодными. Он попросил у неё ещё и маленький винт и крепко зажал его в кулаке.

Глава 9 paul

Коэн вечером сидел в своём маленьком кафе, на своём обычном месте — там, позади и чуть выше гавани Ставангера. Он пил чёрный кофе, смотрел вниз на суда, не видя их, и грыз ногти до крови. Каждые несколько минут он выходил за дверь, торопливо и напряжённо выкуривал сигарету, втаптывал недокуренную в брусчатку и возвращался на своё место.

Рыжая официантка подошла, увидела пустую чашку и спросила, не хочет ли он ещё кофе или, может, пончик, и он не ответил. Она видела, что он гораздо нервнее, чем обычно. В прошлом году у неё был с ним роман, быстро закончившийся, как только она поняла, что он неисправимый, невыносимый невротик. А потом эти бесконечные сигареты — день и ночь. Она вытряхивала для него десятки пепельниц, без толку подсовывала ему вейпы и баночку снюса — глупо с её стороны, но у него всё-таки был этот красивый угрюмый рот, подумала она и снова ушла за выбеленную деревянную стойку, пялиться в телефон. Пусть сам выпутывается. В небе над Ставангером прогрохотал норвежский истребитель, и большое стекло кафе задрожало.

Коэн уже в юности понял, что он не такой, как все остальные. Он был печальным человеком, уже много лет, хотя сам себе в этом никогда бы не признался. Он больше не тешил себя надеждой, по которой тосковал больше всего на свете, потому что знал: это напрасно. Он всё ещё ждал, что однажды эта надежда появится у его двери. Но он больше не думал об этом — он заставлял себя забыть. Но как забыть то, что любил?

Когда-то он открыл для себя лошадей, и это оказалось уже довольно близко к надежде. Их длинные головы, их добрые непроницаемые глаза всякий раз наводили его на мысль, что эти животные ощущают ход времени совсем иначе, чем люди, — вообще иначе, чем все живые существа на свете. Он всегда приближался к ним осторожно: чувствовал, что они ему не то чтобы не доверяют, но и понять его по-настоящему не могут. В детстве он любил ездить верхом и помнил их ореховый, мягкий, безобидный запах и дыхание из их невозможно мягких ноздрей, касавшееся его подставленной ладони с половинкой яблока.

Неподалёку, в Западной Норвегии был конезавод. Он съездил туда и договорился с владельцами, вышло недорого. И так он выезжал верхом, когда только мог, в зелёном фьордовом краю окрест Ставангера. Целые послеобеденные часы до раннего вечера он проводил в седле своего тёмного английского чистокровного коня, ездил по лесам и забывал свою желчную мизантропию. Нескончаемые мысли исчезли, затерялись в Вестланнете.

Свет под деревьями был упругим и мягким, тени — непостижимыми. Ветер пах близким морем и хвоей. Лошади были единственными существами, близкими ему, и он жалел, что не провёл с ними всю свою прежнюю жизнь.

Ему позвонил директор Green Mountain Data Centre и сообщил, что декоратор исчез. Он пересмотрел все видеозаписи, прокручивая их вперёд и назад. На записях было видно, как Пауль долго разглядывал зал, который предстояло красить, потом, похоже, ходил взад-вперёд, затем случилось отключение электричества, после которого на плёнках на короткое время стало полностью темно, а теперь его нигде не могли найти.

Эта официантка в кафе ужасно действовала ему на нервы своей гиперопекой. Чем он обязан Паулю. В сущности, ничем. И что, собственно, случилось. Ровным счётом ничего, — подумал он, улыбнувшись. Пауль, вероятно, просто снова уехал, обратно на свои Оркнейские острова, просто никто этого не заметил. Сейчас он всё же выпил бы кофе. А с курением надо завтра завязывать.

И всё же. Он в конце концов написал Паулю, пригласил его. Это ныло и саднило, как свежая царапина от бумаги на пальце. Коэн встал, положил на стол несколько монет и вышел из кафе. Официантка на миг оторвалась от телефона, проводила его взглядом, и по её веснушчатому лицу скользнула безответная улыбка.

Он перешёл улицу — до его офиса было рукой подать. Больше никого не было. Он щёлкнул выключателем в коридоре. На ходу он взглянул на стопки книг и киноплакаты — от них надо было ещё избавиться, но это подождёт, когда-нибудь потом. Надо бы и бросить грызть ногти, подумал он, но в тот же миг палец снова оказался у него между зубов — там что-то цепляло и дёргало.

Коэн ненавидел собственный беспорядок: в чистоте он чувствовал себя свободным и очищенным, но навести порядок никак не получалось. Это была одна из ключевых проблем его жизни. Он мылся хозяйственным мылом, им же мыл и голову, и, кроме этого куска мыла, который хранил в пластиковой мыльнице цвета селадона, и старой потрёпанной пластиковой зубной щётки, у него не было никакой косметики. Но аскезы было недостаточно. Он уже всё это перебрал, и не один десяток лет. Например, манию сортировки японского магазина Muji, фломастеры с тонким чёрным наконечником, и красивые светло-коричневые тетради из необработанной бумаги, и светло-серые футболки. Всё это было так жалко, но противоположное, разумеется, было ещё хуже, а теперь, когда старость подступала и он пугался собственного отражения в зеркале, это уже не имело значения. Поэтому он и «Куки» более или менее забросил и занимался только русской эзотерикой.

Но не потому, что противопоставление потребительского псевдокоммунизма и русско-пролетарской метафизики казалось ему столь значимым, нет, — а потому, что он устал от сложных переплетений, которые он и его собственный журнал спровоцировали, приумножили и выпустили в мир. Главная проблема «Куки» состояла ведь в том, что он изображал желанным то, что сама современность до того уничтожила. «Куки» переносил почти забытое в посткапитализм, чтобы снова предложить утонувшее как товар — правда, по стократной цене. Лучше всего было просто покончить с собой.

Поэтому он и связался с Паулем. Потому что он больше не мог уйти от собственного авангардистского устремления, пожиравшего само себя. Потому что всё должно было быть выкрашено в белый. И потому что навести порядок в мировом хранилище коллективной памяти казалось ему единственно последовательным и правильным решением.

К тому же вполне могло статься, что Пауль объявится именно здесь или где-нибудь ещё, вместо того чтобы вернуться на Оркнейские острова. Ведь у него там ещё оставалась его дорожная сумка. Коэн подумал, стоит ли заглянуть внутрь, отложил сумку, выкурил сигарету, огляделся — будто за ним наблюдали — и только потом решился расстегнуть молнию.

В сумке лежали аккуратно сложенные вещи и несколько инструкций к антибиотикам. На дне сумки лежала брошюра с инструкцией по изготовлению белого керамического пистолета на 3D-принтере. Он пролистал брошюрку. Пауль, Пауль, ну что ты творишь, — тихо сказал он.

Зачем нужен был пистолет? Возможно, Паулю казалось, что его жизни угрожает опасность. Боялся ли он приехать в Ставангер? Но почему? Где можно напечатать такую штуку? Он засунул всё обратно в сумку и застегнул молнию. Возможно, у него вовсе не было такого пистолета, а только инструкция к нему. Он и не смог бы пронести оружие через сканеры в аэропорту, а через сканеры в Green Mountain — и подавно.

Он взял сумку, прошёл по коридору и поднялся по узкой деревянной лестнице в свою спальню. В углу на полу лежал матрас, а некогда белое бельё не менялось бог знает как давно. Он щёлкнул лампой из «Икеа», швырнул сумку Пауля в угол, сам рухнул на матрас, сунул под шею обе подушки и прижался затылком к стене — прямо к старому жирному пятну от волос.

Он полчаса читал книгу о математике Джоне фон Неймане, но никак не мог сосредоточиться. Дочитав абзац о самовоспроизводящихся автоматах фон Неймана, он уже забывал, что было в начале, и приходилось начинать заново. И ещё эта бессонница. Уже много лет, если честно. Десятилетиями. Возле кровати лежала коробка с фенобарбиталом, и он сунул в рот сорок маленьких белых таблеток, разжевал их в горькую кашицу и запил вчерашней водой из-под крана из стаканчика для зубных щёток — не от грусти и не потому, что хотел умереть, а потому, что ему было всё равно.

Глава 10 ildr

Несколько дней и ночей всё шло хорошо, но когда они в пятый раз проснулись на рассвете, им едва хотелось выбираться из-под одеял и шкур — так было холодно. Огонь давно погас, хотя он, верно, подкладывал дрова среди ночи. Он проверил золу — не осталось даже углей. Он собрал те маленькие щепки, что обуглились лишь с краю, и положил их в мешок. Они тщательно собрали свои вещи, втроём поделили два последних яблока, долго и сосредоточенно жевали — вместе с сердцевинами и даже семенами, — и спустились к реке напиться и умыть лицо и руки. Он видел, что Ильда и собака исхудали, и впервые его охватил страх, что они могут умереть с голоду. Ведь у них ещё оставалось немного ашданне, подумал он и улыбнулся.

Скорее всего, так далеко на юге не жил никто, и нигде нельзя было найти ничего съедобного; когда-нибудь, думал он, эта каменная пустошь перейдёт в ледяную пустыню — так какой же смысл идти дальше. Нигде не было видно признаков жизни: ни куста, ни пучка растительности, ни птицы в небе. Не нашлось даже ни одной саламандры, которую можно было бы поймать и съесть. Лишь потом, много позже, одна чайка кружила над ними в синем небе, звала их, разворачивалась и в одиночестве улетала обратно на юг.

Им следовало повернуть назад, попробовать ещё день или два, а затем возвращаться. Ему пришла страшная мысль убить и съесть собаку, его передёрнуло, и он тотчас запретил себе это. Ильда и зверь всецело зависели от него, его священным долгом было заботиться о них, у них не было никого другого. Он достал из кармана маленький стальной винт и играл с ним, давая ему скользить сквозь ладонь. Откуда он взялся?

Они шли всё утро вдоль берега реки, которая к тому времени уже несколько раз разветвлялась, и всё время высматривали рыбу, которую теперь, когда вода стала прозрачнее, было бы легче заметить. Несколько раз они видели, как дальше от берега рябит поверхность, и Ильда хотела войти в воду, но он удержал её. Как могли бы они высушить обувь. А с мокрыми ногами всё было бы кончено. Дров для костра попадалось всё меньше — быть может, раз в час находилось исчезающе малое поленце. По крайней мере, воды у них было вдоволь, подумал он, и услышал, как урчит в пустом животе.

– Всё это бессмысленно, Ильда.

– Что нам делать? Бежать обратно? Где солдаты будут нас искать?

– Послушай, мы умрём с голоду. Или замёрзнем. Дров нигде не найти, и будет становиться всё холоднее. Ты никогда не была во льдах. В сравнении с этим здешний край ещё довольно тёплый.

– У тебя ещё есть кусок той бумаги?

– Зачем. Если его поджечь, он горит лишь совсем недолго.

– Пожалуйста.

Он поискал в своём мешке, увидел, что у него остался ещё один лист, и протянул его ей. Собака села и выжидающе посмотрела на них обоих, словно они собирались готовить еду. Какая она была умница. Ильда присела на корточки, разгладила бумагу на бёдрах и начала складывать её так, как видела у него недавно, много дней тому назад. Когда она закончила, она выпрямилась, зажала бумажную птицу между большим и указательным пальцами и запустила её так далеко, как только смогла. Бумажная птица летела довольно хорошо; она смеясь побежала за ней, он остался у реки и смотрел ей вслед, и на краткий миг ему показалось, что она забыла о своей безнадёжной участи. Собака залаяла, поняв, что это игра, и побежала за ней со всех ног.

Ильда подняла бумажную птицу, бросила её снова и снова, всё дальше, пока та не опустилась у ног человека — нет, женщины, внезапно и без предупреждения оказавшейся там. Ильда вскрикнула от испуга, собака зарычала и залаяла, и это была уже не игра — всё стало смертельно серьёзно. Пистолет и нож были в мешке из-под муки, а мешок лежал далеко на берегу реки позади неё.

Женщина не двигалась, скрестив руки на груди. Она была не выше Ильды, но выглядела очень мускулистой. На ней была мягкая войлочная шапка, прикрывавшая уши. Из-под шапки выбивались короткие снежно-белые волосы. Её лицо и предплечья были сплошь покрыты шрамами. Поверх грязно-белой туники она накинула на плечи светло-коричневую шкуру, а спереди за пояс был заткнут топорик. Собака села перед Ильдой, защищая её, и зарычала на незнакомку.

– Добрый день.

– Добрый день.

– Понимаешь ли ты литературный язык?

– Да.

– Как тебя зовут?

– Ильда, госпожа.

– Не называй меня так. А этот?

– У неё нет имени.

– Не собака. Мужчина.

– Он не назвал мне своего имени.

– Это не твой отец?

– Нет.

– Ты идёшь с ним через каменную пустыню и даже не знаешь, кто он.

– Это сложно.

– Так.

– Он маг. Они открывают свои имена, только когда сами того захотят.

– Так. И куда вы направляетесь?

– К ледяному морю.

– Могу я спросить, зачем вы туда идёте?

– Ты нам не навредишь. Для этого ты слишком учтив.

– Нет, конечно, не наврежу.

– А как тебя зовут?

– Ут.

– Мы в бегах, Ут.

– От кого?

– От герцога Твиота.

– Тогда добро пожаловать. Вновь и вновь приходит он, нападает со своими солдатами на наших людей здесь, на юге, убивает и грабит.

Незнакомец счёл за лучшее остаться и наблюдать, стоя у реки и выжидая. Он медленно отступал назад, как можно незаметнее достал нож из мешка из-под муки и держал его наготове за спиной. Ильда сумеет за себя постоять, она умела быстро бегать. И пока издали не казалось, что ей угрожает та маленькая крепкая женщина, спокойно стоявшая и беседовавшая с нею.

Оба приближались с улыбкой, ступая по каменным плитам к нему, пока собака с поднятыми ушами, тяжело дыша, бежала рядом с Ильдой. Какое доброе животное. Он подумал, что ещё недавно она была охотничьей собакой, выдрессированной только ловить людей. Женщина не выглядела так, будто собиралась убить и съесть собаку. Правда, лицо её было обезображено страшными шрамами, но вдруг она и вправду сможет им помочь. Оставалось только довериться ей.

– Ильда говорит, ты маг.

– Нет, нет. Точно нет.

– Именно это сказал бы о себе и настоящий маг. Есть ли у вас что-нибудь поесть?

– У нас осталось немного овощей. Ты можешь разделить это с нами.

– Почему вы не поймали рыбы?

– У нас нет сети.

– Вы идёте без сети в каменную пустыню.

– Боюсь, что да.

– На краю большой реки, полной рыбы.

– Да, к сожалению. Глупо с нашей стороны. По незнанию.

– Разве вы не знаете, что в реках водится рыба?

– Как же она называется, эта река?

– Ливагар.

– Поистине не слишком умно с нашей стороны.

– Покажи мне, пожалуйста, что-нибудь из твоего искусства.

Он взглянул на Ильду, которая одобрительно кивнула. Всё это было ему несколько неприятно, так как он чувствовал себя обманщиком, но в их положении это не имело смысла. Тогда он развязал шнур своего мешка, открыл его, достал очки и протёр стёкла уголком волчьей шкуры. Он протянул очки Ут и попросил её надеть их. С очками на носу она отреагировала так же, как недавно Ильда. Она сорвала их, испуганная и сбитая с толку: всё вдали вдруг расплылось.

Незнакомец подбодрил её — пусть спокойно наденет ещё раз, — и дал ей нож, чтобы она смотрела на него. Вновь надев очки, маленькая женщина просветлела лицом, словно впервые увидела вещи такими, каковы они есть. Она повертела нож в руках, вернула его и затем сквозь стёкла очков посмотрела на шрамы на своих руках, улыбнулась и снова сняла оправу.

Затем она достала из мешочка на поясе небольшую сеть, сняла обувь и вошла в реку, где принялась раз за разом опускать сеть в воду, выписывая ею искусные круги. Очень скоро она поймала несколько рыб, вернулась к берегу, нагнулась, извлекла из ила ещё несколько ракушек и речных раков и высыпала всё на каменные плиты у своих ног. Уверенными ударами она била рукояткой топорика по головам трепыхавшихся рыб.

Ильда быстро собрала несколько камней для костра и разложила их, но Ут мягко остановила её. Она сказала, чтобы та берегла последние дрова, — они съедят всё сырым, — и, сев, вновь попросила нож, открыла раковины и раков, с величайшим искусством разделала рыбу на филе и подала еду обоим. Собаке она тоже бросила кусок.

– Вода и камень. Это всё, что нам нужно.

– Спасибо, Ут.

– Да, Ут, спасибо.

Они не церемонились, ведь были ужасно голодны. Они ели так быстро, как могли, и пустые желудки требовали ещё. Вкус и вид сырой рыбы напоминали незнакомцу о чём-то. Возможно, это было скорее воспоминание о привкусе тех приправ, что подавались к сырой рыбе, подумал он. Неважно. Какая случайность, что они встретили эту женщину, показавшую им, как выжить в каменной пустыне. Что за стойкие люди жили здесь, на юге, посреди этой пустоши.

Когда они поели, они собрали вещи и последовали за Ут, которая при своём малом росте шла на удивление быстро. Им почти приходилось бежать, чтобы поспевать за ней. Так продолжалось довольно долго; солнце уже стояло низко над горизонтом. Его шрамы саднили, и он видел, что ухо Ильды снова начало слегка кровоточить. Возможно, это из-за сырой пищи, подумал он. Но почему именно из-за этого.

Вечером, окрасившимся в оранжевый и тихо лёгшим над плоской местностью, Ут наконец остановилась, тщательно обвела взглядом горизонт, желая увидеть, не последовал ли за ними кто-то с севера, затем опустилась на колени и взялась за топорик, что висел у неё на поясе. Она подсунула лезвие под нужный камень и, приложив усилие, сдвинула плиту в сторону. Ильда и незнакомец были совсем изнурены, и она показала им широкую яму со ступенями по внутренним сторонам, в которую теперь спустилась. Они переглянулись и последовали за ней. Ильда спустилась следом, неся собаку на руках.

Здесь, внизу, не дул ветер и было заметно теплее, чем на поверхности. В углу каменного зала стояла искусно сделанная жаровня на трёх ножках, а рядом лежали аккуратно сложенная груда почти прозрачных серых кирпичей и несколько шкур. У стены стояли железные вертела с нанизанной на них копчёной рыбой. Ут положила два кирпича в жаровню и с помощью огнива и горючей шерсти принялась разводить огонь. Она раздувала огонь, пока кирпич не загорелся, и тогда села, прислонившись спиной к каменной стене.

– Что это?

– Прессованная ворвань. Уже много лет мы не ходим в опасные северные земли за деревом. Вместо этого мы вымениваем у ледяных людей ворвань на нашу каменную резьбу.

– Значит, уголь вам не нужен.

– Нет.

– Вы ничего не возделываете. Никакого земледелия.

– Нет.

– Это воистину удивительно.

– Вся наша каменистая земля усеяна этими убежищами. Их десятки. Мы содержим их в чистоте и прячем. Ведь никогда не знаешь, кому они понадобятся.

– Как вы себя называете?

– Мы просто люди. У нас нет имени.

– А Жёлтый мор?

– Мы не знаем её.

– Никто здесь, на юге, не болеет мором.

– Нет. И я вижу, что у вас её тоже нет.

– Как-то так вышло, что она обошла нас стороной. И наша собака — тоже. Она свирепствует в северных землях с незапамятальных времён, ещё до моего рождения.

– Гораздо, гораздо дольше. А собаки — они от этого заболевают?

– Да, но только не этот пёс. И дикие звери — тоже.

– У нас здесь нет свободных животных. Иногда, очень редко, белый медведь забредает к нам со стороны ледяного моря, но мы знаем животных только по реке и морю.

– А у вас есть деревня?

– Разумеется. Вы считаете, мы варвары? В одном дне пути к югу отсюда. Большой город, великолепный город, целиком из камня. Твиот ни разу не смог до нас добраться. Он осквернял эти убежища, где бы их ни находил, и убивал, где мог. Но каменный город остался нетронут.

– Его солдатам прежде просто не хватило еды. А на севере мы не едим крабов и моллюсков.

– Так.

– А откуда у вас одежда? Откуда же вы её берёте, если у вас нет животных? А ничего не возделываете?

– Наша одежда очень стара, и мы донашиваем её, передавая дальше. Мы тщательно чиним её для наших детей.

– А горючая шерсть?

– Мы обмениваем её у ледяных людей. Они дают нам тоже мёд, например.

– Значит, на льду живут люди?

– Да. Они очень пугливы. Они живут в домах из льда и снега, далеко на юге, среди моря. У них нет ресниц и бровей — поэтому их и узнают. Мы живём в мире с ними. И они получают шерсть и мёд из-за Южного моря.

– Что лежит за морем?

– Этого я не знаю. Этого не знает никто.

– Верите ли вы в круг?

– Что ты имеешь в виду?

– Круг как знак вашей веры. Божий знак.

– Нет. Люди были сотворены из моря. Из моря исходит вся жизнь. И в наших снах мы видим истину.

– Откуда у тебя шрамы на лице? И на руках.

– От схватки с серой хищной рыбой, в море. Мой топорик был твёрже его зубов. Рыба проиграла.

Кирпичи к тому времени раскалились докрасна, и в убежище стало приятно тепло. Жаровня не дымила, и дым уходил наружу — для этого в каменной стене было проделано небольшое отверстие, выводившее на поверхность. Ильда и незнакомец устроились на шкурах; одеяла им не понадобились, так было уютно, и Ильда совсем задремала и закрыла глаза.

– Можно задать вопрос?

– Конечно, Ут.

– Что это было такое, сквозь что я смотрел и всё вокруг становилось ясным и отчётливым?

– Это изобретение из очень далёких краёв.

– Из-за ледяного моря.

– Да. Это называется стекло. Его отшлифовали.

– Словно прозрачный обсидиан.

– Примерно так. С возрастом зрение меняется, и тогда мне помогает такая вещь.

– Ледяные люди тоже носят нечто подобное на носу. Приспособление из китовой кости с небольшими прорезями, чтобы они не слепли от снега.

– Это другое, через него не увидишь резко.

– Ты можешь показать мне ещё что-нибудь?

– Расскажи-ка ты мне лучше что-нибудь.

– Охотно. Что ты хочешь знать?

– Расскажи мне про то, что нас здесь окружает. О камнях. О воде. Или о воздухе.

– Воздух. Итак, взгляни. Существуют самые разные виды. Самый светлый вид, который мы называем атром, затем самый пыльный, который мы называем туманом и тьмой, и другие виды, для которых у нас вовсе нет имён.

– А где атр?

– Над нами, высоко над облаками и за их пределами.

– Можем ли мы этим дышать?

– Мы можем дышать любым воздухом. Но туманными, и теми, что встречаются в глубоких пещерах далеко под землёй, дышать тяжелее.

– А здесь, у нас внутри?

– Это смесь. Наш огонь съедает часть него, и чистый воздух сменяется тёмным воздухом, который огонь извергает. И этим мы со временем уже не сможем дышать, и мы задохнёмся.

– Пожалуйста, расскажи мне о твоём народе.

– Мы живём в мире, между каменной пустыней и морем.

– Вода и камень.

– Да, вода и камень. Пятнадцать поколений назад мы пришли на это место, с севера, где было плодородно, но полно войн и болезней. Герцоги каждые десять-пятнадцать лет приходили на юг, чтобы убить нас, но им так и не удалось достичь нашего каменного города.

– Почему?

– Они всегда замерзали в пути, так как сжечь было нечего. А наши убежища в пещерах слишком хорошо скрыты. Двадцать или тридцать дней пути при иссякающих припасах и без крова на холодном, голом камне — такого не выдержит ни одна армия.

– Понимаю. А раньше, на севере, вы верили в круг?

– Этого я не знаю. Старейшины у нас говорят, что далеко-далеко на севере есть уходящие в небо грозные горы и оттуда пришла наша истинная, наша подлинная вера.

– Значит, не из моря, а из гор.

– Возможно. Я не знаю. Давайте теперь спать. Завтра мы дойдём до Каменного города, а там посмотрим.

Перед тем как заснуть, изнурённый, но с тёплым и, быть может, обманчивым чувством благодарности, он спрашивал себя, почему солдаты князей Твиота за целые поколения ни разу не додумались вторгнуться на кораблях вниз по реке на юг. И он видел не только необъятное замёрзшее ничто южного ледяного моря, но и окружённые снегом, неправдоподобно высокие и неприступные горы на севере, и между ними — заключённую в рамку исчезающе узкую землю людей этого мира.

Глава 11 paul

Коэн бежал, нет, он мчался по бесконечно прямой белой ледяной равнине к горизонту, с примотанной кожаным ремнём к груди винтовкой. Позади него в небо нестерпимой синевы вздымались два потухших вулкана — Эребус и Террор, и казалось, будто он бежит от них прочь, будто белые горы в своей чудовищной, всеобъемлющей пустоте тянутся к нему. Это был кошмар, один из самых страшных, но чем сильнее он пытался проснуться, тем глубже погружался в ночной морок.

Холод льда, который неуклонно разрастался и вскоре должен был покрыть всю планету, пугал его не столько сам по себе, сколько жестокая белая пустота, бледная пустота, обступавшая его со всех сторон света. С тем же успехом он мог бы бежать в противоположную сторону — не имело значения, всё было одинаково жутко, кристально и безнадёжно. И затем этот неописуемый, беспощадный холод. Он вдыхал носом, а когда открывал рот, чтобы вдохнуть, казалось, будто на нёбе у него лежат раскрытые лезвия бритв.

Но там, впереди, вдали лежало открытое море. Если бы он смог добраться до моря, то достиг бы хотя бы конца льдов, края континента. Вот эту светло-серую полоску — до неё он мог бы добраться, туда он теперь и бежал, к воде; оставалось всего несколько часов, быть может, полдня, быть может, и того меньше; на нём были добротные крепкие ботинки, слёзы и пот заледенели, на рукавицах и локтях висели крошечные сосульки — и что это был за унылый и пустой мир.

Как быстро он мог бежать — такое возможно лишь во сне. Он был с головы до ног закутан в одеяла, бинты и шкуры, на голове сидел войлочный капюшон, по бокам натянутый на уши, а в нагрудных карманах замёрзли патроны. Он уже достиг моря, кромки льда. Но там не было скал, как он ожидал, — лишь грязно-серая белизна сменялась более прозрачной тёмно-серой мглой. И всё же здесь действительно была видна вода — шиферно-серое море, да, безжалостное однообразие бескрайнего ледяного марша было нарушено. Он замедлил шаги — словно внезапно остановился механизм, словно он обретал покой на краю света, — и остановился, скрестил руки на груди и огляделся. Ледяное море — холодное царство смертных, подумал он, не имеющее ценности ни для кого.

Высоко в небе над ним, обжигая и беззвучно, пронеслась комета. Он поднял взгляд и увидел, как каменная глыба прочертила небо, теряя на лету раскалённые осколки, и затем беззвучно исчезла за горизонтом. Мгновение прошло. Он смахнул с ресниц колючий лёд. Там, за горизонтом, должна была быть земля, материк, суша, подумал он. Упади метеорит на воду, он должен был бы увидеть огромное облако пара.

Он прошёлся несколько шагов взад и вперёд по кромке моря. В некотором отдалении плыли массивные льдины, они отражали воду и светились пронзительным, жутковатым синим. Там дальше, чуть ниже по берегу, теперь виднелось буро-серое пятно — возможно, скала, — и он тосковал по её прочности и очертаниям, и он целеустремлённо направился туда, не переходя на бег.

Он всё ближе подходил к валуну, край которого выдавался надо льдом в воду. Когда он почти уже мог коснуться валуна, он увидел, что на льду лежит вовсе не большой камень, а вёсельная лодка. Настоящая, пригодная лодка, чтобы уйти отсюда от шельфового льда, выйти в открытое море, найти настоящую землю, деревья, животных, людей. Он снял рукавицы, чтобы коснуться лодки, и тут же пожалел об этом: стоковый ветер вонзился в него десятью тысячами игл.

Он тёр то место, где было нанесено название лодки, — там, под кристаллами, выведенное выцветшей белой краской, читалось: «Докас», — Надежда. Он почувствовал, как подушечки пальцев примерзают, и с болью оторвал их.

Простые, U-образные, покрытые шершавой ледяной коркой металлические уключины были врезаны в верхнюю кромку борта, а внутри, поверх банок, лежали два деревянных вёсла. Снова натянув рукавицы, он с большим трудом принялся сталкивать лодку со льда в воду. Потребовалось немало времени, и он с ужасом чувствовал, как пот замерзает у него на теле.

Когда ему наконец удалось это сделать, лодка закачалась на воде на пару ладоней ниже него, у кромки льда, выходящей к морю. Он осторожно влез в лодку, взял вёсла, вставил их в уключины и оттолкнул судёнышко от кромки льда. Тотчас он ощутил зыбкую ненадёжность моря. Что от этих неизмеримых глубин его отделяет лишь тонкая деревянная мембрана, показалось ему в краткий миг безопорности безумием. Всё незыблемое исчезло у него из глаз, и на несколько секунд он смог видеть сквозь море, вглубь и насквозь, до самого дна океана, которое, в свою очередь, стало прозрачным, и он видел сквозь всю планету в космос, бесконечно далеко, до конца времён. Но видение исчезло так же внезапно, как и возникло, всё снова стало плотным и осязаемым, и он покачал головой, упёрся ногами в днище лодки и начал размеренными гребками удаляться от шельфового льда.

Как быстро всё шло. Вскоре низкий край, от которого он отчалил, уже не был виден. Волны становились выше и вынуждали его грести в слегка нерегулярном ритме, и так он прокладывал свой беспорядочный путь сквозь тонкие ледяные пластины, разбивавшиеся перед его носом, которых становилось всё меньше, чем дальше он выходил в открытое море. Слева и справа от него плыли айсберги, глубоко-синие под водой, над ними — вечная, безоблачная лазурь неба, и больше ничто не отвлекало его от сосредоточенности на последовательности движений: ни единого облака, никогда — альбатрос. В одинокой пустоте моря было утешение — ни прошлого, ни будущего.

Когда после многих часов гребли он устал — не просто устал, обессилел и натрудил руки, а достиг самого крайнего предела человеческих сил, — он слегка подался вперёд и задремал над вёслами, и сначала ему приснилось облако жёлтых бабочек, окутавшее его нежным трепетом крыльев. Затем ему приснилась собака, преданная ему, которая смачивала его руку языком и тихо скулила. И снился ему Пауль, чья голова была скрыта под белым капюшоном, и Пауль был его другом, и он исчез, и нужно было отправиться на его поиски. Но мир был осиротевшим и пустым. Никаких времён года, никаких деревьев, никаких людей, никакой жизни.

Он проснулся, вздрогнул, стряхнул сон с головы, выпрямил плечи и автоматически продолжал грести — вниз, в ложбины волн, и снова вверх. Но это был пустой ночной морок, подумал он, ведь это всего лишь сон во сне. Когда-нибудь он и вправду снова проснётся. Море было бесконечным. В его безмолвных глубинах ничто не шевелилось. Вероятно, подумал он, вероятно, он просто не видел высокой колонны пара, потому что метеор продолжил свой путь вокруг планеты и не упал в море. Он думал об утоплении — прекрасная смерть, вода к воде, тёплое к холодному, лёгкие, полные солёного моря. Он подумал отпустить себя, перевалиться за борт, в сторону, — и мысль, и движение давались ему так легко. И всё же он грёб дальше, пока не почувствовал, что ладони его покрылись уродливо лопающимися пузырями, из которых при разрыве тотчас вытекала и замерзала сукровица. Он снял рукавицы, чтобы осмотреть руки, снова натянул их и, зажав кожаные ремешки зубами, туго затянул их вокруг запястий. И это всё, что ему предстояло здесь вынести, — несколько волдырей на руках?

На плоской льдине, выступавшей перед айсбергом, слева, краем глаза, — бурое пятно. Волосы или шкура — белое движение на белом. Он держал лопасти вёсел вертикально в воде, вода бурлила и пенилась, пока лодка не остановилась, и её покачивало в тёмной ложбине волны. Там действительно стоял человек, смотрел на него и поднял руку в приветствии. А другой рукой он почесывался между ног. Он носил очки из китовой кости с прорезанными спереди узкими щелями — защита от снежной слепоты, — и теперь Коэн понял, в это самое мгновение, когда увидел, как тот стоит там, на льду, и чешется, что всё это вовсе не сон, в котором он находится, и это было мгновенным шоком прозрения.

Он погрёб к льдине, вынул лопасти вёсел из воды, положил винтовку на дно под банками и дал лодке немного продрейфовать, а мужчина снял снежные очки и поспешил схватиться за нос лодки, чтобы она не столкнулась с кромкой. Его глаза были миндалинами из зелёного льда. У него не было не только бровей, но и ресниц, а эпикантус был выражен очень сильно. Он схватил Коэна за руку, и их ладони сомкнулись на запястьях друг друга. Из лодки — вон, твёрдым шагом на качающуюся льдину.

Вскоре выяснилось: общего языка у них не было. Возможно, языка не было вовсе — только гортанные звуки. У мужчины за поясом был небольшой ручной топорик; теперь он достал из висевшей через плечо сумки что-то буро-серое, мягкое, протянул Коэну и другой рукой указал себе на рот. Коэн снял рукавицу и взял кусок, чтобы не обидеть мужчину. На ощупь это была склизкая масса, на вкус — жирная ворвань, не то китятина, не то сырая птица. Он проглотил это, хотя голода не чувствовал. Это было ужасно. Его замутило, и он проглотил и это тоже. Но он не поморщился. Мужчина тоже снял рукавицу и двумя пальцами осторожно коснулся ресниц Коэна.

Затем он снял с пояса ещё одни ледяные очки и вложил их в руку Коэна. Его миндалевидные глаза увлажнились и покраснели, и он снова опустил перед глазами собственные очки, которые до этого сдвинул на лоб. Коэн последовал его примеру. Белый мир больше не слепил так сильно, как прежде; он повернул голову и сквозь прорези оглядел окружение, ограниченное мелкими прямоугольниками.

Почему этот человек был так самоотвержен? Коэна это тронуло, и он тоже захотел что-нибудь ему подарить, но у него ничего для него не было. Он запустил руку в карманы своей туники, извлёк несколько крошек цвета кости — то были бесполезные обломки фенобарбитала, ничего, что могло бы пригодиться этому человеку, — и убрал их обратно. Он мог бы отдать ему свою замёрзшую винтовку Маузера, подумал он, но тогда пришлось бы объяснять, как она работает. Возможно, он был вовсе не на Южных Оркнейских островах и не к югу от Южной Георгии, а совсем в другом месте?

И затем он вспомнил, измеряя взглядом, ограниченным прорезями, айсберг и человека без ресниц, что он действительно стоит здесь, что чувствует сквозь подошвы сапог свои замерзшие, онемевшие ступни, что он нашёл здесь, в пустоши, человека, у которого ничего не было и который всем с ним поделился, и которого он теперь заберёт с собой в своей лодке.

Мужчина ведь даже не спросил и не попросил — это он только теперь заметил, — но что ему было делать здесь, на этой заброшенной льдине. Коэн потянул его за рукав, указал ему место на банках — вот там, мол, садись. Уверенно оттолкнулись они от берега, в открытое, мягко колышущееся море. Что же это был за человек, который сидел там теперь с такой покорностью судьбе и спокойно смотрел на него сквозь прорези своих очков из китовой кости. Он грёб на север, стараясь равномернее распределить по вёслам ладони, содранные до живого мяса.

Необъятная синева неба высилась над ними. И наконец он увидел альбатроса, который высоко в небе следовал за лодкой и планировал вниз, когда ему вздумается. Это было уже второе живое существо, и он счёл это добрым знаком, но человека, казалось, большая птица над ними не занимала. Коэн грёб дальше, и альбатрос несколько раз вскрикнул, покружил и исчез.

Когда их мучила жажда, они лизали куски льда, дрейфовавшие в море. Через несколько часов мужчина, покачиваясь, поднялся и знаками показал ему, что теперь сменит его на вёслах, а ему следует лечь на дно лодки и отдохнуть. И Коэн и впрямь провалился в свинцовый сон, едва вытянулся горизонтально. Он охотно спросил бы своего нового друга, как тот, без лодки, оказался на том айсберге и, возможно, сколько уже простоял там, поджидая его. И наконец он уже не был уверен, снилось ли ему это прежде или он только сейчас, засыпая, входит в сон.

Глава 12 ildr

Незнакомец, Ильда и Ут отправились в путь рано на следующее утро. Небо было безоблачным и ясным, и они шли несколько томительных, однообразных часов по каменным плитам, устало переставляя ноги. Ут, как всегда, шла впереди, и им было трудно поспевать за ней. Оба были голодны, но не хотели просить у Ут еды.

После короткого крутого подъёма на голый скалистый склон, который к полудню словно из ниоткуда возник перед ними посреди плоской каменной пустыни, они наконец смогли различить сверху тёмно-серую узкую полосу моря. Теперь они держали путь к утёсу, и чем ближе подходили, тем отчётливее видели Каменный город. Его окраины раскинулись по обоим берегам одного из рукавов Ливагара, который с грохотом низвергался со скалы в открытое море.

Сам город состоял не более чем из пяти-десяти приземистых каменных домов. Издали он выглядел в точности как Гоц. Заметив её разочарование, Ут объяснила, что большая часть жилищ находится под землёй: в скале прорублены широкие проёмы, выходящие прямо в открытое море. Она указала туда, где у берега реки уже появилось несколько человек с сетями. Вооружённый часовой стоял на каменном мосту и один раз вяло дунул в рожок из раковины; зелёно-белый флаг трепетал там на солнце. Ут поприветствовала часового, и он помахал в ответ. Несколько чаек парили над ними на светлом ветру. Обоим казалось, что они не видели птиц уже бог знает сколько времени. И люди, настоящие люди, занятые делом и не желавшие им смерти. Вокруг них было столько смерти, столько жестокости.

Именно отсюда, — сказала Ут, — много лет назад выступила дружина наших сородичей, чтобы сразиться с войском герцога Твиота, что, голодая, тащилось через каменную пустыню, и обратить его в бегство. Они мирные люди, но если понадобится, будут защищаться до конца. Незнакомец откашлялся, пока Ильда сияла от радости, глядя на город, и они поспешили пройти остаток пути. Встреченные ими люди были робки, но не неприветливы. Несколько любопытных хотели погладить собаку, но Ильда покачала головой и жестами прогнала их прочь. Люди рассмеялись и снова принялись за работу со своими сетями.

Они приблизились к жилищам, пересекли пустыри между ними и затем ступили на очень широкую каменную лестницу, которая вела многими ступенями вниз, в обширный двор, где, судя по всему, находились только дети. Там, в их кругу, на богато украшенной каменной плите, стояла светло-бурая корова и с довольным видом лизала большую глыбу льда. Ут объяснила, что корова — существо священное, но только одной дозволено быть снаружи и вкушать лёд и соль. Но что же ещё могла бы есть корова? Если здесь ничего не растёт — ни травы, ни деревьев, ни кустарников. Разумеется, морская капуста, — ответила Ут. Здесь было лишь несколько коров, две или три, они жили в подземных стойлах, и их не убивали, пили только их молоко. В конце концов, нельзя же есть мясо существ, у которых есть ноги.

Несколько мужчин и женщин в белых стёганых туниках подошли, чтобы приветствовать их. Не улыбаясь, они торжественно надели им на шеи маленькие каменные амулеты и подали всем троим чаши со сладким коровьим молоком, которое на деле приятно отдавало солью — морем и водорослями.

Они прошли через ещё несколько дворов, разделённых узорными колоннами, и наконец оказались во внутреннем дворе, открытом небу. Там их попросили сложить вещи и оружие, успокоить собаку, чтобы она тихо легла в углу, и войти слева в обширный зал, освещённый странным рассеянным светом и окружённый с обеих сторон каменными колоннами. Пол повсюду был усеян зелёными нитями водорослей, а в центре лежал очень длинный, древний ковёр из овечьей шерсти, выбеленный неравномерно — местами оставленный серо-бурым. Вдоль стен рядами сидели мужчины и женщины, провожая их взглядами, пока те шли по ковру навстречу седобородому старцу, стоявшему с непринуждённым видом. Не было особого церемониала, но старец казался значительным в своей сдержанной манере. Кроме незнакомцев и Ут, стоял только он один.

В дальнем конце огромного зала на них смотрели громадные плиты из серо-красного обсидиана, от них исходил рассеянный, гармоничный свет. Это, должно быть, были проёмы, выходившие к морю, о которых говорила Ут. Обсидиановые плиты отшлифовали и вставили в скалу как гигантские окна. Ильда, державшаяся прежде довольно самоуверенно, притихла, словно устыдившись такой ослепительной роскоши.

Старик приблизился к Ильде с приветливой улыбкой — он был одного роста с ней, хотя Ильда ещё не достигла полного роста — и взял её за руку. Она вздрогнула — от чужих ей доводилось видеть немного добра, — но старик не смутился и взял её руку в обе свои. Он сказал, что его зовут Рейд. Он взглянул снизу вверх в её светлые глаза и подмигнул: куда только подевалось его гостеприимство, сейчас им дадут ночлег и еду. А затем, когда они отдохнут, им покажут всё в Каменном городе. Они могут свободно передвигаться, они здесь желанные гости, — сказал он и улыбнулся. И её собака тоже.

Их провели в спальни, где стояло восемь или десять каменных лож, покрытых мягкими шкурами. Их вещевой мешок им принесли, но собаки не было. Из стен были вырублены десятки рядов прямоугольных ниш, в которых помещались небольшие лампы из китового жира, излучавшие тёплый бледно-жёлтый свет. Ут остановилась, указала каждому на кровать, улыбнулась и молча вышла из комнаты.

Вошёл миловидный юноша, принёс им копчёную рыбу, завёрнутую в солёные, тонко нарезанные листья морской капусты, несколько сырых мидий, ещё в раскрытых створках, и чашки с чуть створоженным, подслащённым, солоноватым молоком, и так же молча вышел вон.

Они были одни, огляделись, осторожно сняли каменные амулеты, что им подарили, и сели на кровати. На небольшой полке для них были приготовлены кувшины с прозрачной холодной водой, и они жадно пили из них. Затем они молча, на голодный желудок, ели рыбу и сырых мидий. Они жевали каждый кусок по десять, по двадцать раз. Вновь он ощутил вкусовое воспоминание, поедая рыбу, — оно оставалось эфемерным, как неуловимое облако, обращённое вспять восприятие, чей оттенок оставался неопределённым. Они ели сладко-солёное загустевшее молоко, каждый ложился на кровать, они подкладывали под головы прямоугольно вытесанные каменные подушки с углублением посередине, и теперь ощутили, что во всех их членах царила великая усталость. Они ещё некоторое время тихо говорили друг с другом.

– Здесь гораздо красивее, чем у нас на севере.

– Возможно, это оно.

– Ты им не доверяешь.

– Я не знаю, что мне думать, Ильда.

– Но люди здесь не воинственны. И здесь нет Жёлтой смерти. И нас так радушно приняли.

– Я не могу по-настоящему доверять никому.

– Кроме меня.

– Кроме тебя.

– Потому что я не раз спасал тебе жизнь.

– Не забывай, что ты чуть не застрелил меня прежде.

– Но только почти. Знаешь что?

– Что же?

– Я думаю, нам следовало дать собаке имя. Где же она теперь может быть. Как ты думаешь, она в опасности?

– Завтра узнаем, где она. Спи теперь.

– Как ты можешь быть таким бессердечным? После всего, что мы с ней пережили.

– С ней всё будет хорошо.

– Откуда ты это знаешь?

– Я верю в это.

– И я полагаю… я полагаю… Ты вовсе не маг.

– Хм.

– И все эти вещи, что ты всегда знаешь, — про измерения, и… пистолет, и летательный аппарат, и всё такое…

– Да?

– Всё это… Ах, я и сам не знаю. Я боюсь за собаку.

Ильда проглотила несколько слёз — от бессилия и усталости. Незнакомец поднялся, взял волчью шкуру со своей постели, подошёл к её постели и бережно укрыл девочку. Спи спокойно, храбрая маленькая Ильда, — подумал он. И он ждал подле неё, пока она не перестала всхлипывать и дыхание её не выровнялось, и затем погасил свет и вышел за дверь.

Он хотел ещё раз взглянуть на эти впечатляющие обсидиановые окна и невольно вспомнил череду коридоров, что вели его обратно в большой зал. Он никого не встретил, и никто не преградил ему путь. В стены, сложенные из герметично скреплённых каменных плит в человеческий рост, здесь ещё и через равные промежутки были вделаны освещённые ниши. На ходу он провёл пальцем по швам кладки и подивился мастерству строителей этого подземного города. Как только им удалось уложить многотонные камни с такой точностью? И всё, что он видел до сих пор, пребывало в полной гармонии, все пропорции были намеренно выверены между собой. Почему только такие вещи он ощущал так остро?

В конце последнего коридора он свернул направо и оказался в большом зале, на южной стороне которого, обращённой к морю, стёкла поднимались от пола до потолка, ограниченные лишь по бокам и через промежутки высокими каменными колоннами. Хотя снаружи было темно, обсидиан, казалось, светился, и он сперва слегка растерялся, пока наконец не понял, что это полная луна, расплывчатая и искажённая, светила снаружи сквозь стёкла, окутывая залу бледным фиолетовым светом.

В углу зала сидел старик Рейд, закутав плечи в одеяло. Он поднял взгляд, улыбнулся и поманил его к себе. Он извлёк из своей стёганой туники каменную трубку, открыл небольшой мешочек, выкрошил из него исчезающе малую толику сушёной морской травы в трубку, со стоном поднялся и взял чужестранца за запястье.

– Будь любезен, принеси мне огня из той ниши.

– Разумеется. Вот.

– Спасибо, мой друг. Мне недолго осталось жить, и время, что мне ещё отпущено, я охотно провожу у этих окон. Город был бы ничем без её света и её защиты. Нравятся ли они тебе.

– Да.

– Пятьсот тысяч лет ветер с ледяного моря высекал эти пещеры из камня. Они всегда были открыты к югу, пока мы, люди, не пришли с севера, не поселились здесь, не вырезали и не вставили эти окна из освящённого стекла.

– Где наша собака?

– Эта? Полагаю, она с детьми. Таких животных они знают лишь по рассказам.

– С ней всё в порядке?

– Почему бы и нет? Ты не доверяешь нам.

– Нет. Как я могу. Вы тепло нас приняли.

– Ут говорит, ты маг. И не отец этой девушки.

– Верно. Мы бежали вместе — с севера, от солдат герцога. Ут спасла нас от голодной смерти.

– Чего хотел от тебя герцог?

– Понятия не имею.

– Несколько дней назад мы видели звезду, упавшую на землю.

– Я тоже его видел.

– Великие потрясения, великие перемены, новое приходит в мир. Мне снилось, что люди вернутся на север, прочь отсюда, назад, в свою древнюю зелёную отчизну. Знаешь, тот, кто видит все вещи в собственном «я» и собственное «я» во всех вещах, теряет всякий страх.

– Ут сказала мне, что вы верите в море.

– Смотри, всё вокруг нас имеет дух. Эти камни, на которых мы стоим, и те, что мы обтёсываем для себя. Да, Ут права, само море — один из этих духов. Вода и камень. Но, разумеется, и река, и морская капуста, которую мы едим, и чайки в небе, и луна, и те немногие коровы, что живут у нас. Ты тоже дух. Даже вот эта маленькая трубка.

Старик затянулся, но морская трава давно истлела и выгорела, и из трубки шёл лишь холодный воздух. Он хихикнул и закашлялся, согнулся, сплюнул немного красной слизи в ладонь и вытер её о край своей туники. Спасибо, что поговорил со мной, маг, — сказал он. Выйдем наружу, я хочу тебе кое-что показать.

Рейд шёл впереди через узкий боковой проход, в конце которого каменная плита была вделана в петлю. Он потянул за каменную рукоять, дверь открылась на удивление легко, и старик прошёл вперёд. Оба стояли теперь рядом на высоком выступе, под ними — тихое и бескрайнее ночное море. В скалу внизу был врублен причал для лодок, узкая лестница вела далеко вниз, быть может, на сто или двести ступеней. Луны больше не было видно.

Ветра почти не было, хотя они до костей чувствовали, как неумолимый холод моря поднимается к ним. Рейд опёрся на плечо незнакомца и жестом указал ему наверх. Далёкие звёзды были ледяной коркой. Тьма за звёздами была почти невыносима. На небе перед звёздами теперь, словно по воле самого Рейда, начали танцевать занавеси зелёного света, светошёлковые каскады ниспадали, вновь поднимались и веяли то туда, то сюда под чернильно-синим балдахином.

Это было полярное сияние, и оно повергло чужестранца в транс. Его глаза на долю секунды закатились, так что видны были только белки, и в это мгновение он вспомнил давно минувший сон, в котором он годами жил на каменистом берегу, в старом доме у моря. Дом стоял над небольшой бухтой, зажатый неприступными, десятимильной высоты, почти отвесными горами, столь непроходимыми, что с суши к дому нельзя было подойти. Мощный прибой с двадцатиметровыми волнами не давал приблизиться со стороны моря. Так дом веками оставался отрезан от внешнего мира: никто никогда не навещал его, и никто его не покидал. Олени и дикие лошади паслись на лугах вокруг Барнхилла. В спальне тихо плесневели обои в цветах.

Он вернулся в настоящее, глаза его снова стали глазами; он стоял на выступе рядом со стариком, а внизу простиралось спокойное холодное южное море. Аврора мерцала, переходя от зелёного к тёмно-фиолетовому, и исчезла так же внезапно, как и появилась. Он чувствовал, как он устал, как бездонно устал, и позволил старику, мягко взявшему его под руку, снова увести себя в обсидиановый зал, и там незнакомец оставил его сидеть одного в возвышенном сиянии окон.

На следующий день, проспав двенадцать часов, Ильда и незнакомец оделись и поднялись по большим лестницам вверх, под открытое небо. Это был холодный, ясный день. Солнце палило отвесно, и всё же они видели своё дыхание. Каменная равнина простиралась перед ними, плоская, как бесконечный лист бумаги. Издали к ним бежала собака и прыгала на них от радости, что снова их видит. Очевидно, ей давали много еды, ведь рёбра уже не выступали так, как ещё несколько дней назад, во время их долгого перехода.

Он хотел рассказать ей о своём странном сне, но не знал, с чего начать. Она всё ещё хотела придумать имя для собаки, подумал он. Возможно, животному имя и вовсе не требовалось. Они вместе смотрели на горизонт.

– И как тебе здесь сегодня, Ильда.

– Здесь действительно гораздо лучше, чем на севере. Хотя здесь ничего не растёт. Как ты думаешь, потому ли люди здесь такие маленькие? Потому что они не едят овощей.

– Этого я не знаю.

– Мы могли бы побыть здесь какое-то время, а затем вместе построить летательную машину.

– Из чего же нам это строить? Из морской капусты?

– Из ткани. Но, возможно, сначала меньшая версия. Или мы можем сделать чертежи, а не саму вещь. Мы могли бы выложить из камней, как должна выглядеть и работать летательная машина.

– Это мы с удовольствием сделаем.

– Может быть, я хочу остаться здесь навсегда.

– Ты не хочешь со мной в ледяное море и дальше. Увидеть, что за ним.

– Я бы хотела. Но не на лодке. Только если мы полетим.

– Дитя, так не выйдет.

– Почему же нет?

– Потому что для этого нам нужны детали, которых здесь нет. Железо, очень много ткани, деревянный каркас. Кроме того, я не могу построить двигатель. Я не знаю, как это делается.

– Нам ведь нужен лишь ветер с утёсов. Как бумажная птица.

– Но для продвижения вперёд важнее всего был винт, помнишь.

– У тебя ведь есть ещё один. Тот, что ты нашёл. Тот, что застрял в лапе собаки.

– Верно. И как ты только всё это помнишь. Но под винтом я имею в виду вещь, которая вращается непрестанно по кругу, а не просто входит и выходит.

– Мне снилось, что я летаю. С тех пор как я тебя знаю.

– И во время странствия по каменной пустыне.

– Да, там особенно. Я видела мир с высоты. Во сне я чертила точные карты прекрасных, неведомых миров, открытых мной в полётах.

– Подожди, Ильда.

Он опустился на колени и хотел нарисовать ей что-то на каменных плитах, как вдруг заметил, что у него нет ни уголька, ни чего-либо иного, чем можно было бы рисовать. Он смочил палец языком и провёл черту по земле, но слюна тотчас высохла в пыли, и тёмное пятно стало светлым, как прежде. Впрочем, здесь, в городе, он никогда не видел ни письмен, ни изображений, подумал он. Он разложил перед собой несколько камешков и сложил их в круг, чтобы составить примерную карту мира, по которому они странствовали, но ничего не выходило. Всё это потеряло смысл, ей он всё равно ничего не смог бы объяснить.

И пока он ещё размышлял об этом и сомневался в себе, к ним приблизились три женщины, но держались на расстоянии, так как побаивались собаки. Они поманили их, обратив ладони вниз, на южный манер, приглашая следовать за собой, и все вместе направились к небольшой лестнице, уходящей под землю, что стояла поодаль, наполовину скрытая за каменной стеной по пояс. Собака осталась наверху, легла на каменную плиту, закрыла глаза и грелась на солнце.

Женщины показали им сперва подземную прачечную, а затем склад одежды, где до самого потолка громоздились одеяния всех размеров и видов — рясы, туники, шкуры и сапоги. Придя с севера, они взяли с собой всё и чинили одежду, когда она протиралась, и сшивали отдельные изношенные вещи, чтобы они снова составляли целое. Эти люди триста лет носили одну и ту же одежду, не было сменяющихся мод, покрой не менялся, они надевали то, что существовало всегда.

Они увидели большой склад, где собирали и прессовали ворвань, зал для резки камня и, наконец, общую кухню, где готовили всю еду, и заметили, что повсюду были дети. Одни помогали в работе, другие играли; им позволяли делать что угодно и самим выбирать, играть или учиться.

Всё, что давали река и море, использовалось на кухне. Они видели на каменных столешницах морскую капусту во всех её видах, чтобы готовить из неё салаты и супы. Затем пресноводные и морские раки, особенно крупные красные королевские крабы, чьи ноги были длиной с вытянутые человеческие руки.

Им объясняли, что такое изысканная сартовая ракушка, показывали морских ежей, чьё содержимое ели сырым, вяленую на воздухе рыбу, ворвань, в которой жарили рыбу и морскую капусту, и морской латук — особый вид водорослей, употреблявшийся ещё и как лекарство.

Вообще, многие способы врачевания были связаны с океаном. Существовал, например, один вид рыб, чью пасть прикладывали к ране пациентам в холодном море, чтобы способствовать свёртыванию крови и даже ускорять заживление. Рыба сшивала своими игольчатыми зубами почти любую рану, и солёное море хоть и жгло, но ещё и помогало заживлению ран.

Женщины объяснили им тоже, что в Каменном городе практически не существовало собственности — всё здесь принадлежало всем. Не делиться вещами считалось неслыханным. Отдельных спален здесь и вовсе не было — возможно, они уже заметили это в свои первые ночи. Поначалу им предоставили отдельную комнату на десять коек, чтобы их не перегрузить.

Тот, кто хотел спать в одиночестве, считался своекорыстным чудаком, и его мягко, но настойчиво убеждали, что сила Каменного города заключена единственно в общности. Прежде всего, конечно, во сне — обители сновидений. «Сны достойны почитания», — сказала одна из женщин. Сквозь них можно было уходить в иные миры и порой видеть те истины, что здесь, у нас, оставались сокрыты.

В другом помещении находилась мастерская, где заранее обтесанные камни превращали в сосуды. Незнакомец поднял несколько промасленных кувшинов и чаш, расставленных на каменной плите, повертел их в руках и с улыбкой заключил, что это шедевры, совершенные в своём несовершенстве, гармоничные и чистые, как облако. Вообще, если он теперь задумывался, главной чертой города была его чистота, почти не существовало ничего органического, дикого и асимметричного по своей природе, нет, всё было ясным, скромным и кристаллическим. Вода и камень, — тихо сказал он себе.

И вдруг он ощутил сильнейшее беспокойство при мысли об овощах. Вещи, произраставшие из земли, казались ему вдруг искусственными, листья и деревья — противными истинной природе. Питаться чем-то, кроме морской капусты и рыбы, и окружать себя чем-то, кроме камня, казалось ему просто-напросто неправильным. Тёмно-бурая, плодородная, пронизанная червями и улитками, прорастающая земля была низменна и жутка. Неужели так быстро становишься одним из них? Люди без лицемерной зелени. Он не мог отделаться от впечатления, что мир вот-вот гармонично станет плоским, что всё станет двумерным, — так, как он некогда, на их бегстве, полвечности назад, пытался описать это Ильде. Это происходило не резко и внезапно, а совсем незаметно, постепенно. Но откуда же исходил свет.

– Ильда, ты тоже это чувствуешь.

– Что же?

– Всё становится всё более плоским.

– Нет.

– Да, точно. Мне всё сильнее кажется, что мы находимся в плоской местности. Камни плоские, море плоское. Даже небо.

– Но только не люди. Мы не плоские, мы движемся, смотри, вот так. Я не знаю, что ты имеешь в виду.

– Мы как нарисованные.

– Как в картине? Этого не может быть. Ты просто устал и измучен.

– У меня дома есть такая картина.

– Где это?

Женщины повели их дальше по подземному Каменному городу, показали им классы для малых детей, камеры, где чинили большие глубоководные сети, и залы, где изучали ночное звёздное небо, но незнакомец уже не смотрел на это по-настоящему. Он был убеждён, что мир постепенно уплощается, это было совсем очевидно, и ему приходилось тяжело дышать, так как он чувствовал, что задыхается или что его расплющивает, но никто другой не понимал, о чём он говорит.

Глава 13 paul

Вёсельная лодка медленно дрейфовала боком к причалу у подножия скалы. Долго она оставалась лишь чёрной точкой на горизонте, которая под лучами сияющего солнца незаметно приближалась к материку, пока наконец не стала различима как то, чем была.

Оба мужчины в лодке были обессилены после многодневной гребли, но оба испытывали и беззаботную эйфорию, когда борт их судна коснулся камня причала. Они закрепили канаты за скалу и быстро выбрались на берег. В их телах ещё покачивалось море, и оттого камень под ногами казался зыбким и ненадёжным. Морю можно было довериться больше, чем твёрдой земле под ногами. На миг они покачнулись, поспешно, деревянно ухватились друг за друга и затем застенчиво улыбнулись своей неловкости.

Коэн снял очки с костяной оправой, закинул винтовку за плечо, поднял взгляд к лестнице, вырубленной в скальной стене, и ступил на первую из многих ступеней, ведущих наверх. Ледяной человек колебался: слишком редкими и нерегулярными были до сих пор его контакты с сухопутными людьми. Ощущение, что он прибыл, покинуло его. Прежний торг всегда быстро совершался на этой каменной пристани. Выгружали горючую шерсть, мёд и ворвань, в обмен укладывали в лодки ножи, амулеты и туники, а затем как можно скорее расставались, ведь друг другу не то чтобы внушали настоящий ужас, но всё же казались подозрительными. Он никогда не бывал там наверху, и люди, живущие в камне, а не, как он, на льду, были ему более чем подозрительны.

Коэн коснулся его руки, и тот взял себя в руки. Он охотно сел бы снова в лодку и отгрёб в открытое, безопасное море, но лодка принадлежала этому незнакомцу с железным посохом на плече, а не ему. Итак, он осторожным шагом ступил на лестницу, которая уже сама по себе казалась ему непониманием природы. Лишь лёд был изменчив и обновлялся, земля же была ненадёжна и расплывчата. Там наверху из камней росли сухие зелёные водоросли в человеческий рост — их нарочно выращивали, чтобы есть. А ещё там водились волосатые сухопутные рыбы. Он содрогнулся.

Они вместе поднялись по лестнице, и Коэн ощущал за спиной беспокойство своего спутника. Он стянул рукавицы, взял винтовку с плеча, снял её с предохранителя, передёрнул затвор и замер, направив ствол вперёд. Над ними в скале была вырублена терраса, а сама скала на некотором отдалении вновь обретала особый оттенок, словно там состояла не из твёрдого камня, а из непрозрачного стекла.

Они подошли к двери, осторожно толкнули её и вошли в длинный коридор, залитый пурпурным светом, который вёл в высокий зал. Коэн шёл впереди, но ледяной человек первым увидел сгорбленную фигуру белобородого старца, лежавшего у края огромной цветной стеклянной стены. Это был первый житель Каменного города, которого они оба встретили, и он был мёртв. Коэн осторожно коснулся его дулом винтовки, и верхняя часть тела мертвеца завалилась вперёд, на каменный пол.

Они сели рядом с мёртвым. Куда только их занесло, подумал Коэн. Они смертельно устали, но что, если они попали сюда к враждебно настроенным людям. Сейчас просто поспать несколько мгновений — не получалось. А если бы они просто присели на минуту у светящейся стены, с винтовкой на коленях, направленной на входы в зал. Может быть, всего на минуту. Глаза ледяного человека уже были закрыты. Он положил рядом с собой ручной топорик и тихо захрапел. Мелкие серебристые капли пота выступили у него на лбу.

Коэн осмотрел свою винтовку и убедился, что всё действительно больше не замёрзло; вообще, здесь, наверху, в зале, было в разы теплее, чем внизу, на лодке у причала. Он снял куртку, затем тунику. Что за странное место, подумал он. А то тёмное стекло, сквозь которое проникал солнечный свет? Он вынул несколько патронов из нагрудного кармана и аккуратно, наготове, положил их рядом с собой на каменный пол. «Отдохнуть совсем недолго», — подумал он.

Несколько часов спустя он проснулся от испуга и сразу же нашарил рукой свою винтовку. Она по-прежнему лежала там, вместе с патронами. Ледяной человек сидел в другом углу огромного зала и смеялся, окружённый хихикающими детьми. Это сбивало с толку: звуки отражались от стен и словно доносились отовсюду.

Маленькая девочка забралась на плечи ледяного человека и, хихикая, тянула его за уши. Он снял тунику и рубашку, потому что ему было невыносимо жарко, и теперь пот стекал по его обнажённому торсу, от грудины до самых бёдер покрытому татуировкой из концентрических кругов цвета ночной синевы. Он жестикулировал и строил гримасы, подбрасывал вверх крошечного мальчика, визжавшего от восторга, и снова ловко ловил его.

Коэн встал, потянулся и наблюдал за своим спутником и детьми. Он невольно улыбнулся и не мог вспомнить, когда делал это в последний раз. Небольшая крепкая женщина с лицом в шрамах вышла из одного из проходов ему навстречу и строго протянула ему руку. Она сказала, что её зовут Ут. Её взгляд упал на Рейда, лежавшего там мёртвого.

– Вы идёте с юга, со льда.

– Да.

– Старик мёртв.

– Да.

– Ты не ледяной человек. У тебя есть брови.

– Боюсь, да.

– Твой друг глухонемой.

– О. Этого я не знал. Представь себе, мы ведь никогда не разговаривали. Где мы, Ут?

– Ты этого не знаешь? Ты здесь не для обмена? Обычно люди с юга не сходят на берег. Они остаются внизу, у причала.

– Мне нечего предложить в обмен.

– Ясно. Как тебя зовут?

– Коэн.

– Ты не с юга, ты не похож на них. Но и не с севера. Ты колдун? У нас здесь есть ещё один, он недавно у нас.

– Ха! Нет. Точно нет. Мне нужно глотнуть. Дай мне что-нибудь выпить.

– Прости. Вот, возьми мою флягу.

– Я не о воде, а о шнапсе.

– Что это?

– Или что-то в этом роде.

– У нас есть водорослевое вино. Но сначала мне нужно за ним сходить.

– Водорослевое вино.

– Я его тоже не особенно жалую.

– Тогда я лучше возьму твою воду.

Ут наполнила чашу из тонкой каменной фляги, висевшей у неё на поясе, и протянула её Коэну, который выпил до дна. Он подумал, как хорошо она выглядит со своими снежно-белыми короткими волосами и шрамами на лице. Она была, правда, невысока, но выглядела куда мускулистее последней женщины, которую он видел, — той рыжей, кто она была, пекарша. Ему нравились её покрытые шрамами руки — узкие сверху, твёрдые, как железо, и усыпанные веснушками.

Дети продолжали играть с ледяным человеком. Но это уже сделалось грубой потасовкой, и Коэн увидел, что тому случайно выбили передний зуб, после чего его друг опустился на колени и беззвучно закричал, сжав кулаки по бокам. Да разве у этих людей не было детей? Такое случается в пылу грубой игры. Малыши испугались и отпрянули от него, после чего Ут поспешила к ледяному человеку, извинилась за детей, предложила ему воды и осторожно вытерла его окровавленный рот своим рукавом.

Коэн подождал, пока ледяной человек успокоится. Дети же потеряли к нему интерес и убежали в другую часть пещерной системы.

– Ут? Скажи мне теперь, где мы здесь находимся.

– Ты в Каменном городе.

– И вы нам не враги?

– Да. Мы не причиним вам вреда.

– Ты замужем?

– Что ты имеешь в виду, Коэн?

– У тебя есть мужчина?

– Нет.

– Партнёр?

– Насколько я знаю, нет.

– Я хотел бы быть твоим партнёром.

Ут едва не упала вперёд от смеха, это не было злой насмешкой, просто она никак не могла представить себя в постели с этим странным человеком с юга. Да и был ли он вообще с юга. Коэн смущённо опустил взгляд — он и не знал за собой такой внезапной робости. Она была прекрасна, когда так смеялась.

– Послушай, Коэн, я сейчас поднимусь наверх. Тебе стоит познакомиться с незнакомцем. Мне кажется, вы бы поладили.

Глава 14 ildr

Ильда поднялась рано утром, чтобы вместе с собакой осмотреть окрестности города. Уже несколько недель солнце растапливало большие глыбы льда, плывшие по морю. Правда, здесь никогда не бывало так тепло, как на её родине, но холод вполне можно было выносить, если как следует одеваться, а сегодня было даже почти тепло. Дни были долгими, и светало рано, а темнело поздно. Она была рада побыть наконец одной, без незнакомца.

Они с собакой отыскали самое высокое место утёса и после короткого крутого подъёма добрались до него. Резкий ветер пронизывал её распущенные волосы, которые к тому времени стали заметно длиннее. Отсюда, с высоты, взгляд далеко достигал южного моря, которое у горизонта становилось всё белее, словно там, в самой дали, не было ничего, кроме бесконечной ледяной глади. Какие же люди, должно быть, жили там, подумала Ильда, села и почесала собаку за ухом.

Она останется здесь навсегда. Она привыкнет к холоду, даже к зиме, чьей суровости она ещё не знала, но ничто не сможет заставить её уйти отсюда. Она найдёт работу, чтобы приносить городу пользу, и уже сегодня днём пойдёт к Ут спросить, где может пригодиться. Она огляделась; собака тем временем улеглась у её ног, давая ветру трепать шерсть, и время от времени поднимала голову, чтобы принюхаться. Её шерсть тоже отросла, подумала Ильда.

Чего бы ей тут не хватало. Деревьев, подумала она, и бабочек. Высокая трава, сквозь которую можно было идти поутру, покуда она ещё не просохла. В остальном — немногое. Возможно, её отец вернулся и не застал её дома. Ей следовало оставить ему записку о том, куда она ушла. Но тогда солдаты, возможно, нашли бы её. Ну да, солдаты и без того знали бы, что они бежали на юг. Вероятно, её отец давно был мёртв. Она плакала, когда он ушёл; теперь она уже не будет о нём плакать. Плащ из выдрового меха пригодился бы ей здесь, на юге. Чего же герцог хотел от незнакомца. Она всё ещё не знала его имени. Она думала о многом, что узнала от него. Если хорошенько поразмыслить, он, пожалуй, всё же был магом. А с ними нужно было держать ухо востро. Вздор, подумала она. Он всегда заботился о ней, защищал её и даже благополучно привёл сюда, в их скудную новую родину. Возможно, он стал немного странным со своей идеей, что последние несколько дней всё становилось всё более плоским, и она его не понимала, но он был её другом, тут ничего не поделаешь.

Её взгляд проследил за течением реки далеко на север. Каменная пустыня казалась отсюда бесконечной, приветливо желтея, она лежала на солнце. Где-то за ними простирались незримо и затаённо тёмно-зелёные леса её родины. Как же здесь было красиво, думала она. Отсюда, с высоты, ей было видно всё: вечные льды на юге, миллионы каменных плит, уходящих к северу под глубокой синевой неба, и реку, серебристо сияющую в утреннем солнце. Вот. Погоди-ка. Что это было.

Там, у самого горизонта, в водах Ливагара плясали крошечные чёрные точки. Они были едва различимы — так далеко они находились. Ильда приложила ребро ладони к бровям, чтобы защитить взгляд от солнца. Что бы это могло быть. Она замерла неподвижно, пока не поняла, чем были эти чёрные точки. Корабли.

Она бежала со всех ног вниз, к городу, а следом, не отставая, мчалась собака. Первый человек, которого она встретила, был рыбак в белой одежде, возвращавшийся с работы. Он уклонился от них, но она схватила его, встряхнула и закричала: Корабли, идут корабли! С севера! Рыбак пожал плечами и пошёл своей дорогой. Где же были сторожевые посты. Ильда побежала дальше вниз по большим каменным ступеням, собака лаяла, три женщины избегали её взгляда и быстро, с некоторой тревогой, уступали ей дорогу — молодая незнакомка, видимо, была не совсем в своём уме.

Первая большая зала была пуста, если не считать нескольких игравших детей; не было никого, кто пожелал бы её слушать. Где была Ут, где Рейд. Она вспомнила, что на поверхности у древка развевался зелёно-белый флаг, и снова взбежала по лестнице, подбежала к тому месту, и действительно, у флага стоял каменный ящик. Она подняла каменную плиту, взяла лежавшую внутри раковину и дула в неё изо всех сил, раз десять, раз двадцать, пока в глазах не потемнело, но из раковины не донёсся ни единый звук. Она опустила раковину и, обернувшись, увидела перед собой незнакомца.

– Ильда. Вниз по реке идёт корабль.

– Да! Откуда ты знаешь…

– Не важно теперь. Сколько осталось?

– Полдня. Возможно, чуть дольше. Несколько кораблей.

– Сколько ты их видела?

– Я их не считала.

– Идём со мной.

Вдвоём они подошли к возвышенному краю утёса, и там Ильда указала вдаль, но он, вместо того чтобы взглянуть, опустился на колени, достал очки из бокового кармана своей туники и осторожно вынул стёкла из оправы. Затем он взял широкую полосу кожи, приложил стёкла к её концам, свернул всё вместе и быстро обмотал концы тонким шнуром. Он поднялся, приставил сооружение обеими руками к глазу и посмотрел сквозь него в сторону верхнего течения реки. Собака лаяла как безумная.

– Четыре корабля. Нет, погоди, я насчитываю пять. Три меньших парусных судна и два больших. Наверное, всего человек сорок. Немного больше.

– И как ты только это различаешь? Покажи-ка!

– Держи один конец подальше от себя, а другой прижми к левому глазу, вот так. Правый глаз зажмурь.

– О-о.

– Ты видишь их?

– Но всё перевёрнуто. И совсем близко.

– Да, обычно в эту штуку вставляют ещё и зеркала.

– Что такое зеркало?

– Забудь. Полированный металл. Это сейчас не важно.

– На лодках их довольно много.

– И они будут здесь сегодня вечером. Это герцог.

– Я пыталась предупредить людей в городе, но никто меня не слушал.

– Мы должны идти к Рейду. Мы перехватим корабли.

– Скажи мне сейчас же, чего хочет от тебя герцог.

– Я не могу тебе этого сказать.

– Ты не можешь или не хочешь?

– Я полагаю, он думает, что я из другого мира.

– Что это значит? Что значит другой мир? О мире за ледяным морем?

– С другой планеты, с другой звезды.

– С неба?

– Да.

Ильда обернулась и посмотрела вверх по течению реки. Незнакомец становился всё страннее. Она хотела понять своего друга, правда хотела, но он не облегчал ей эту задачу.

– Какой вздор. Да как же это возможно — оттуда, сверху.

– Трудно представить, во что верит герцог. Предположим, я прилетел с другой звезды, столь далёкой, что её не видно даже ночью.

– Тогда ты был бы богом.

– Нет, прошу тебя, Ильда. Предположим, там жили бы люди, точно такие же, как здесь, но со временем они научились бы путешествовать к другим звёздам.

– Значит, летают. На машинах.

– Да, сквозь небо. Впрочем, небо это не светло-голубое и не облачное, а всегда выглядит так, будто ночь. И не только сквозь пространство, но и сквозь время. Вернее сказать, мимо времени.

– Это связано с теми измерениями, о которых ты мне рассказывал.

– Верно. Именно так.

– И потому он ищет тебя и спускается вниз по реке.

– Думаю, да.

– И угрожает своими солдатами этому городу здесь.

– Да.

– Значит, ты всё-таки уже встречал герцога.

– Нет. Да. Не напрямую.

– Этого я не понимаю. Почему ты не честен со мной?

– Хватит расспрашивать, пойдём со мной, пожалуйста. Мы должны предупредить остальных.

Он вставил оба круглых стекла обратно в оправу очков, и они вместе с собакой со всех ног побежали назад, вниз, в город. По пути он крикнул ей, что сам толком не знает, что ему жаль, что всё очень непросто и что сейчас им нужно прежде всего перехватить флот. Если бы им это удалось, тогда они могли бы поговорить обо всём остальном.

Внизу у реки они встретили Ут, и Ильда сбивчиво и многословно говорила с ней, так что та сначала ничего не поняла. Она размахивала руками и, вне себя, указывала на север: по Ливагару спускаются корабли, чёрт побери, лодки герцога. Наконец Ут поняла, крикнула им, что Рейд умер, и вместе они побежали к часовым, что дремали внизу, в тени моста, чтобы те затрубили в раковины.

Меланхоличные звуки ещё не отзвучали над равниной, а люди уже собирались наверху у лестниц — и мужчины, и женщины. Это были не те же звуки рогов, что при их прибытии, а куда более настойчивые, жалобные. Весть облетела всех в мгновение ока. Кто-то раздавал стёганые куртки, другие — копья, мечи, топорики и луки. Стрелы укладывали в колчаны. Все точно знали, что им делать. Не было вождей, которые выкрикивали приказы. Всё больше людей приходило защищать город. Некоторые были ещё совсем детьми. Несколько из них выкатили небольшие катапульты на оба берега реки и наполнили метательные ковши плотными кирпичами из ворвани. Другие бежали с оружием вверх по берегу реки, так быстро, как могли. Пауль удивлялся, что никто не отчаивался; казалось, все были готовы именно к этому мгновению.

Он попросил Ильду быстро спуститься в её комнату и принести пистолет. Собака побежала следом за ней. Он посмотрит, сколько зарядов ещё осталось, и даже если это лишь три или четыре пули, это всё равно лучше, чем ничего. Если бы только у них было достаточно патронов, подумал он. Тогда можно было бы, укрывшись, выждать, пока лодки подойдут достаточно близко, и затем расстрелять каждого из солдат герцога поодиночке. Он устал убивать, правда, но иначе было нельзя. Когда же всё это наконец кончится. Неужели он и вправду в этом виноват.

Глава 15 paul

Ут вбежала по лестнице с двумя мужчинами. Они были по пояс голы, на шеях висели грязные войлочные колпаки и снеговые очки из китовой кости. Первый был весь в татуировках, спереди у него не хватало куска зуба, бровей не было вовсе, и он казался нерешительным и неуверенным. «Вот это ледяной человек, — подумал незнакомец, — настоящий ледяной человек». Второй мужчина показался из-за спины первого. Он нёс винтовку и патронташ, перекинутые наискось через грудь и спину. Он, в свою очередь, увидел незнакомца и сразу направился к нему, ухмыляясь во весь рот и протягивая ему руки. Это был Коэн.

– Ты здесь.

– Борода тебе не идёт, Коэн.

– Тебе она тоже не к лицу. И у тебя появились седые волосы.

– Где? Правда? Ах да, точно.

– Где мы здесь?

– Твоя винтовка работает?

– Не знаю. Я её не проверял.

– Но у тебя есть патроны.

– Да, но они замёрзли. Смотри. И винтовка тоже.

– Сколько?

– Сколько чего?

– Патроны.

Коэн протянул мокрый карабин и отстегнул свой патронташ. Лёд давно растаял, и, казалось, с этой штукой всё было в порядке. Незнакомец одну за другой вытащил влажные патроны из патронташа и карманов и осторожно положил их на каменный пол. Их было, пожалуй, около сорока.

– Зачем тебе винтовка?

– Видишь вон ту реку? Герцог идёт вниз по реке с солдатами, на кораблях, Коэн, — разрушить этот город и перебить его жителей.

– И ты думаешь, одного карабина достаточно?

– Ты правда не знаешь, где мы находимся?

– Нет. Понятия не имею. Я добрался с шельфового льда на вёсельной лодке, плыл много дней, с тем глухонемым.

– Здесь всё симметрично, более или менее. Пропорции здесь выверены. Они делят всё между собой, не едят мяса и мастерят чаши из камня. А у них есть только луки и мечи.

– А те, что на реке?

– Тоже.

– Винтовок нет?

– Только она у тебя и есть.

– Я ещё никого не застрелил.

– Коэн…

– Я не могу этого сделать. Это неправильно.

– Ты не знаешь, каков герцог.

– Кто?

– Тот человек на корабле. Он очень скоро будет здесь.

Ильда вернулась наверх с собакой, зажав мешок под мышкой. Сначала она испугалась двух новоприбывших, выглядевших поистине устрашающе — грязных и оборванных. Но потом она заметила, как близки её друг и этот мужчина без татуировок. На это было удивительно смотреть. Ильда невольно улыбнулась. Ей казалось, что эти двое знают друг друга с начала времён.

Ут сказала, чтобы все вместе с остальными шли к своим берегам. Лучше всего, если Коэн, Ильда, ледяной человек и незнакомец останутся вместе и пойдут вверх по левой стороне — там есть место, где нижний Ливагар делает небольшой изгиб, и там у них будет несколько камнеметов. Цельтесь из них в виски или в глаза, — сказала Ут, — но в любом случае в голову. Она сама побежит вверх по правой стороне, там уже стоят катапульты с зажигательными снарядами. И затем она побежала.

Ильда вынула из мешка керамический пистолет и выставила его перед собой. Незнакомец снова поднял патроны с земли, ссыпал их в мешок и взял винтовку Коэна; глаза у Коэна расширились, когда он узнал белый пистолет Ильды. Он сразу вспомнил, что видел эти отдельные листы — инструкцию к этой штуке, — но сейчас это, возможно, уже не имело значения: нужно было бежать, быстро вверх по берегу реки, он должен был доверять своему другу, тот был здесь дольше.

Ледяной человек, судя по всему, привык к каменной, твёрдой поверхности мира или по крайней мере смирился с ней. Он вытащил свой топорик, заткнул одну из пращей за пояс и огляделся с мрачной решимостью. Вчетвером они спустились с невысокого холма к левому берегу реки, лающая собака неотступно следовала за ними по пятам.

Корабли теперь были видны совсем отчётливо. Первый корабль, возможно, опережал остальные на полчаса. Он поднял белый передний парус и вспарывал реку, идя вниз по течению. Теперь можно было ясно разглядеть людей на борту. Солдаты в полном вооружении, копья, знамена. Они слышали, как мужчины на борту выли и кричали от радости. Достигнув Каменного города спустя столько поколений и теперь готовясь завоевать его.

Рой стрел поднялся с правого берега, описал в воздухе дугу и обрушился на лодку. Воины подняли кожаные и деревянные щиты, и стрелы бессильно застряли в них. Насмешливый хохот. Якоря были выброшены за борт.

Но теперь каменноградцы метнули с катапульт несколько зарядов горящей ворвани, которые шлёпнулись о парус и мгновенно воспламенили его. Солдаты черпали из реки вёдра воды, чтобы погасить горящее полотно, но от этого стало только хуже. Жгучая, маслянистая ворвань разлилась по палубе, по щитам воинов и их телам. Одни в панике кричали и срывали с себя горящую одежду, другие в тяжёлых доспехах прыгали в воду и тонули.

Когда подошедшие корабли достигли горящей лодки, незнакомец лёг плашмя на живот, передёрнул затвор карабина, прицелился в одного из солдат, который с исполненным ненависти лицом стрелял стрелами в тех людей на берегу, что обслуживали катапульты, и нажал на спуск. Раздался громкий хлопок, и солдат, смертельно поражённый, упал лицом в воду.

Пауль выстрелил ещё два раза в другого солдата, промахнулся и быстро пересчитал в уме оставшиеся патроны. Один из детей у катапульт жалобно вскрикнул, когда копьё пронзило его прямо в живот. Теперь горели два из пяти судов, третье только начинало гореть. У солдат не было ни единого шанса. Смертоносные ливни стрел обрушивались на них один за другим, их горящие щиты были бесполезны. Незнакомец раз за разом нажимал на спусковой крючок карабина и перезаряжал, пока Ильда рядом с ним стреляла из керамического пистолета. Среди солдат вспыхнула животная паника, ведь они не могли защититься ни от колдуна, ни от смертоносных раскатов грома, доносившихся с берега. Один за другим они падали, сражённые, в воду, остальных настиг ливень стрел.

Теперь горели все корабли, кроме самого большого, на котором, очевидно, находился сам герцог: на грот-парусе был красный круг. Десятки тел плыли вниз по реке, обугленных дочерна и утыканных стрелами. Пауль и Ильда всё ещё стреляли, хотя пистолет девушки должен был уже опустеть. Вода реки окрасилась в красный от крови. Громкое и жалобное ржание донеслось до них, и Коэн увидел, как чёрная лошадь с широко раскрытыми, обезумевшими глазами прыгнула с одного из горящих кораблей в воду, и он, не колеблясь, вошёл в реку, не обращая внимания на копьё, едва не задевшее его, добрался до плывущей лошади, схватил узду и вытащил животное за собой на берег.

Собака заходилась лаем, и бедная лошадь снова впала в панику, сорвалась, сперва дико закрутилась на месте, а затем затрусила обратно в мелкую воду. Коэн уже занёс ногу, чтобы пнуть собаку, как Ильда навела на него пистолет. Он остановился и поднял руки в примирительном жесте: да, да, он всё понял. Лошадь, опустив голову, вернулась на берег и позволила Коэну спокойными словами увести себя в безопасное место.

Незнакомец увидел, что у него осталось ещё пять или шесть патронов, выстрелил и попал ещё раз, затем на воде наступила тишина. Большой корабль герцога сел на скалу посреди реки. Со всех сторон в жуткой тишине поднимался чёрный дым горящих кораблей и лодок. Чайки покинули небо. Серые тучи наконец затянули небо — первые за многие недели, — и тёмный маслянистый дым смешался с ними, тяжко нависая над землёй.

Незнакомец плыл сильными гребками. Ильда, не умевшая плавать, вцепилась в его плечо. Они поднялись по якорной цепи. Пауль ухватился за борт и вздрогнул, словно один из швов на его спине разошелся. Он с трудом перевалился через борт. Сначала никого не было видно. Ильда тоже поднялась на палубу и указала назад.

Там, на кормовой палубе, на спине лежал солдат; из его глазниц торчали две стрелы — усики нелепого мертвого насекомого. Рядом с ним на боку лежал герцог, опираясь на предплечье. На лице его была золотая маска. На его обритой наголо голове виднелись безобразные гнойники, сочащиеся жёлтым гноем. Незнакомец снял с плеча винтовку и попросил Ильду высматривать всё на самом носу судна и не идти за ним. Затем он, сжимая в правой руке винтовку и держа палец на спусковом крючке, направился к герцогу, который смотрел на него сквозь прорези маски, с застывшим в глазах смертным страхом. Незнакомец сел перед ним.

– Ты знаешь, что это здесь такое?

– Да. Страшный посох, который убивает с хлопком.

– Тогда ты знаешь, что я могу без труда и очень быстро тебя убить.

– Да.

– Ты сейчас скажешь мне, почему ты меня ищешь. Зачем ты пришёл сюда, на юг, со своими кораблями и людьми.

– Это лишь справедливо. Ты убьёшь меня?

– Это зависит от твоих ответов.

– У меня Жёлтая смерть.

– И почему же ты тогда ещё жив?

– Несколько дней назад на землю упала маленькая звезда.

– Да. Мы это тоже видели.

– Я поскакал со своими солдатами, с теми, кого не тронул мор, к месту крушения.

– Ну?

– Вокруг на большом расстоянии всё было уничтожено, деревья и кустарники выжжены. Земля была чёрной. В глубокой яме, края которой ещё дымились, лежал круглый железный шкаф. Я спустился вниз и вместе со своими людьми взломал дверь.

– Что там было внутри?

– Ты правда хочешь это знать?

– Скажи мне это сейчас же, или я убью тебя вот этой штукой.

– Ты мне не поверишь.

– Скажи это.

– Ты лежал в нём.

– Этого не может быть.

– Да, так и было. Клянусь. Ты лежал в нём, свернувшись клубком, нагой, и был мёртв. И рядом с тобой лежал мешок, совсем похожий на тот, что сейчас при тебе. Я заглянул внутрь и достал лекарство.

– Белый порошок.

– Да. И это я съел.

– Ты просто так проглотил какой-то порошок, упавший с неба в шкафу?

– Мне нечего было терять.

– Тебе стало лучше.

– Да. Словно чудом, шишки зажили, а опухоли спали.

– Но это длилось недолго. Ты снова заболел.

– Именно так.

– И потому ты искал меня, чтобы получить ещё лекарства.

– Да.

– Но ты же сам видел, как я лежал там мёртвый.

– Мне донесли, что другой, похожий на тебя как две капли воды, бежал на юг вместе с девушкой. Я думал, это твой близнец или какое-то иное нечестивое колдовство. Но я должен был получить порошок, чего бы это ни стоило.

– И поэтому ты напал на этот город, из-за меня.

– Многие поколения моих предков стремились взять Каменный город. Такова судьба Твиотов. Ещё никто не сплавлялся по Ливагару на кораблях — все гибли у каменной пустыни.

– И ты думал, что сможешь найти меня и заодно взять город. И исцелиться. Хотя действует это лишь недолго.

– Ради лишнего дня, лишней недели жизни всё это стоит того.

– И вот теперь все твои солдаты мертвы. Твои корабли сгорели. Твой конь теперь у Коэна. Это бессмысленный конец твоего идиотского правления.

– Дай мне лекарство, пожалуйста.

– Нет.

– Я прошу тебя.

– Нет.

– Я умоляю тебя.

Слёзы выступили в прорезях маски и потекли вниз, отливая золотом. Незнакомец не знал, смеяться ли ему или содрогаться от такого убожества. Герцог осторожно взялся за маску с обеих сторон, стянул её с лица и опустил руки. Незнакомец увидел лицо, изуродованное мором. Нос герцога сгнил, и посреди лица зияла лишь зловонная дыра. Белки его глаз были жёлты, как жёлток, а щёки покрывали гнойные, изрытые, словно карсты, наросты.

Незнакомец не был жестоким человеком. Он запустил руку в свой мешок, вытащил последний из маленьких пакетиков, высыпал содержимое в ладонь герцога и поднялся, чтобы снова сойти на берег. Герцог набил рот порошком и слизнул его с ладони пожелтевшим языком.

– Спасибо, маг! Благодарю тебя! Я дарю тебе свой корабль, слышишь? Я дарю его тебе!

– Ты не можешь его подарить. Он больше не твой.

И незнакомец отвернулся, чтобы уйти. Он взглянул вверх, на солнце, и прикрыл глаза ладонью. Под облачным небом пронзительно кричали чайки. В это мгновение герцог запустил руку под плащ, выхватил скрытый арбалет, прицелился и выстрелил. Маленький болт со свистом прошёл вплотную мимо незнакомца и угодил Ильде, стоявшей поодаль у поручней, прямо в грудь.

Она смотрела в полном изумлении, словно не веря своим глазам, прижала ладонь к тому месту, где стрела исчезла в её теле, вопросительно взглянула на незнакомца и затем упала на колени. Он обернулся, ударил герцога прикладом в изуродованное лицо, уронил оружие и побежал к девушке, стоявшей там на коленях на палубе, слегка склонив голову набок. Он сел рядом с ней и взял её руку в свою.

– Ильда. Лежи совсем тихо. Не двигайся.

– Значит… вот что ты тогда чувствовал. Как же больно.

– Я знаю. Без тебя я бы умер. Ты исцелила меня.

– Это я делала с удовольствием.

– И ты мне дорога, Ильда.

– Ты снова сделаешь меня здоровой?

– Не думаю, что смогу.

– А если ты вскипятишь воду?

– Даже тогда нет.

– Тогда хоть скажи, как тебя зовут.

– Пауль.

– Пауль, Пауль. Что это за имя?

– Ты всегда много спрашивала.

– И?

– У меня нет для тебя имени лучше.

– Я думала, у такого великого мага, как ты, имя будет красивее. Но теперь ты наконец подарил мне его. Пауль.

Ильда мучительно закашлялась, морщась от боли, и тонкая струйка крови потекла у неё из носа. Пауль прикусил костяшку кулака, чтобы не заплакать.

– Присмотри, пожалуйста, за собакой.

– Ледяной человек хочет забрать её с собой, к себе, на юг.

– Это хорошо. Пауль?

– Да.

– Когда меня не станет, ты построишь себе летательную машину?

– Да.

– И ты полетишь на ней?

– Разумеется.

– Опиши мне мир сверху.

– Леса и всё вокруг крошечное, люди ростом с малых насекомых, видно, как они мечутся, всполошённые. Сверху это красиво, всё ясно и просто. И море сплошь синее, как небо. А с ещё большего расстояния эта звезда — как синий осколок стекла. Словно светлый стеклянный шарик на бесконечном тёмно-синем шерстяном одеяле.

– Мы живём на звезде?

– Да, Ильда.

– И почему же мы тогда не сгораем?

– Это остывшая звезда.

Она поняла, кивнула и кашлянула кровью. Он поддержал её затылок ладонью, сглотнул и глубоко, дрожа, выдохнул.

– Ильда. Я буду видеть тебя во сне.

– Да.

Пауль снова взял её за руку. Она улыбнулась, и взгляд её устремился за борт, мимо него, словно она видела что-то там, вдали, по ту сторону неба. Он взглянул ей в лицо, накрыл ладонью её застывшие глаза и заплакал.

Глава 16 ildr

Они похоронили Ильду в южном море, завернув её в белый войлок и кожу, внизу у лодочного причала, на виду у водопада. Пауль завернул вместе с ней белый керамический пистолет, которым могла пользоваться только она, — для её защиты в мире ином. Ут напевала старинную песню, скрестив руки на груди. Больше никакой церемонии не было, не прозвучало ни единого слова.

Закутанное тело девушки плыло по поверхности воды в открытое море, к синим айсбергам, и они долго стояли там, глядя ей вслед, пока ничего не стало видно. Затем они медленным шагом поднялись по бесчисленным ступеням обратно в город, в последний раз коснулись обсидиановых окон, простились и много дней плыли на большом корабле герцога вверх по Ливагару под ясным осенним ветром.

Над ними в небе стаи гусей тянулись на запад клином. Чёрную лошадь привязали на кормовой палубе после того, как они смыли кровь и сажу водой из каменных сосудов. Коэн настоял на том, чтобы лошадь отправилась с ними далеко на север. Лошадь не желала есть сушёные водоросли, но ни травы, ни сена не было, и она всё больше худела. Коэн не отходил от неё и днями спокойно твердил, что на севере они найдут зелёные луга. Лошадь была жестоко избита и заклеймена в Твиоте и не доверяла людям, лишь Коэна подпускала к себе.

Ут и многие жители Каменного города отправились с ними, мужчины и женщины, и они налегали на вёсла, когда ветра не хватало, чтобы идти галсами по реке. Они хотели увидеть север, свою старую, зелёную, давно забытую родину, теперь, когда герцог был мёртв. Вечером они пели низкими, чистыми голосами песни о воде и камнях, и голоса затихали вдали. Ночью они становились на якорь посреди реки и перед сном слушали, как Ливагар, журча, спокойно и безупречно струился мимо них, и звуки воды поднимались к ним в тишине. Коэн спал вплотную к лошади. Далёкие звёзды оберегали их.

По утрам часто поднимался туман, так как дни теперь становились холоднее, и парусник исчезал в нём. Порой были видны лишь борта, затем только белый грот на мачте, наконец — красный круг герцога, а потом исчезал и парус, словно поглощённый клубами тумана. Пауль и остальные направили судно к восходящему солнцу, ложась галсами то влево, то вправо, неизменно к северу. К полудню солнце выжигало туман и бережно гнало облака к западу, покуда над ними в высокой синеве вновь не начинали летать бессчётные жаворонки, — то были дни, подобные алмазу.

Спустя десять или пятнадцать дней они достигли поросших зеленью берегов Северной земли. Однообразные, привычные каменные плиты, сулившие безопасность и постоянство, мало-помалу исчезали, и взору заметно взволнованных людей на борту открывался теперь по обе стороны пышный и буйно разрастающийся мир изобилия и буйного роста. Деревья и кустарники во всех оттенках зелени. Певчие птицы, пчёлы, саламандры, лисы — все организмы, которых южане на протяжении поколений отвергали как недобрые, как уродливые порождения опасного для них мира. Даже Пауль, проведший лишь несколько дней в аскезе юга, по-прежнему находил поросший берег и бесконечный лес за ним неопределёнными, болезненными и жутко избыточными.

Мужчины и женщины направили судно на хрустящую прибрежную гальку, спрыгнули на берег и осторожно опустились на колени, словно не доверяя прочности земли. Пауль помогал соорудить из валявшихся вокруг стволов и веток сходни, а Коэн свёл вниз исхудавшую до костей лошадь, показал ей луг и отпустил её на волю. Она совсем осторожно легла и снова и снова каталась по траве, прежде чем наконец принялась есть.

Пауль и Коэн собрали веток, сколько могли унести, и разложили из них большой костёр. Чужестранцам доставляло радость вновь и вновь подкладывать новые дрова; в этом расточительном обращении с органическим топливом было нечто освобождающее. Вечером, когда был сооружён навес из листвы, стволов и ветвей, набежали чёрные тучи, начался сильный и затяжной дождь, и огонь погас.

Жители Каменного города не знали таких потоков воды: на юге при штормовых ветрах летели лишь брызги, или падал сухой снег, или же на несколько мгновений набегали мелкие ливни. Но тот проливной тёплый дождь длился всю ночь, и южане лежали, скорчившись и несчастные, в своём временном укрытии. Лишь лошади это было нипочём: она беззаботно стояла на лугу и ела, пока дождь стекал с её дымящейся спины. Пауль и Коэн сидели вместе, промокшие насквозь, и до поздней ночи тихо говорили о том, куда теперь идти.

Следующее утро было ясным и светлым, дождь прекратился ещё до рассвета. Солнце сияло, и как великолепно оно сияло. Полевые жаворонки с шорохом проносились сквозь берёзовые рощи и будили людей своими уверенными трелями. Пауль уже давно не спал, стоял чуть поодаль и делал зарядку — или то, что он за неё принимал. Коэн простил себе свои слегка неловкие попытки сблизиться с Ут. Он насвистывал мелодию, раздеваясь, и повесил свою мокрую одежду на дерево сушиться. Затем он, раздетый до рубашки, подбежал к лошади, которая не убежала и всё ещё паслась там. На вид она была почти как прежде. Хорошо бы у неё не было колик, подумал он. Она повернула к нему голову и фыркнула, и Коэн благодарно подставил ладонь под мягкие ноздри.

Они расстались с жителями Каменного города. На это ушло всё утро. Пауль указал им примерное направление к деревне Гоц. Там, возможно, в двух днях пути к юго-востоку, сказал он, они найдут покинутые людьми каменные дома, в которых смогут некоторое время жить. Им лишь следовало заранее собрать здесь, в лесах, ягоды, грибы и хворост, наловить рыбы и затем закоптить её в Гоце. Там, на границе с каменной пустыней, почти ничего нет, но дома построены прочно и добротно, и больше не нужно никого бояться, даже Жёлтой смерти.

Было отрадно видеть, что возвращающиеся с юга быстро привыкали к здешнему органическому изобилию. Было почти так, будто Север был их исконной родиной, будто они уже забыли аскетический край света там, внизу, у ледяного моря. Некоторые из них часами бродили по лесам и ложились в тени берёз на влажный мох. Воздух был полон красных облаков бабочек — крупных жёлтых, мелких голубых. Их окружало усыпляющее пение полевых жаворонков, и дятел долбил отверстие в дереве. Они собирали тутовые ягоды с колючих кустов, сколько могли съесть и унести, и смеялись друг над другом, когда фиолетовый сок стекал у них по подбородку.

Хотя они ещё не знали этого, им предстоял конец вековых отречений, ведь они останутся здесь, наверху, а когда придёт срок, снова поплывут на корабле вниз по Ливагару и поведают остальным жителям Каменного города о новом мире.

Они больше не будут делать чаши из камня, думал Пауль, а из глины, высушенной у огня. Люди быстро отвыкнут от морской капусты — перейдут на тутовые ягоды и жареные птичьи яйца с грибами, и хотя ему было жаль их опрятную цивилизацию, так было хорошо и правильно. На берегу реки прощались друг с другом. Ут пошла с ними, и они взяли друг друга за предплечья на прощание и посмотрели друг другу в глаза. Пауль был печален и подарил Ут свои очки. Коэн испытал облегчение, глядя, как они уходят.

Они двинулись на север, к горам. Пауль пытался игнорировать странное, грызущее его чувство, что мир постепенно становится плоским. Он вспомнил, что каменноградцы некогда рассказывали об исполинском горном массиве, лежащем далеко к северу от герцогства. Это было одно из немногих их преданий: там, наверху, за лесами и лугами, простирался мир льда и снега, и там люди жили в каменных горных твердынях и поклонялись доброй богине.

Иногда Коэн ехал верхом на своей лошади, но чаще молча шёл рядом с Паулем, который с улыбкой принял, что лошадь подпускает к себе только его друга. Леса, которые они пересекали, были глубоки и, главное, непостижимы. Совы перекликались над их путём. Однажды они из последних патронов подстрелили фазана, вспорхнувшего перед ними, и вечером зажарили его на костре, но мясо оказалось старым и затхлым.

Коэн становился всё более рассеянным, хотя и старался поддерживать разговор с Паулем. Однажды вечером они сожгли в своём костре карабин, ставший бесполезным без патронов, а на следующее утро закопали в лесу оставшиеся в пепле металлические части — ствол, затвор, корпус и спусковой крючок.

Наконец они вышли на дорогу, свернули направо и вскоре увидели крепость Твиота, тёмную и пустую, вздымавшуюся ввысь. Это было ужасное зрелище: несколько виселиц окружали высокую крепость, и на них в вечернем ветру покачивались скелеты. Груда костей была растянута верёвками поперёк деревянного колеса для колесования, поставленного там у обочины. Пауль вспомнил жалкий конец герцога на корабельной палубе и то, что здесь теперь никто не жил. Они недолго размышляли, не остаться ли в замке на несколько дней, но затем им показалось, будто в этом месте обитают зловещие тени. И всё же они вошли по подъёмному мосту, всё было для них открыто.

Внутри повсюду царила холодная сырость и гнетущая тяжесть, ощутимая под кожей, словно сами стены были воплощением мук и насилия, что вершились отсюда именем герцога. Большие очаги были пусты, лишь в середине чернели обугленные поленья. Они огляделись и в конце коридора увидели Терновую башню. Лишь немного дневного света проникало сбоку пыльными лучами. Пауль поднялся по многочисленным лестницам, что внутри спиралью вели к потолку, сквозь спутанную чащу игл и шипов, чьи острия были покрыты запёкшимися коростами крови.

На самой вершине, на головокружительной высоте, в конце балюстрады он нашёл дверь, ведущую наружу, на нечто вроде смотровой площадки, и глубоко выдохнул и вдохнул. Оттуда он видел, как простираются окрестные земли. Картина. Зелёные леса и равнины герцогства, серебристые ручьи и озёра и совсем далеко на северном горизонте — предчувствие медленно вздымающейся к небу серо-голубой гряды холмов. Он думал об Ильде и о том, как ей хотелось бы стоять здесь, чтобы увидеть мир сверху.

Внизу, в соседнем зале, где по стенам висели знамёна и гербы, Коэн взял брошенные доспехи, пришедшиеся ему по душе, и длинное копьё, и оба собрали смоляные факелы и несколько тяжёлых шерстяных одеял для путешествия в горы далёкого севера. Они взяли с собой ещё несколько небольших мешков ашданне, бочонок пива и сушёные бобы. Пока Пауль запускал руку в мешок с бобами, он заметил, что трудно поверить, будто на юге он в самом деле скучал по вкусу ашданне, но Коэн, не знавший этого овоща, пожал плечами. Ему было всё равно, что есть: если еда была, он ел, если нет — оставался голодным.

Снова на открытом воздухе они навьючили лошадь и покинули это мрачное место. Быть может, каменноградцы переберутся сюда, если Гоц покажется им слишком скудным. Тогда они разобрали бы виселицы и колесо для колесования. Хорошо бы южане, поселившись здесь, остались порядочнее. Коэн пробормотал, что люди снова разучатся быть бескорыстными.

Они шли по дороге, пока не зашло солнце, затем сделали привал под яблонями, развели небольшой огонь и поджарили ашданне. Они нарвали к тому же несколько яблок и положили их на плоский горячий камень рядом с огнём, чтобы те испеклись в кожуре. но он сбился с пути. Вероятно, они находились совсем в другом месте, и к тому же дом наверняка сожгли из мести, когда в нём нашли мёртвых солдат.

Коэн теперь почти совсем не говорил, лишь тихо — со своей лошадью. Паулю казалось, что в последние дни не только глаза его друга были омрачены — вся его осанка казалась какой-то неправильной и неестественной. Он положил руку ему на плечо, и Коэн отшатнулся.

– Скажи. Ты чувствуешь боль?

– Нет. Оставь меня.

– Ты ранен.

– Ты не убедишь меня, что ты маг или великий целитель. Просто оставь меня.

– Сюда, иди. Покажи-ка.

Пауль вновь мягко коснулся его плеча и затем с великой осторожностью приподнял спереди рубашку Коэна. Он сильно исхудал. На правой стороне его впалого живота была покрытая коркой, гноящаяся рана, сочащаяся по краям жёлтым и чёрным, величиной с ладонь Пауля.

– Боюсь, у меня больше нет антибиотиков.

– Я знаю. Ты отдал всё до последнего этому нелепому герцогу.

– Как это произошло?

– Внизу у реки, у Каменного города. Когда я вывел лошадь из воды. Арбалетный болт, полагаю. Я вытащил его ночью, когда все спали.

– А ты неделями не подавал виду.

– Нет.

– Смотри, швы разошлись.

– Я знаю.

– Кто же это зашил?

– Ут. На корабле.

– Боже мой, почему же мне никто ничего не сказал?

– Это сейчас неважно.

– Нет, Коэн, потому что рана теперь воспалилась?

– Ещё несколько дней назад всё было в порядке.

– Ты можешь ехать верхом?

– Пожалуй, да.

– Тогда с завтрашнего дня ты больше не будешь ходить пешком.

– Да.

– Потому что нам нужно в высокие горы.

– Я хотел бы ещё их увидеть. Боюсь, что не дойду.

– Идём, мой друг. Я помогу тебе.

Горы вырисовывались в вечернем свете, десять миль в высоту, покрытые снегом, тёмно-фиолетовые и остроугольные под грядами облаков, нагромождённых у горизонта, словно растаявших. Перед двумя друзьями ледяная вода струилась сквозь траву вниз по холмам. И вновь мир оказался плоским, словно нарисованным. Коэн сидел на своей чёрной лошади, опустив плечи. Он носил доспехи, которые он нашёл в крепости герцога, и копьё за плечом. На острие её висел лоскут давно истлевшего красного знамени. Он вцепился в копьё, так как рана причиняла ему невыносимую боль.

Страшная тяжесть и усталость окутывали его. Вновь и вновь поводья выпадали у него из рук. Было поздно, он испытывал боль, солнце уже почти зашло. Оставшийся край неба был оранжево-красным, скоро наступит ночь. Пауль, одетый в белую рясу, капюшон которой глубоко закрывал его лицо, шёл впереди Коэна, указывая ему путь в горы. Куда же они шли. Кто же они были.

Глава 17 paul

Картина маслом с Мерлином и Ланселотом висела теперь не в доме Пауля в Стромнессе, а на стене спальни в Барнхилле. Там была стена — заплесневелые, покоробившиеся обои в цветах, там была кровать с голым тонким матрасом в серую полоску, вся комната. Теперь вниз по простой, выкрашенной белой краской деревянной лестнице, кухня, гостиная, старая лампочка там, на потолке, на чёрно-белом полосатом шнуре, обтянутом тканью, — электричества давно уже нет, десятилетиями нет электричества, вот уже восемьдесят лет нет электричества. Окно распахнуто, лёгкие, как туман, газовые занавеси мягко колышутся туда-сюда, а там, снаружи, — луг. Лошади, одичавшие, под дождём. Цветущие вересковые поля, розовые и лиловые, куда ни глянь. А на той стороне пролива — материк.